[Anwesen der Riddles] Die Stube

  • Fields' Zweifel waren wie Treibsand auf dem sie stand und der sie immer weiter in die Tiefe zog, je länger sie sich auf ihn befand. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass sie nun bestimmt alle Optionen abwog, die sich hier boten und ich war auch sicher, dass sie weitaus mehr Optionen ins Auge fasste, als es wirklich gab. Die ehemalige Gryffindor war hier, weil sie geblendet von ihre Gefühlen für den anderen Werwolf war. Nur diese Empfindungen hatten eine Hexe, die von sich eigentlich behauptete nicht viel mit meiner Wenigkeit zu tun haben zu wollen, hierher gebracht und genau diese Empfindungen würden sie auch dazu bewegen, mein Angebot anzunehmen - daran hatte ich keine Zweifel. Welchen Sinn hätte ihr Besuch schließlich gehabt, wenn sie nun mit leeren Händen nach Hause zurückkehrte? Keinen. Und so wartete ich geduldig, bis Fields weiter in das Loch aus Treibsand einsank und schließlich eine Entscheidung traf.
    D-Darf ich noch jemandem Bescheid s-sagen?“, piepste die ehemalige Hogwartsschülerin. „U-Und Sachen holen?“ Ich war versucht meine Augen zu verdrehen und genervt zu seufzen, sah aber angesichts der Lage davon ab, um Fields nicht zu ermöglichen, sich nun doch noch aus der Schlinge um ihren Hals zu ziehen. Natürlich konnte sie das nicht! Wo kamen wir denn da hin, wenn ich jeden laufen lassen würde? Am Ende rannte sie noch zu Bubbletalk und führte ihn hierher und darauf konnte ich gut und gerne verzichten. Immerhin drückte sie mit ihren Worten aus, dass sie bleiben wollte. Dennoch konnte man über ihre Naivität nur den Kopf schütteln. Mit einer ruhigen Bewegung griff ich nach dem Tintenglas, das nach wie vor auf dem Tisch stand und auch die Schreibfeder beinhaltete, und stellte es ihr vor die Nase. Anschließend zog ich meinen Zauberstab und ließ ein Blatt Pergament aus dem Nebenraum zu uns schweben. Sanft landete das Blatt auf dem Tisch neben dem Glas und der Feder.
    "Schreib ihnen.", befahl ich und sah die Hexe dabei direkt an. Meine Stimme war nach wie vor freundlich und nett, doch hatte sie an Bestimmtheit gewonnen. Wenn Fields schlau war, dann würde sie alleine daran merken, dass Little Hangleton kein Hotel war, in dem man ein und aus gehen konnte, wie man es beliebte. Entweder man blieb oder man ging - in welchem Zustand auch immer. "Wir haben genügend Sachen hier um die zu verpflegen. Du musst dir darüber also keine Sorgen machen.", erklärte ich weiter und betrachtete gedankenverloren meinen Zauberstab, den ich zwischen meinen Fingern langsam drehte, so als wollte ich ihn auf Makel überprüfen. "Wurmschwanz wird den Brief dann heute noch wegschicken und keine Sorge...", bemerkte ich und warf Fields dabei einen kurzen Blick zu. "...ich werde dafür sorgen, dass er eine unserer schnellsten Eulen nimmt." Ich würde sie wohl in eines der aufgeräumten Zimmer unterbringen und nach Narzissa schicken lassen. Die Gemahlin von Lucius war zwar in manchen Punkten ein wenig verweichlicht, doch vermutlich war das genau der Trost, den Fields in ihrer aufkeimenden Unsicherheit brauchen würde. Zudem trieb sich Narzissa nicht so oft in der Nähe von Hogwarts herum, so dass man sie nur schwer erkennen würde, wenn sie ihr Aussehen ein wenig mit Hilfe von Magie verändern würde. Ja, das war eine gute Idee. Narzissa würde das regeln und ich würde Zeit haben, mich um Oafert zu kümmern, damit meiner Geschichte im Nachhinein auch Glaubwürdigkeit seitens des Quidditchspielers verliehen wurde.

  • Sasha schluckte schwer. Ihnen schreiben? Nur schreiben? Nachdem sie sang und klanglos einfach verschwunden war, ohne ein Wort, nicht gesagt hatte, wohin sie ging, sollte sie ihnen jetzt nur schreiben? Oh, Alice würde doch umkommen vor Sorge...vor allem, weil Sasha genau wusste, dass sie nicht die volle Wahrheit schreiben konnte. Nicht, wo sie war, nicht, wer bei ihr war...nur, dass sie zurück kommen würde. Hoffentlich. Bald. Mit weichen Knien rutschte Sasha auf ihrem Stuhl nach vorne, so dass sie fast nur noch auf der Kante saß und ergriff dann mit zittrigen Fingern die Schreibfeder. Sie überlegte einen Moment, dann tauchte sie sie in das Tintenfass. Das Kratzen der Feder auf dem Pergament war ein paar Minuten lang das einzige, was zu hören war; abgesehen natürlich von Sashas aufgeregtem, mittlerweile viel zu lautem Atmen. Was genau konnte sie schreiben? „Alice – macht euch keine Sorgen, mir geht es gut“, war das erste, dann hielt sie inne. „Es tut mir Leid, dass ich einfach so gegangen bin, ohne Bescheid zu sagen, aber es ging nicht anders. Natürlich war es nicht anders gegangen...hätte sie gesagt, dass sie spät abends noch zum Piccadilly Circus musste, hätte sie um den Grund lügen müssen; und Sasha war eine grauenhafte Lügnerin. War es schon immer gewesen. Und hätte sie die Wahrheit gesagt, hätte es Alice ihr sicherlich verboten oder hätte darauf bestanden mitzukommen. „Ich“ und hier wusste sie nicht weiter. Gedanklich ging sie alles durch, was sie schreiben könnte – ‚Ich weiß, wo Evan ist‘ – ‚Ich suche nach Evan‘ – ‚Ich versuche ihn nach Hause zu bringen‘, aber all das – außer dem letzten – stimmte nicht wirklich und war wohl noch kryptischer, als einfach zu schreiben. Und dass sie versuchte ihn heimzubringen...das durfte sie nicht schreiben. Sicherlich würde Du-weißt-schon-wer ihren Brief lesen. „...komme zurück sobald ich kann. Vielleicht mit Evan.“ Gut, viel besser war das auch nicht, doch irgendwie musste sie doch einen Grund geben. „Macht euch keine Sorgen, Sasha.“ Die ehemalige Gryffindor überflog ihre ungewöhnlich krakelige Handschrift noch einmal, dann legte sie die Feder wieder auf dem Tisch ab, schob den Brief ein wenig von sich weg und setzte sich wieder richtig auf den Stuhl.
    Es mochte wohl komisch wirken, dass Sasha, der größte Angsthase, noch nicht zusammengebrochen war im Angesicht des Mannes, dem sie gegenüber saß; aber irgendwie zog das nur noch an ihr vorbei. Alles, woran sie denken konnte war, dass sie Evander wieder sehen würde. Und herausfinden würde, ob Er, dessen Name nicht genannt werden darf sie angelogen hatte oder nicht. Doch auch wenn sie eigentlich nach wie vor überzeugt war, dass er nicht die Wahrheit gesagt hatte...der Zweifel war gesät. Wieso hätte er sie sonst hierbehalten?

  • Für eine Weile war der Raum nur erfüllt von dem kratzenden Geräusch der Feder, die über das Stück Pergament glitt und Worte der Erklärung aber auch der Entschuldigung suchte. Ich beobachtete das Ganze mit mäßigem Interesse, war ich mir doch sicher, dass mein Gast nichts anderes zu sagen hatte, als Worte des Bedauerns und des schlechten Gewissens. Als wäre sie noch ein Welpe! Dabei war die ehemalige Gryffindor, zumindest auf dem Papier, erwachsen! Theoretisch müsste sie daher niemanden Rechenschaft über ihren Verbleib ablegen. Dass dies dennoch notwendig war, sagte einiges aus. Es bedeutete nämlich, dass die Werwölfin Menschen in ihrem Leben hatte, an denen ihr etwas lag und die wohl auch um ihre Sicherheit besorgt waren - eine schier kostbare Information, wenn man bedachte, dass ich sie bei möglichem Ungehorsam gegen meinen Gast einsetzen konnte. Ich hatte schon vor einiger Zeit gelernt, meine Todesser für ihre Taten zu bestrafen oder zu loben. Dass ich dabei aber nicht immer in Stimmung war, sie körperlich zu foltern, lag bei der Anzahl meiner Untertanen auf der Hand. Daher hatte ich eine teilweise viel effektivere Methode entwickelt um mir die Loyalität und Gefolgschaft meiner Anhänger zu sichern. Was man dazu benötigte? Lediglich eine Handvoll Verwandte oder Freunde, die der betroffenen Person am Herzen lagen und schon wurde aus Ungehorsam bedingungslose Gefolgschaft. Ich unterdrückte ein Seufzen. Wie sehr ich diese Wesen doch bemitleidete. Sie waren gefangen in ihrem eigenen Gewirr aus Gefühlen, das ihnen ständig im Weg stand und sie zu Taten anleitete, die sie unter normalen Umständen nicht einmal in Betracht gezogen hätten - wie man am lebendigen Beispiel der Gryffindor deutlich sehen konnte. Würde das Ministerium und die Auroren sich ebenfalls auf Angehörige oder Freunde stürzen, so würde so mancher Todesser wanken, doch zu meinem Glück befand Bubbletalk solche Methoden als unmenschlich, was immer er damit auch ausdrücken wollte. Einen Umbruch in einer Gesellschaft herbeizuführen, war nicht leicht und manchmal musste man eben mit härteren Bandagen kämpfen, wenn man an sein Ziel kommen wollte. Dieses elende Gesülze von Nächstenliebe und Rücksichtnahme war nichts anderes als eine Ausrede für Schwäche und Schwäche würde ich nicht tolerieren. Fields setzte die Feder ab und befand ihren Brief als beendet. Ich nickte ihr zu.
    "Gut.", lobte ich meinen Gast und erhob dann meine Stimme zu einem scharfen Befehl. "Wurmschwanz! Komm her!" Ein Rumplen im Nebenraum zeugte davon, dass mein Diener vor Schreck gerade fast von seinem Stuhl gefallen wäre. Kurz darauf streckte der Zauberer, der stets eine Ähnlichkeit mit einer Ratte aufwies, zögerlich seinen Kopf in die Stube.
    "M-mein Herr?", meldete sich der mehr oder minder nutzlose Animagi zu Wort.
    "Bereite unserem Gast bitte ein Zimmer vor und geleite sie dorthin."
    "Das Zimmer ist bereits fertig, mein Herr. I-i-ich war so frei und habe es in meiner Freizeit vorbereitet, da ich dachte, wir könnten es brauchen.", entgegnete Wurmschwanz zu meinem eigenen Erstaunen. Ich schenkte meinem Diener einen kurzen Blick, den er wohl als Anerkennung deuten würde.
    "Sehr gut.", lobte ich ihn so wie ich meinen Gast vorhin für die Fertigstellung ihres Jammerbriefes gelobt hatte. "Dann kannst du Miss Fields ja sofort in ihr Zimmer begleiten. Ich werde derweil nach Narzissa schicken lassen und mich persönlich um die Zustellung des Briefes kümmern.", bemerkte ich mit einem Grinsen an die Werwölfin gewandt und fügte noch hinzu, ehe sie in Panik geraten konnte: "Auf dem Postweg natürlich."


    Ende.
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    Rückblick auf den 5. September


    Das englische Wetter machte seinem Ruf alle Ehre und schickte prasselnden Regen vom Himmel herab, der nun unablässig gegen die Fensterscheiben prallte und die Stube mit einem rhythmischen Geräusch erfüllte, das versuchte das Knistern des spärlichen Kaminfeuers zu übertönen. Ich hatte meinen gewohnten Platz im Lehnsessel eingenommen und kümmerte mich nicht um solche Nebensächlichkeiten, sondern hatte meinen Blick auf die Tür geheftet, die halb offen stand und durch die jeden Augenblick der geliebte Werwolf von Fields eintreten würde. Palmer hatte - wie zu erwarten war - ihre Aufgabe vortrefflich erledigt und den Werwolf, ebenso wie es Kavanagh bei Fields geschafft hatte, ohne Gewaltanwendung zu ihm geschafft. Wurmschwanz hatte das Eintreffen des hochgewachsenen jungen Mannes bereits angekündigt und so blieb mir für die verbleibenden Sekunden nichts anderes übrig als zu warten. Ich beherbergte Fields, die sich meistens verhielt wie ein in die Enge getriebenes Reh - sprich jeglichen Blickkontakt vermied - nun schon seit vier Tagen und ich befand, dass es an der Zeit war, meine Gastfreundschaft zu beenden. Oafert würde sich noch heute Abend meiner Sache verschreiben oder untergehen. Ich war mir über diesen Ausgang vollkommen sicher, denn auch wenn mein weiblicher Gast es vielleicht noch nicht bemerkt hatte, hatte sie mit ihrem Aufenthalt hier das finale Druckmittel geliefert, das zu Rate gezogen werden würde, wenn sich Oafert überraschenderweise als umkooperativ erweisen würde. Aber möglicherweise würde es gar nicht dazu kommen, denn wie ich bereits erfahren hatte, war der ehemalige Hufflepuff nicht abgeneigt, sich anzuhören, was ich zu sagen hatte. Dachse waren ja noch nie besonders schlau gewesen, doch auch sie trugen eine wertvolle Eigenschaft in sich: gewann man sie einmal für sich, so war ihre Loyalität nicht zu unterschätzen und konnte im Falle des Falles den Unterschied ausmachen. Aus diesem Grund hatte ich mir für den heutigen Nachmittag vorgenommen, mich ein wenig besser zu verhalten als das Wetter und mich von der Persönlichkeit des Werwolfs überraschen zu lassen. So gesehen würde Oaferts Ton die Grundlage für unsere Unterhaltung bieten und je nachdem, welche Tonlage er wählte, würde ich auch die meine wählen. Man sagte schließlich nicht umsonst: wie es in den Wald schallt...

  • … so schallt es auch wieder hinaus. Aber wie sollte einer denn wissen, was ihn im dunklen Wald erwarten würde, wenn einem ein wirres Dickicht aus Fragen und Unklarheiten, die Sicht versperrte und man drauf und dran war, sich blind in den Dornen zu verfangen? Der Wolf war zum Rotkäppchen geworden und ein Zurück gab es wohl nicht mehr, auch wenn tausend unsichtbare Hände an Evander zu zerren schienen, seid er das düstere Anwesen über dem Friedhof betreten hatte. Die ganze Zeit über hatte es ihn kaum gewundert, dass der anonyme Interessent an Werwölfen sich selbst nicht hatte Preis geben wollen, immerhin war längst klar, dass das Ganze ein wenig zwielichtig werden würde, aber jetzt… jetzt fühlte er sich mehr als nur unwohl. Eine klamme Hand schien auf seiner Brust zu ruhen, jedes Knarzen der uralten Dielen ließ ihm die Nackenhärchen zu Berge stehen und in einer Situation, in der er sich sonst sicher nur darüber amüsiert hätte, dass da wohl jemand einen gewaltigen Hang zur Dramatik hatte, schnürte ihm der Anflug von Angst die Kehle zu. Normalerweise machten alte, gruselige Häuser und Friedhöfe einem Zauberer keine Angst, waren Geister und Finsternis doch nichts Besonderes für ihn, aber hier… Evander schüttelte sich. Es mochte albern klingen, aber hier hatte er das Gefühl, dass alles wirklich bedrohlich war; dass hinter der Fassade des muffigen, alten Gemäuers, des Staubs und morschen Holzes etwas Dunkles lauerte, das er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmahlen können. Oh Gott, wo hatte ihn Selma, die vor dem letzten Gang stehen geblieben war, nur hingebracht? Er hatte schon mit einem geheimen Versteck gerechnet, einem Keller, aber eher wie er ihn von den Chamberlains kannte, die ja auch gerne als alte Verschwörer abgestempelt wurden.
    Ruhig Blut…“, mahnte sich der junge Zauberer selbst und schloss für einen Augenblick die Augen, als er die Tür am Ende des Ganges erreicht hatte. Sehr vorsichtig, als fürchtete er der Türknauf könnte verhext sein und ihn beißen wollen, streckte er die Finger aus und hielt doch noch einmal kurz über ihm inne. Ein schmaler, flackernder Lichtstreif von einem Feuer schien durch die Spalt der nur noch angelehnten Tür hindurch. Und wenn er sich doch lieber aus allem heraus halten wollte? Er war wütend, enttäuscht und frustriert. Er wollte irgendetwas tun, aber er wusste auch wie schnell man das Falsche tun konnte… Wie schnell man eine Entscheidung fällte, die man dann bitter bereute. Aber wie oft hatte er darüber in den letzten Tagen jetzt schon nachgedacht? Nein! Er hatte sein ganzes Leben lang immer nur die Hände im Schoß gefaltet und jetzt würde er sie nach etwas ausstrecken. Er klopfte. Wieder schüttelte ihn der Hall des Geräuschs, wieder schien ihm ein innerer Impuls sagen zu wollen, dass er zu rennen hatte, seine Nase, dass alles, was er hier roch nur Verderben sein konnte und kein altes Haus in deren Ecken und Ritzen wohl schon die ein oder andere Maus verweste, aber er ignorierte es. Er ignorierte allen, kühlen Verstand und legte die Hand nun doch an den Knauf, um vorsichtig einzutreten.
    Erst einmal blinzelte Evander nur dem orangnen Schein des Kaminfeuers entgegen und kniff die kleinen, blauen Augen fest zusammen. Auch dieser Raum mochte nicht sonderlich hell sein, allerdings bemerkte er jetzt erst wie lange er wohl unschlüssig in der Dunkelheit vor sich hingestarrt hatte. In dem Sessel in der Mitte des Raumes konnte er kaum Schemen ausmachen. „Sir?“, raunte seine dunkle Stimme und sichtlich nervös für einen Mann mit derart imposanter Gestalt fuhr er sich mit den schwitzigen Fingern fahrig über den braunen Reiseumhang und leckte sich über die trocken gewordenen Lippen. „Ich… ich bin Evander Oafert, Sir.“ Natürlich war er das… immerhin wurde er erwartet. Allerdings beruhigte ihn die Stille und nicht zu wissen, was kommen würde.

  • Unablässig prasselte der Regen draußen auf die Erde nieder in dem Versuch sie zu ertränken. Von Zeit zu Zeit fegte eine Windböe vor dem Haus vorbei und drückte die einzelnen Tropfen an die Fensterscheibe der Stube, so als versuchte man sich noch immer mit dem wohlklingenden Knistern des Feuers zu messen, das sich unbeeindruckt zeigte und unablässig weiter ein wenig Wärme im Haus verbreitete mit de rnun auch der Neuankömmling begrüßt wurde als er den Raum betrat, an dem ich mich befand. Evander Oafert war hochgewachsen, hatte blonde Harre und blaue Augen, die aus seinem kantigen Gesicht hervorstachen und jede Facette des Raumes wahrzunehmen schienen. Anders als bei Fields, in deren Augen sich zum großen Teil nur Sorge und Kummer gespiegelt hatte, fand man in diesen Selbstvertrauen und eine gewisse Stärke, die ich mir von dem Werwolf erhofft hatte. Anders als seine Geliebte schien der Werwolf über eine bessere Selbstbeherrschung zu verfügen und fand so bei seinem Eintraten Worte der Begrüßung. Palmer war zurück geblieben und signalisierte mir damit, dass bei Oafert vorerst keine akute Fluchtgefahr bestand - etwas, was man bei Fields nicht unbedingt hatte sagen können, hatte mein Gast doch manchmal gewirkt, als würde er am Liebsten umdrehen und nach Hause laufen. Mein Interesse an dem jungen Mann im braunen Reiseumhang war geweckt und so nickte ich ihm zur Begrüßung zu und deutete auf einen Stuhl der mir gegenüber stand.
    "Ich freue mich, dass Sie Zeit gefunden haben, mich anzuhören.", erklärte ich dabei galant, während Nagini, die in einem Korb nahe dem Kamin schlief kurz den Kopf hob und ihn nach einem leisen Zischen wieder gelangweilt sinken ließ. "Und es freut mich zu sehen, dass Sie wohlauf sind." In der Wahrheit lag die Kraft - eine Weisheit, die ich schon immer unterstützt habe. Worte, die überzeugen wollten, sollten auf der Wahrheit basieren, um ein stabiles Fundament für Auslegungen zu bieten. Baute man sein Gespräch jedoch auf einer Lüge auf, so war es von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dies war eine Lektion, die ich schon in frühen Jahren gelernt hatte und die mir zu meiner Schulzeit bereits zu Gute gekommen war, denn - wie ich Dumbledore sehr wohl noch erinnern wird - war ich der Beste gewesen und wenn ich es nicht gewesen war, so konnte ich die anderen dennoch davon überzeugen, es zu glauben. Oafert würde auch noch lernen zu glauben und das sogar freiwillig. "Als Palmer mir von Ihrem Schicksal in Hogwarts erzählt hatte, befürchtete ich bereits, Sie seien für immer verschwunden und würden sich irgendwo verkriechen wie ein wildes Tier. Dass Sie ein Leben im Schatten führen, ausgestoßen und verraten und doch keiner Schuld bewusst." Ich seufzte und schüttelte den Kopf, während ich auf die halb leere Flasche Feuerwhiskey deutete, die auf dem Tisch neben zwei Gläsern stand. "Wissen Sie, was ein gewöhnlicher Zauberer tut, um eine Flasche Feuerwhiskey zu kaufen?", fragte ich meinen Gast und richtete mich in meinem Sessel auf. "Er geht in ein Geschäft und kauft sie sich.", beantwortete ich die rhetorische Frage und griff nach der Falsche um meine Worte zu untermalen. "Danach geht er nach Hause und trinkt die Falsche zusammen mit seinen Freunden oder alleine mit dem Tagespropheten.", erklärte ich und füllte ein wenig der dampfenden Flüssigkeit in das erste Glas. "Wissen Sie, was ein gesuchter Werwolf tun muss, um eine Falsche Feuerwhiskey zu bekommen?", hakte ich weiter nach und füllte nun auch das zweite Glas. "Er muss sie von zwielichtigen Gestalten erstehen, da das Risiko zu groß ist, unvermummt und ungehemmt in einem Geschäft einzukaufen, in denen der gewöhnliche Zauberer sie erstehen würde, denn - wie ja bereits erwähnt - liest eben dieser den Tagespropheten und kennt daher Ihr Gesicht und Ihre vermeindliche Geschichte. Er glaubt, Ihr Wesen zu kennen und er fürchtet sich.", erklärte ich weiter, stellte die Falsche ab und griff zu einem der zwei halb gefüllten Gläser. Mein Blick traf jenen des Werwolfs und hielt ihn fest. "Ich fürchte mich nicht.", bemerkte ich dabei ruhig aber bestimmt und nahm einen Schluck der braunen Flüssigkeit, ohne meinen Gast aus den Augen zu lassen.

  • Evander hielt den Atem an, als sich die Dunkelheit für seine Augen lichtete und er den ersten, klaren Blick auf die Gestalt im hohen Lehnstuhl erhaschen konnte.. Er hatte einiges erwartet, vielleicht einen exzentrischen, alten Zauberer im grellbunten Umhang, einen unsäglichen Wirrkopf mit experimentellen und alternativen Ideen oder gar einen schmierigen, geschäftsmäßigen Karrierist im Anzug, der keine Mittel und Umwege scheute um an sein Ziel zu kommen, aber nicht das. Nicht diesen Schatten eines Menschen, der sich nur schwerlich überhaupt als Person betiteln ließ. Ein weiterer Schauer ließ die dichten Härchen auf Evanders Armen zu Berge stehen, als der Unbekannte mit einer fließenden, eleganten Bewegung auf den Stuhl ihm gegenüber wies. Evanders Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an und er schluckte. Die Stimme des anderen mochte weich und süßlich säuselnd sein, nicht so recht zu seiner schauerlichen, fahlen Erscheinung passend, aber das machte die ganze Situation nur noch unangenehmer für den Werwolf. Abnormitäten waren ebenso wie das Schauerliche eigentlich nichts Ungewöhnliches in der Magischen Welt, aber es gab nun einmal einen gewaltigen Unterschied zwischen einfach nur anderem und so schrecklich unwirklichem, das man einfach erahnen konnte, das etwas nicht stimmte. Und das etwas nicht stimmte, wenn man mehr einer hohlen Leiche, mit grauer Haut, unwirklichen Zügen und gefährlich glimmenden Augen glich, das stand für Evander ganz außer Frage. Dieser Mann sah fast aus, wie er sich manche Beschreibungen von Inferi immer vorgestellt hatte oder gar wie ein ganz bestimmter Zauberer, der doch eigentlich nicht mehr unter ihnen Weilen sollte… Kaum merklich strafften sich Evanders Züge und er zog das Kinn in die Höhe. Nein! Das war doch völlig ausgeschlossen! Nein! Daran wollte er nicht einmal einen Gedanken verschwenden!
    Stattdessen nickte er nun und spätestens das bedrohliche Zischen der riesigen Schlange versetzte ihm den Ruck, den es gebraucht hatte um seine Füße wieder von dem alten Holzboden zu lösen, damit er sich vorsichtig in Richtung des angeboten Stuhls bewegen konnte. Er schwankte nicht, lief so sicher wie zuvor beim Eintreten, aber aus seiner Perspektive hatte sich etwas verändert; Er fühlte sich verunsichert, als ob man ihm jede Sekunde den Boden unter den Füßen wegziehen könnte oder er einen über den Durst getrunken hätte und war heilfroh, als er sich auf den knarzenden Stuhl sacken lassen konnte. Der halb eingebildete, halb wirkliche Druck auf seiner Brust wurde stärker, während er den Worten der Gestalt lauschte. Ab und an brummte er in unwilliger Zustimmung, sein Blick starrte jedoch seltsam paralysiert ins Leere. Sein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Was stimmte hier nicht? Warum konnte er nicht einsortieren, was hier genau nicht zusammen passte oder besser: warum verschloss sich sein Geist so vehement vor dem, was eindeutig auf der Hand lag?
    Vielleicht das Wissen, dass das Kaninchen vor dem Schlangenbau kein falsches Zucken tun sollte, denn dieses Gefühl bekam er jäh, als er den Blick hob und prompt von den unmenschlichen, roten Augen festgenagelt wurde. Er fühlte sich durchbohrt und als er die Lippen öffnen wollte, um etwas zu entgegnen scheiterte er kläglich daran seine Selbstsicherheit zu wahren. „Ich…“, begann er und stockte erst einmal. „Ich… jah. Das… jah.“ Der ehemalige Hufflepuff fühlte sich mit einem Mal schrecklich dumm und einfältig, war gerade doch zu gebannt um vor irgendjemandem auch nur einen vernünftigen Satz hervor zu bringen. Aber was hätte er antworten sollen? Ein Dank? Eine Bestätigung? Aber für ersteres wäre es zu früh gewesen, zweiteres völlig unnötig. Also lieber erst einmal den beunruhigenden Blickkontakt abbrechen völlig ungefragt nach dem zweiten Glas Whiskey tasten.
    Sir…?“, fragte er schließlich mit rauer Stimme und hüstelte kurz, nachdem er einen Schluck genommen hatte, der definitiv nicht mehr als anständig zu betiteln gewesen war. „Darf ich… darf ich fragen, weshalb Sie… nun, wie sie dazu kommen Werwölfe… die Ansichten über Werwölfe nicht zu teilen?“ Er blinzelte einmal lang, wagte es aber nicht mehr noch einmal Blickkontakt aufzunehmen. Er hatte das Gefühl gehabt das schlagenartige Gesicht hätte ihn sonst wie ein offenes Buch lesen können… Und irgendwie musste er erst einmal wieder seine Contenance und Stärke zurückgewinnen, wenn er nicht wie ein wimmernder Welpe wirken wollte! Das hatte er in den letzten Wochen hinter sich gelassen! Er war kein Kind mehr, kein Jugendlicher, kein Schüler. Er war erwachsen. Er war ein Werwolf, kein Hund und kein Hase.

  • Mit jeder Sekunde, die der Werwolf hier verbrachte, schien sein Selbstvertrauen zu schwinden und man konnte förmlich das Gehirn des ehemaligen Hufflepuff aus den Ohren rauchen sehen, so sehr strengte er sich an, um die Situation zu erfassen. Mir war diese Reaktion nicht fremd, galt meine Wenigkeit doch eigentlich als mausetot und dies sollte noch ein wenig so bleiben - wenn auch nicht mehr allzu lange. Mein vermeindliches Ableben und Oaferts Wissen darum verschaffte in dieser Situation sogar einen Vorteil, denn ich bezweifelte, dass der Werwolf derart bereitwillig in mein Haus gekommen wäre, wenn er sich bewusst gewesen wäre, welche Gastfreundschaft er damit in Anspruch nahm. Und dabei hatten wir so vieles gemeinsam. So viele Gründe, warum wir uns zusammenschließend sollten, so viele Gründe warum Oafert in Zukunft in meinen Diensten stehen sollte und ich war mir sicher, dass er sie bald erkennen würde, auch wenn er derzeit noch ein wenig verwirrt zu sein schien. Die Hand meines Gastes fuhr fahrig zum Glas und Oafert genehmigte sich einen großzügigen Schluck des berühmt berüchtigten Alkohols, der ihm half, seine raue Stimme wiederzufinden.
    "Ah, eine sehr gute Frage.", lobte ich den Werwolf und stellte mein Glas ab. "Es mag vielleicht seltsam und für manche auch dumm erscheinen, dass ich die gängige Meinung über Euresgleichen nicht teile, aber bei genauerem Blick erscheint es mir doch nur allzu logisch, denn auch ich weiß wie es ist, wenn man von der Gesellschaft im Stich gelassen wird.", erklärte ich. "Ich war ein junger, aufstrebender Zauberer, der sich sein Bild von dieser Welt gemacht hatte und zu seiner Meinung stand, sie versuchte vorzutragen und andere für meine Sache zu gewinnen, doch meine Begeisterung erschreckte gewisse Leute. Sie wichen vor mir zurück und begannen mich auszugrenzen, weil ich anders war. Wieso sollte ich also ihren Fehler wiederholen und genauso engstirnig und blind handeln? Nein, das wäre wohl töricht.", erklärte ich und musste unwillkürlich an Dumbledore denken. Der alte Kauz schimpfte sich als ein Gutmensch, aber wenn es darauf ankam, dann weigerte er sich, zu sehen, was alle anderen in mir gesehen haben - allen voran Slughorn. Der Schulleiter von Hogwarts war daher das, was er mir vorwarf zu sein. "Stattdessen versuche ich diesen Zustand der Intoleranz zu ändern, aber alleine kann ich nichts ausrichten, denn um von der Gesellschaft wahrgenommen zu werfen, braucht es eine geschlossene Gruppe, eine starke Gruppe, welche die Rechte einfordert, die ihnen zustehen - und sei es nur um unbehelligt eine Flasche Feuerwhiskey kaufen zu können." Es wäre vermutlich wesentlich einfacher Oafert von meiner Sache zu überzeugen, wenn ich noch meine ursprüngliche Gestalt hätte, mit der es immer so einfach gewesen war, anderen meine Meinung in den Kopf zu setzen, doch auch so gelang es meinen Worten vielleicht auf offene Ohren zu stoßen, fußten sie doch auf eine gewisse Art und Weise auf der Wahrheit. Es war schließlich nicht meine Arroganz, die uns in diese Lage gebracht hatte, sondern die des hochehrenwerten Schulleiters von Hogwarts, der sich damit rühmte, offen und aufgeschlossen zu sein, aber in Wirklichkeit eingeschüchtert wurde beim kleinsten Anzeichen von Erfolg. Wie sonst lässt es sich erklären, dass der alte Zauberer, der einzige gewesen war, der mir misstraute, während die restlichen Professoren mir ihr Vertrauen zu Füßen legten? Dass man ihm vertaut, hatte bestimmt auch Oafert geglaubt, bis die harte Wirklichkeit ihn getroffen hatte, wie ein vernichtender Schneesturm. "Hogwarts gilt als sicherer und behüteter Ort, doch bei genauerer Betrachtung ist er nur eine Fassade und wenn es darauf an kommt, kann man sich nicht auf das Schloss und ihre Bewohner verlassen, wie Sie bestimmt bemerkt haben.", fügte ich beiläufig hinzu und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. "Und wenn der angeblich vorbildlichste Ort in ganz Großbritannien ein derartiges Benehmen gegenüber Mitschülern, die sich von ihnen unterscheiden, an den Tag legt, dann muss selbst ein Blinder erkennen, dass unsere Gesellschaft eine Richtung einschlägt, die nur mit der Ausgrenzung und Verfolgung all jener endet, die dem Ministerium ein Dorn im Auge sind.", erklärte ich und wandte mich wieder meinem Gast zu. "Ich werde das nicht akzeptieren, doch die Frage ist, ob Sie den Mut haben, ebenfalls etwas zu unternehmen oder ob Sie es vorziehen, ihr Leben lang behandelt zu werden, wie ein Aussätziger."


  • Oh, dass sein Gegenüber auch zu den Ausgestoßenen gehört haben musste, bezweifelte Evander keine Sekunde lang und seine Augenbrauen wanderten kaum merklich ein kleines Stückchen höher. Hätte er den Geruch nicht ganz genau gekannt, hätte er vielleicht sogar kurz glauben können, es mit einem alten Vampir zu tun zu haben, denn normal war dieser jemand nicht. Ihm selbst war es lange leicht gefallen seine wahre Natur zu verschleiern, auch wenn er einen noch so schlechten Tag gehabt hatte und sicher war das nicht zu knapp seinem hübschen Gesicht geschuldet gewesen. Mit dem hatte man einfach nicht die grausame Fratze eines angreifenden Untiers verbinden wollen, wenn man jedoch wie der Tod auf Urlaub - wie er es in einer weniger angespannten Situation sicher betitelt hätte - aussah, dann war das Verstecken sicher ungleich schwieriger. Vielleicht bildete es aber auch den Charakter… oder führte schneller zu der Erkenntnis, das man die Dinge ebenso akzeptieren musste, wie sie waren; was wusste er schon? Leider nicht, dass manche Missgestalt eben doch nur mit dem Verlust der eigenen Seele, der eigenen Wärme einherging…
    Unruhig rutschte der blonde Hüne auf seinem Stuhl hinterher, während die sicher gut durchdachten Ausführungen auf ihn nieder plätscherten, aber wieder reagierte er kaum, sah man von gelegentlichem Nicken ab und knabberte lieber nur an dem Rand des Whiskeyglases in seinen Händen herum. Es ging ihm zwar nicht gerade zu schnell, aber der eher langsamere Geist hatte Mühe damit jeden Gedankenschritt nachzuvollziehen und dann trotzdem noch zu versuchen seine eigene Meinung nicht ganz zu vergessen, obwohl er doch schon zustimmend nickte oder bei der Erwähnung der Zauberschule, die ihm letztlich den Abschluss doch verwehrt hatte, den Kopf missfällig zu schütteln. Das stimmte alles. Und passte auch zu dem, was Selma ihm erzählt hatte: da war jemand, der Probleme erkannt hatte und nun bereit war mit allen Mitteln gegen sie vorzugehen. Eigentlich doch das, was er vor ein paar Wochen auch noch gedacht hatte, oder? Dass es Zeit war sich das eigene Recht zur Not mit Gewalt zu verschaffen, auch wenn ihm dieser Gedanken immer noch seltsam befremdlich vor kam. Er war einfach nicht gewohnt davon auszugehen, dass man sich Dinge eben nehmen musste…
    Evanders gehobene Brauen wanderten wieder dicht zusammen und seine Nasenflügel blähten sich, als er schnaubte. „Nein!“, entrüstete er sich nun wieder lauter und gefestigter. „Nein, das tu' ich nicht!“ Hätte er einen Tisch in näherer Reichweite seiner linken gehabt, hätte er nun sicher mit der flachen Hand bestätigend auf diesen geschlagen. „Des… deswegen bin ich hier! Ich tu's statt haben! Ich will mich nicht nur von… Unver-dingens, Unvermögen oder Angst anderer unterdrücken lassen oder den Kopf einziehen müssen!“ Der junge Zauberer hielt inne und starrte in sein Glas. So hart es auch klingen mochte, einen eher beunruhigenden Gedanken konnte er definitiv nicht leugnen: Warum sollte sich der eindeutig stärkerer Werwolf vor kleingeistigen Ängsten und dem engstirnigen Ministerium zusammen kauern? „Selma hat mir schon gesagt, dass Sie dafür unsere Unterstützung brauchen, Sir. Und… wenn ich was tun kann, will ich's machen…“ Nun wagte er es wieder den Blick von seinem Glas zu heben und den fremden, unmenschlichen Augen entgegenzusehen. Der Unbekannte hatte seinen Unmut beim Schopf gepackt und so eingeschüchtert er sich hier auch fühlen mochte, die Flamme des bitteren Ärgers über Geschehenes loderte in seinem Inneren wieder nach oben. Er wollte zurück haben, was man ihm genommen hatte! Koste es, was es wolle! Auch, wenn es vielleicht klüger gewesen wäre zuerst seinen offenen Fragen nachzugehen… Was hier eigentlich das größere Ziel war, von dem Selma gesprochen hatte; was man verlangen würde; warum ausgerechnet er; und mit wem oder was er es eigentlich zu tun hatte… Aber Evander war nun einmal nicht klüger. Hinterher vielleicht manchmal, aber nicht von vornherein.

  • Die Worte des Werwolfs, laut und emotional gesprochen, zeugten davon, dass ich mit meinen Worten wohl einen Nerv getroffen habe. Zufriedneheit breitete sich in meinem Inneren aus. Vor Beginn dieses Abends hatte ich es sogar in Erwägung gezogen, Fields ein wenig leiden zu lassen um Oafert von der Richtigkeit meiner Sache zu überzeugen, doch wie es sich herausstellte, war der Dachs intelligenter als ich dachte und besaß auch ansonsten einige Eigenschaften, die mir nützlich sein würden. Er war stark - sowohl im Körper als auch im Geiste - und er bemühte sich einigermaßen für seine Überzeugungen einzutreten. Alles in allem konnte er nur ein Gewinn für meine Sache sein. Bei seiner Freundin war ich mir dahingehend jedoch noch nicht sicher, ließ sie sich doch zu sehr von ihrer Sorge über Oafert ablenken und dies konnte früher oder später zu einem Problem werden. Doch eines nach dem anderen.
    "Ich hatte gehofft, dass Sie das sagen würden.", entgegnete ich meinem Gegenüber und nickte ihm bestätigend zu. "Und ihre Entscheidung kommt genau zur richtigen Zeit. Wie es der Zufall will arbeitet das Ministerium an einem neuen Gesetz zur Kategorisierung und Verwahrung von gefährlichen Wesen, was vermutlich nichts anderes bedeutet, als dass sie versuchen das bereits bestehende Gesetz in dieser Hinsicht zu verschärfen.", erklärte ich dem Werwolf. "Doch so schlimm sich das auch anhört, wir haben ein wenig Glück, denn ich habe herausgefunden, dass der zuständige Leiter des vierten Stocks, Herr Bounce, persönlich an diesem Entwurf arbeitet und er ihm so wichtig ist, dass er ihn nicht in seinem Büro liegen lässt, sondern jeden Abend mit nach Hause nimmt." Ich hielt kurz inne und starrte vermeintlich gedankenverloren auf mein Glas. "Nicht auszudenken, was in diesem neuen Entwurf vielleicht zu lesen ist.", murmelte ich dabei, ehe ich mich wieder meinen Gast zuwandte. "Ich bezweifle jedoch, dass er eine Verbesserung darstellt So oder so wäre es dennoch von Vorteil, wenn wir einen Blick darauf werfen könnten.", erklärte ich weiter und musterte meinen Gegenüber. Worte waren schön und gut, doch was einen Menschen wirklich dazu brachte, sich einer Sache zu verschreiben, waren Taten und das Erste, was Oafert nun brauchte, war eine Tat, die bewies, dass er einen Unterschied machen konnte. "Palmer braucht noch jemanden, der ihr hilft, in das Haus von Mr. Bounce einzudringen und das Papier zu entwenden. Ich möchte Ihnen dabei nichts vormachen, dieses Unternehmen ist durchaus gefährlich, aber ich denke, dass Sie mir zustimmen würden, wenn ich Ihnen sage, dass wir auch nicht einfach nichts tun können.", sprach ich weiter und musterte meinen Gast. "Aber es ist auch kein Ding der Unmöglichkeit. Mit dem richtigen Maß an Heimlichkeit müsstest ihr nicht einmal gesehen werden...", überlegte ich laut. "...natürlich nur, falls Sie für eine solche Aufgabe zu haben wären." Ich wollte Oafert schließlich zu nichts anstiften, zu dem er keine Lust hatte, doch nach allem, was ich bisher von meinem Gast vernommen hatte, wäre diese Aufgabe wohl genau nach seinem Geschmack. Er würde nützlich sein, könnte etwas tun, könnte etwas verändern und Hoffnung schöpfen, dass sich seine Situation eines Tages bessern würde - mit meiner Hilfe versteht sich. Würde er erst einmal realisieren, welche Chance sich ihm hier bot, würde er wohl kaum wieder zu einem Leben in den Schatten zurückkehren - und hatte ich den einen, hatte ich die andere auch, denn so wie ich Fields bisher kennengelernt hatte, würde sie den Teufel tun und ihren geliebten Oafert hier alleine zurücklassen. Ob sich die ehemalige Gryffindor, deren Name mir freundlicherweise gegeben wurde, auch als nützlich erweisen könnte? Oder würde sie durch ihre Gefühle und ihre Sorge zu einer Last werden?

  • Die Entschlossenheit, die sich zuvor regelrecht in Evanders Züge eingemeißelt hatte, bröckelte nun wieder wie zu trockener Gips von seinem Gesicht. Er öffnete die Lippen zu einer Antwort, schloss sie allerdings hastig wieder und starrte auf das leere Glas in seinen Händen. Ein Einbruch? Das illegale Aktivitäten im Raum standen, war ihm nun ja bewusst gewesen, aber direkt bei einem Ministeriumsmitarbeiter einbrechen und etwas stehlen? Er schluckte. So etwas nur als gefährlich zu bezeichnen, war schon fast untertrieben. Es war rücksichtslos, egal in welche Richtung man die Arme ausstrecken wollte. Es könnte zum Kampf kommen, sie könnten erwischt werden… Leute könnten verletzt werden! Nicht nur er oder Selma… Die Sorgenfalte auf seiner Stirn wurde tiefer und mit einem unwilligen und zweifelnden Laut auf den Lippen neigte er den Kopf zur Seite. „Sir…“, sagte er leise und musterte statt dem befremdlichen Gesicht den fließenden, schwarzen Saum des Umhangs des Mannes. „A-aber… ist das nicht genau das, was man… uns,… anderen, Werwölfen unterstellt? Dass wir…“ Er ließ den Satz offen, schloss jedoch stumm im Geistes mit: schlechtes tun. Kriminell werden. Er wusste nicht, warum er seine Zweifel laut aussprach. Vielleicht um sie sich selbst besser vor Augen zu fahren, denn Verständnis erwartete er von seinem Gegenüber nicht. Überhaupt wusste er nicht, was er von ihm erwartete, denn so ruhig er auch wirken musste, das rhythmische, eilige Wippen seines linken Knies spiegelte die urtümliche Angst wieder, die er einfach nicht abschütteln konnte. Warum kam er nicht drauf, was seine Alarmglocken schrillen ließ? Es war nicht das Haus, nicht Umgebung, nicht einmal die Missgestalt, die es auf den ersten Blick so glaubwürdig machte, dass es darum ging das Ministerium den Wert andersartiger zu lehren… Aber was war es? Wieder schluckte er, dieses Mal jedoch wesentlich trockener und hängte ein leises Räuspern an. Er konnte seine Gedanken in dieser Umgebung ja nicht einmal sortieren. Sei's drum. Kurz kniff er die Augen zusammen und hob die Neigung seines Kopfes wieder auf. Wenn er zögern oder jammern würde, würde er sich benehmen wie ein kleines Kind, das nicht wusste, was es wollte und sich nicht traute, was es sollte.
    Was… was für Chancen haben wir denn, etwas abzuwenden, wenn wir… den Entwurf in die Finger bekommen…? Was… können Sie… was wollen Sie tun?“, fragte er schließlich, hob den Blick dabei aber nur minimal. Zuerst hatte er diese Fragen angefangen zu stellen, um seinem Gewissen einzureden, dass man für gute Dinge und seine Ziele eben Opfer bringen und auch einmal in den sauren Apfel beißen musste, aber langsam und holprig wie der Hüne begonnen hatte, hatte sich da noch die ganz essentielle Frage angefangen einzuschleichen. Die wichtigste Frage: was hatte man hier vor? Was konnte und wollte man wie tun? Und je stärker Evander seine eigenes Unwissen bewusst wurde, je mehr Fragen er endlich selbst formulieren konnte, um sich an das heranzutasten, was er bisher weggeschlossen hatte, so langsam bemerkte er auch - wenigstens unterschwellig - dass er eine Sache definitiv noch in Erfahrung bringen musste. Mit wem oder was hatte er es hier zu tun. Verbalisieren konnte er das jedoch nicht. Noch nicht. Und schon gar nicht hier und jetzt… Nicht, dass seine eigene Sicherheit zur Gänze kippen würde.

  • Als würde man auf einen lästigen Knopf drücken, meldete sich augenblicklich das Gewissen des Hufflepuffs und machte mir wieder einmal bewusst, dass auch ein Werwolf seine wahre Natur nicht verbergen konnte - weder vor dem Sprechenden Hut noch vor sich selbst. Solche Fragen könnten noch einmal Probleme aufwerfen, doch wie an Oaferts Mienenspiel deutlich zu erkennen war, focht er diese Schlacht alleine aus und bedurfte meiner Anleitung nicht. Ich fühlte mich dennoch bemüßigt, ihn ein wenig zu beruhigen, denn wenn Oafert mit einem unguten Gefühl an diese Sache heranging, würde er beim ersten Anzeichen von Problemen den Schwanz einziehen und winselnd von dannen ziehen. Seine erste Bewährungsprobe würde zweifellos erfolgen, wenn er auf Fields traf, die nicht mein Gast war, weil sie etwas an der Situation der Werwölfe verbessern wollte, sondern weil sie sich egoistischer Weise um ihren Geliebten Sorgen machte - diese Tatsache war derart rührend, dass ich jedes Mal einen Brechreiz unterdrücken musste, wenn ich daran dachte. Fields könnte so viel stärker sein, so viel selbstbewusster und so viel eigenbestimmter, doch stattdessen ließ sie sich von jemand anderen definieren und begab sich seinetwegen sogar in Gefahr. Liebe war in der Tat eine der größten Schwächen der Menschheit, doch da man mit diesem Argument meistens sowieso auf taube Ohren stieß, hatte es auch nicht viel Sinn, meine Überredungskünste an Fields zu verschwenden. Der einzige Mensch, der sie nämlich beeinflussen konnte, saß direkt vor mir und damit er im entscheidenden Augenblick auch für mich Partei ergriff, musste ich ihn nun entsprechend vorbereiten und sicherstellen, dass meine Argumente Oafert weitaus besser zusagten, als alles was Fields vorzubringen hatte.
    "Ich weiß, was Sie meinen.", entgegnete ich meinem Gast daher ruhig. "Und ich versichere Ihnen, dass ich nicht diesen Weg vorschlagen würde, wenn ich eine andere Möglichkeit sehen würde, doch sie erschließt sich mir einfach nicht und langsam läuft uns die Zeit davon.", erklärte ich Oafert und eine Spur Bedauern schwang in meiner Stimme mit. "Ich möchte Sie nicht in eine unangenehme Position bringen, doch ich habe niemanden, den ich diese Aufgabe ansonsten anvertrauen würde und wenn alles gut geht, dann werden Sie werder gesehen, noch fällt irgendein verdacht auf sie.", überlegte ich weiter. "Das Risiko, Palmer in dieser Sache alleine zu Bounce zu schicken, wäre zu groß. Ich kann das daher nicht verantworten, doch wenn sie Hilfe hätte, noch dazu Hilfe von Ihnen, dann haben wir eine reelle Chance das Dokument in die Finger zu bekommen.", schloss ich meine Überlegungen und nippte kurz an meinem Glas, ehe ich es zurück auf den alten Tisch stellte, der teilweise schon breite Ritzen aufwies, in denen sich ein paar Krümel versteckt hatten. "Haben wir dieses Dokument erst einmal, werden wir es lesen und genau analysieren. Ich kenne einen Mitarbeiter des Ministeriums - man kann ihm vertrauen - der bereit wäre einen Gegenentwurf einzubringen. Dieser wäre dann genau auf den eigentlichen Entwurf abgestimmt und würde ihn aufgrund der Vorab-Analyse mit gezielter Markierung der Schwachstellen aus dem Verkehr ziehen. Das Ministerium würde sich nach der Ablehnung des eigentlichen Entwurfes vielleicht - ich kann natürlich nichts versprechen -für unseren entscheiden oder ihn zumindest genauer unter die Lupe nehmen, um sich davon inspirieren zu lassen.", erklärte ich weiter und griff wieder zu meinem Glas, doch bevor ich es erneut an die Lippen setzte, hielt ich inne und fing den Blick meines Gastes auf. "Und ich persönlich, Mr. Oafert, finde, dass dies das Risiko wert ist."

  • Evanders Mundwinkel zuckten gelegentlich nach oben und in leiser Zustimmung nickte er ab und an, während er sich peinlich berührt über die Unterarme fuhr. Es tat seltsam gut von jemandem unbestimmte Wertschätzung zu erhalten, ganz egal wer dieser jemand war und was die Umstände… Interesse heucheln war einfach immer eine Taktik, die auf fruchtbaren Boden fiel, ganz besonders, wenn der Beheuchelte es eigentlich gewohnt gewesen war, im Mittelpunkt zu stehen. Wie Evander. Bevor die Allgemeinheit von seinem haarigen Problem erfahren hatte, hatte er sich größter Beliebtheit erfreut. Man hatte zu ihm aufgesehen, ihn geschätzt, ihn umschwärmt und wenn er ehrlich mit sich war, vermisste er das. Eine seltsame Erkenntnis, eine bittere, aber im Endeffekt nur eine, die seine ungesunde Entschlossenheit auf den falschen Pfaden förderte. „Ich… verstehe…“, brummte er leise und nickte, auch wenn er den restlichen Ausführungen des weißgesichtigen Mannes nicht mehr ganz folgen konnte. Aber wann hatte er langen, komplizierten Ausführungen je sein ganzes Ohr schenken können? Nicht einmal beim Quidditch, wie dann bei Politischem, gepfeffert mit Fremdwörtern? Aber sicher… würde schon alles passen. So lange er sein Gegenüber nicht ansah und nur den Worten sanfter Stimme lauschte, fühlte er sich schon fast eingelullt; ganz so als müsse der Mann einfach recht haben und ganz abgesehen davon: „Und ich… kann Selma und andere schließlich nicht… hängen lassen, mh?“ Seine Schultern zuckten so, als hätte er in Erwägung gezogen aufzulachen, während er diese fragenden Worte eher an sich selbst richtete. Gut, dass er sich dafür entschied, dass ihm doch nicht danach war. Seine Worte jedoch meine er vollkommen ernst. Ihn verband augenscheinlich nichts mit Selma, sie hatten wenig miteinander gemein und konnten sich nicht einmal so recht leiden, wenn da nicht gerade der Vollmond nachhalf, aber er aber ihr etwas schuldig. Und sie waren beide Werwölfe. Bei dieser Sache ging es um etwas Gemeinsames und wohl die stärkste Eigenschaft eines jeden Hufflepuffs war, dass er das Wort gemeinsam sehr ernst nahm. Sasha kam ihm just in diesem Moment in den Sinn. Sie würde sicher auch helfen wollen, aber… er verwarf den Gedanken sogleich wieder. Nicht einmal, weil sie nicht im Guten auseinander gegangen waren - darüber sah er längst hinweg - sondern, weil ihm sein Instinkt sagte, dass sie Sache immer noch einen Haken hatte. Und er würde Sasha in nichts hineinziehen, was einen ungewissen Ausgang und Anfanghatte.
    Das wurde ihm jäh wieder bewusst, als ihm der Blick aus den kalten, roten Augen einen weiteren Schauer über den Rücken jagte und ihn in seinem langsamen, monotonen Nicken erstarren ließ. „Jah… natürlich, Sir. 'st das Risiko wert… vollkommen recht.“, murmelte und fühlte sich just wieder auf unangenehme Art und Weise festgenagelt. Er kniff die Lippen aufeinander und versuchte dieses Mal den Augen standzuhalten, allerdings hatte er dabei das Gefühl immer tiefer in seinen Stuhl einzusinken, auch wenn er sich keinen Millimeter bewegte. Was hatte dieser Mann nur an sich? Er hatte sich noch nie so sehr von der puren Präsenz einer Person in die Ecke gedrängt und beunruhigt gefühlt...

    // Hrmpf, es tut mir leid, dass ich dir gerade so wenig zum Reagieren gebe... aber ich tue mir momentan unheimlich schwer daran, abzuwägem was sich Evander traut und was nicht...

  • 03. November; gegen Mitternacht

    Kontraste.
    So sehr Ambrose philosophisches Geschwätz auch hasste, heute kam er nicht umhin festzustellen, dass dieses Wort diese heranbrechende Nacht wohl perfekt einfing. Der weiße Kies, der monoton unter seinen neuen Schuhen knirschte und mit dem tiefschwarzen Himmel um die Vorherrschaft zu streiten schien, das dunkle, bedrohlich wirkende Herrenhaus, das sich Schritt für Schritt näher vor ihm aufbaute und in krassem Gegensatz zu dem warmen, heiteren Örtchen stand, durch das er vor wenigen Minuten noch gelaufen war und die Zerrissenheit in ihm, die einerseits danach lechzte endlich das zu bekommen, auf das er hingearbeitet hatte und andererseits nur schreiend wegrennen und die Flucht ergreifen wollte. Nein, niemand konnte ihm weismachen, dass es irgendjemandem vor dem ersten Treffen mit ihm anders ergangen wäre und hätte es jemand behauptet, hätte er ihn wohl einen Lügner genannt. Angst...die war es doch, die sich Meter für Meter mehr in dem aufgeregt schlagenden Herzen des ehemaligen Slytherin breit machte und ihn heftig schlucken ließ, als die morsche Eingangstür in Sichtweite kam. Angst. Es war nicht so, dass dieses Gefühl neu für ihn war, ihn störte nur ungemein, dass man es ihm wahrscheinlich ansah. Erweiterte Pupillen, kleine, fast unsichtbare Schweißperlchen auf der Stirn, trotz der klirrenden Kälte, die er durchschritt und der trockene Mund. Wenn man wusste, worauf man zu achten hatte, waren all das Anzeichen dafür, dass Ambrose doch nicht ganz der selbstsichere, großspurige Hüne war, der er gerne vorgab zu sein. Etwas, was er vor allem jetzt nicht gebrauchen konnte und so wischte er sich nochmal unwirsch mit dem Ärmel seines schwarzen Umhangs über das Gesicht, fuhr sich die die rotblonden Haare und befeuchtete sich die Lippen, um nicht in Verlegenheit zu kommen zu stottern.
    Der Lord wartet bereits.“ Kaum, dass Ambrose dreimal laut gegen die schwere Holztür gepocht hatte, hatte sich diese auch schon einen Spalt weit geöffnet und ein breites, untersetztes Gesicht sah zu ihm herauf. Ambrose nickte lediglich und trat ein. Als er das erste – und das letzte – Mal hier gewesen war, hatte er sich mit Mortimer über Wurmschwanz lustig gemacht, jetzt allerdings fehlte ihm dazu nicht nur der richtige Partner, sondern auch die Lust. Er musste seinen Gedanken konzentriert halten, seinen Verstand scharf, er konnte sich nicht leisten sich ablenken zu lassen und alles zu vermasseln. Immerhin war der Auftrag, mit dem er seine Loyalität hatte beweisen sollen, nicht ganz optimal gelaufen...vor allem nicht für ihn. Ihm war klar, dass Mortimer wahrscheinlich die schlechteren Karten hatte, immerhin war er aufgeflogen und Fahndungsplakate wurden wahrscheinlich in genau diesem Moment schon gedruckt und verbreitet, aber Mortimer war nicht derjenige mit der klaffenden Wunde im Gesicht, die sich einfach nicht schließen wollte, und die notdürftig mit einem Verband, der sich über sein rechtes Auge legte und ihn auf dieser Seite blind machte, abgedeckt worden war. Er war nicht derjenige, dessen rechte Gesichtshälfte schmerzte, als würde jemand mit einem brennenden Eisen stetig dagegen drücken und der nicht wusste, ob er auf einem Auge überhaupt wieder würde sehen könne. Aber auch daran wollte er jetzt keinen Gedanken verschwenden. Alles ausblenden, die weitläufige, dunkle Treppe nach oben nehmen und den ersten Gang nach links. Ambrose' Herzschlag beschleunigte sich und seine Hände fühlten sich an, als hätte er sie gerade in eiskaltes Wasser getaucht. Nein...wer keine Angst, keinen Respekt vor dem Dunklen Lord hatte, wenn man ihm das erste Mal begegnete, hatte etwas falsch gemacht oder war aus den falschen Gründen hier. Es war ja nicht einmal die normale Angst, die sein Herz umklammert hielt wie eine eisige Hand, es war... kaum zu erklären. Ambrose war mit dem Wissen aufgewachsen, dass Lord Voldemort und seine Anhänger Schreckliches getan hatten, auch, wenn sein Vater selbst mit den Idealen einverstanden gewesen war, und so etwas bekam man nicht mehr aus dem Unterbewusstsein heraus, egal, wie sehr man sich anstrengte und egal, wie sehr man seinen eigenen Vater verabscheute. Und dann war da immer noch der Teil in ihm, der in diesen Saal hineinstürmen, sich seine Belohnung abholen und mit Lob überhäuft werden wollte. Dieser Teil war es letztendlich auch, der ihn die Hand heben und erneut einklopfen ließ, ehe er die knarzende Tür öffnete und den nur schwach beleuchteten Raum hastig betrat, als schnappte hinter ihm eine Schlange nach seinen Fersen.

  • Tick tack, tick tack. Ruhig und beständig tönte das Ticken der alten Uhr durch den Raum und mischte sich dort mit dem Knistern des Holzes, das im Kamin brannte und ein schwaches Licht verströmte. Die zerbrechlich und ein wenig morsch aussehende Wanduhr war so alt wie das Haus selbst, doch nichts hatte sie je davon abgehalten, die Zeit weiter zu zählen. Sie tickte und tickte und tickte - unbeeindruckt der Gestalt, die in einem hohen Lehnsessel beim Kamin saß, unbeeindruckt des Gastes, der gleich sein deformiertes Gesicht in den Raum stecken würde. Unerbittlich wie ihr Herr maß sie die Zeit und würde sie sprechen können, sie würde so manches zu erzählen haben. Sie würde davon sprechen, wie dieser Raum ausgesehen hatte, als er noch nicht dem Verfall übergeben worden war. Sie würde davon sprechen, wie die verbleibenden Möbelstücke ohne eine dicke Staubschicht aussehen würden und sie würde von der Geschichte erzählen, die dieses Haus beherbergte und wie einen Schatz seit Jahrzehnten hütete. Dann würde sie eine Pause machen und erst viel später wieder weitersprechen. Ihre Worte würden von Rückkehr und der plötzlich wieder entfachten Wärme des Kaminfeuers handeln. Sie würde von großen Plänen sprechen, von Triumph und von endlosen Stunden des Wartens. In einem rhythmischen Klang würde sie von den vielen Besuchern erzählen, die sich in diesen Raum stahlen - gestandene Männer und Frauen, die sich vor so gut wie nichts fürchteten, außer vor dem Mann in dem Raum selbst. Sie alle nahmen eine ganze andere Haltung ein, wenn sie auf das knarrende Parkett traten und dem Herrn des Hauses gegenübertraten. War es Angst oder Respekt? Es war eine gesunde Mischung aus beidem, denn jene, die sich änderten, die ihre Haltung wechselten, kamen nie wieder. Sie verschwanden einfach und die Uhr wusste nur zu gut, was aus ihnen wurde. Es gab einige Besucher, die oft hier auftauchten und denen der Herr des Hauses so etwas wie guten Willen entgegenbrachte. Dazu gehörte vor allem ein Mann, der Kavanagh genannt wurde und eine Frau, die den Namen Palmer trug. Sie schienen den Zorn des Lords am Wenigsten auf sich zu ziehen, doch sie mussten hart arbeiten, damit das auch so blieb, denn unter den vielen Besuchern gab es so etwas, wie einen Wettkampf um die Gunst des Einen. Die Gestalt, die am Kaminfeuer saß und in die Flammen starrte, war nicht leicht zu beeindrucken und noch schwerer zu besänftigen. Misserfolg, das wusste die Uhr nur zu gut, wurde nicht toleriert. Doch von all dem sagte die Uhr nichts. Stattdessen tickte sie weiter ruhig vor sich hin, als stiller Zeuge der Unterhaltung, die nun folgen würde, als ein groß gewachsener Mann mittleren Alters in den Raum stolperte und sich das Gesicht des Herrn ihm zuwandte.


    Tick tack, tick tack. Ruhig tickte die Uhr vor sich hin und erinnerte mich beständig daran, wie viel Zeit verging. Der Weihnachtsmarkt schien nun weit zurückzuliegen und die meisten Zauberer und Hexen hatten bereits wieder vergessen, was geschehen war. Ich hätte es nicht anders gewollt, denn nur in einem leugnenden Umfeld konnte man Schritt für Schritt seinen Plan umsetzen, ohne behindert zu werden. Natürlich gab es nach wie vor Bubbletalk und seine kleinen Helferlein, doch je mehr Zeit verging, desto weniger bedrohlich wurden sie. Inzwischen legten die richtigen Leute im Ministerium den Auroren regelmäßig Steine in den Weg, führten sie auf falsche Fährten oder sabotierten sie mit einer endlosen Flut an Papierkram. Bis sie meinen großen Plan erkennen würden, wäre es schon zu spät. Holz knarrte und ich hob meinen Blick. Ein zerstörtes Gesicht blickte zurück. Ein blutgetränkter Verband, der am rechten Auge von Peasgood klebte, prangte mir entgegen und war hoffentlich Zeuge eines hart erkämpften Sieges. So wie es aussah, hatten die Auroren noch nicht genug Papierkram zu erledigen. Ich wartete ein paar Sekunden ab, die Uhr tickte weiter. Dann bedeutete ich mit einem Kopfnicken auf den unbesetzten Stuhl neben dem Kamin. Der Auftrag, den Peasegood und Kavanagh erhalten hatten, war einfach gewesen. Sie sollten zusammen mit Mulciber jenes Amulett holen, das Ada in ihrem Moment der Niederlage dem Ministerium gegeben hatte. Mulciber kannte den Weg und er hatte den Schlüssel. Ein Botengang, den Wurmschwanz vermutlich auch erledigen hätte können. Ich verengte meine Augen missmutig und musterte den Verwundeten. Tick, tack, tick tack.
    "Ich nehme an, dass ich nicht davon ausgehen kann, dass Kavanagh die Geduld verloren und das da...", mit einer ruhigen Handbewegung deutete ich auf den blutgetränkten Verband. "...angerichtet hat."

  • Ambrose kam es vor wie eine Ewigkeit, in der er den Blick gesenkt hielt, versuchte nicht zu dem Mann vor dem Kamin zu blicken und doch daran scheiterte. Immer wieder huschte sein gesundes Auge wie von selbst zu der dunklen Gestalt in dem hohen Sessel und er erschauderte. Er hatte den Lord schon einmal getroffen, an dem Tag, an dem Mortimer ihn vorgestellt hatte, aber seit dem war ihm alles nur ausgerichtet worden; und das war mittlerweile schon drei Monate her. Drei Monate, in denen er Zeit gehabt hatte alles zu überdenken, alles zu hinterfragen und doch stand er nun hier. Ein Mann mit mehr Ehrgefühl, mit mehr Anstand und Gerechtigkeitssinn wäre wohl nie in diese Situation gekommen...so ein Mann hätte Mulciber gar nicht erst dabei geholfen einen wehrlosen anderen zu verprügeln und er wäre auch nie in das Visier eines Todessers geraten. Und selbst wenn – ein Mann mit mehr Ehrgefühl und Anstand hätte diesen Vorfall, dieses Angebot sofort der Aurorenzentrale gemeldet. Ambrose war nicht dieser Mann. Ambrose war gierig, gierig nach Aufmerksamkeit, gierig nach Macht, gierig nach Geld. Von diesem Standpunkt aus betrachtet war Gier wohl die schlimmste der sieben Sünden.
    Als die fahle Hand schließlich auf den zweiten Sessel vor dem Kamin deutete, zögerte der ehemalige Slytherin im ersten Moment, ballte dann allerdings die angespannten Hände zu Fäusten und schritt langsam und bedächtig auf das prasselnde Feuer zu. Was für ein lächerlicher Kontrast. Ein Kaminfeuer verband man in erster Linie mit Behaglichkeit, Gemütlichkeit und Wärme nach einem kalten Tag, aber hier schien das Feuer seine ursprüngliche, zerstörerische Form angenommen zu haben, obwohl es rein äußerlich keinen Unterschied gab. Wahrscheinlich war es einfach ein Gefühl...das Gefühl, dass dieser Ort ein gefährlicher war, vor allem im Anbetracht der Tatsache, dass Ambrose wusste, dass sich hier irgendwo noch eine Schlange aufhalten musste. Noch einmal, hoffentlich ungesehen, fuhr Ambrose sich über die schweißnasse Stirn, ehe er sich auf dem Sessel niederließ und den Blick starr auf das Feuer richtete. Und das nicht einmal nur, weil er den direkten Blickkontakt scheute – dazu hätte er sich sicherlich durchringen können; nein, er sah Menschen einfach nicht mehr gerne an, seit er diesen unappetitlichen Verband im Gesicht hatte. Vielleicht, weil der Ekel in ihren Augen ihm doch etwas ausmachte. „Nein, das...“ Ambrose' Stimme klang ungewohnt rau, als er zu einer Antwort ansetzte, dann allerdings innehielt. Wie lange war es her, dass er zum letzten Mal mit jemandem gesprochen hatte? „Das war eine der Auroren. Todorova.“ Sein Blick verfinsterte sich einen Moment. Den Namen würde er sich merken, bis ihm ein Weg eingefallen war ihr das zurückzugeben, was sie ihm vermacht hatte. „Ich werde mich irgendwann bei ihr...revanchieren.“ Wie um seine Worte zu bestätigen, nickte er, schwieg dann allerdings. Ihm lag auf der Zunge zu fragen, wieso es ausgerechnet Kavanagh hätte sein sollen, was ihn dazu befugt hätte ihm das anzutun, aber er riss sich zusammen und behielt den Blick in den Flammen. Die Frage danach, wer bei ihrer kleinen Expedition eigentlich der Anführer gewesen war, hatte sich immer noch nicht ganz geklärt, auch wenn Ambrose der Überzeugung war, dass ihm alles zu verdanken war. Aber auch das war nichts, worüber es sich jetzt nachzudenken lohnte.

  • Die Worte des Zauberers verklagen im Raum und Stille folgte. Wieder einmal war nur das Prasseln des Kaminfeuers vor ihnen und das Ticken der Uhr hinter ihnen zu hören. Ein leichter Wind piff um das Anwesen und suchte seinen Weg durch die undichten Fenster. Das leise Heulen, dass er dabei erzeugte, war für einige Sekunden die einzige Hintergrundmusik, die diese Szene untermalte. Dann streckte ich meine Hand aus. Fordernd schwebte sie in der Luft und verlangte von Peasegood das Amulett, während ich mir die Bedeutung seiner Worte noch einmal durch den Kopf gehen ließ. Die Auroren hatten offenbar ebenfalls ein Auge auf das Amulett geworfen, andernfalls wären sie nicht vor Ort gewesen, um es zu beschützen. Selbstverständlich bestand auch die Möglichkeit, dass Bubbletalks unfähige Truppe gerade zufällig vorbeigekommen und die Todesser auf frischer Tat ertappt hätte, aber ich traute Kavanagh eigentlich mehr Finesse zu, so dass diese Möglichkeit wohl eher unwahrscheinlich war. Dennoch war es zu einem Zwischenfall gekommen und der Name der Autorin war mir keineswegs unbekannt. Bei der Familie Todorova handelte es sich um eine alte Reinblutfamilie aus Bulgarien, deren Werte und Normen so ziemlich mit den übereinstimmten, was ich vertrat. Grigory, das Familienoberhaupt, arbeitete sogar in der Abteilung für magische Strafverfolgung und er kannte nur wenig Pardon, wenn es darum ging, Muggelliebhaber in ihre Schranken zu weisen. Da seine Frau, Isleen, seit ihrer Hochzeit nicht mehr wirklich gearbeitet hatte und sich der Sohn der Familie in Bulgarien aufhielt, konnte es sich bei der Aurorin daher nur um die Tochter von Grigory handeln. Ich gab ein Schnauben von mir. Der Apfel war offenbar sehr weit vom Stamm gefallen und es war eine Schande, dass Grigory derartiges Fehlverhalten zuließ. Vielleicht sollte ich den Todorovas bei Gelegenheit einmal in Sachen Erziehung unter die Arme greifen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wandte ich nun meinen Blick auf Peasegood, die Hand noch immer fordernd ausgestreckt und erwartete den Ausgang ihrer Mission. Zweifelsohne würde der heutige Abend nicht gut ausgehen, wenn das blutverschmierte Gesicht zu meiner Linken nun erklären würde, dass Todorova auch noch das Amulett habe. Das wäre höchst enttäuschend und ich wurde nicht gerne enttäuscht.

  • Es dauerte einen Moment, bis Ambrose begriff, was die ausgestreckte Hand des Dunklen Lords zu bedeuten hatte, einen Moment, in dem er reichlich verdutzt aus der Wäsche schaute, dann fasste er sich allerdings und hob das Kinn, als er verstand. Es war immer noch ungewohnt das Amulett, um das es jetzt und um das es vor ein paar Tagen gegangen war, um den Hals zu tragen, denn seit Christian es ihm mitsamt eines Präsentkorbes in sein Krankenzimmer ins St. Mungo geschickt hatte – unter dem besonders einfallsreichen Namen: Christina -, hatte er es nicht mehr aus der Hand gegeben. Ambrose mochte an manchen Tagen regelrecht furchteinflößend wirken und sicher nicht wie jemand, der, sich verzweifelnd die Haare raufend, durch sein Zimmer hechtete und seinen Angestelltenausweis suchte, aber genau diese Situation trat wöchentlich mindestens einmal auf. Er kannte sich gut genug, um zu wissen, dass das Amulett in den Untiefen seiner kleinen Wohnung verschwinden würde, sollte er es auch nur einmal aus den Augen lassen und so hatte er sogar den Spott eines Heilergehilfen, den er während seiner Schulzeit anscheinend gemobbt hatte, über sich ergehen lassen, weil er anscheinend seit neustem Schmuck trug; zumindest dem Anschein des Lederbandes nach, das man um seinen Hals sehen konnte. In solchen Momenten bereute es der ehemalige Slytherin nicht mehr im St. Mungo zu arbeiten – dem hätte er gerne mal ein bisschen Kotze unter seinen Salat gemischt.
    Aber wahrscheinlich waren Gedanken über Kotze im Salat nicht sonderlich dem Ruf förderlich, wenn man einem mutmaßlichen Legilimentiker gegenübersaß und somit griff Ambrose endlich unter seinen Kragen und zog an dem dünnen Lederband das Amulett unter seiner Brust hervor. Auf seinem Weg durch Muggellondon zu seiner Wohnung war er sogar auch tatsächlich versucht gewesen es ein wenig auszuprobieren, aber...das Risiko jetzt noch erwischt zu werden, wäre zu hoch gewesen. Damit hätte er sich ja intelligenztechnisch auf einer Höhe mit diesem hakennasigen Auror befunden, der so schlau gewesen war sich in einem Büro einsperren lassen und so tief wollte er wirklich nicht sinken.
    Trotzdem war der ehemalige Slytherin stolz darauf, dass seine Hand nicht zitterte, als er das Amulett mit spitzen Fingern in die Handfläche seines Gegenübers gleiten ließ; einerseits, weil ihn in just diesem Moment wieder ein Schmerz durchs Gesicht fuhr, der einer Stichflamme glich, sondern auch, weil es ihm in Gegenwart des Dunklen Lords ein wenig gruselte. Aber auch dieses Gefühl würde er zurückhalten, während er noch überlegte, ob er Kavanagh oder Mortimer noch lobend erwähnen sollte, sich dann aber dagegenentschied. Er war hier, die beiden nicht. Mussten sie selber schauen, wo sie blieben.

  • Unablässig lastete mein Blick auf den jungen Peasegood, die Hand fordernd ausgestreckt, wartend und schweigend bis das kühle Metall meine Hände berührte. Zufrieden umklammerten meine Finger das Amulett und umschlossen es mit einer Faust.
    "Sehr Gut.", entfuhr es meinen Lippen mit einem Zischen, während ich das Amulett im Licht des Kamins genauer betrachtete. "Wie ein so kleiner Gegenstand so viel Staub aufwirbeln kann, mag vielen ein Rätsel sein, denn die meisten Menschen sehen kleine, unauffällige Gegenstände genau als solches: unbedeutend und schnell vergessen. Doch dadurch sollte man sich niemals täuschen lassen. Aus meiner Erfahrung kann ich nämch sagen, dass es oft genau diese kleinen Dinge sind, die unglaublich Macht beherbegen können - Macht, die sich nur wenige vorstellen können." Und wenn man Macht verbergen möchte, dann sollte man genau solche Dinge auswählen. Wer würde schon ein Amulett, einen Ring oder ein Tagebuch verdächtigen, Gegenstände böser Natur zu sein? Niemand - und genau darin bestand die Finesse dieser Auswahl. Und genau diese Auswahl wird auch auf das Amulett zutreffen. Unwissend werden die Muggel es wieder in Besitz nehmen. "Oh, sieh mal, was ich heute auf der Straße gefunden habe! Ist es nicht schön?" werden sie sagen, sie werden es umlegen und dann wird ihr schwaches Gemüt der Magie nicht widerstehen können. Einer nach dem anderen werden sie in den Wahnsinn getrieben und sich so selbst in die Schranken weisen.
    "Sobald ein wenig Gras über diese Sache gewachsen ist, wird dieses Amulett seinen Weg zurück in die H#nde von Muggel finden und ihre schwachen Geister in den Wahnsinn treiben.", erklärte ich mit einem zufriedenen Nicken und legte das Amulett beiseite. "Nun...", wandte ich mich wieder an Peasegood. "...die Rckgabe ist ein Erfolg, der belohnt werden sollte. Der Kreis der Todesser ist handverlesen und nicht leicht zu finden, doch ist man einmal Teil davon, gibt es kein Zurück und kein Erbarmen.", erklärte ich und streckte fordernd meine Hand erneut aus. Es war an der Zeit Peasegood in meine Reihen aufzunehmen. Er hatte sich bewiesen und vielleicht würde er es sogar schaffen, mich eines Tages zu beeindrucken.

  • Ambrose konnte gar nicht anders als kurz triumphierend zu grinsen, kaum, dass das Amulett seinen festen Griff verlassen hatte; nach außen hin gab er sich doch meistens ziemlich bedeckt, was seine Meinung gegenüber Muggeln anbelangte, war es doch nicht unüblich ihn selbst in der Winkelgasse in einer Lederjacke und Jeans anzutreffen, vor einigen näheren Bekannten versteckte er seine Gesinnung den Nichtmagiern gegenüber jedoch nicht; im Gegensatz zu manch anderem verabscheute er Muggel zwar nicht mit jeder Faser seines Körpers, verachten umschrieb es allerdings doch ganz gut. Wie primitive Affen führten sie sich meistens auf, versuchten ihren fehlenden Intellekt durch Erfindungen auszugleichen, die in ihrem Nutzen doch nie an richtige Zauber herankommen würden. Gut, er musste zugeben, dass dieses kleine Telefon in manchen Situationen nützlich sein konnte, genauso wie dieses Intranetz,
    aber...nein. Ambrose hielt einfach nicht viel von ihnen, so wenig, dass er anderen gegenüber mittlerweile sogar behauptete reinblütig zu sein, obwohl seine Urgroßeltern mütterlicherseits Muggel gewesen waren. Aber so lange niemand fragte...und so lange man ihn nicht dazu aufforderte einen Familienstammbaum anzufertigen. Das Amulett wieder in den Händen des Lords zu wissen, tat gut, denn nur so würde es seinen einzig wahren Nutzen erfüllen können: allen näherzubringen, was für unwürdige, hilflose Kreaturen Muggel doch waren und wie viel besser es ihnen gehen würde, sobald die Zauberer die Macht über sie ergriffen hatten. Bis dahin hieß es warten. Und apropos warten.
    Der ehemalige Slytherin leckte sich nervös über die Lippen, als der dunkle Lord die Hand nach seinem linken Arm ausstreckte, gestattete es sich aber nur einen Wimpernschlag lang zu zögern und hielt ihm den Unterarm schließlich bemüht ruhig hin. Mortimer hatte versucht ihm weiszumachen, wie weh das Einbrennen des Dunklen Mals ihm tun würde, doch er wäre nicht Ambrose Peasegood gewesen, hätte er seinem Geschwätz irgendeinen Glauben geschenkt. Angespannt konnte man ihn allerdings trotzdem nennen... und angespannt klang er auch, als er den Mund öffnete, um noch ein letztes Mal zu antworten. „Es wäre mir die größte Ehre zu ihnen zu gehören.“ So sagten die Helden es auf jeden Fall in den Büchern immer – und obwohl Ambrose sich selbst nie als Held bezeichnet hätte, kam er doch nicht umhin festzustellen, dass er sich doch ein wenig heroisch fühlte, als er kurz das Kinn reckte und ein verstecktes Lächeln seine Mundwinkel umspielte. Die Zugehörigkeit zu den Todessern wäre nur der erste Schritt in eine Richtung, die ihm Geld und Ansehen bringen würde; und in wenigen Augenblicken würde er ihn getan haben.

  • Es dauerte einen kurzen Moment bis Peasegood begriff, was vor sich ging und ein wenig krampfhaft seinen Arm anbot. Als ich danach griff und das Handgelenk umfasste, spürte ich die Anspannung des Zauberers, doch als er sprach, hatte seine Stimme einen festen Klang und aus meinen Augenwinkeln heraus, konnte ich sogar die Andeutung eines Lächelns erkennen. Gut. Mit dieser Einstellung würde Peasegood einen guten Diener abgeben, auch wenn sein Lächeln gleich aus seinem Gesicht verschwinden würde. Ich festigte meinen Griff um sein Handgelenk, um zu verhindern, dass sein Arm gleich zurückzuckte, während ich mit meiner anderen Hand den Arm freilegte und dann nach meinem Zauberstab griff. Viele Zauberer und Hexen haben diese Prozedur über sich ergehen lassen. Sie alle hatten ein stählernes Gesicht, in manchen blitzte sogar der Triumph in den Augen, doch sobald der Zauber ausgesprochen wurde, versanken sie alle - egal wie selbstsicher - in einer Welt des Schmerzes. Und sie alle schrien, ihre Arme zuckten immer unwillkürlich zurück und wurden doch festgehalten, so dass am Ende des Zaubers die frischgebackenen Todesser nicht nur ein Mal an ihrem Arm vorfanden, sondern auch einen kreisförmligen Bluterguss an jener Stelle, an der ich ihren Arm fest umschlossen hatte. Peasegood würde keine Ausnahme darstellen und so würde sein Lächeln verschwinden und sich stattdessen auf meinen Lippen wiederfinden. Ich sah dem Zauberer noch einmal in die Augen und antwortete zuckersüß und galant, so als würde ich ihm einen Gefallen tun "So sei es.", ehe ich die Spitze meines Zauberstabes in den Arm meines Gegenübers drückte und den Zauber aussprach, der Peasegood auf ewig zu meinem Diener machen würde. Es gab nun kein Entkommen, denn einmal in meine Reihen aufgenommen, gab es kein Zurück, kein Ausscheiden und kein Erbarmen. Ich forderte Leistung und Loyalität und wusste jene zu bestrafen, die meinen Anforderungen nicht gerecht wurden. Smith hatte dies am eigenen Leib erfahren und auch wenn er sich nun an Dumbledores Rockzipfel gehängt hatte und sich in Sicherheit wog, so war ich mit ihm noch nicht fertig. Im Gegenteil: mein Sieg über diese jämmerliche Gestalt würde umso größer sein, je länger unser Katz und Mausspiel andauerte. Bestimmt hatte dieser Narr wieder Hoffnung gefasst aus dieser Sache lebend herauszukommen und es wird mir eine Ehre sein, diese Hoffnung in jenem Augenblick zu zerschmettern, in dem er es am wenigstens erwartete. Dies war sein Schicksal und dieses Schicksal könnte auch Peasegood ereilen, sollte er sich im Laufe der nächsten Monate nicht als würdig erweisen. Der Eifer, den der Zauberer dezeit an den Tag legte, könnte ihn vor meinem Zorn bewahren, doch nur wenn er mir auch in Zukunft Ergebnisse lieferte, denn schon bald würden wir damit aufhören im Schatten zu schleichen und unseren rechtmäßigen Platz im Zentrum dieser Welt einnehmen. Es gab kein Entkommen - für niemanden.

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