Abby war instinktiv aufgesprungen, als eine Stimme durch die verlassenen Gänge hallte. Sie trat schützend vor den Kelch, auch wenn sie sofort erkannt hatte, zu wem die Stimme gehörte. „Ich bin’s, Abby.“ Vermutlich hatte Brooke ihre Witterung aufgenommen. Dabei war Abby keineswegs nach Gesellschaft zumute.
Sie nahm die Hand vom Griff ihres Zauberstabs, als der Türknauf sich bewegte und Brooke den Raum betrat. Das flackernde Licht der beiden Kerzen, die Abby angezündet hatte, um nicht im Dunkeln sitzen zu müssen, fiel auf Brookes Gesicht. Abby konnte es nicht verhindern, ihr lief jedes Mal ein Schaudern über den Rücken, wenn ihr Blick auf das gespenstisch trübe Auge fiel, das die ehemalige Hufflepuff bis an ihr Lebensende brandmarken würde. „Hey Brooke“, sie war beinahe froh, dass ihre Mitstreiterin im Licht der Kerzen vermutlich nicht sehen konnte, dass ihr Blick ein paar Augenblicke zu lang an ihrer linken Gesichtshälfte hängen blieb. „Was machst du noch hier?“
Die Stimme der Aurorin klang weder freundlich noch unfreundlich. Sie klang gleichgültig. Abby konnte sich nicht erinnern, ob sie jemals unter vier Augen mit Brooke gesprochen hatte, seit sie dem Orden beigetreten war. Sie hielt die ältere Hexe für vernünftig, wenn auch vielleicht etwas zu gutmütig und bedacht. Umso seltsamer war es, dass ausgerechnet sie zu einer Mörderin geworden war. Sie und Finlay hatten es zu verantworten, dass Voldemort nun wohl noch erpichter darauf war, die Mitglieder des Ordens ausfindig zu machen und auszulöschen.
Ob Brooke ebenso bewusst war, dass sie in Gefahr schwebte? Georginas Mörder:innen hatten Abbys und Deverells Gesichter gesehen. Wenn Voldemort nach dem Kelch suchen ließ, so würde er bei jenen beginnen, von denen er wissen musste, dass sie den zweiten Teil der Glaskugel an sich genommen hatten. Dennoch schwebte auch Brooke in Gefahr. Sie und Finlay waren zwar nicht zu erkennen gewesen, doch mit der Verletzung, die Brooke davongetragen hatte, war sie es nun sehr wohl. Auf der Straße, in der Winkelgasse, im Monkshood, wo auch immer ihr ein:e Todesser:in über den Weg laufen mochte, sie würden sie erkennen, ohne dass sie selbst Notiz davon nahm.
„Ich bewache heute den Kelch.“ Abby war nicht sicher, wie viel Brooke im Licht der Kerzen sehen konnte. Außerdem stand sie noch immer zwischen dem Kelch und der anderen Hexe. Sie hoffte, eine einfache Information würde reichen und Brooke würde wieder gehen, woher sie gekommen war, und sie in Ruhe lassen.