i'll drown eventually, so don't save me Freitag, 17. Oktober, kurz nach 14 Uhr Einzelpost (ggf. interessant für Mercury Nightowl) Byron biss die Zähne zusammen, schüttelte frustriert den Kopf über sich selbst, als sein kleiner Finger zum fünften Mal in Folge die falsche Klaviertaste erwischte und somit die Harmonie des Musikstücks zerriss. Selbst für ungeübte Ohren war der Fehler deutlich herauszuhören, nicht zu überspielen. Er atmete tief aus, entließ die Luft zittrig aus seiner Nase. Das erste Drittel war noch nie ein großes Problem gewesen, doch sobald der schnellere Teil einsetzte, wollte sein Körper seinem Kopf nicht mehr folgen. Trieb ihn in eine andere Richtung. Ein klitzekleiner falscher Schritt reichte, um alles zu ruinieren. Er schüttelte die Hände aus, wischte sich die Handflächen an seiner Hose ab, ehe er den sechsten Versuch startete – und prompt an der gleichen Stelle hängen blieb. Ein Seufzer entglitt ihm, während er sich mit den Händen übers Gesicht fuhr. Er drehte sich von den Tasten des Flügels weg, stützte seine Arme auf den Oberschenkeln ab und ließ sich für einen Moment einfach nur hängen. Es sollte ihm nicht so viel bedeuten. Als Kind hatte er den Klavierunterricht gehasst, somit nie die Passion aufgebracht, die im Spiel mancher Musiker:innen steckte. Erst seitdem er sich immer weiter von seinem Elternhaus entfernt, den Kontakt zu seiner Mutter und seinem Vater eingeschränkt hatte, hatte er sich in dieses Instrument verliebt. Sonderbar, wie das simple Betätigen von Tasten eine ungeahnte Nostalgie weckte. Er glaubte, in gewissen Stücken gar den Geruch der Kekse seiner Mutter herauszuriechen. Eine Erinnerung an Pausen, die ihm damals wie ein Rettungsring vorgekommen waren. Manche Dinge änderten sich wohl nie. Und manche umso mehr. Byron hob den Kopf an, sah die silberne Maske, die in der Vitrine auf der anderen Seite des Raums lag. Ihn anstarrte. Er hatte sie vermieden, über Wochen, die sie nun schon im Grimmauldplatz verweilte. Er biss sich auf die Innenseite der Wange, wippte nachdenklich mit dem Bein, an dem eine Narbe ihn an die Boshaftigkeit der Welt erinnerte. Die Bewegung war abrupt, als er aufstand und auf den Schaukasten zulief. Man hätte das Öffnen der gläsernen Tür als energisch für Byrons Verhältnisse bezeichnen können. Nur damit er im nächsten Schritt innehielt. Es war, als würden sich Blicke kreuzen, obwohl dort, wo bei der Maske hätten Augen sein sollen, nur Leere existierte. Langsam streckte er die Hand aus, als könnte sie zubeißen und ihn mit noch einer klaffenden Wunde zurücklassen. Seine Fingerspitzen kamen als erstes mit dem metallischen Material in Verbindung. Es fühlte sich an, als würde sich die von der Maske ausgehende Kälte augenblicklich in seinem gesamten Körper ausbreiten. Die Gefahr, davon betäubt zu werden, hielt ihn nicht davon ab, sie fest zu umgreifen und aus der Vitrine zu holen. Mit den Fingern tippte er gegen das Glas, als müsse er sich entscheiden, was er genau damit anstellen wollte. Leise schloss er die Tür, umklammerte die Maske mit beiden Händen und lief zurück zum Klavier. Ein Anflug von Übelkeit schlug in seine Magengrube, als er sich auf den Hocker setzte. Er presste die Lippen aufeinander, unterdrückte den Drang, ins Bad zu stürzen, wie als er zum ersten Mal erfahren hatte, wer die Nachbildung eines Hasenschädels in der Finalnacht auf dem Gesicht getragen hatte. Er fuhr mit dem Finger über jede einzelne Knochenpartie, erinnerte sich daran, wie er Mekkinó sanft über genau jene Stellen unter der Maske gestrichen hatte. Warm und anziehend war seine Haut gewesen. Ob sie sich unter der Verkleidung genauso von der Kälte anstecken lassen würde wie er? Wenn dem so war. Wenn es nicht gerade andersherum war. Ob es die Kälte im Inneren eines Mercury Nightowl war, der die Maske für immer gekennzeichnet hatte? Eine, die Byron selbst in sich trug? Verliehen durch eine Brandnarbe, von einer verabscheuungswürdigen Hexe. Er schloss die Augen, lehnte die Stirn an das kühle Material. Mit einem leisen Ausatmen stellte er fest, wie angenehm Kälte sein konnte. Bitterkeit hätte sich auf seiner Zunge breit machen müssen. Stattdessen war es sein Geschmack. Er hatte sein zustimmendes Summen von diesem fatalen Nachmittag im Ohr, spürte die Finger in seinem Haar. Er hatte ihm angeboten, bis zum Morgen zu bleiben. Erst dann zu gehen, wenn der Sturm abgeklungen war. Das würde er nie. Nicht, bevor er nicht alles vernichtet hatte, was auch nur annähernd von Bedeutung war. Seine Lider hoben sich an. Ein paar Mal blinzelte er. Byron wusste, wie das hier enden würde. Er legte die Maske auf dem Klavier ab. Seine Haltung wurde gerader, hatte schon beinahe etwas Strammes angenommen, als er die Hände wieder ansetzte, sich erneut an das Musikstück wagte. Dieses Mal stolperte er nicht über die Stelle. Seine Finger gehorchten – ein trügerisches Aufbäumen von Willenskraft. In seinem Kopf rauschte der Sturm weiter. Ende.