[Anwesen der Riddles] Die Stube

  • Mekkinó. Atem blieb mir im Hals stecken. Ein Teil von mir hatte nicht erwartet, dass er meinen Namen kannte — den, mit dem ich geboren war, den meine Eltern nutzten, der mich mit daheim verband. Mercury war derjenige gewesen, dem sich diese Chance hier aufgetan hatte. Reinblütig. Frisch verheiratet. (Frisch geschieden.) Ein Teil der britischen Gesellschaft. Er hatte das hier gewollt. Ich wollte das hier. Zwei Namen, dieselbe Person, derselbe Körper, der auf dem Holzboden zu Füßen dieses Zauberers kniete und dem beim reinen Klang seines eigenen Namens ein Schauer über den Rücken fuhr.
    Wie zuvor bei Madeline legten sich seine Finger auf meine Schulter, ihre Kälte eine Erinnerung an jene, die sich im Dezember durch meinen Brustkorb gegraben hatte. War das, wie sich die Macht einer anderen Person anfühlte? Echte, magische, dunkle Macht — nicht die Primitivität mit der sich Menschen wie Havisham rühmten, kein anderer Körper, der sich auf einen drückte, Finger, die sich um den Hals schlossen und einem den Atem raubten. Der Herr der Todesser brauchte dies nicht. Lucretia in ihrer Gruft hatte es sicherlich auch nicht. Ihre Macht war anderer Art. Kalt. Logisch. Schneidend. Teil seiner Anhänger:innen zu sein bedeutete, auch ein Teil seiner Macht zu sein. Kontrolle über das Geschehen zu haben.
    Erneut war sie schneller als ich, hatte sich bereits aufgerichtet und trat nach vorne, während sich mir noch der Kopf drehte, ein vertrautes Pochen hinter den Schläfen. Meine Finger wollten mir nicht ganz gehorchen, taten sich schwer damit meinen rechten Hemdsärmel hochzuschieben. Ein leises Räuspern ließ mich den Blick heben, fing den von Peasegood ein. Er schüttelte den Kopf kaum merklich, machte eine vage Handgeste in Richtung seines Arms. Der Andere. Lautlos entließ ich meinen Atem durch meinen Mund. Nun stattdessen mit meiner nicht-dominanten Hand zu versuchen den linken Ärmel hochzukrempeln war nicht einfacher; ich schaffte es jedoch zumindest bereits an Madelines Seite nach vorne zu treten. Unzählige Augenpaare auf uns gerichtet. Sie sollten Verbündete, Kamerad:innen sein; Menschen, mit denen man dasselbe Ziel teilte, denen man sich anvertrauen konnte. Ich fühlte zu den wenigsten von ihnen eine derartige Verbindung. Es endlich schaffend meinen Unterarm zu enthüllen und neben Madelines zu halten, stieß ich sacht mit meiner Schulter gegen ihre. Von allen hier kam sie dem Ganzen wohl noch am nächsten.

  • Ein zufriedenes Lächeln breitete sich endlich auf den schmalen Lippen des Dunklen Lords aus, als die beiden Anwärter:innen bereitwillig ihre Unterarme bereit stellten. Ihm entging die Hilfestellung eines seiner Getreuen nicht, aber er verzichtete auf eine Rüge. Ein Geschenk an die beiden – Peasegood und Baldwinsson. Sie hatten in den letzten Wochen beide gute Dienste geleistet. Und Lord Voldemort war gütig.
    Er begann mit Madeline. „So sei es“, schloss er und griff nach ihrer schmalen Hand. Seine war eiskalt, bleich, die Hand eines Toten, der unter den Lebenden wandelte. Die Spitze seines knorrigen Stabes drückte unangenehm fest in ihr weiches, blasses Fleisch, während er die Worte sprach, die es benötigte, um das Dunke Mal zu hinterlassen. Sein Mal. Von nun an würden diese beiden jungen Magier:innen ihm gehören. Sie hatten Loyalität und Gefolgschaft geschworen und sie würden sie bis in den Tod unter Beweis stellen. Sie würden es müssen.
    Dunkle Schwaden lösten sich dort, wo sein Zauberstab auf ihre Haut traf und drangen in ihre Blutgefäße ein. Wie ein verschmutzter Bachlauf rann das Dunkle den Unterarm hinauf, hinterließ ein Brennen, als schnitt er ihnen mit einem Messer ins Fleisch, bis es sich mittig zu einem Abbild formte. Auf Mekkinos Unterarm bildete sich wenige Augenblicke, nachdem er mit Madeline fertig war, das gleiche: ein Totenkopf, aus dessen Mund sich eine Schlange windete. In der Präsenz von Lord Voldemort schien sich das Tier auf ihrer Haut zu bewegen und sollte er sie zu sich rufen, würde es schmerzen und sie würden wissen, dass sie erwartet wurden.
    Ein Brandmal. Eine Besitzurkunde. Sein.
    Begrüßt eure neuen Kameraden“, erklang schließlich die kalte Stimme des Lords, als er wieder zurücktrat. Das Lächeln auf seinen Lippen war erstorben. Seine Reihen füllten sich.
    Die Unterwerfung der magischen Gesellschaft war nicht weit.


    Ende

  • Ambrose Peasegood

    Hat den Titel des Themas von „Die Stube“ zu „[Anwesen der Riddles] Die Stube“ geändert.

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