Erster Stock – Salon

  • i'll drown eventually, so don't save me

    Freitag, 17. Oktober, kurz nach 14 Uhr

    Einzelpost (ggf. interessant für Mani Nygard)


    Byron biss die Zähne zusammen, schüttelte frustriert den Kopf über sich selbst, als sein kleiner Finger zum fünften Mal in Folge die falsche Klaviertaste erwischte und somit die Harmonie des Musikstücks zerriss. Selbst für ungeübte Ohren war der Fehler deutlich herauszuhören, nicht zu überspielen. Er atmete tief aus, entließ die Luft zittrig aus seiner Nase. Das erste Drittel war noch nie ein großes Problem gewesen, doch sobald der schnellere Teil einsetzte, wollte sein Körper seinem Kopf nicht mehr folgen. Trieb ihn in eine andere Richtung. Ein klitzekleiner falscher Schritt reichte, um alles zu ruinieren. Er schüttelte die Hände aus, wischte sich die Handflächen an seiner Hose ab, ehe er den sechsten Versuch startete – und prompt an der gleichen Stelle hängen blieb. Ein Seufzer entglitt ihm, während er sich mit den Händen übers Gesicht fuhr. Er drehte sich von den Tasten des Flügels weg, stützte seine Arme auf den Oberschenkeln ab und ließ sich für einen Moment einfach nur hängen. Es sollte ihm nicht so viel bedeuten. Als Kind hatte er den Klavierunterricht gehasst, somit nie die Passion aufgebracht, die im Spiel mancher Musiker:innen steckte. Erst seitdem er sich immer weiter von seinem Elternhaus entfernt, den Kontakt zu seiner Mutter und seinem Vater eingeschränkt hatte, hatte er sich in dieses Instrument verliebt. Sonderbar, wie das simple Betätigen von Tasten eine ungeahnte Nostalgie weckte. Er glaubte, in gewissen Stücken gar den Geruch der Kekse seiner Mutter herauszuriechen. Eine Erinnerung an Pausen, die ihm damals wie ein Rettungsring vorgekommen waren. Manche Dinge änderten sich wohl nie.

    Und manche umso mehr.

    Byron hob den Kopf an, sah die silberne Maske, die in der Vitrine auf der anderen Seite des Raums lag. Ihn anstarrte. Er hatte sie vermieden, über Wochen, die sie nun schon im Grimmauldplatz verweilte. Er biss sich auf die Innenseite der Wange, wippte nachdenklich mit dem Bein, an dem eine Narbe ihn an die Boshaftigkeit der Welt erinnerte. Die Bewegung war abrupt, als er aufstand und auf den Schaukasten zulief. Man hätte das Öffnen der gläsernen Tür als energisch für Byrons Verhältnisse bezeichnen können. Nur damit er im nächsten Schritt innehielt. Es war, als würden sich Blicke kreuzen, obwohl dort, wo bei der Maske hätten Augen sein sollen, nur Leere existierte. Langsam streckte er die Hand aus, als könnte sie zubeißen und ihn mit noch einer klaffenden Wunde zurücklassen. Seine Fingerspitzen kamen als erstes mit dem metallischen Material in Verbindung. Es fühlte sich an, als würde sich die von der Maske ausgehende Kälte augenblicklich in seinem gesamten Körper ausbreiten. Die Gefahr, davon betäubt zu werden, hielt ihn nicht davon ab, sie fest zu umgreifen und aus der Vitrine zu holen. Mit den Fingern tippte er gegen das Glas, als müsse er sich entscheiden, was er genau damit anstellen wollte. Leise schloss er die Tür, umklammerte die Maske mit beiden Händen und lief zurück zum Klavier. Ein Anflug von Übelkeit schlug in seine Magengrube, als er sich auf den Hocker setzte. Er presste die Lippen aufeinander, unterdrückte den Drang, ins Bad zu stürzen, wie als er zum ersten Mal erfahren hatte, wer die Nachbildung eines Hasenschädels in der Finalnacht auf dem Gesicht getragen hatte. Er fuhr mit dem Finger über jede einzelne Knochenpartie, erinnerte sich daran, wie er Mekkinó sanft über genau jene Stellen unter der Maske gestrichen hatte. Warm und anziehend war seine Haut gewesen. Ob sie sich unter der Verkleidung genauso von der Kälte anstecken lassen würde wie er? Wenn dem so war. Wenn es nicht gerade andersherum war. Ob es die Kälte im Inneren eines Mercury Nightowl war, der die Maske für immer gekennzeichnet hatte? Eine, die Byron selbst in sich trug? Verliehen durch eine Brandnarbe, von einer verabscheuungswürdigen Hexe. Er schloss die Augen, lehnte die Stirn an das kühle Material. Mit einem leisen Ausatmen stellte er fest, wie angenehm Kälte sein konnte. Bitterkeit hätte sich auf seiner Zunge breit machen müssen. Stattdessen war es sein Geschmack. Er hatte sein zustimmendes Summen von diesem fatalen Nachmittag im Ohr, spürte die Finger in seinem Haar.

    Er hatte ihm angeboten, bis zum Morgen zu bleiben. Erst dann zu gehen, wenn der Sturm abgeklungen war. Das würde er nie. Nicht, bevor er nicht alles vernichtet hatte, was auch nur annähernd von Bedeutung war. Seine Lider hoben sich an. Ein paar Mal blinzelte er. Byron wusste, wie das hier enden würde. Er legte die Maske auf dem Klavier ab. Seine Haltung wurde gerader, hatte schon beinahe etwas Strammes angenommen, als er die Hände wieder ansetzte, sich erneut an das Musikstück wagte. Dieses Mal stolperte er nicht über die Stelle. Seine Finger gehorchten – ein trügerisches Aufbäumen von Willenskraft. In seinem Kopf rauschte der Sturm weiter.


    Ende.

  • Auf Spurensuche

    Ewige Quest #4

    02.11.2025 | abends| Byron Clairmont und Gwendoline Ollivander


    "Ist schon auch ein richtig heftiger Typ einfach.", mit verkniffenen Lippen starrt Gwen auf die Notizen, die sie vor sich auf der Tischplatte aus massivem Mahagoni ausgebreitet hat. Dann schiebt sie frustriert das Pergament über den Todesser mit eisblauen Augen zur Seite, verärgert darüber, dass es ihr trotz ihres ausdauernden Anstarrens keine neuen Erkenntnisse geliefert hat. "Hat jemand diesen Faolan d'Allembord mal befragt? Vielleicht ist ihm ja noch was aufgefallen. Kann ja auch eine Kleinigkeit sein, irgendwas... was vielleicht helfen könnte.", müde stützt Gwen den Kopf auf den Arm und sieht zu Byron, der sich ganz in der Nähe mit seinem eigenen Stapel an Notizen beschäftigt. Als Journalist sollte er doch wirklich geübt darin sein, die richtigen Fragen zu stellen, vielleicht wäre das ein neuer Ansatzpunkt? Wobei sie sich nicht wirklich vorstellen kann, dass das noch nicht passiert ist - Opfer und Zeug:innen zu befragen dürfte jetzt nicht gerade als außergewöhnlich kreative Geheimmethode zählen. Müde fährt sie sich mit dem Handrücken über die Augen. Als sie zusammen mit Byron entschieden hatte, sich mal zusammen zu setzen und die Notizen durchzugehen, hatte sie natürlich nicht mit riesigen Erkenntnissen gerechnet. So gar keine neuen Einfälle zu haben ist trotzdem frustrierend. Sollen sie hier wirklich nur ihre Zeit vergeudet haben? "Okay, aber der hier, ja. Der mit dem Tattoo, warte, wo war er...", entschlossen, sich nicht entmutigen zu lassen, wühlt Gwen in den Pergamenten, bis sie das Richtige gefunden hat. "Eine magische Tätowierung von drehenden Zahnrädern am Hals.", liest sie vor. "Das ist doch eigentlich auffällig, oder? Weißt du, ob man sowas magisch verdecken kann? Vermutlich, sonst könnte der Typ sich ja quasi gar nicht unter Muggeln bewegen... wobei halt dann schon die Frage ist, warum er das nicht auch bei der WM verdeckt hat.", überlegt Gwen laut, die Augen auf der Schrift, und sucht erst jetzt wieder Byrons Blick. "Aber vermutlich haben die sich auch einfach voll sicher gefühlt."

  • Byron fuhr sich bei geschlossenem Mund über die Zähne, versuchte diesen ekligen Film loszuwerden, der sich dann an den Mundraum heftete, wenn die Übelkeit sich in seinem Magen ausbreitete. Es war ein taktischer Zug gewesen, sich mit Gwendoline hier zu treffen, nachdem er gespürt hatte, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Virginia ihn auf ihre Begegnung in Hogsmeade ansprechen würde. Sie war eine schlaue Frau und es widerstrebte ihm, sie auch nur für eine Sekunde anlügen zu müssen. Das hier dürfte bedeutend einfacher werden. Gwen war jung, noch nicht lange im Orden. Es wäre schlau, dieses Treffen zu nutzen, um sich Stück für Stück an die Wahrheit heranzutasten. Es bedeutete leider auch, sich mit der Finalnacht auseinanderzusetzen. Mit dem Todesser, der Em verletzt hatte. Einen kleinen Jungen für den Rest seines Lebens traumatisiert hatte. Einen Squib gefoltert hatte, wie Ems Notizen deutlich zu entnehmen war. Er konnte von Glück sagen, dass es bei einer Legilimentik-Attacke geblieben war und er körperlich unversehrt nach Hause apparieren konnte. Byron zuckte mit den Schultern. "Ich wollte das Em überlassen. Sie schienen sich zu kennen." Dabei war kennen eine deutliche Untertreibung. Schließlich hatte der Todesser in seiner Verzweiflung nicht nur in Byrons Gedanken herumgestochert, sondern versehentlich alle einen Erinnerungsfetzen der anderen Anwesenden sehen lassen.

    Die junge Dame schien sich nicht unterkriegen zu lassen. Ein Lächeln zupfte an seinem Mundwinkel, als er von der Akte über den unbekannten Todesser aufsah, um Gwen zu begutachten. Müdigkeit prägte ihr Gesicht - nur ihr Gesicht. Es war nicht zu übersehen, dass in ihrem Körper Kampfgeist steckte, der sich nicht ersticken lassen wollte, so aussichtslos die Situation auch wirken mochte. In gewisser Hinsicht fühlte er sich an sich selbst erinnert, an den aufstrebenden Journalisten, der geglaubt hatte, durch die Manipulation eines Artikels etwas bewegen zu können. Er setzte eine neutrale Miene auf, während sie durch die Pergamentstapel wühlte. Sein Herz pochte verräterisch, doch er durfte es sich nicht anmerken lassen. Er ließ sie ausreden, obwohl sein Kopf bereits Szenen abspielte, für die er sich vor sich selbst ekeln wollte. Das Gefühl blieb aus. Er glaubte, etwas wie Hoffnung in ihren Augen zu sehen, kaum dass sich ihre Blicke wieder kreuzten. "Das ist durchaus möglich. Darf ich?" Er nahm ihr die Seite ab, ließ den Blick über die spärlichen Notizen wandern, blieb hängen bei Virginias Anmerkung, sie könne mehr herausfinden. Es würde nicht notwendig sein. "Ich kenne ihn. Sein Name ist Mercury Nightowl." Er sah sie nicht an, griff stattdessen zu seiner Schreibfeder, um den Namen sauber aufs Pergament zu bringen. Dankbar dafür, dass seine Hand nicht zitterte. Er nutzte die vorhandene Ruhe, um weitere Notizen zu ergänzen. Dazu, dass er in Schottland lebte und eine schwarzmagische Narbe sein Gesicht zierte. Ab jetzt gab es kein Zurück mehr.

  • „Mhm“, Gwen gibt einen eher unzufriedenen Laut von sich, ohne den Blick vom Pergament zu nehmen, und macht sich eine mentale Notiz, Em baldmöglichst auf die Sache anzusprechen. Sie kann grundsätzlich verstehen, dass es schwierig ist, über solche Ereignisse zu sprechen; sie weiß auch, dass etliche der anderen wesentlich schlimmere Dinge während der Finalnacht erlebt haben als sie selbst. Schwere Verletzungen, Folter, Unverzeihliche – der Todesser, dem sie gegenüber gestanden hatte, war erstaunlich…zahm gewesen. Potentiell gefährlich durch die Übermacht, die er ausgestrahlt hatte, doch das Zusammentreffen mit ihm hatte ihr vor allem aufgezeigt, wo ihre eigenen Defizite liegen. Es hatte ihr keine Albträume beschert. „Müssen wir mal nachfragen. Wobei die erste Sache ja auch schon richtig lange zurück liegt. Vermutlich…ist ihm einfach sonst nichts eingefallen. Oder er will nicht drüber reden.“, fügt sie seufzend hinzu, um sich dann dem nächsten Fall zu widmen. Dem Todesser mit Tattoo. „Huh?“, ihr eben noch müder, fast resignierter Blick wandelt sich in ungläubiges Erstaunen, als Byron erklärt, den Typen zu kennen, seinen Namen nennt, als sei gar nichts dabei. Fassungslos beobachtet sie, wie er das Pergament zu sich heranzieht, um es dann mit weiteren Notizen zu ergänzen. Ein paar Augenblicke herrscht Schweigen, nur das Kratzen der Feder ist zu hören, während Gwen versucht, ihre eigenen Emotionen angesichts dieser neuen, bahnbrechenden Erkenntnis mit Byrons Verhalten in Einklang zu bringen, der nicht einmal eine Miene verzieht, obwohl er gerade jemanden als Todesser enttarnt hat. „Äh, Byron?“, ihre Stimme klingt laut durch den Raum, während sie versucht, den Blick des anderen einzufangen. Was ist eigentlich los mit dem Typ? Sie weiß, dass er schon super lange im Orden ist, aber deswegen kann ihn sowas doch trotzdem nicht derart unberührt lassen. Sie hatte gehofft, dass sie vielleicht wenigstens einen neuen Hinweis erkennen, hätte sich über jeden neuen Ansatz gefreut – und Byron deckt einfach auf, bei wem es sich um den Todesser handelt, dessen Maske Edgar mitgebracht hat, als wäre es nichts. „Hast du irgendwie – ist dir das jetzt grad mal so eingefallen oder wie?“, sie schüttelt den Kopf, lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück, um Byron besser anschauen zu können. „Ich meine, Edgar hat doch davon erzählt, und auch von der Tatöwierung und ich meine…Woher kennst du den? Was ist das für ein Typ? Bist du ganz sicher, dass er es ist?“, fragt sie und versucht gar nicht erst, einen Blick auf das Pergament zu werfen. Sie ist viel zu aufgeregt, um jetzt irgendwelche Notizen zu lesen, sie will das hören – alles! Und sie will ergründen, warum Byron sich derart seltsam verhält.

  • Der Schreck über die Offenbarung war Gwen deutlich anzuhören. Bewusst blieb sein Blick am Pergament haften, während er den Vermerkt addierte, dass er weiterhin an Mercury Nightowl dran bleiben würde, versuchen würde, mehr herauszufinden. Was auch immer das bedeutete. Er selbst hatte noch keine Vorstellung davon, wie man einen Todesser beschattete. Bestimmt nicht, indem man sich mit ihm für Knutschereien hinter sicher verschlossenen Türen verabredete. Dass er bisher zu abgelenkt davon gewesen war, wie sein Körper auf den gutaussehenden Isländer reagierte, würde er mit ins Grab nehmen. "Hmmmm?", summte er nur auf ihren Ausruf hin.

    Fast hätte er losgelacht. Es musste ein krankhafter Reflex seines Körpers sein, die Nervosität auf die Weise zu entladen. Er musste die Bauchmuskeln anspannen, damit ihm kein verächtlicher Laut entglitt. Sie hatte jedes Recht, mit Entsetzen auf seine Worte zu reagieren. Nichts davon spiegelte sich in seinem Gesicht. Es war weiterhin nur ein Pokerface zu erkennen. In aller Ruhe beendete das Aufschreiben der Notiz und sah erst danach auf. Aus dem Gesicht der jungen Hexe schien jegliche Müdigkeit verschwunden. Er kannte sie nicht sehr gut, noch nicht zumindest. Konnte nicht recht deuten, was sie mit den Informationen aus diesem Gespräch anfangen würde. Tatendrang hatte sie bereits des Öfteren bewiesen. Ob sie hier ähnlich handeln würde? Es war ohne Frage ein Spiel mit dem Feuer. Eins, das er eingehen musste, bevor er von erfahreneren Mitgliedern des Ordens mit dem Thema konfrontiert wurde. Er hob eine seiner Augenbrauen an. "Nein, das ist mir natürlich nicht erst jetzt eingefallen." Er verschränkte die Arme auf der Tischplatte, stützte sein Gewicht drauf, um sich ein Stück nach vorne zu lehnen. "Ich bin ihm abends in der Nokturngasse begegnet." Es hätte dabei bleiben können. Mit Leichtigkeit hätte er das Gespräch unterbinden können, indem er ihr glaubhaft machte, er hätte ihn erst vor Kurzem kennengelernt. Doch es wäre die törichte von vielen Entscheidungen gewesen. Spätestens wenn die Neuigkeit Virginia zu Ohren kam, würde sie sich daran erinnern, die beiden vertraut nebeneinander sitzend in Hogsmeade gesehen zu haben. Im September. "Er ist ... ein ganz normaler Typ." Wenn man davon absah, dass er Todesser war, dachte er sich, während er die Übelkeit wieder zurückdrängte. Es war nicht die ganze Wahrheit. Vom ersten Moment an hatte Byron gesehen, dass da mehr hinter Mekkinós durchaus interessanten Fassade war. Byron erlaubte sich, tief auszuatmen, Enttäuschung durchblicken zu lassen. Nur einen Hauch davon. "Ich bin mir sicher. Mittlerweile. Und genau deswegen sprechen wir erst jetzt darüber." Er legte das Blatt zurück zum restlichen Stapel. "Sonst noch irgendwelche Fragen?"

  • Die Art, wie Byron auf ihren Ausruf reagiert - oder vielmehr nicht reagiert - wie er einfach keine Miene verzieht, erinnert Gwen auf äußerst enervierende Weise auf Felix. Bei ihm hatte sie die kaum sichtbaren Hinweise in seinem Gesicht allerdings lesen können, war in der Lage gewesen, den Ausdruck in seinen Augen zu deuten. Bei Byron kann sie es nicht. Sein Gesicht ist einfach nur glatt, während er immer noch viel zu gelassen bleibt. Gwens Puls jagt diese Ruhe in die Höhe, nur mit Mühe kann sie sich davon abhalten, einfach aufzuspringen und all die aufgebrachten Gedanken, die ihr durch den Kopf schießen, in einem Schwall an Worten auf Byron herabregnen zu lassen. Es wäre eine wenig erwachsene Reaktion, und nur die Tatsache, dass die anderen Mitglieder des Ordens ohnehin hin und wieder durchblicken lassen, dass sie viel zu jung und unerfahren sei, sorgt dafür, dass sie sich vorerst beherrscht. Stattdessen umklammern ihre Finger die Tischplatte und sie presst die Zähne aufeinander, während sie Byron zuhört, der nun viel zu langsam auf ihre Fragen antwortet, ohne eigentlich viel zu sagen. Ob sie noch weitere Fragen hat?! "Ja!", die Fassungslosigkeit ist ihr deutlich anzuhören und sie schüttelt den Kopf, gönnt Byron unfreiwillig noch ein paar Sekunden der Ruhe, während sie sprachlos damit hadert, welchen der Gedankenfetzen in ihrem Kopf sie zuerst aufgreifen soll. "Ich meine, das ist doch...ein riesen Ding! Du hast einen weiteren Todesser sicher identifiziert, das müssen wir - das müssen wir melden, oder? So wie die Trevelyans! Wie kannst du da so ruhig bleiben? Warum hast du nicht damals schon von deinem Verdacht gesprochen, wir teilen doch auch sowas miteinander, vielleicht hätte jemand - überhaupt, wie hast du das jetzt rausgefunden? Hast du ihm nachspioniert oder so? Nach dem Finale? Allein? Du weißt, dass das sau gefährlich ist, du hast dich doch beim Finale mit diesem Kerl da angelegt und der war doch auch in deinem Kopf - wenn dich jetzt jemand erkannt hätte? Die teilen ihre Infos doch bestimmt auch miteinander?", Gwen schnappt nach Luft, zieht wie auf der Suche nach Halt nach dem Pergament, das Byron eben weggeschoben hat und blickt auf die letzten Anmerkungen. "Und was soll das bitte heißen, du bleibt an ihm dran?"

  • Byron löste seine Arme aus der Verschränkung, um sich in Gwens Richtung zu lehnen und ihr eine Hand beschwichtigend an den Arm zu lege. "Du holst jetzt bitte erstmal tief Luft." Er konnte sich gerade noch davon abhalten, ihr zu sagen, sie solle sich beruhigen. Das würde ihm nur noch mehr ihre Missgunst einbringen. "Melden? Bei wem denn? Dem Ministerium? Das uns nicht mal weitere Namen nennen wollte? Hättest du nicht mit deinem Kontakt in der Aurorenzentrale gesprochen, würden wir weiterhin im Dunkeln tappen." Nicht umsonst hatte er mit Em an Halloween die Sache in die eigenen Hände nehmen müssen. Er nahm die Hand von ihrem Arm, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte seine Finger in seinem Schoß. "Angenommen, sie glauben uns. Was genau sollen wir ihnen erzählen? Welchen Beweis haben wir, außer Edgars Aussage? Der darüber hinaus ein unregistrierter Animagus ist." Ohne seine Fähigkeiten wäre es dem Orden gar nicht erst möglich gewesen, Mercury die Maske vom Gesicht zu reißen. Sollten sie ihn zum Dank in Gefahr bringen? "Edgar hat selbst gesagt, er war nicht groß am Kampf beteiligt. Wir haben rein gar nichts gegen ihn in der Hand." Er tippte mit zwei Fingern gegen das Pergament, das vor Gwen lag. "Wir haben nur diese Informationen. Das reicht nicht." Es führte kein Weg daran vorbei, die zu Mekkinó aufgebaute Nähe zum Vorteil des Ordens zu nutzen. Ob er dadurch auch nur ansatzweise Buße leisten konnte?

    Byron holte tief Luft, kratzte sich den Bartschatten, während er den Blick von ihr abwendete. Er sah zur Maske, die in der Vitrine lag. "Ich habe hier schon einiges miterlebt. Zum Beispiel, wie die anderen Circe Trevelyan vor zwei Jahren entführt haben. Was hat das gebracht? Sie ist immer noch auf der Flucht." Er presste die Lippen zusammen, versuchte den aufkeimenden Ärger zurückzudrängen. Nicht alle Entscheidungen des Ordens waren klug gewesen. Er konnte nicht riskieren, dass sich eine solche Aktion wiederholte. Es war Zeit für neue Strategien. Sein Blick suchte erneut ihr Gesicht. "Nightowl hat keine Ahnung, dass ich Teil hiervon bin." Vermutete er zumindest. Nichts davon deutete bisher darauf hin. Ein Schauer ging ihm über den Rücken beim Gedanken, es könnte anders sein. "Ich habe ihn vor der Finalnacht kennengelernt. Ich ..." Er biss sich auf die Zunge, wog ab, was er ihr am besten sagen sollte. Eigenartiger Weise musste er daran denken, wie seine Mutter damals zu ihm gesagt hatte, Pflaster müsse man schnell abreißen. Es sei kurz und schmerzlos. Als Kind hatte er stets daran gedacht, wie gelogen das war. Es würde nie gänzlich schmerzlos sein. "Er hat mich geküsst." Seine Hände hatte er mittlerweile wieder verschränkt. Angespannte Finger klammerten sich aneinander. "Und er weiß, dass ich muggelstämmig bin. Was ihn zu einem Blutsverräter macht. Selbst wenn er irgendeinen Verdacht schöpft, kann er es sich nicht leisten, dass Vertraute von Du-weißt-schon-wer davon erfahren."

  • Ein unwilliges Runzeln zeigt sich auf Gwens Stirn, als Byron die Hand auf ihren Arm legt. Sie schüttelt sie nicht ab, obgleich es ihr unangenehm ist, und anstatt durchzuatmen, presst sie nur die Lippen fester aufeinander. Trotzdem unterbricht sie ihren Redeschwall, um Byron zuzuhören, registriert zufrieden und einigermaßen überrascht, dass sie es geschafft hat, die Gleichgültigkeit aus seinen Zügen zu vertreiben - wenigstens ein bisschen. Zumindest redet er jetzt, reiht dabei so viele Worte aneinander, wie sie es nie zuvor von ihm gehört hat. Zweimal holt sie Luft und öffnet die Lippen, eine Erwiderung schon auf der Zunge, beide Male schließt sie den Mund wieder, ohne etwas zu sagen. Denn Byron redet weiter und weiter, scheint jetzt endlich einmal warm zu laufen und beruhigt Gwen damit tatsächlich. Mit jemandem, der argumentieren will, kann sie weitaus besser umgehen, als wenn sie den Eindruck hat, gegen eine Wand zu reden. Das weckt nur den Impuls in ihr, ihr Gegenüber so lange zu provozieren, bis sie endlich eine echte Reaktion erntet. Meistens ist das dann Wut, die sich gegen sie selbst richtet. Nicht angenehm, aber immer noch so viel besser als Schweigen.

    Er hat mich geküsst. Erneut weiten sich Gwens Augen, suchen in Byrons Blick nach einer Bestätigung, dass er das gerade echt gesagt hat, dass sie sich nicht verhört hat - dass das tatsächlich sein ernst ist. Er sieht nicht aus, als würde er scherzen. Stöhnend reibt Gwen sich mit der Hand über ihr Gesicht, presst für einen Moment die Fingerkuppen fest auf die geschlossenen Augenlider, während Byron ihr zu erklären versucht, dass es für Mercury selbst zu gefährlich sei, ihn zu verraten. Sie glaubt heraus zu hören, dass er das wirklich so meint, fühlt sich dabei ganz unangenehm an ihr eigenes, jüngeres Ich erinnert, das Felix gegen jeden Angriff verteidigt hatte. Bis es zu spät gewesen war. Der war halt zum Glück kein Todesser gewesen. "Du glaubst das echt, ja? Dass er dich nicht ausliefern würde, wenn er könnte?", sie schüttelt den Kopf, lässt langsam die Hand sinken und sieht Byron an. Es ist so verdammt naiv. Am liebsten hätte sie gelacht. Er ist doch älter als sie, so viel erfahrener. Wie kann er auf diese Masche hereinfallen? "Was ist denn, wenn es umgekehrt ist? Wenn die in ihrem Hauptquartier eine Akte mit deinem Namen haben, in der drin steht Mercury bleibt an ihm dran? Ist dir nie der Gedanke gekommen, dass er gezielt versucht, dich um den Finger zu wickeln, um an Informationen zu kommen? Ich weiß, dass du niemals jemanden verraten würdest. Aber er braucht dir ja nur zu folgen, herauszufinden, mit wem du dich triffst, irgendwelche Namen oder Notizen aus deiner Tasche zu ziehen...oder aus deinem Schrank...hast du...hast du was mit ihm?", sie beißt sich auf die Unterlippe. Sie will Byron überhaupt nicht nach seinem Liebesleben fragen. Sie hat nichts dagegen, mit Nika dahingehend ein paar Spekulationen anzustellen - das macht Spaß, tut niemandem weh. Es geht sie natürlich trotzdem nichts an, eigentlich. Aber wenn ein Todesser versucht, sich Byron anzunähern, ist das etwas gänzlich anderes. Wer weiß, welche Infos er schon bekommen hat - er könnte eine Gefahr für den ganzen Orden darstellen! "Ich meine, hatte er die Chance, unbemerkt an was ranzukommen...das ist... also selbst wenn wir entscheiden sollten, ihn nicht zu melden - ich finde immer noch, wir sollten es tun - dann kannst nicht ausgerechnet du an ihm dranbleiben. Das ist viel zu gefährlich. Für alle hier!", erklärt sie entschieden und seufzt, bevor ihr ein Gedanke kommt, bei dem sie sich etwas stärker aufrichtet. "Ich hab dich an Halloween mit so einem Kerl gesehen - war er das? Hast du es da rausgefunden?", es würde zumindest seinen ungewohnt energischen Auftritt erklären.

  • Die auf expressivste Weise tobende Wut Gwens wäre ansatzweise unterhaltsam gewesen, wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre. Jede einzelne ihrer Regungen war für ihn nachvollziehbar. Wäre sie auf ihn zugekommen mit einer solchen Geschichte, hätte er ihr ebenfalls eine Standpauke gehalten. Er war nicht der Typ zum Haare raufen. Sie offensichtlich schon. Ein abfälliges Schnauben entwich seiner Kehle. "Mich um den Finger wickeln? Das glaubst du, ja? Dass ich mich von einem Todesser um den Finger wickeln lasse?" Er hasste sich dafür, sich in Mercury Nightowls Berührungen verloren und vergessen zu haben, wer er eigentlich war. Dass er das alles nicht genießen durfte. Ein Detail, das er niemals mit Gwen oder sonst jemandem vom Orden teilen würde. "Natürlich habe ich nichts mit ihm. Für wie dumm hältst du mich eigentlich? Denkst du, ich lasse irgendwelche Informationen einfach so in meiner Wohnung herumliegen? Dass ich Notizen über die Ordensarbeit im Büro bearbeite?" Sein Ego bäumte sich in seinem Inneren auf, zeigte sich in der leicht angehobenen Lautstärke seiner Stimme. Langsam aber sicher ging es hier nicht mehr nur darum, sich gegen den Vorwurf zu wehren, er würde irgendwelche gefährlichen Einzelaktionen starten. Sie stellte seine Intelligenz in Frage, was für Byron ein Schritt zu weit war. "Ich habe den Zweiten Orden des Phönix mit gegründet, da wurdest du gerade eingeschult. Ich war immer da. Wir haben Menschen verloren und ich war immer da." Auch, als die anderen Mitglieder sich zurückgezogen oder Aufträge im Ausland angenommen hatten. Byron war geblieben, egal wie viele Verluste er vor seinen eigenen Augen mitansehen musste. Egal, welche Opfer notwendig gewesen waren. Er nahm alles in Kauf. Die Einsamkeit. Die tiefsitzende Trauer. Den Weltschmerz. Schluckte herunter, dass sein Leben komplett dem Dienst für den Orden gewidmet war. Er würde sich nicht von einer jungen Idealistin etwas anderes sagen lassen. Erneut verschränkte er die Arme vor der Brust, als suche sein Körper nach einer passenden Abwehrhaltung, die er einfach nicht finden konnte. "Ich habe in der Nacht sichergestellt, dass niemand mein Gesicht sieht." Dass er sein hart erarbeitetes Geld in einen Quidditchumhang gesteckt hat, ärgerte ihn auch noch Monate danach. "Der Todesser hat das Büro des Tagespropheten gesehen. Mercury Nightowl wusste schon davor, dass ich Journalist bin. Denk mal nach, Gwen. Was würde er denken, wenn der Journalist, den er kurz vor dem Finale kennengelernt hat, danach sofort von der Bildfläche verschwindet?" Es würde ihn auffliegen lassen. So nachvollziehbar Gwens Reaktion auch war: Sie stützte ihre Emotionen auf reine Spekulationen. Niemand wusste, ob die beiden Todesser miteinander über ihn gesprochen hatten. Ob Byron in diesem Kreis als unbekannter Widerstandskämpfer wahrgenommen wurde oder lediglich als mutiger Quidditch-Fanatiker, der Menschenleben schützen wollte. Er blinzelte etwas verdattert vor sich hin, als Gwen Halloween ansprach. Für einen Moment fühlte er sich ertappt. Je klarer die Erinnerung an jene Nacht wurde, desto weicher wurden seine Züge. "Nein. Das war ein Bekannter. Nicht, dass es dich etwas anginge."

  • Da ist eine Änderung im Byrons Tonfall, in der Art, wie er mit ihr spricht. So, als hätte sie einen wunden Punkt erwischt - oder als würde er sich ertappt fühlen. Angegriffen auf jeden Fall. Dabei ist das gar nicht Gwens Absicht gewesen - keine Sekunde lang ist sie davon ausgegangen, dass Byron etwas mit dem Todesser angefangen hätte, nachdem ihm der erste Verdacht hinsichtlich seiner wahren Identität gekommen war. Sie kennt Byron noch nicht sehr gut, aber sie hat keinerlei Zweifel an seiner moralischen Integrität. Ganz gewiss ist er seit dem Verdacht aufmerksam und sehr vorsichtig geworden - aber er hat ihn doch zuvor schon kennengelernt, zuvor schon geküsst. Sich auf irgendeinen Mann einzulassen, der wie ein netter Typ erscheint, ist nicht dumm, ist nicht verwerflich, sondern vollkommen nachvollziehbar, alltäglich eben - und es ist doch durchaus möglich, dass Nightowl das genutzt haben könnte, dass er bereits in dieser Phase ihrer Verbindung unbemerkt Informationen gesammelt haben könnte. Gwens Lippen öffnen sich einen Spalt, bereit, Byron genau das zu erklären, ihn damit hoffentlich zu beruhigen, damit sie vernünftig über die Sache sprechen und über die nächsten Schritte nachdenken können.

    Doch wieder kommt ihr der andere zuvor. Ich habe den Zweiten Orden des Phönix mit gegründet, da wurdest du gerade eingeschult. Die Worte sind gezielt, und sie treffen, tun richtig weh. Gwen stößt die Luft auf, einen Moment lang zu erschüttert, um direkt zu reagieren, während weitere Worte an ihr vorüber ziehen. Sie hat die ganze Zeit gewusst, dass die anderen so über sie reden, hat es in ihren Blicken gesehen, in der Art, wie auf ihre Beiträge reagiert wurde. Dass man sie nicht einmal allein zu Felix hatte gehen lassen, hatte diesen Eindruck nur vertieft. Ausgerechnet Gwenda Manawydan hatten sie ihr an die Seite gestellt - eine Hexe, die fast so neu im Orden ist wie sie selbst und nicht gerade für ihr diplomatisches Geschick bekannt ist. Aber wenigstens ist sie alt. Dass sie sich überraschenderweise weniger dumm angestellt hatte, als Gwen erwartet hatte, tut dabei gar nichts zur Sache - es ändert nichts daran, dass sie das auch allein gekonnt hätte. Hätte sie doch? Byrons Worte rühren tief an den Zweifeln, die Gwen an sich selbst und ihren Fähigkeiten hegt. Es tut deshalb so weh, das in dem Augen der anderen Ordensmitglieder gespiegelt zu sehen, weil es nur bestätigt, was ein Teil von ihr längst als Tatsache akzeptiert hat. Wozu ist sie überhaupt hier? Wobei ist sie nützlich? Was kann sie wirklich beitragen? Es schmerzt, diese Worte gerade von Byron zu hören, der doch gar nicht so viel älter ist als sie selbst. Die wertenden Blicke hatte sie an ihm bisher nicht wahrgenommen. Sie hatte gedacht, er würde auf ihrer Seite stehen.

    "Wenn du jetzt anfängst dich rar zu machen, kann man das kaum als direkt werten. Das Finale ist über zwei Monate her.", erinnert sie ihn fast tonlos. Ihre Augen suchen sein Gesicht, und die Wut, die sie in ihrer Verletztheit erfasst ist diesmal kalt, aber deswegen nicht besser beherrschbar. Unmöglich, sich zu stoppen. "Keine Ahnung, für was ich dich halte, Byron. Für jemanden der einen guten Job hier macht, für einen Menschen, der trotzdem Fehler machen kann, so wie jeder andere auch? Oder glaubst du, dass dein hohes Alter dich davor schützt? Dass du schon feuchte Träume von irgendwelchen fragwürdigen Kerlen hattest, während ich lesen gelernt habe qualifiziert dich jetzt für was genau?", die ärgerlichen Runzeln auf ihrer Stirn vertiefen sich, und ihre Stimme wird ein wenig lauter. "Toll, dass du so viel Erfahrung hast, echt. Macht dich das jetzt unfehlbar? Darf ich das, was du tust, nicht in Frage stellen, weil ich neu bin und ein paar Jahre jünger? Das ist arrogant und ja, das ist wirklich dumm. Routinen können auch nachlässig machen und blind für das, was vor sich geht. Vielleicht hast du dich ja doch einwickeln lassen. Vielleicht siehst du es einfach nicht!"

  • Byron biss die Zähne zusammen. Gwen hatte einen Nerv getroffen, und er musste sich bemühen, dass der durch seinen Körper zuckende Schmerz nicht in Wut umkippte. Sein linkes Bein rührte sich, als wolle sich die Narbe dieser Situation entwinden. Er musste sich dran fassen, um zu verhindern, dass sie sich in Form eines schmerzhaften Ziehens bemerkbar machte. Es war, als würde sie sich gegen dieses Gespräch zur Wehr setzen wollen. Es kratzte ihn am Hals, Gwen zu sagen, sie solle die Klappe halten. Es wäre ein unkontrollierter Impuls, der gänzlich entgegen seines Wesens war. Doch Gwen schien gerade erst Fahrt aufzunehmen. Wie in einem Wahn schmetterte sie ihm all die Worte entgegen, die andere versucht hätten netter zu verpacken. Byron wollte sich in dem Moment nicht damit befassen, dass sie eine Retourkutsche waren für seine eigene herablassende Art. Es war unfair, sie für ihr Alter zu verurteilen, war er doch genauso jung gewesen, als er dem Orden beigetreten war. Allerdings war sein eigener Überlebensinstinkt stärker, der Drang, sich gegen ihre Vorwürfe zu verteidigen. Es war leicht, sich nicht mit ihnen auseinanderzusetzen, wenn er sie einfach als Person ohne Urteilsberechtigung abstempelte. Sein Blick verfinsterte sich. Wenn er eins nicht mochte, dann als dumm bezeichnet zu werden.

    Lange Sekunden verstrichen, in denen er Gwen einfach nur anstarrte. Verletzende Worte lagen ihm auf den Lippen, brachten sie in Vorfreude zum Kribbeln. Da war vieles, das er hätte sagen können, um nachzusetzen. Sie vielleicht so sehr zu verunsichern, dass sie sich für ihren Angriff entschuldigte. Er drängte die Worte zurück. "Das muss ich mir nicht anhören." Er stand auf und warf sich den Umhang über, der bis eben über seinem Stuhl hing. "Du weißt nicht das Geringste über mich." Oder von dem, was zwischen ihm und Mekkinó passiert war. Sie hatte Mut gezeigt, ja. In der Winkelgasse. In der Finalnacht, als sie sich gemeinsam mit Nikaya einem Todesser entgegen gestellt hatte. Doch das gab ihr nicht das Recht, derart abfällig über ihn zu sprechen. Ihm Dinge anzudichten, die nicht der Wahrheit entsprachen. Er steckte seine Schreibfeder in die Tasche des Umhangs. Sein Herz hämmerte kräftig gegen seinen Rippenkäfig, als er – ohne sich zu verabschieden – Gwen alleine mit den neuen, verhängnisvollen Notizen im ersten Stock des Grimmauldplatz zurückließ.


    Ende.

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