"If you work hard in training, the fight is easy." ~ Manny Pacquiao
Mit @Deverell Rudolphus Burton
29.08., abends.
Ihre Arme waren schwer wie Betonblöcke und ihre Muskeln standen in Flammen, aber Rude ließ nicht locker. Während er den lederbezogenen Boxsack in Position hielt, ermahnte er sie inzwischen nach fast jedem Schlag, ihre Deckung nicht fallen zu lassen. An ihm war echt ein guter Drillsergeant verloren gegangen. Wobei er ihr zumindest noch nicht ins Gesicht geschrien hatte, was für eine erbärmliche Made sie doch war. Aber vielleicht kam das ja noch. Denn nicht nur ihre Deckung ließ inzwischen mehr als zu wünschen übrig, auch die Schläge, sie austeilte, waren kraftlos geworden und wahrscheinlich genauso wirkungslos wie ein geworfenes Kissen. Fortschritte ließen sich dennoch ausmachen. Als sie vor gut einem Monat mit dem Training angefangen hatten, war ihr schon nach peinlichen drei Minuten am Boxsack der Atem ausgegangen. Jetzt hielt sie schon wesentlich länger durch. Sie bekam auch mehr als zwei Liegestütze hin, nur die Klimmzüge waren … nunja, es gab keine Klimmzüge. Dafür, dass sie fast schon untergewichtig war, wog ihr Körper erstaunlich viel, wenn sie ihn selbst mit der Kraft ihrer dünnen Ärmchen der Schwerkraft zu entreißen versuchte. Bei Deverell sah das alles so verdammt easy aus. Aber der Typ konnte auch problemlos ein massives Eichenschränkchen durch die Gegend wuchten, wenn es sein musste. Ceene hatte ihm dann und wann bei seinen Ausbesserungsarbeiten geholfen, mit denen er sich beschäftigt hielt, und es war ungelogen beeindruckend, wie belastbar und kräftig Rude war. Zumal er beinahe vollständig darauf verzichtete, sich das Arbeiten durch den Einsatz von Magie zu erleichtern. Sie hatte recht schnell verstanden, warum. Er wollte sich verausgaben. Deswegen trainierte er auch ungemein viel. Es war ein wenig wie bei einem Häftling und gewissermaßen war Rude das ja auch. Er konnte das Ordensquartier nicht verlassen. Er war an diesen Ort gebunden. Was absolut ungerecht und scheiße war, schließlich war er von Brooks in seiner Wohnung angegriffen wurde und trotzdem war er es jetzt, der sich verstecken musste. Kein Wunder also, dass seine Laune an manchen Tagen unterirdisch war.
„Fuck“, keuchte Ceene, „Genug… Bin tot.“
Sie schüttelte den Kopf und ließ sich in die Hocke sinken. Ihr Gesicht glühte und der Schweiß tropfte in dicken Perlen von Stirn und Nasenspitze. Mit einem Ächzen befreite sie sich von den dicken Boxhandschuhen. Danach ließ sie sich nach hinten ab, bis sie flach auf dem Rücken lag, den Blick zur Zimmerdecke gerichtet. Sie war vollkommen erledigt. Ob Rude sie ins Bett trug, wenn sie sich aus eigenen Kräften nicht mehr aufrichten konnte? Nah. Wahrscheinlich würde er sie einfach liegenlassen und eine Decke über sie werfen. Aber das war auch okay. Ein Stück weiter lag eine Turnmatte. Sie musste dann nur noch bis dorthin robben.
„Warum“, japste Ceene und drehte ihren Kopf leicht, um aus einem sehr weirden Winkel zu Rude zu schauen, „tu ich … mir das eigentlich … nochmal … an?“