[Anwesen der Riddles] Die Stube

  • Oh scheiße. Ambrose' Augen weiteten sich noch einen kurzen Augenblick, dem berühmten, klaren Moment, bevor man realisierte, was man gerade getan hatte, dann setzte der brennende, reißende Schmerz in seinem Unterarm ein und er schrie. Jeder, der behauptete, es nicht getan zu haben, war ein gottverdammter Lügner und der einzige, schwache Trost in dem Moment, in dem rüde Flüche über seine Lippen kamen, war, sich vorzustellen, wie Kavanagh und Mulciber hier ebenso winselnd hingen, wie er es gerade tat. Jedenfalls...so weit eigenen Gedanken nachzugehen überhaupt möglich war. Sein Arm zuckte unter dem festen, stählernen und eiskalten Griff seines Gegenübers, doch die bleichen Spinnenhände bewegten sich keinen Millimeter. Der Umstand, dass in dem ausgemerkelten, schwach wirkenden Mann immer noch so viel Kraft steckte, ließ ihn noch gruseliger erscheinen, als er es sowieso schon tat. Wäre er jetzt bei klarem Verstand gewesen, hätte er vielleicht hinterfragt, wieso er in den letzten Tagen die ganze Zeit nur Schmerzen litt, wenn es um diese Angelegenheit hier ging, doch zum Glück war sein Hirn von Schmerz vernebelt und das einzige, das er zu denken im Stande war, war, dass er das hier noch bereuen würde. Ganz sicher würde dieser Moment für sein späteres Leben noch Konsequenzen haben, wahrscheinlich würde er derjenige sein, der irgendwann in Askaban landete und von einem Dementoren geküsst wurde, weil er immer der Gearschte war – dass nach Askaban in ein paar Monaten jemand anderes wandern sollte, konnte er zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wissen. Sicher war nur, dass das Dunkle Mal, das sich, ähnlich verlaufender Tinte, auf seinem linken Unterarm ausbreitete, Konsequenzen für sein Leben haben würde, die er sich jetzt noch nicht vorstellen konnte; und dass kurzfristig angesetzte Tête-à-Têtes so nicht mehr zu bewerkstelligen waren.
    Der ehemalige Slytherin wusste nicht, wann seine Stimme abgebrochen war und aus seinem Schreien ein unterdrücktes Würgen geworden war, um sich nicht länger die Blöße geben zu müssen; er wusste nicht mehr, wann er mit glasigen, zum Teil schmerzenden Augen zum letzten Mal in das fahle Gesicht des Dunklen Lords geblickt und kein Wort mehr herausgebracht hatte; wann er geschluckt hatte, um seinen Hals zu befeuchten und doch noch etwas sagen zu können, damit man ihm keine Feigheit anhängte. Oh, er würde Mulciber sowas von aufs Maul geben, wenn er ihm das nächste Mal begegnete. Er wusste nur noch, dass er irgendwann wieder vor dem dunklen, verfallenen Anwesen gestanden, auf die schwach schimmernden Lichter des Ortes den Hügel hinunter gesehen und sich gefragt hatte, in was er sich da eben hineingeritten hatte.


    // Ende!

  • Samstag, 05.01
    gegen Abend
    kurz nach Sonnenuntergang
    @Lord Voldemort


    Unter den Schritten der schwarz gekleideten Gestalt knackten schmale Äste und hinterließen leises Rascheln des restlichen, feuchten Laubes, welches vom säuselnden Wind über den erdigen Weg verteilt wurde. Der Blick von Bartholomew heftete sich an das alte Gemäuer, in welches er für heute bestellt wurde. Mit seinen durch Nervosität verschwitzten Händen griff er nach dem dunklen Umhang auf Höhe des Kragens und richtete diesen noch ein letztes Mal, während er vor dem Grundstück auf der Stelle verharrte. Für einen kurzen Augenblick schien es als hätte seine Ehrfurcht ihn übermannt und seine Beine erstarren lassen, während er es nicht einmal wagte zu blinzeln, um den Blickkontakt zu den Fenstern des Hauses nicht zu unterbrechen. Lediglich das Krächzen eines Unruhe stiftenden Rabens zu seiner Rechten unterbrach die Stille zwischen den zischenden Windböen und sorgte für das kurzzeitige Lösen seines Blickes vom Gebäude. Es gab nicht allzu viele Zauberer auf der Welt, welche den sonst so ruhigen, distanzierten, geschäftigen Herren aus der Fassung bringen konnten. Es musste immer einen triftigen Grund geben ein bestimmt Zauberer aus seinem Gefolge zu sich zu rufen. Alleinig der Gedanke ihm unter vier Augen gegenüber zu stehen erweckte einen kalten Schauer, welcher sich langsam von Nacken über den Rücken zog. Dies würde das erste Mal sein, dass er vollkommen allein mit ihm war - wenn er dann keine weiteren Personen zu sich gerufen hatte. Viel zu viele Gründe ausgerechnet ihn an diesen Ort zu beordern kamen Mister Peasegood Senior in den Sinn. War es eine Ehre oder doch ein Gang zu seinem eigenen Grab, welchen er an dieser anbrechenden Nacht bestritt. Gäbe es einen Grund über ihn zu richten? Oder erhielt er letzten Endes nach all seinen Bemühungen die Aufmerksamkeit des Lords zu erhaschen und die anderen Todesser in seinen Schatten zu stellen seine Belohnung? Erschuf einer seiner Aufträge einen Anlass für dieses Treffen oder womöglich Personen, die er um sich gescharrt hat? Er könnte sich nicht entsinnen einen Fehler begangen zu haben, welcher den Lord verstimmen und einen Anlassen gäbe sollte, gegen sein treuen Anhänger zu agieren. All die letzten Monate handelte er mit voller Hingabe für sein Ziel, damit er dieses Mal siegen würde und Bartholomew auf der Seite des Gewinners überlebte. Sein Sieg wäre gewiss. Doch weder auf die einen noch der anderen Vermutung durfte sich der Todesser versteifen. Er würde in wenigen Augenblicken den Anlass in Erfahrung bringen. Seine Furcht war vollkommen begründet, ebenso seine Nervosität, doch gäbe es keinen Grund darüber zu spekulieren was dort hinter den Fassaden der Villa geschehen würde. Der Dunkle Lord würde seine Gründe haben und ebenso Berechtigungen für seine Taten. Die Zweifel an seinem Erscheinen wurden heruntergeschluckt, seine versteifte Brust mit einem tiefen Einatmen frischer, kalter Luft weitestgehend gelockert und neue Fassung geschöpft, woraufhin er einen weiteren Schritt vorwärts setzte und seinen Weg zum Dunklen Lord fort führte.
    Je näher er dem Ort kam, an welchem Voldemort höchstpersönlich warten würde, desto deutlicher hörte der ältere Mann das Pochen in seinen Ohren. Es war mittlerweile nicht mehr nur die Ehrfurcht, sondern auch ein Maß an Aufregung über das was bald folgen würde. Die Unwissenheit nagte an ihm, dennoch war es eine große Ehre diesem legendären Zauberer erneut unter die Augen treten zu dürfen, an seiner Seite zu stehen. Je mehr Zeit dafür erbracht wurde über den Verlauft der Geschichte nachzudenken, desto mehr Achtung sei dem Lord gebührt. Sein Kampfgeist übertraf jeden anderen, sein Ziel verlor er nicht aus den Augen und auch seine Risikobereitschaft, sowie Führungsstärke verdiente zweifelsohne Respekt - andere bezeichneten ihn vermutlich nur als wahnsinnig, doch waren es genau diese Eigenschaften welche Bartholomew aus den Augen verloren hatte. Sein Leben bestand nur aus Verlusten, welche er nun durch seinen Ehrgeiz auszubügeln versuchte. Eine ihm entrissene Quotpot-Karriere als Spieler, eine ihn verlassene Frau und eine verlorene Tochter.
    Ehe er sich versah befand sich der ehemalige Quotpot-Spieler innerhalb der Stube wieder, in welche er vom Häufchen Elend mit dem Namen Wurmschwanz geführt wurde. Mit einem Mal wurde sein Mund staubtrocken, während ihn die Furcht von zuvor aufs Neue eingeflößt wurde. Es lag eine unerträgliche Spannung in der Luft. Die schmalen grün-blauen Augen wanderten instinktiv in Richtung Boden, während er sich darum bemühte Haltung zu wahren. Bald würde er den Grund seiner erforderten Anwesenheit erhalten.

  • Ah…! Mein treuer Bartholomew!
    Beflissen und so sanft wie die Stimme eines ungeduldigen Vaters säuselten die Worte der Begrüßung durch den Raum. Sie waren gönnerhaft und ruhig und trotz des aufgesetzten Sanftmut machen sie sehr schnell klar, dass der dunkle Lord kein Interesse an einem Gespräch von Gleichen unter Gleichen hatte, obwohl er mit Bartholomew Peasegood keinem Jungspund, sondern einem gestanden Zauberer gegenüberstand. Aber es war eben auch nur sein treuer, sein treuer und nicht der treue Freund oder Gefährte – zwar sicher kein Bauer auf dem Spielfeld, aber immer noch eine Schachfigur in einem undurchsichtigen Spiel, das manchmal geschickt und manipulativ und manchmal in purem Chaos gespielt wurde.
    Die Stube des heruntergekommenen Anwesens der schon lange nicht mehr glanzvollen Familie Gaunt war dunkel. Auch wenn draußen noch ein paar letzte Sonnenstrahlen über die südenglischen Hügel kriechen wollten, ließen schwere, dunkle Vorhänge vor den Fenstern es bereits wie die tiefste Nacht erscheinen und auch das müde flackernde Kaminfeuer erhellte den Raum nur spärlich. Er lag fest im Griff der langen Schatten, die von zwei Lehnstühlen und einem mitgenommenen, aber aufwendig ornamentierten Tisch dazwischen geworfen wurden. Der bleiche Mann zu dem die befremdliche Stimme gehört hatte saß in dem einen und deutete nun mit einer beschwingten Handbewegung auf den zweiten ohne den Gast nur eines vorschnellen Blickes zu würdigen. Dafür war später noch Zeit. Er musste sich nicht die menschliche Blöße geben, sich zu vergewissern, dass die richtige Person gekommen war. Er wusste es und ob nun aus Instinkt, Selbstsicherheit oder weil es Wurmschwanz ihm bereits zugetragen hatte, blieb ein offenes Mysterium im Raum. Ganz egal wie prekär die Lage war, wie viel von Geheimhaltung abhing: Lord Voldemort war stolz genug um sich in absoluter Sicherheit zu wiegen, wenn es um seine getreuen Diener ging, die bereits so früh an seine Seite geeilt waren. Sie würden ihn nicht verraten und es war dabei vollkommen egal, ob aus Angst, Loyalität oder dem blinden Glauben an eine Ideologie, die er selbst eigentlich noch nie einwandfrei offengelegt hatte.
    Nimm Platz, nimm Platz, bitte!“, wies der Zauberer seinen Gast schließlich noch einmal an und verlangte mit einer wesentlich herrischeren Geste von der buchstäblichen Ratte Wurmschwanz ein Tablett, das offenbar schon vorbereitet worden war. Es trug eine hohe Kristallflasche mit einer bersteinfarbenen Flüssigkeit darin und zwei sehr schwer aussehende Gläser aus dem gleichen Material. Sie schimmerten im Schein des Feuers in einem Auffälligen Kontrast zur dem Größtenteil staubbedeckten Boden.
    Während sich Diener des Schwarzmagiers eilig wieder verzog um jedoch mit ziemlicher Sicherheit an der Tür zu lauschen, nahm jener es selbst in die Hand den Verschluss aus der Flasche zu ziehen und zuerst Bartholomew und danach sich selbst ein Glas mit dem Getränk auszuschenken, das sich durch seinen markanten Geruch als Alraunenschnaps enttarnte. Aus seinen ohnehin sehr unmenschlichen Gesichtszügen war dabei kaum etwas herauszulesen.
    Der Zauberer, der unweigerlich schon immer einen gewissen Hang zur Theatralik gehabt hatte, ließ die folgende Stille sehr bewusst eintreten und musterte den älteren Peasegood, während lediglich das Feuer leise prasselte. Irgendwo gurrte eine Eule, obwohl es noch viel zu früh für Eulen sein musste.
    Erst sehr langsam hoben sich seine Mundwinkel zu einer Grimasse, die durchaus als ein zufriedenes Lächeln gedeutete werden konnte, ehe er Bartholomew die Spannung abnahm und einen Schluck aus dem Kristallglas zu sich nahm. „Ich habe in den letzten Wochen einiges gehört. Während andere Ihre Abteilung im Ministerium milde belächeln, haben Sie gezeigt, dass man auch wesentlich unauffälliger von seiner Position gebrauch machen kann. Ich bin zufrieden, Bartholomew. Und ich möchte mehr über die Zauberer wissen, zu denen Sie Kontakt hatten.
    Ja… soweit es zu deuten war, deckten sich Mimik und Worte an dieser Stelle und es gab vielleicht wirklich die Chance sich zu entspannen und die Ehre zu genießen hier vorgeladen zu sein…

  • Die sanften Worte des dunklen Lords erlangten vollkommen aufmerksames Gehör, erreichten allerdings trotz seiner sanften Stimme auf Seitens Bartholomew mehr Verunsicherung als Entspannung, um sich dem Lord im vollen Vertrauen hinzugeben. Wenn sich auch die Haltung des Gastes weitestgehend beruhigen konnte und dieser nicht mehr wie ein steifes Brett verloren am Rand des Raumes stand. Der Sanftmut mochte einen vertrauenswürdigen Eindruck machen, doch ebenso unterschätzte der Todesser die furchteinflößende Seite des starken Zauberers vor seiner Nase nicht. Noch immer wurde er nicht schlauer aus dem Auftreten des dunklen Lords. Kein Hinweis auf positiven oder negativen Ausgang des heutigen Treffens innerhalb einer heruntergekommenen, abgeschiedenen Villa, hinter dessen Mauern problemlos ohne Aufsehen Personen verschwinden konnten. Niemand würde Zeuge von dem werden, was innerhalb des Hauses geschehen würde.
    Bartholomew würde sich hüten ihm eine Bitte zu verweigern oder zu zögern ehe er Folge leistete. Wie selbstverständlich einer Marionette gleich setzte er sich in Bewegung, ließ sich in den ihm zugewiesenen Stuhl nieder, beobachtete neugierig die umher huschende Ratte ehe sie hinter der Tür verschwand und nahm das Glas entgegen, welches der Lord höchstpersönlich gefüllt hatte. Sich währenddessen weiterhin den Kopf zu zerbrechen und die Unruhe Oberhand gewinnen zu lassen schien unvermeidlich, denn selbst ein prüfender Blick auf die Gestalt des Zauberers mit den befremdenden Gesichtszügen offenbarte keinen einzigen Gedanken, welcher innerhalb des kahlen Kopfes kreisen mochte. Ebenso wäre es unvorstellbar, dass der dunkle Lord einen seiner Anhänger zu sich bestellte, nur um ein Kaffeekränzchen abzuhalten. Darum hoffend bald Klarheit zu erhalten, umschloss Mister Peasegood Senior mit beiden Händen das kristallende Glas, während der Geruch des Schnapses an seiner Nase kitzelte. Der Mitarbeiter der Sportabteilung schluckte leer ohne vom Schnaps gekostet zu haben.
    Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt als erneut die markante Stimme des Lords erhoben wurde. Hatte er da gerade aus dem Mund des dunklen Lords gehört, dass dieser mit seiner Arbeit zufrieden sei? Überrascht hoben sich seine Augenbrauen, sodass sich eine weitere Furche auf seiner bereits mit einigen Falten bestückten Stirn erschien. Seine Bemühungen, endlich weiter in den Vordergrund zu rücken, um der Position eines unersetzbaren Anhängers näher zu kommen, fand nun endlich Anklang. Diese Worte offenbarten sich als einmalige Belohnung seiner Arbeit, welche einen süßen Geschmack mit reichlicher innerer Freude hinterließ. "Selbstverständlich, mein Lord.", leitete er mit möglichst ruhiger Stimme ein, während er sich gedanklich an die letzten Personen zurück erinnern versuchte. "Erst kürzlich konnte ich einen wertvollen Anhänger für Euch gewinnen, welcher Ihnen vollkommen zur Verfügung steht und innerhalb der Abteilung zur magischen Strafverfolgung als Büroleiter für Verteidigungszauber zu Eures Gunsten agieren wird. Sein Name ist Jeff Davin Brooks." Seine Augen wagten es während seiner Erläuterung keineswegs die des dunklen Lords zu begegnen. Vielmehr hielt er sie gesenkt auf das Glas vor ihm gerichtet - gerade so, dass er noch den Lord im Blickwinkel behielt. Unsicher darüber wie weit der ehemalige Sportler ins Detail gehen sollte, was die letzten Kontakte betraf, berichtete dieser lieber ausführlicher, um verschwiegenen Informationen eines Tages nicht zu gewähren ein Verhängnis für ihn darzustellen. "Kontakt hatte ich des Weiteren noch mit einem Angestellten der Strafverfolgungs-Verwaltung, welcher unwissentlich als Versuchsperson für einen erlangten magischen Gegenstand diente. Harvey Roper. Falls er entgegen meiner Vermutung Gedanken hegt, die zu meinem Nachteil eingesetzt werden könnten, kümmere ich mich selbstverständlich um diese Angelegenheit." Obwohl der Mitarbeiter der Strafverfolgung einen unwissenden Eindruck auf Bartholomew gemacht hatte und nicht den Hauch eines Gedanken hegte, welcher den älteren Zauberer für das Geschehene verantwortlich machte, durfte das Familienoberhaupt nicht nachlässig werden und sein Kragen riskieren, sonst war es am Ende das Ministerium welches über ihn richtete und nicht der dunkle Lord. "Außerdem konnte ich neue Informationen zu einem Zauberer gewinnen, über welchen ich Ihnen schriftlich berichtet habe. Mister Baldwinsson, der Hersteller von magischen Uhren, erscheint mittlerweile von größerem Wert für Euch, mein Lord. Laut meinen Informationen betreibt dieser konservative, reinblütige Zauberer aktuell Experimente mit seinen Erfindungen. Mit Zaubern belegte und Tränken befüllte Maschinen, welche Ihnen nach erfolgreichem Abschluss der Experimente zur Verfügung gestellt werden könnten. Diesen Zauberer werde ich weiterhin im Auge behalten und weitere Details sammeln. Wenn Sie es wünschen." Kurz hob Bartholomew seinen Blick, um irgendeine Reaktion aus dem Gesicht des Lords ablesen zu können. Mit seiner Hand führte er das Glas mit dem Alraunenschnaps an seinen Mund und nahm einen Schluck des beruhigend wärmenden Alraunenschnaps.

  • Nachdenklich fuhr sich der Zauberer mit der Hand über den kahlen Schädel, während er den Ausführungen des Todessers aufmerksam lauschte und gelegentlich nickt oder das kalte Augenmerk über die Züge seines Gegenübers wandern ließ. Auch wenn es genügend Zungen gab, die ihm stets das ein oder andere zutrugen, war es immer mehr als nur wertvoll Informationen aus den Mündern der Ausführenden zu hören und ihnen persönlich gegenüberzustehen. Menschen verrieten sich oft selbst und gaben mehr Preis, als sie dachten, ganz ohne die Notwendigkeit von Legilimens, ganz abgesehen davon, dass es stets eine interessante Beobachtung war, wie sich seine Untergebenen vor ihm präsentierten. Und so überraschend es klingen mochte: es war fast davon zu sprechen, dass er Peasegood sr. auf eine Art mochte. Er bemühte sich nicht seinen Stolz zu paradieren, wie manche Jungspunde taten, undurchdringlich und hart zu wirken, offensichtlich nur nach Höherem zu streben, sondern er wusste auf was es ankam. Was einen treuen Todesser ausmachte, einen weisen Zauberer – zu schade, dass der Apfel in manchen Belangen recht weit vom Stamm gefallen war.
    Gut.“, sagte der Zauberer schließlich knapp und nickte, ehe er erneut aus dem Glas trank und die glänzende Flüssigkeit schließlich gegen das nur mäßig flackernde Kaminfeuer hielt. „Ich hoffe, dass ich den Namen Roper nicht noch einmal unangenehm zu hören bekomme, ansonsten wissen Sie, was zu tun ist, Bartholomew. Und Baldwinsson…“ Wieder legte er eine Kunstpause ein und verengte die roten Augen. Noch so ein Jungspund… Aber es war langsam so weit ein größeres Augenmerk auf die Jugend der Zaubererschaft zu legen – jetzt da eine Basis gefestigt worden war, die die Ungestümen potentiell bändigen konnte und es Zeit wurde ganze Generationen fest zu umschließen. „Seine Natur klang interessant, aber verschwenden Sie nicht zu viel Zeit mit dem Beobachten dieses Jungens… Nehmen sie sich den jungen Donovan oder Graf dazu – Sie sollen Baldwinsson ein wenig… kennenlernen. Ich verlasse mich auf Sie, Bartholomew.“ Ein leichtes Kräuseln umspielte die Mundwinkel des Zauberers, als er den Namen des ehemaligen Quodpod-Profis erneut aussprach und ganz so als wäre ein wichtiger, geschäftlicher Teil nun vorüber, lehnte er sich in dem Sessel zurück.
    Als er seine Lippen erneut öffnete, wirkte er beinahe schon beiläufig, auch wenn für ihn nun erst der wichtige Teil des Abends begann und alles zuvor Formalitäten gewesen waren. Der dunkle Lord hatte Pläne, die er unter anderem in Peasegoods Hände legen wollte und es gab noch etwas Anderes, das langsam aber sicher dringend geklärt werden musste.
    Brooks. Mir ist nicht entgangen, dass die Earnshaws mit dieser Familie einen Zusammenschluss für richtig erachtet haben. Bringen Sie ihn zur mir… Ich denke, es wird Zeit, dass ich den Mann persönlich kennenlerne.*“ Und schon wieder eine Pause, in der der Zauberer nun sein Glas abstellte und danach die langen, spindeldürren Finger ineinander verschränkte. Sehr bedacht berührten die Spitzen dabei sein Kinn und so schwer es oft war, die Gedanken des Schwarzmagiers auch nur zu erahnen, so offensichtlich war doch, dass der folgende Plan schon länger in der Reifung war und noch einige Details mehr umfasste, als er gerade Preis geben wollte.
    Ich denke, er könnte gut ergänzen, worum ich Sie und den guten Nataniel bitten möchte…“ Und dass diese Bitte keine solche war, bedurfte sicher keiner Erörterung. „Schon eine ganze Weile beschäftigt mich der Gedanken, was mit dem armen Ministerium passieren sollte, wenn es in dieser zerrissenen Zeit eine Notlage zu bewältigen gäbe. Sie wird immer wahrscheinlicher, wenn Sie mich fragen und es sollte einige starke Hexen und Zauberer geben, die den Minister in einer solchen Zeit als Krisenstab unterstützen könnten, finden Sie nicht auch, Bartholomew? Die im Ernstfall Entscheidungen treffen könnten… Sie, Nataniel und Mr. Brooks wären solche Zauberer… Mrs. Rai-Travers kann sie sicher auch unterstützen, vielleicht aber eher unterschwellig. Sie sollten ein paar Hexen und Zauberer ausfindig machen, den das Wohl der Zaubererschaft ebenfalls am Herzen liegt – gute Hexen und Zauberer… leicht zu beeinflussen. Ich bin sicher, wenn wir eine Auswahl haben, wird der Minister einem solchen Krisenstab zustimmen. Oder wir finden eine Möglichkeit ihn zu überzeugen.“ Die Worte des Zauberers waren mehr als kryptisch, aber es war doch recht einfach zu verstehen, worauf er hinaus wollte. Manipulationen im Hintergrund waren gut und schön, doch wenn sie sich endlich der Freiheit der Magie widmen wollten, dann musste ein wichtiger Handlungsapparat endlich gesichert werden – das Ministerium.**
    Aber nun zu einer anderen Angelegenheit. Bartholomew, gib mir deinen linken Arm.“ Kaum waren die Worte ausgesprochen, streckte der Zauberer auch schon fordernd seine Hand aus und zog den Zauberstab, längst bereit ihn auf die eingebrannte Markierung aller Todesser zu legen. Hier und jetzt wollte er noch jemanden sehen, denn da gab es ja noch die Angelegenheit, die einer Klärung bedürfte.



    *Meldet euch zusammen noch einmal per PN; ich glaube, es ist nicht so ergiebig diese zweite Begegnung auszuspielen, aber wir können besprechen wann und wie sie stattgefunden hat.
    **Zu diesem genauen Auftrag gibt es in Bälde auch noch eine PN!

  • Markante Kopfbewegungen zeichneten sich am Rande des Blickfeldes von Bartholomew ab. Nicken. Ein Zeichen für erhaltene Aufmerksamkeit und im besten Falle sogar Bestätigung, in dem was der unterwürfige Todesser von sich gab. Nicken, welches den Gast darin bestärkte seine Ausführungen mit Selbstverständlichkeit fortzufahren, um den Anweisungen des dunklen Lords gerecht zu werden und ihm die Informationen zu liefern, welche er zu erwarten schien. Trotz dieser gestischen Bestätigung baute sich eine unangenehme aber doch bekannte, fast vergessen geglaubte Spannung innerhalb des auf Erfolg getrimmten Mannes auf. Das Warten auf Ergebnisse und das in Erfahrung Bringen des Grades der Zufriedenheit, um eine kleine bedeutsamen Errungenschaft innerhalb seiner Bemühungen von all seinem Ehrgeiz getrieben vollends auskosten zu können. Schließlich war für das Familienoberhaupt der Peasegoods schon immer Ehrgeiz und Erfolg der erste Schritt in eine angemessene Zukunft.
    Gebannt an den Lippen des dunklen Lords hängend verfolgte der eingeladene Zauberer jedes einzelne Wort, bestätigte sie ebenfalls mit einem Nicken. Lediglich das erneute Erwähnen von Mister Roper hinterließ ein bedrohlichen kalten Schauer als sich über die Bedeutung dieser Worte bewusst gemacht wurde. Es stand nun in seiner Verantwortung diesen unerwünschten Ministeriumsangestellten auf Distanz zu halten - um seiner selbst Willen. Ebenso stand auch der nach einer ruhigen Pause gegebene Hinweis, die Aufgabe zu Mister Baldwinsson an den jungen Mister Graf oder Donovan abzugeben, außer Frage.
    Dass der schwarzmagische Zauberer den genannten Kandidaten kennenlernen wollte, begegnete durchaus Verständnis, trotz der zu allem Überfluss anbahnenden Zweifel. Denn es wäre Peasegood Seniors Verschulden, wenn sich Mister Brooks trotz allem als kümmerliche Enttäuschung herausstellte. Ein weiteres Nicken füllte stumm für kurze Zeit die wieder eingebrochene Stille, um die baldige Erfüllung des Wunsch des mächtigen Zauberers zu bestätigen. Mit bedeutungslosen Worten den gemächlichen Redefluss zu unterbrechen, wagte der ehemalige Sportler nicht.
    Dass der Lord nun zu einem anderen Anliegen kommen würde, verriet Bartholomew die bewusst geänderte Körperhaltung. Das Schnapsglas leerte der stumme Todesser ebenfalls, um es im Anschluss abzustellen. Das was nun folgen würde, verdiente keinerlei Ablenkungen welche in Form von Gegenständen innerhalb der Hände erlangt werden konnten. Die Aufmerksamkeit galt voll und ganz der eindeutig befehlenden Bitte des Lords. Für einen Bruchteil der Sekunde wagte Bartholomew seine Augen auf die des Gastgebers zu richten. Augen, die sofort wieder abgewandt wurden. Alleinig der Anblick bereitete einen kalten Schauer, welcher in jeder Gesellschaft Furcht zu schnüren wusste.
    Je länger der Lord sprach, desto überraschter wurden die Gesichtszüge des Mannes. Es würde sich etwas im Ministerium anbahnen, was einen Krisenstab bedurfte. Einer in welchem er mit einer kleinen Hand anderer Anhänger Einfluss haben sollten. Zweifelsohne ein bedeutsamer, Aufregung schnürender Auftrag, der ihn ein ganzes Stück voran bringen würde. Nicht innerhalb der Todesserkreise, sondern auch innerhalb des Ministeriums. Allzu gern würde Mister Peasegood Senior mehr über das Vorhaben des Lords erfahren. "Wir werden uns dem annehmen, mein Lord."
    Kaum wurde der linke Arm gefordert und der Zauberstab gezückt, wusste Bartholomew sofort, dass sein dunkles Mal verlangt wurde. Nur was beabsichtigt wurde, blieb vorerst ein Rätsel. Ohne Zeit zu verlieren zog der Todesser den Ärmel nach oben und legte das dunkle Mal frei, welches dem Lord und folglich seinem Zauberstab entgegen gestreckt wurde, um in Erfahrung zu bringen was nun folgen würde.

  • Es war ein guter Tag gewesen.
    Ambrose hatte vor einigen Tagen mit einem Kollegen die heutige Schicht getauscht, Spät gegen Früh und war somit schon um halb vier wieder zuhause gewesen. Er hatte sich in einem kleinen Laden ein frühes Abendessen zum Mitnehmen besorgt, bei Flourish & Blotts einen neuen Krimi gekauft und sich in seiner Wohnung auf den kleinen Balkon gesetzt, von dem aus man zwar nicht die ganze Winkelgasse, dafür aber in das Dachfenster der hübschen Nachbarin sehen konnte. Die war zwar heute Abend offensichtlich nicht da, dafür hatte der Sicherheitszauberer sich ja aber auch anderweitige Unterhaltung aufgetrieben. Krimis waren immerhin schon immer ein Faible von ihm gewesen, das er aus irgendeinem Grund aber immer irgendwie… verheimlicht hatte. In seiner Wohnung gab es zwar ein Bücherregal, das aber eher mit intelligenter Fachliteratur beeindrucken sollte, als mit Schmökern. Abhandlungen über Flüche und deren Wirkung, über sicheres Auftreten in Führungspositionen, über Schutzzauber, all das fand sich in dem gut sichtbar im Flur platzierten Regal, auf dass es jedem potentiellen Besucher gleich ins Auge fiel. Die anderen Bücher bewahrte Ambrose in seinem Schlafzimmer auf… das war zwar nicht unbedingt weniger frequentiert als sein Flur, besaß dafür aber unter seinem Bett eine mehr oder weniger geheime Schublade, in der man wohl eher einschlägiges Spielzeug, als peinliche Lektüre erwartet hätte.
    Ja… es war ein guter Tag gewesen. Bis er es nicht mehr war.


    Mein Lord.“ Ambrose‘ Stimme, so sehr er sich auch bemühte, klang zittrig und fahl. Seine Hände waren schweißnass, auf seine Stirn glänzte die Feuchtigkeit und sein unruhiger Blick glitt immer wieder zu seinem Vater, dem er schon bei einer Ankunft vor wenigen Sekunden einen langen, fast panischen Blick zugeworfen hatte. Bartholomew Peasegood mochte vieles sein, nicht aber die Person, die er bei einem Treffen wie diesem in der Nähe wissen wollte; und Ambrose wusste, was für eine Art Treffen das hier war. Er hatte es in dem Moment gewusst, in dem sein Dunkles Mal angefangen hatte zu brennen und obwohl er sich sonst damit rühmte sich gut verstellen zu können – sein Körper verriet ihn.
    Der Zauberer dachte darüber nach noch etwas zu sagen, sich gleich von Anfang an herauszuwinden, Ausflüchte und Entschuldigungen, Erklärungen und Pläne zu murmeln, in der Hoffnung, dass der Dunkle Lord ihm glauben würde – aber auch hier wusste er, dass es nicht funktionieren würde. Er kannte immer die Wahrheit. Er wusste genauso gut wie Ambrose selbst, dass der sich in den letzten Monaten nicht einmal bemüht hatte die junge Uylenburgh für die Sache der Todesser zu gewinnen. Vielleicht wusste er auch wieso – er traute es ihm zu. Sie waren ein sehr wissendes Gespann. Ob Bartholomew dazugehörte? Ein weiterer Blick zu seinem Vater folgte, nervös, ängstlich. Ganz egal was heute Nacht passierte, Ambrose hoffte, dass er lebend aus der Sache herauskommen würde… wobei es für sie wahrscheinlich besser wäre, würde er es nicht tun.

  • Eine klamme Stille legte sich über den Raum, als die Stimme von Bartholomew Peasegoods Sohn Voldemort adressiert hatte und deutlich wurde, dass sein Auftauchen kein Zufall, sondern er über das dunkle Mal seines Vaters zitiert worden war. Der kahlköpfige Zauberer machte derweil keine Anstalten den jungen Peasegood zu begrüßen, sondern streckte die spindeldürren, weißen Finger erneut nach seinem Kristallglas aus. Tipp, tipp, tipp. Mehrfach klackten die Finger über das Glas, ganz so, als müsse gedankenversunken eine Entscheidung getroffen werden und diese hieß eben doch nicht einen Schluck nehmen, sondern die Brauenpartie zu heben und sehr langsam und mit einer Seelenruhe den Blick über den Todesser schweifen zu lassen. „Ambrose.
    Es folgte kein Nicken, der das Erwähnen des Namens zu einer anerkennenden Begrüßung gemacht hätte, sondern der Zauberer hob lediglich einen Arm um ihn mit einem herrischen Fingerzeig vor die Sessel zu beordern; wie einen gehorsamen Wachhund.
    Wieder trat eine beinahe erdrückende Stille ein, allerdings behielt der dunkle Lord seine Hand warnend erhoben, um beiden Peasegoods zu signalisieren, dass er gerade nichts hören wollte. Er dachte nach, auch wenn der Anschein nicht trog, dass er seinen Plan für diesen Abend bereits gemacht hatte.
    Bartholomew, du siehst, dass ich dir zu deinen Fortschritten nur gratulieren konnte und um den Wert der Peasegoods weiß, denn auch dein Junge war bisher immer ein zuverlässiger Todesser.“ Die langsamen, wohlgewählten Worte und der weise Einsatz der persönlicheren Formen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein großes Aber bereits im Raum hing und mindestens so unangenehm sein würde, wie die häufigen Pausen und das pointierte Schweigen. „Aber ich verstehe ein paar Dinge nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, dass ich bemerken muss, dass er sich der Sache entzieht und meine Weisungen zu ignorieren scheint. Vor wie vielen Monaten habe ich dich nun schon mit einem simplen Anliegen beauftragt, Ambrose?“ Spätestens beim Namen des Delinquenten war die Stimme des Zauberers von der gespielten Verständnislosigkeit in eine gefährliche und drohende Schärfe gerutscht. Während Ambrose die ganze Zeit nur Beiwerk gewesen war, wurde er nun zum ersten Mal von den roten Augen mit einer Kälte fixiert, die einem das Mark in den Knochen gefrieren lassen konnte… Dazu kam dann noch, dass die kalten Finger des Mannes unauffällig auf den Beistelltisch gewandert waren und dort nicht etwa unschuldig ruhten, sondern betont locker auf einem krummen Zauberstab lagen. Es war beinahe egal, was der Sicherheitszauberer sagen würde… Vermutlich konnte er es nur noch schlimmer machen, auch wenn sein Herr nun wieder zu Bartholomew sah und die Brauenpartie in Falten legte. Sein Blick hatte wieder etwas Entschuldigendes angenommen, ganz so als hätte ein tölpelhafter Butler eine nette Teegesellschaft in Bedrängnis gebracht, allerdings würde sich wohl nur ein naiver Idiot von einer gewissen Sicherheit einlullen lassen. Auch wenn der ältere Peasegood nicht auf der Anklagebank saß, war es vermutlich nicht wesentlich angenehmer neben Ankläger, Richter und Vollstrecker zu sitzen und am Ende selbst in eine der beiden Positionen gedrängt zu werden. Die Gratwanderung vor dem dunklen Lord war immer sehr dünn und sehr gefährlich.

  • Das Rauschen in Ambrose‘ Ohren war so laut, dass er Schwierigkeiten hatte sich zu konzentrieren. Die Worte des Dunklen Lords klangen kaum in seinen Ohren, schienen nur zufällige Silben ohne Sinn und ohne Bedeutung und sein unfokussierter Blick, der hektisch einen Anker nach dem anderen suchte, machte ihm Kopfschmerzen. Er spürte, wie seine Hände innerhalb kürzester Zeit klatschnass wurden und obwohl die kurze Ansprache des Lords kaum eine halbe Minute dauerte, kam es ihm doch vor wie eine Ewigkeit. Die Nervosität, die Panik, die von seinem gesamten Wesen Besitz ergriffen hatte, machte es ihm unmöglich irgendwelche Gedanken auszuführen und verhinderte auch, dass er noch einmal absichtlich längeren Blickkontakt zu seinem Vater suchte. Wie eine unsichtbare Hand lastete die Präsenz ihres Herren auf Ambrose‘ Nacken, drückte ihn tiefer und tiefer und als sein Name schließlich ein weiteres Mal fiel und der Schlangenäugige sich direkt an ihn wandte, stolperte er vor und fiel auf die Knie. Ein dumpfer Aufprall verriet, dass das Aufschlagen schmerzhaft gewesen sein musste, aber die Miene des ehemaligen Slytherin zeigte keine Anzeichen von Schmerz – blanke Angst zeichnete sich darauf ab und die Schweißperlen auf seiner Oberlippe ließen seinen rötlichen Bart feucht glänzen.
    Vor… mehr als einem Jahr“, keuchte Ambrose nach einer sehr langen Pause, nur gefüllt durch sein schweres Atmen, als hätte er einen Marathonlauf hinter sich und verdammte sich im selben Moment, in dem er die Zeitspanne aussprach, dafür, nicht früher etwas getan zu haben. Weshalb? Warum hatte er nicht gehandelt? Vor mehr als einem Jahr hatte der Dunkle Lord ihn beauftragt die junge Uylenburgh zu rekrutieren und er? Was hatte ihn abgehalten, seine Zuneigung für sie? Hätte er einen klaren Gedanken fassen können, Ambrose hätte diese Frage zweifellos mit ja beantworten müssen. Das war die Wurzel allen Übels und gepaart mit seiner Angewohnheit unangenehme Dinge aufzuschieben und darauf zu hoffen, dass jeder sie vergessen wurde, war… das daraus geworden. Sein Todestag? War sein Vater deswegen hier? Damit er seine Leiche gleich einpacken und mitnehmen konnte?
    Er wagte es nicht seinen Kopf auch nur einen Millimeter zu heben und verharrte in der gebeugten Position, die Knie schmerzend, die Fäuste ineinander gekrallt. Er wollte soviel mehr sagen, wollte sich rechtfertigen, aber er brachte kein Wort über seine Lippen. Er wusste nicht, weshalb sie beide hier waren. Aber er hoffte sowohl für sich, als auch für seinen Vater, dass er mit seiner Vermutung nicht Recht hatte.

  • War es ein Anflug von Wohlwollen, der in den Mundwinkeln des Zauberers zuckte, als der dumpfe Aufschlag von Ambrose' Knien erklang? Wohl kaum, – jedoch war eine verheißungsvolle Genugtuung dennoch nicht zu leugnen, ehe der bleiche Mann die Brauenpartie hob und Bartholomew einen verheißungsvollen Blick zuwarf. Noch immer war es vollkommen unmöglich die Stimmung im Raum zu deuten und Voldemort hatte noch nicht lange vor diese Spannung mit einer klaren Ansage aufzulösen. Er genoss die Überlegenheit, den sanften Geruch von Angstschweiß, der unwillkürlich die Nasen im Raum kitzelte, und die Unterwürfigkeit des Zauberers von dem er längst wusste, dass er im echten Leben oft ein großes Mundwerk riskierte. Aber wer leugnete, dass ein gewisses Gefühl Macht ihn nicht beflüglte, musste lügen.
    Statt einer erneuten theatralischen Stille stieß der Schwarzmagier nun allerdings geräuschvoll Luft aus und schien den jüngeren Zauberer wieder mit Blicken festnageln zu wollen. „Vor mehr als einem Jahr, Ambrose.“, wiederholte er dabei den gesprochenen Schuldspruch und deutete sehr langsam ein sehr enttäuschtes Kopfschütteln an. „Mir war nicht bewusst, dass der Auftrag derartig schwer werden würde.“ Obwohl ein definitiv fragender Unterton unter den Worten lag, war klar, dass sie eine vollkommen andere Bedeutung hatten, dass hier nicht der eigene Fehler hinterfragt wurde, sondern man vorhatte den Delinquenten wie einen ungezogenen Schuljungen bloßzustellen und vorzuführen. „Oder gab es etwas, das ich nicht bedacht habe?“ Nun lagen die Finger nicht länger locker auf dem knorrigen Zauberstab sondern, sie hatten ihn festumschlossen, während der Zauberer sich einige Zentimeter vorbeugte. „Sieh' mich an, Ambrose.“ Fast war zu erwarten, dass Voldemort seine Frage nun noch einmal wiederholen würde, um Ambrose dazu zu zwingen sich fadenscheinig zu rechtfertigen oder aber zuzugeben, dass es keine Rechtfertigung gab, allerdings läge man mit dieser Erwartung falsch. Die roten Augen, wollten sich lediglich noch einmal eindringlich in das ungleiche Paar des Gegenübers bohren, jegliche Regung wurde dagegen meinen einem harschen Fingerzeig der freien Hand unterbrochen.
    Jetzt war der nächste Moment für eine unangenehme Stille gekommen, denn ohne Erklärung, ohne einen Zwischenkommentar zuzulassen, hob der Zauberer die bleichen Finger und streckte sie nach dem Gesicht des Zauberers aus. Eine degradierende Schelle wäre zu erwarten, aber unter der Würde eines Zauberers gewesen und so geschah etwas, das vollkommen außerhalb jedes Kontexts lag. Steif, kalt und ohne jegliche emotionale Regung berührten die Fingerspitzen des Zauberers die Narbe dicht bei Ambrose' Auge und fuhren unangenehm langsam über die Erhebungen in der Haut. Es war ein unangenehmer und seltsamer Gestus, allerdings wohl gewählt… irgendjemanden im Raum, sollte er wohl daran erinnern, dass Ambrose bisher gute und treue Dienste geleistet hatte und ohne zu jammern und zu zucken angegriffen worden war, ohne jemals sein Gesicht fallen zu lassen. Wenn es einen groben Handlanger gebraucht hatte, war er stets zuverlässig gewesen, stets ein guter Diener und doch hatte sich in den letzten Monaten eine unschöne Schiene angebahnt. Noch einen Moment länger verharrte die Hand, ehe Voldemort sich wieder zurückzog und sich in seinen Lehnstuhl sinken ließ. Dieses Mal hatte er den Zauberstab an sich genommen, der nun ruhig auf seinem Schoß lauerte.
    Die beiden anwesenden Zauberer waren ein wirklich passendes Beispiel für zwei Arten von Todessern, die in den Genuss des dunklen Mals gekommen waren. Bartholomew auf der einen Seite, war einer derer, für die das Mal vornehmlich eine erarbeitete Ehre war, ein gehütetes Kleinod… Ambrose auf der anderen Seite gehörte zu denen, die sich nur hatten grob beweisen müssen und mit dem Mal wie ein Hund an eine Kette gelegt worden waren, die man nicht mehr einfach so abreißen konnte; Voldemort wusste um den Wankelmut und die Ungestümtheit der letzteren Sorte, aber sobald das Mal auf dem Unterarm prangte, war es für eine zweite Überlegung zu spät.
    Bartholomew, ich kann mir vorstellen, dass wir in diesem Moment eine gewisse Enttäuschung teilen, nicht wahr?“ Wieder ein hörbares Einatmeten und auch wenn die Worte wieder dem älteren Peasegood galten, ließ der Zauberer Ambrose keine Sekunde aus den Augen. „Aber es es liegt mir fern deinen Jungen wegen dieser Bagatelle… zu verstoßen.
    Auch wenn mit verstoßen sicher etwas ganz Anderes gemeint war, war die Erleichterung bei dieser Eröffnung anzunehmen sicher sehr verlockend. Aber was würde denn aus ihm werden, wenn er gute Diener für solche Kleinigkeiten aussortierte, während ihm anderes Gewürm entwischt war. Nein… es war dann eben tatsächlich doch wie mit Hunden mit denen man zu lange einfach nur zu locker umgegangen war. Wie mit Kindern, die nur mit gewissen Maßnahmen noch einmal an ihre Erziehung erinnert werden mussten.
    Ich denke, eine kurze Erinnerung wird genügen. Ich will, dass du den jungen bestrafst, Bartholomew.
    Jetzt war es an der Zeit den älteren Peasegood mit den roten Augen fest zu traktieren und keinen Zweifel daran zu lassen, wie ernst es ihm war, was er nun von dem Vater erwartete, ... der ruhige Tonfall war einem unmissverständlichen Befehl gewichen.

  • //10(+/-) years later.

    Mein Herz ist gerad gestorben btw.


    Zögerlich ließ Bartholomew seine schmalen Augen in Richtung der großen, frisch erschienen Gestalt schwanken. Weder ein Blick in das Gesicht des Jüngere, noch die genauere Analyse der äußeren Gestalt war von Nöten, um die Identität zu offenbaren. Eine Stimme drang wie ein unerwartetes Stechen in das Ohr des Familienoberhauptes. Wem diese zuzuordnen war, bedurfte keinerlei Bedenkzeit. So markant als wäre es seine eigene. Warum wurde ausgerechnet sein Sohn an diesen Ort gerufen? In der Absicht Antworten zu erhalten begann der ältere Zauberer das Gesicht seines Jungen zu studieren. Doch es gab keinerlei Anzeichen, die nicht auch in den Gesichtern anderen Todessern geschrieben wären, welche dem Dunklen Lord so nahe gegenüber standen. Auch die Präsenz des Lords wollte ihm keinerlei Reim darauf geben, was ihn dazu veranließ den Jungspund mit in die Runde zu rufen. Frische Nervosität machte sich innerhalb des ehemaligen Sportlers breit.
    Stillschweigend mit seiner gezügelten Neugier wurde das Geschehen vor seiner Nase verfolgt, während sich die Hoffnung, sein Sohn wäre lediglich zum Auskosten von Lob anwesend, immer tiefer innerhalb seiner Brust krallte. Die Peasegoods würden ihrem Namen alle Ehre bereiten. So war es zu hoffen und zu erwarten, um aller Anwesenden Willen.
    Alleinig der ertönte Vorname seines Jungens ließ den Vater der Familie erschaudern, obwohl nicht einmal er damit angesprochen wurde. Seine Blicke hielt er von beiden Gestalten abgewandt, zunächst in Richtung Boden gerichten. Natürlich wusste sogar Bartholomew, dass Ambrose mindestens einen Auftrag vom Lord erhalten hatte. Als wäre ihm ein Kloß im Hals stecken geblieben, schluckte er leer, während sich eine Schweißperle auf seiner Stirn bildete. Dieses aber war mehr als eindeutig, um etwas über die Richtung dieses Gespräches zu verraten. Seine hoffnungsvollen Augen wagten es nur langsam in Richtung Peasegood Junior zu wandern, welcher bereits mit einem dumpfen Geräusch auf die Knie gekippt war. Bartholomew erstarrte. Das konnte doch nicht wahr sein. Die Luft um ihn herum schien erdrückend warm geworden zu sein, sodass sich weitere Schweißperlen auf der Stirn gesammelt hatten. Der Auftrag wurde noch nicht erledigt? Eine Tatsache, die dem Dunklen Lord nicht entgangen zu sein schien und sichtlich wenig Begeisterung auslöste. Es gab eine Sache, die es in der Gegenwart des mächtigen, dunklen Magier niemals zu vergessen galt: Anweisungen waren um jeden Preis zu befolgen - umgehend, ehe man in Ungnade fiel oder schwerwiegendere Konsequenzen zu tragen hatte. Jeder Todesser sollte sich dieser Tatsache bewusst sein. Vor allen Dingen dem letzten Nachfahren der Peasegoods. Der einzige mögliche Erbe und letzte übrig gebliebene Spross von Bartholomew. So selten Ambrose das Gefühl erhielt überhaupt einen Vater zu besitzen, der sich für das Leben des Jungen interessierte, gab es innerhalb der faltigen, pummeligen Erscheinung väterliche Liebe, die sich weiter innerhalb der Brust des Zauberers gefestigt hatte seitdem dieser von der Existenz seines Sohnes als Todesser erfuhr. Die Furcht seinen Sohn zu verlieren oder diesen womöglich von Leid erfüllt zu sehen. Neben der Panik vor dem was nun folgen könnte, sammelte sich auch noch Verärgerung. Über seinen Jungen, aber auch sich selbst. Er hätte seinen Sohn hartnäckiger antreiben sollen oder ein weiteres Mal an den Auftrag erinnern, wenn die Anspielung auf den Hochzeits-Feierlichkeiten nicht gereicht haben sollten. Oder wäre seine Abwesenheit, Distanz zu seinem Sohn daran Schuld? Verstimmt zogen sich die Mundwinkel des Mannes in die Tiefe. Eine Mimik, welche beim weiteren Fallen seines eigenen Namens verhärtete. So sehr er sich auch über das nicht vollzogene Verstoßen hätte freuen können, war das was dem nun folgte ebenso schwerwiegend.
    Er sollte Ambrose selbst dafür bestrafen? Mit einem fragenden Blick begegnete er den leuchtend roten Schlangenaugen, welche ihm bereits im Bruchteil einer Sekunde eine Antwort auf die gedachte Frage gaben. Er habe diesen Befehl richtig verstanden. In diesem Augenblick wusste der ehemalige Quotpotspieler nicht einmal mehr, ob er atmete, während sein kühler Blick, welcher seine innere Verzweiflung überdecken sollte, gen eigenen Sohn wanderte. Seine Hände wurden schlagartig eiskalt, seine Fingerspitzen taub und sein Herzklopfen drang ihm bis in die Ohren, während sein Kopf zu arbeiten begann. Egal welchen Weg er suchte, es gab kein Entkommen ohne sie beide noch schwerer ins Verderben zu stürtzen. Ambrose hat den Dunklen Lord verstimmt und musste eine Erziehungsmaßnahme durch seinen Vater erfahren. Nicht, um zu lernen dem Lord seine Treue zu halten. Der Junge musste lernen, wie es galt zu überleben. Ambrose musste überleben. Wenn er sich bereits für die Seite des Lords entschieden hatte, um nicht als einer seiner Gegner zu sterben, sollte dieser auch nicht als Verräter in Ungnade fallen.
    Er als Vater musste diesen Befehl ausführen, ehe er den Zorn des Dunklen Lords auf sich und seinen Sohn zog. Ein Zorn, der dermaßen wüten könnte, sodass eine Bestrafung durch die Hand von Bartholomew eine Erleichterung wäre. Bartholomew wäre das geringere Übel. Immer wieder spulten sich diese Gedanken innerhalb des Zauberers ab, welcher sich in den Kopf gesetzt hatte sein geliebten Sohn wenn auch auf fragwürdige Weise zu beschützen. Seine linke Hand griff nach seinem Zauberstab, umschlang diesen versteift und richtete die Spitze auf seinen Jungen, während sich seine rechte zu einer Faust zusammen ballte, um sein Zittern nicht zu offenbaren. Hieß es nur noch die Art der Bestrafung zu wählen. Dass der Dunkle Lord das Zufügen von Schmerzen als Maßnahme zur Erinnerung erwartete, stand außer Frage. Ambrose würde diesen Schmerz ertragen können, so wie er bereits seine ihn zeichnenden Narben über sich ergehen lassen musste. Jene äußerlichen Verletzungen verfolgte ein Leben lang. Sie zeichneten einen. Dies wusste Bartholomew durch seinen Quodpot-Unfall allzu gut. Unheilbare Flüche hatten etwas Brandmarkendes. Ein Übel, welches er seinem Sohn kein weiteres Mal ertragen lassen mochte. Im Gegensatz dazu wäre der innere, körperliche Schmerz etwas Vergängliches, welches aber zugleich den benötigten Effekt hervorrief. Je umfassender Bartholomew über das nachdachte, was er nun tun würde, desto trockener wurde sein Mund, während seine Miene immer kühler und distanziertere Züge annahm. Ambrose durfte kein Mitleid erwarten, solle sich auf das vorbereiten was nun kommen würde, einen schönen Gedanken fassen, welcher ihm die Kraft gab diese Bestrafung erträglicher zu machen. Das hoffte Bartholomew jedenfalls, ehe er seine Augen kurz schloss, die Gedanken für das Gelingen seines gewählten Fluches sammelte und darauf folgend wieder öffnete, um seinem ihm ausgelieferten Sohn mit Entschlossenheit in das Gesicht zu blicken. Seinem Jungen mussten diese Art von Qualen zugefügt werden, denn sonst würde er den Ernst seiner Lage niemals verinnerlichen. "Crucio", kam ihm zögernd über die Lippen. Kurze Erinnerung wiederholte er für sich. Es reichte eine kurze Zeit - dem Dunklen Lord zu Folge. Die Zähne zusammenbeißend widerstand er dem Bedürfnis sofort wieder seinen Zauberstab zu senken. Innerhalb seiner Brust schnürte es ihm alleinig durch den Anblick die Luft ab, während er weiterhin seinen Willen für die Ausführung des Fluches aufrechterhielt. Es war eine Notwendigkeit, um seinen Sohn vor Qualen durch die Hand des Lords höchstselbst zu schützen.
    Nachdem der Zauberstab wieder von Ambrose abgelassen hatte, konnte das Zittern seiner Hand nicht mehr im Zaum gehalten werden. Auch sein Gesicht schien kreidebleich geworden zu sein, während er es nicht wagte auch nur einen Blick von seinem Sohn zu nehmen. All sein Leid über das Geschehene sickerte allmählich nach oben. Einen Schritt stolperte er nach hinten. Auch ihn brandmarkte diese Entscheidung sichtlich. Doch es war getan - so war es jedenfalls zu hoffen.

  • Er konnte seinen Vater nicht ansehen.
    Jedes Wort, jede Silbe, die die blasse, furchteinflößende Gestalt in schwarz sprach, hallte wie ein Donnerschlag in Ambrose’ Gedanken wieder und drückte ihn immer tiefer, bis er das Gefühl hatte, im kalten Steinboden selbst zu versinken. Er glaubte zu wissen, was nun folgen würde, bereitete sich schon darauf vor doch noch zu flehen, zu betteln, aber der erwartete Todesstoß blieb aus. Stattdessen folgte etwas, das den Magier seine Augen noch viel verängstigter weiten und nun doch noch den Blick seines Vaters suchen ließ.
    Bitte nicht. Vollkommen abstrus war der Wunsch, dass Bartholomew Peasegood dem Befehl ihres Herren nicht nachkommen würde, aber umso flehentlicher sah Ambrose ihn an, aus der gekauerten Haltung, in der zuletzt Nataniel Earnshaw gekniet hatte. Hätte er sich einen Moment Zeit genommen, hätte er gewusst, dass das hier sogar noch das bestmögliche Szenario war, dass er wahrscheinlich von niemandem sonst irgendeine Form von Milde hätte erwarten können, dass ein anderer Todesser ihn wesentlich brutaler bestraft hätte, aber… all das spielte keine Rolle. Ambrose hatte keine Zeit, sich einen Augenblick zu nehmen, er hatte keine Kapazität, um rational über seine Lage nachzudenken, er hatte Angst. Nackte, pure Angst davor, was sein Vater tun würde. Er konnte nicht einmal die Möglichkeiten durchgehen, die dem älteren Zauberer nun zur Verfügung standen, er hatte nur die roten Schlangenaugen des Lords vor Augen, die unbarmherzig auf ihn niederstarrten und das Unaussprechliche von Bartholomew verlangten. Er hätte ahnen können, was folgen würde - und doch traf es ihn vollkommen unvorbereitet.
    Der Schmerz brannte sich wie ein sengendes Schwert in seinen Körper, schien zu bohren und zu stechen, als würde man ihn mit einem glühenden Eisen bei lebendigem Leibe ausweiden. Selbst wenn er es versucht hätte, Ambrose hätte seine Schreie nicht unterdrücken können. Einen kurzen Moment wunderte er sich sogar darüber, was so laut und schrill in seinen Ohren hallte, dann jedoch schaltete sich all sein Denken ab und er vergaß sich. Hätte man ihm angeboten ihn zu töten, er hätte es mit Freuden angekommen. Alles war besser, als diese Qualen zu erleiden, vom Scheitel bis zur Sohle randvoll mit Schmerz zu sein, den er nicht abschütteln und nicht vergessen konnte. Selbst dann nicht, als es vorbei war und er mit letzten Kräften versuchte nicht ermattet zu Boden zu sinken. Seine Augen glänzten feucht, als er seinen Blick hob und ihn mit dem seines Vaters kreuzen ließ. Alles schien er sagen zu wollen und gleichzeitig nichts. Er verstand nicht. Aber trotzdem ließ er den Blickkontakt nicht abreißen, auch nicht, als die erste stumme Träne über seine Wange rollte und er seinen geschundenen Geist langsam wieder aufzubauen begann.

  • Danke, Bartholomew.
    Während der Schreie bis in die Stille hatte sich der bleiche Zauberer keinen Zentimeter bewegt. Seine Augen blieben stierend auf dem ausführenden Zauberer geheftet, an dessen Regungen er wesentlich interessierter schien, als am Winden und Jammern des Sohnes. Während seiner wieder einmal surreal sanften Worte war es nur ein kurzer Fingerzeig, der sehr behutsam bestätigte, dass es genügte und die dünnen Lippen kräuselten sich. Von einem Lächeln zu reden, wäre zu viel gesagt, allerdings war es durchaus ein Ausdruck von Zufriedenheit, der sich auf dem unwirklichen Gesicht abzeichnete und in einer bedeutungsschweren Geste wanderte der knorrige Zauberstab wieder auf den staubigen Glastisch – ein Vertrauensbeweis, eine kleine Regung, die sagen sollte, dass es nun in Ordnung war.
    Nicht wenige Hexen und Zauberer fürchteten den Dunklen Lord (oder hatten es in der Vergangenheit getan) wegen seiner Grausamkeit, seiner Bereitschaft Leid zuzufügen und seiner beunruhigenden Ideologien. Das Gespenst Lord Voldemort hatte sich in die Köpfe eingebrannt, eine dehumanisierte Schreckensgestalt mit der man nur das eine verbinden konnte. Viel zu oft geriet dabei der Mensch dahinter in Vergessenheit, der zwar nicht weniger grausam war und sich bewusst hinter einem Synonym versteckte, aber erst durch ganz andere Eigenschaften gefährlich geworden war. Tom Riddle war ein hochintelligenter junger Mann gewesen; charismatisch, berechnend und mit einer unfassbar guten Menschenkenntnis. Lord Voldemort hatte keinen Vater, Tom Riddle dagegen wusste nur zu gut um die einzigartige Bindung zwischen Vater und Sohn – ob nun positiv oder negativ, ob magisch oder nicht-magisch. Nichts hätte ein stärkeres Signal für den jungen Peasegood sein können, nichts ein größerer Beweis für den alten. Für den einen lag in der Strafe noch eine psychologische Warnung, für den anderen war eine letzte Hürde überwunden worden, die die einzige Schwäche des Schwarzmagiers weiter fütterte: sein Stolz und seine Selbstüberzeugung. Ob es weise war bei den nächsten Worten fast schon bevormundend zu klingen? Vermutlich nicht, aber Weisheit und Intelligenz waren eben zwei verschiedene Paar Schuhe und so folgte ein noch ein bittersüßes „Das hast du gut gemacht.", ehe der Zauberer Bartholomews Glas noch einmal neu befüllte und ihn mit einer subtilen Geste dieses mal bat sich wieder zu setzen. An Ambrose und die fassungslosen Tränen eines kleinen Jungen verschwendete er keinen Blick.
    Es hatte etwas geschäftsmäßiges als sich der Zauberer schließlich zurücklehnte und wieder die Finger verschränkte. „Du kannst gehen, Ambrose. Dein Vater ist ein wichtiger Mann mit dem ich noch einiges zu besprechen habe. Ich hoffe, dass wir das nicht wiederholen müssen und die Erinnerung genügt hat. Du scheinst ja noch sehr genau zu wissen, was deine Aufgabe war.
    Nein, noch immer galt dem erniedrigten Jungen nicht einmal ein Seitenblick und stattdessen war es wieder Bartholomew, der regelrecht entschuldigend bedacht wurde. Allerdings keineswegs wegen der Unannehmlichkeiten, die ihm entstanden waren, sondern allenfalls wegen der Unannehmlichkeiten durch eine leide Unterbrechung – zum Beispiel durch ein ungezogenes Kind… oder einen ungezogenen Hund.

  • Die einschneidende, schmerzhaften Schreie durch die Bestrafung des Jungens hallte noch immer wie ein herzzerreißendes Beben in den Ohren von Bartholomew, obwohl der Zauberstab längst gesenkt wurde und Ambrose' Stimme verstummte. Die eigenen Augen begannen unter der Trockenheit zu brennen, welche sich durch das Starren auf seinen eigenen Sohn ausbreitete. Er wagte es nicht auch nur einmal zu blinzeln, während sein Blick seiner Schuld bewusst der Träne über die Wange von Ambrose folgte. Seine Mimik blieb wie auch seine Körperhaltung wie Stein erstarrt, während das Geschehene zu sacken begann. Er war es, der seinem Sohn mit diesen unerträglichen Schmerzen eine Lektion erteilte. Nicht der Dunkle Lord, kein fremder Todesser. Der eigene leibliche Vater, welcher in der Vergangenheit niemals durch die körperliche Folter Erziehungsmaßnahmen ergriff. Doch es war notwendig, um ihm die wichtigste Lektion beizubringen, welche nicht anders hätte vermittelt werden könnte. Eines Tages würde Ambrose verstehen. Lediglich diese gedanklichen Worte brachten dem Familienoberhaupt wieder die notwendigen Regungen in die mollige Gestalt und natürliche Farbe in das mit Furchen verzierte Gesicht, um von seinem Jungen abzulassen und der Geste des Lords sich wieder zu setzen Folge leistete. Das Lob vom Lord höchstselbst wäre unter anderen Umständen deutlich bedeutsamer gewesen. Womöglich wäre der alte Ministeriumsangestellte sogar erfreut darüber gewesen. Doch so waren die Worte des bleichen Zauberers nur eine flüsternde Stimme im Hintergrund, welche bestätigte wie fest die Anhänger bereits in den Griffen des Schwarzmagiers gefangen waren.
    Während der Lord es für nicht notwendig hielt dem jungen Peasegood weitere Aufmerksamkeit, abgesehen von der Erlaubnis zu gehen, oder überhaupt eines Blickes zu würdigen, schenkte Bartholomew seinem Sohn einen letzten Blick. Er sah seinen Sohn, er sah sein Leid. Er war sich dem bewusst was dort eben geschehen war und ließ es keineswegs kalt an seiner Schulter abprallen. So sehr diese in Mitleid getränkten Augen auch nicht gebraucht wurden, geschweige denn hilfreich waren, wenigstens vom eigenen Vater sollte Ambrose diese kleine Wertschätzung erhalten.
    Noch bevor Peasegood Junior eine Reaktion zur Äußerung des Lords zeigte, wandte Bartholomew seine besorgten Augen bereits wieder von jenem Jungen ab, um sich dem neu befüllten Glas zu zu wenden, dieses in die Hand zu nehmen und damit zu signalisieren, dass auch er sich nun diesen bevorstehenden Besprechungen widmen würde ohne Ambrose zur Seite zu stehen. Der Erbe der Peasegoods war auf sich gestellt, musste seine übrig gebliebene Kraft sammeln, sich von diesem Ort zurückziehen und würde sich hoffentlich baldig von diesem Tag erholen und zeitig seinen Auftrag beenden. Eine erneute Zusammenkunft mit diesem oder womöglich einem schlimmeren Ausgang wollte das Familienoberhaupt um jeden Preis vermeiden.

  • Madeline van Uylenburgh & Mani Nygard

    am Abend des 4. Aprils

    Zitat von einem schwarzen Brief

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    Finde dich heute Abend in Little Hangleton ein.


    Nur diese Zeile, geschrieben in silbrigen Lettern auf rabenschwarzem Papier, hatte auf den Betten der beiden Glücklichen gelegen, die der Lord am Abend in die Villa der Riddles zitiert hatte. Keine Angabe über die Uhrzeit, keine Informationen, was sie erwarten würde – so hielt er es immer. Er mochte, wenn sie warteten. Wenn sie zitternd in der Eingangshalle saßen, nicht sicher, ob sie den morgigen Tag noch erleben würden. Dabei lag das nicht einmal in seiner Hand – nicht wirklich. Madeline Martini und Mercury Nightowl würden selbst darüber entscheiden können, ob sie sein Angebot, sein Mal annehmen würden, oder ob sie starben. Lord Voldemort fand das gütig.

    Auch die restlichen Todesser hatten am Morgen des 4. Aprils Briefe auf ihren Esstischen vorgefunden. Ob sie die Einladung annehmen würden war dieses Mal jedoch ihnen überlassen; obwohl er Zuschauer schätzte, würde dieses Mal keine Lektion erteilt werden; keine Furcht in ihre Herzen gesät. Zumindest nicht über das Maß hinaus, das sie sowieso schon kannten.

    Das Feuer in der Stube flackerte aufgeregt, als Naginis massiger Körper sich um die Fußbeine des schlichten Holzstuhls legte, von dem der hagere, großgewachsene Mann mit den roten Augen gerade aufstand. Mit einem unnatürlichen Zischen beruhigte er das aufgebrachte Tier und stellte sich dann an das Fenster zum Hof. Die Lichter von Little Hangleton glitzerten in der Ferne. Schon seit Jahren hatte sich kein Muggel mehr zum verfallenen Anwesen der Riddles getraut. Nagini stimmte das unzufrieden. Er hörte, wie hinter ihm die Tür quietschte, aber wandte sich nicht um. Brutus Grasso fiel auf die Knie, murmelte Trivialitäten, dann postierte er sich hinter dem Stuhl. Er trug seine Maske. Die hohen Bücherregale, der gewienerte Boden, die Wärme des Kaminfeuers standen im Kontrast zu der Schlange und den beiden Männern, einer grobschlächtig und breit, der andere schlank, fast dürr, aber nicht weniger furchteinfloßend. Die Dielen knarzten, als Lord Voldemort dem Fenster seinen Rücken zuwandte und sich wieder auf seinem Stuhl niederließ.
    Er wartete.

  • Ihre Schritte hallten leise durch die düster gehaltene Halle, während Maddie vor Nervosität langsam auf und ab lief und so tat, als würde sie die den Raum interessiert begutachten. Manchmal flackerte ihr Blick zu Mercury, dem sie bisher nicht mehr als ein schmales Lächeln gezollt hatte. Die Narbe, die sich seit ihrer letzten Begegnung neu über sein Gesicht zog, hatte sie lediglich mit einer gehobenen Augenbraue quittiert. Dies hier war nicht der Ort, um ihn zu fragen, wie er zu ihr gekommen war. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, dass sie ihm unverhofft nachts über den Weg gelaufen war und prompt zu sich nach Hause eingeladen hatte. Wie sehr sich ihr Leben seitdem verändert hatte.

    Sie selbst trug sich mit einer Fassung, die ihr jegliche Energie raubte. Wahrscheinlich hätte sie aufgeregt sein sollen, freudig, dass sie gerufen worden war, um sich womöglich nützlich machen zu können. Doch ihr Magen war flau. Ein säuerliches Gefühl verharrte am Rand ihrer Kehle. Das letzte Mal, das sie ihrem Lord unter die Augen getreten war, war unschön für sie geendet. Sie hatte sich bemüht, ihm keinen neuen Anlass zu geben, unzufrieden mit ihr zu sein. An die Hoffnung, dass sie darin erfolgreich gewesen war, klammerte sie sich.

    Während Mercury scheinbar unberührt auf einem der Stühle herumlungerte schritt sie weiter. Ihr karmesinroter Umhang, dessen Farbe von ihren langen Nägel gespiegelt wurde, flatterte ihr um die Beine. Es war nicht der Start ins Wochenende, den sie vorhergesehen hatte, doch sie hatte es sich nicht nehmen lassen, ihre Aufmachung akribisch abzustimmen. Die Haare waren elegant und streng nach hinten frisiert. Ein Zauber sorgte dafür, dass ihnen ein feucht glimmernder Schein nachhing. Ihre Augen umgab ein dunkler, dichter Wimpernkranz, welcher im Kerzenschein der Halle einen Schatten auf ihre ebenfalls rot getuschten Lider warf. Wer wusste schon, was passieren würde. Wer alles hier sein würde. Sie wollte gut aussehen – egal was sie erwartete.

    Ein kalter Schweiß benetzte ihre Handflächen, die sie unauffällig an ihrem Umhang versuchte, zu trocknen. Maddie spürte, wie ein Hustenreiz ihren Hals kitzelte. Eine langsam abebbende Folge ihrer Vergiftung. Sie war nicht lange im St. Mungos gewesen, doch manchmal schien ihr, als sitze ihr das Gift noch immer in den Knochen.

    Dann hörte sie ein Geräusch. Maddie drückte ihren Rücken durch, schluckte, warf einen weiteren Blick gen Mercury. Auch wenn sie bisher nicht viele Erinnerungen miteinander teilten, fühlte sie sich ihm in diesem Moment seltsam verbunden. Ob er eine ähnliche Nachricht wie sie erhalten hatte oder ob er mehr wusste als sie? Eine Tür öffnete sich. Ihre Pupillen weiteten sich leicht. Dann gab sie sich einen Ruck, nickte ihm fragend und auffordernd zugleich zu und steuerte die Tür an.

    Die Präsenz Voldemorts zentralisierte alle Aufmerksamkeit des Raums und ihr Blick fiel direkt auf ihren Meister. In einer fließenden Bewegung kniete sie sich vor ihn, senkte unterwürfig ihren Kopf und bedachte ihn mit einer Reihe an begrüßenden Worten, die ihren Respekt zum Ausdruck bringen sollten. Dann trat sie ein paar Schritte zurück, unschlüssig wo im Raum sie sich zu positionieren hatte.

  • Madelines Schritte füllten den Raum wie das Ticken einer Uhr. Wir hatten seit unserer jeweiligen Ankunft nicht ein Wort miteinander ausgetauscht; ich war recht froh darüber. Über die Gesellschaft der Martini mochte ich kein schlechtes Wort zu sagen oder denken vermögen — und sie nahm mir den Auftrag, der ihre Verwandschaft betroffen hatte, hoffentlich nicht übel —, doch belangloses Schnattern, nur um die Zeit zu füllen, brauchte mit Sicherheit keiner von uns beiden. Während sie eine weitere Runde begann, schnell im toten Winkel meines rechten Auges verschwand, verlagerte ich das Gewicht auf meiner Sitzgelegenheit. Mit den Fingern rieb ich mir an der Seite meines Halses über die Haut.
    Der schwarze Brief unseres Herren hatte keinerlei Aufschluss darüber gegeben, was uns beide heute erwarten würde. Mein letzter Auftrag für die Todesser lag mittlerweile über drei Monate zurück. Mir rann ein kalter Schauer über den Rücken. Die Gruft von Lucretia war nichts, woran ich mit Freude zurückdachte. Der muffige Gestank der Höhle, die toten Hände, die nach mir gegriffen hatten, die eisige Kälte in meinem Brustkorb... Ich konnte nicht einmal sicher sagen, dass sich all das gelohnt hatte. Letztendlich war es Bulstrode gewesen, die das Amulett an sich nahm und überreicht hatte — und die Gelegenheit sicherlich direkt genutzt, um ihre Version der Ereignisse weiter zu tragen. Dabei wäre ihr Pfad schon beim Eingang der Höhle geendet, wenn sie nicht mich dabei gehabt hätte. Entsprechend konnte die Einladung heute vieles bedeuten. Schlichtweg ein weiterer Auftrag. Es musste dafür nicht einmal unbedingt sein, dass wir dem Lord selbst gegenübertreten mussten. Er hatte genügend Untertanen, denen er dies auftragen konnte. Genauso gut könnte es eine Strafe für ein wahrgenommenes Versagen sein. Für Madeline wäre es nicht das erste Mal. Für den Jüngeren beim selben Treffen war es der letzte Fehler gewesen.
    Die nächsten Momente würden es offenbaren. Ich hob meinen Blick bei den erklingenden Geräuschen und traf dabei jenen der Martini. Ein weiterer, wortloser Austausch zwischen uns. Ein Nicken ihrerseits, das ich kaum merklich erwiderte und mich aus dem Stuhl erhob, um ihr durch die Tür zu folgen. Stechende, roten Augen im fahlen Gesicht begrüßten uns beide. Ein Blick, der sich bereits beim letzten Mal so intensiv in mich gebohrt hatte. Lauren hatte sich früher manchmal darüber beschwert, dass ich ihr das Gefühl gab ihr bis auf die Seele blicken zu können. Wenn das wirklich so wahr, so ging der des Lords noch tiefer — was auch immer nach der Seele noch kommen sollte.
    Madeline hatte sich längst auf die Knie nieder gelassen, neigte ihren Kopf. Ihre Stimme surrte vor meinen Augen. Hart trafen meine Knie auf den dunklen Holzboden. Meinen Kopf genauso zu neigen bot eine gute Ausrede den Blick von den roten Abgründen abzuwenden.

  • Als Ambrose die Türschwelle zu dem Raum passierte, der ihn in seinen dunkelsten Albträumen noch immer heimsuchte, standen ihm Schweißtropfen auf der Stirn. Er wusste ganz genau, wann er das letzte Mal hier gewesen war. Im Gegensatz zu jetzt hatte er damals jedoch keine Maske getragen und die Angst war ihm wie von einer blutigen Feder ins Gesicht geschrieben gewesen. Jetzt konnte er die Anspannung hinter kaltem Metall verstecken und hinter kriecherischer Unterwürfigkeit, als sein Knie den Holzboden traf und er den Kopf senkte. „Mein Lord.“ Er verharrte einige Sekunden so und als seine breiten Schultern sich wieder hoben, hatte er die Mauern um sein Bewusstsein hochgezogen. Natürlich war er nicht dumm genug zu glauben, er könnte jemanden wie den Dunklen Lord aus seinen Gedanken fernhalten – aber er konnte doch, und darauf war er stolz, genau die Art Einblick in seinen Kopf geben, der angemessen war. Brutus Grasso nickte ihm zu, als er sich neben ihm positionierte.
    Madeline und Mekkino. Er konnte sich noch gut an den Tag erinnern, an dem er das Dunkle Mal empfangen hatte. Damals war es ihm vorgekommen wie die größte Ehre – ein Sinn, der seinem Leben verliehen wurde und dem er nachjagen konnte. Auch jetzt gab das Mal ihm Sinn; aber im Gegensatz zu vielen Jahren zuvor wusste er, dass er es ihn auf einen dunklen Pfad führte, der irgendwann zu seinem Untergang führen würde. Ganz egal, wer den Krieg in der Welt gewann, ob die Pläne ihres Lords aufgehen würden oder nicht: er dabei zugrunde gehen. Weil er sich verloren hatte; weil er nichts war ohne dieses Mal. Weil er über und über in Blut gebadet war, ohne jemals selbst Hand an etwas Lebendes gelegt zu haben und nichts ihn davon jemals wieder reinwaschen würde.
    Ungewöhnlich lange blieb sein Blick auf die blanken Gesichtern der beiden Anwärter:innen gerichtet, aber sie machten ihre Sache gut. Schon wieder. Madeline hatte es bei ihrer gemeinsamen Unternehmung in der Winkelgasse bewiesen, Mekkino bei ihrem Besuch im Apartment von Lola – sie passten perfekt zu ihnen. In die Mitte derer, die Macht für sich beanspruchten und doch nur Bauern auf einem Schachfeld waren, auf dem es außer ihnen nur noch einen König gab. Ambrose verzog das Gesicht. Der Vergleich hinkte. Aber es tat gut sich in ausufernden Gedanken zu verlieren, um sein Hirn davon abzuhalten sich zu sehr auf den Fleck an der Decke zu konzentrieren, den er vor so vielen Jahren angestarrt hatte, als sein Vater den Folterfluch auf ihn gerichtet hatte. Ob das alte Holz seine Schreie aufgesaugt hatte? Erinnerte es sich an ihn? Erinnerte er sich? Er legte den Kopf in den Nacken und sah nach oben. Da war er wieder, der Schmerz, der wie flüssige Lava durch seine Adern kroch und jede Faser seines Seins in Qualen tauchte. Zumindest die Erinnerung daran. Aber vielleicht war es auch die Erinnerung an seinen Vater, die so schmerzte.
    Der Boden im Flur knarzte. Als Ambrose den Blick von der Decke löste, waren Murtagh und Jonathan Godwins eingetreten. Ihre Masken glänzten im sinistren Feuerschein des Kamins. Ambrose nickte nur.
    Er wollte nicht hier sein.


    // Murtagh Havisham und Jonathan William Godwins treffen ebenfalls ein!

  • Willkommen.
    Lord Voldemorts lange, weiße Finger trommelten in einem seltsam beruhigenden Rhythmus auf der Lehne seines Stuhls, von dem aus er die Ankömmlinge beobachtet hatte. Die Temperatur in dem Raum, der eigentlich vom Kaminfeuer gewärmt werden sollte, schien ein paar Grad zu fallen. Er erhob sich. „Es freut mich über alle Maßen, dass ihr meine Einladung angenommen habt. Madeline…“ Er trat auf die beiden jungen Magier:innen zu. Seine dunkle Robe streifte dabei über den Boden und über den schuppigen Körper der riesigen Schlange, die die Szenerie mit ebenso aufmerksamen Blick betrachtete. Lord Voldemort legte seine bleiche Hand für einen Moment auf die Schulter der jungen Frau, eine väterlich anmutende Geste, ehe er hinter ihr an ihr vorbeischritt und die gleiche bei dem Isländer vollführte. „… und Mekkino.
    Ein Holzscheit brach und ein Knacken hallte durch den sonst totenstillen Raum. Nagini zischte. Die Stimme ihres Meisters nahm einen ähnlichen Farbton an, als er in die Mitte des Raumes trat. Seinen Rücken hatte er seinen Getreuen zugewendet, die wie ein Bollwerk der Loyalität hinter ihm standen. All diese starken Magier… und sie fielen vor ihm auf die Knie. Er, dessen Vater ein Muggel und seine Mutter eine minderbegabte Hexe gewesen war. Er. Tom Riddle.
    Der Kreis meiner Anhänger ist handverlesen.“ Keine Regung war auf dem fahlen Gesicht des rotäugigen Mannes zu sehen, dessen Pupillen ohne zu Blinzeln von Madeline zu Mekkino wanderten. „Und eure Loyalität ist in den letzten Monaten nicht unbeobachtet geblieben. Obwohl nicht immer erfolgreich…“, seine Augen blieben an Madeline hängen, „wart ihr eisern im Willen und eurer Überzeugung.“ Aus den Falten seiner Robe zog Lord Voldemort nun seinen knorrigen Eibenstab. Seine Finger umschlossen das Holz wie einen verloren geglaubten Freund. „Und Loyalität belohne ich.“ Er machte eine einladende Bewegung mit seinem Stab und über seine dünnen Lippen zuckte etwas, das entfernt an ein Lächeln erinnerte. „Zeigt mir eure Unterarme.

  • Ein Schauer fuhr ihr über den Rücken, als Lord Voldemort einen Moment seine Hand auf ihrer Schulter ablegte, doch ihr Gesicht war eine Maske stoischer Beherrschung. Sie neigte ihren Kopf unterwürfig. Es war Angst und Rausch zugleich, sich ihm so nah zu wissen. Wie eine Droge fraß sich die Aufregung durch ihren zarten Körper. Es war das, was sie wollte. Gesehen werden. Sich einer Aufgabe verschreiben, um Sinn in ihr zu finden. Anerkennung in den Reihen der Anderen zu finden. Es fühlte sich richtig an, ihre Hoffnung in eine höhere Macht zu stecken und es fühlte sich berauschend an, dass er, der unbestritten mächtigste Magier in ihren Breitengraden, vor ihr stand und sie sah. Er, bei dessen Erwähnung das Licht in den Augen ihrer Mitmenschen verblasste, der sie zum Erzittern brachte und der über dem Tod selbst thronte, hatte sie, Madeline, handverlesen.

    Sie kontrollierte sich auf ihren Atem. Hob wieder ihren Kopf, als er weiterschritt und sich ihrem Mitstreiter zuwandte. Kurz blickte sie in die Runde derer, die sich dort im Raum versammelt hatten, spürte wie sich ihre Kehle verengte, als sie in die vertrauten Gesichter blickte. In die Gesichter jener, die sie hatten fallen lassen, die sie hintergangen hatten, angeschrien und ignoriert, und die sie trotzdem schmerzlich vermisste und nach wie vor zurück in ihrem Leben haben wollte. Einatmen. Ausatmen. Maddie klärte ihren Geist, wie sie es von Murtagh gelernt hatte, um sich zu sammeln. Dieser Moment galt ihr. Ihr und Mekkinó. Ihre Lippen pressten sich angespannt aufeinander, als der anklagende Blick Voldmorts kurz auf ihr lag und sie an ihre vergangenen Missgschicke erinnerte. Sie schlug die Lider ihrer Augen nieder. Sie war bereits dafür bestraft worden. Er würde sie nicht hierher zitiert haben, um sie ein zweites Mal dafür leiden zu lassen. Er würde seine Zeit mit wichtigeren Dingen füllen. Oder?

    Die Anspannung verließ ihre Lippen, als er fortfuhr. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Ihr Mund öffnete sich einen winzigen Spalt, um ihrer Überraschung Luft zu geben und wieder war dort die ambivalente Melange aus Furcht und Aufregung, als er ihre Unterarme forderte. Maddie wusste, was dies bedeutete. Es war der Moment, auf den sie seit anderthalb Jahren wartete. Mit leicht zittrigen Händen schob sie den Ärmel ihrer seidenen Bluse hoch. Ihr Mund war trocken. Ihre Augen leuchteten. Alle Gedanken an die Männer am Tisch verblassten, während sie einen kleinen Schritt auf Voldemort zutrat, den Rücken durchstreckte, den Kopf leicht beugte und ihm dann ihren Unterarm präsentierte. Ihr Herz hämmerte gegen ihren Brustkorb. Sie war bereit.

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