Dritter Stock - Schlafzimmer

  • Von dem Zustand des eigenen Körpers war ihr nicht viel klar. Es waren in diesem jetzigen Augenblick unterschiedliche Dinge, die ihr offensichtlicher waren als die Schürfwunden, die Schnitte oder die Hämatome, die sich über ihre schmutzige Haut zogen und in einem eigenartigen Muster ineinander verwoben waren. Ihr Rücken musste wie ein Jackson Pollock aussehen. Doch es waren nicht die oberflächlichen Wunden, die ihr die letzte Kraft raubten, die sie so geschwächt hatten. Es waren so viele andere Faktoren; die Erschöpfung, die das Gehen der letzten Schritte und das Ablegen der Kleider von ihr gefordert hatte, die Glieder, die keine Kraft mehr in sich trugen und auf Dauer nachgaben. Es war die Schwäche, die sie bei jedem Schritt begleitete, die ihr mit jedem Moment bewusster wurde, die sie nicht losließ.
    Es würden ab einem gewissen Punkt auch die inneren Schmerzen ans Bewusstsein dringen, die langfristigen Konsequenzen würden sich sichtbar machen, ob Flüche angewandt wurden und welcher Art diese waren. Und es würde sich dann erst bewusst machen, welche Schäden sie wirklich noch bekämpfen musste. Layla hoffte einfach, dass sie diese - so schnell es irgendwie möglich war – beseitigen und Mittels Zaubern und Tränken selbst behandeln könnte. Sobald sie wieder einen Zauberstab hatte, sobald sie diagnostiziert hatte, was da in ihr brodelte, konnte sie sich damit befassen, was sie erwartete, was sie was sie tun könnte. Jetzt wäre sie einfach nur sehr froh darum, wenn sie diese oberflächlichen Wunden loswerden konnte, wenn sie zumindest optisch wieder zu ihrem alten Sein zurückkehrte.
    Layla wartete, bis sich der Stoff gelöst hatte und zog auch diesen von den eigenen Schultern. Es war sehr erleichternd, dass er ihre ohne Umschweife geholfen hatte, die Situation nicht ausnutzte, sondern professionell und freundschaftlich auf die Sache blickte. Die Augenlider sanken herab, sie atmete tief ein, dann drehte sie den Kopf zu ihm. Das Gesicht ihres Gegenübers war für sie kaum zu lesen. Was dachte er? Was sah er? Es wirkte beherrscht, ruhig, aber nicht auf eine strenge Art und Weise. Es war immer noch weich, zugänglich. Er hatte sich nach Innen abgeschottet, nicht in den eigenen Gedanken verloren, zumindest sah es ganz danach aus.
    In dem Moment der Stille fuhr sie mit dem Finger an seinem Arm entlang und griff nach seiner Hand. Sanft drückte sie seine Finger, ließ diese auch nicht los, als sie vorsichtig ein Bein und dann das andere über den Wannenrand zog. Ebenso wie davor waren diese Bewegungen langsam und vorsichtig. Sobald sie darin stand, legte sie eine Hand seitlich auf den Rand und ließ sich sinken, verzog das Gesicht, als sich die Schmerzen über ihren Rücken bis in ihren Nacken und ihre Fingerspitzen zogen. Sie vermied jegliche Geräusche, vermied das Aufschreien oder Seufzen oder irgendwas, krallte sich nur so an dem Wannenrand fest, bis ihre Knöchel weiß hervortraten. Bis sie saß.
    Erst dann schien sich der Schmerz etwas zu lösen, wenn auch nur zu einem kleinen Anteil, sodass sie die Hand von dem Wannenrand lösen konnte, diese zum Wasserhahn ausstrecken konnte und aufdrehte. In der ganzen Zeit löste sie ihre Finger von nicht seinen, sie zog sogar leicht an ihnen, als ob sie wollte, dass er sich auf der anderen Seite der Badewanne, auf der trockenen Seite, hinsetzte. Der Kopf wurde gesenkt, an der Wange wurde er auf den angezogenen Knien abgelegt, die Augen blieben noch einen Moment geöffnet, betrachteten ihn, während das warme Wasser in die Wanne floss. Die Schmerzen pochten noch in ihrer Wirbelsäule, weshalb sie die Lippen für einen Moment aufeinanderpresste.
    Nach einem Moment öffnete sie die Augen, versuchte sich an einem Lächeln. „Was ist deine Lieblingsspeise, Jonas, und warum?“ Es mochte wie eine unnötige Frage wirken, Smalltalk, den sie so gar nicht mochte, über den sie nicht gerne nachdachte, aber sie wollte einfach seine Stimme hören und abgelenkt werden.

  • Jonas versuchte ganz bewusst sich von den Gedankengängen in seinem Inneren zu lösen, das hier und jetzt einfach an ihm vorbeiziehen zu lassen ohne sich allzuviele Gedanken darum zu machen, welche Konsequenzen Laylas Zustand haben konnte, oder eher: wie er überhaupt zustande gekommen war. Er schaltete gewissermaßen auf Durchzug, ließ die Eindrücke an sich vorbeirauschen, wusste, dass dies der einzige Weg war, wie er gerade wirklich produktiv und hilfreich sein konnte. Wenn er sich in dem weshalb, wie und wer verlor, würde er sich in etwas reinsteigern, was weder Laylas Situation zuträglich wäre, noch ihm irgendetwas brachte. Also atmete er tief durch, konzentrierte sich auf die Finger an dem Verschluss des BH’s, war bedacht darauf, so wenig wie möglich ihrer Haut zu berühren, um sie nicht versehentlich durch Druck auf eine lädierte Stelle zu verletzen.
    Kaum, dass er diese Arbeit vollendet hatte, zog er sich zurück, wartete ab, während Layla sich die Träger von den Schultern striff und auch dieses vorletzte Kleidungsstück den Boden fand. Als die ehemalige Hufflepuff den Kopf zurück über ihre Schulter wandte, erwiderte Jonas ihren Blick, hob ein wenig fragend die Augenbrauen, wie um seine Frage von zuvor noch zu unterstreichen. Layla jedoch erwiderte nichts. Statt einer Antwort - oder als genau diese? - hob sich der Arm der Hexe, und die Finger ihrer Hand striffen zunächst seinen Arm, entlockten dem Zauberer nun eine Reaktion, ein skeptisches Zusammenziehen der Augenbrauen. Was wurde das, Layla? Im nächsten Moment griff die brünette Hexe nach seiner Hand und zog ihn daran zur Badewanne. Jonas legte den Kopf ein wenig zur Seite, kommentierte die Situation allerdings nicht, sondern gab nach, half ihr als Stütze beim Einstieg in die Wanne und sah aufmerksam zu, wie sie sich die Hexe in eine sitzende Position zu setzen suchte. Und auch wenn sie keinen Laut von sich gab, bemerkte Jonas ihren Schmerz, sah ihn in ihrer verkrampften Haltung und den weiß hervortretenden Knöcheln, spürte ihn in dem Griff an seiner eigenen Hand. Er begleitete sie bei ihrem Abstieg, glitt in die Hocke. Erst als sie fest saß und mit der freien Hand den Wasserhahn bediente, folgte der Waliser ihrer nonverbalen Aufforderung und sich ebenfalls hin, fand seinen Platz auf der anderen Seite des Wannenrands, parallel zu der ehemaligen Hufflepuff und wartete ab. Er hinterfragte nicht, weshalb sie ihn nicht fortschickte - er hatte sich bereiterklärt ihr zu helfen. Und wenn sie nicht allein sein wollte, konnte er das akzeptieren.
    Hmm” gab er kehlig, aber ruhig von sich, räumte sich auf ihre Frage hin einen kurzen Augenblick des Zögerns ein, in welchem er überlegte, seinen Blick durch den Raum schweifen ließ, bis ihm etwas einfiel. „Ich weiß nicht, ob es das Lieblingsgericht ist, aber als ich in Nepal war, gab es so… Teigtaschen, gefüllt mit Gemüse und Erbsen.” Er verzog ein bisschen den Mund, wollte ihm doch partout nicht einfallen, wie das Gericht hieß. „Sorry, ich weiß nicht wie es heißt. Aber ich erinnere mich, dass ich eine Stadt besucht habe und dort an jeder Straßenecke welche angeboten wurde - und überall schmeckten sie anders.*” Ein begeisterter, ungläubiger Ausdruck hatte sich aus seinem Gesicht gefestigt, während er sich an das so fremde und doch so bekannte Geschmackserlebnis erinnerte. Gut, zugegeben, vielleicht war es ihm auch bloß so in Erinnerung geblieben, weil er seit Tagen nichts gegessen hatte und er an jedem Stand umsonst eine der Teigtaschen zum probieren angeboten bekommen hatte. Er war dankbar gewesen und hungrig. Also vielleicht nicht das beste Gericht, das er hätte wählen können. Er zuckte mit den Schultern. „Zuhause hab ich mich immer gefreut, wenn es Cawl** gab, aber ich glaube das war so ein Kindheitsding. Könnte dir jedenfalls nicht sagen, was daran so toll ist?” Joa. Und das war das. Der Blick richtete sich auf die Hexe, deren Körper inzwischen maßgeblich mit Wasser bedeckt war. „Und was ist mit dir, Night?”, erfragte er, ließ seiner Stimme wieder etwas neckischeres anhaften, war es für den Moment doch leicht zu vergessen wie es ihr eigentlich erging. Ja, auch trotz der Tatsache, dass sie nackt neben ihm saß. „Was ist dein Lieblingsgericht?



    * = Samosas. Er meint Samosas
    ** = Walisischer Lammfleischeintopf.


  • Die geschwächte Frau lauschte seiner angenehmen, tiefen Stimme, während er von seinen Erlebnissen erzählte, und fuhr dabei mit der freien Hand über ihre Beine, wusch den Schmutz von ihnen. Sie hoffte, dass die Seife, die an seinem Oberteil so gut gerochen hatte, ebenfalls hier war, und sie sich nachher daran bedienen könnte. Der Schmutz löste sich langsam, verdreckte das Wasser nur noch mehr. Vielleicht müsste sie bald eine weitere Wanne einlassen. Währenddessen ließ sie seine Hand nicht los, drückte immer wieder sanft die Finger zusammen, wie um sich zu vergewissern, dass er noch da war. Obwohl sie ihn hörte, seine Worte vernahm, schien ihr das nicht zu reichen.
    Bei seiner Erzählung erschien ein Lächeln auf ihren Lippen, sie öffnete die Augen wieder. Sie mochte es, wenn er viel redete, wenn er über sich erzählte. Vieles, was nicht unbedingt einer Beleidigung nahe kam. Der Kopf lag immer noch auf ihren Knien, die dunklen Locken, die ins Unermessliche gewachsen waren, schwommen im Wasser, verabschiedeten sich auch da von dem oberflächlichen Schmutz. „Wie war es in Nepal?“, fragte sie leise, interessiert. Sie wusste, dass er von Samosas sprach, aber sie würde ihn nicht belehren, nicht den Besserwisser raushängen lassen, dafür war es für sie zu entspannt. „Wie genau kamst du dahin? Wo warst du davor?“ Ihre Fragen gingen in die Tiefe, verlangten indirekt, dass er weitersprach, dass er sie von ihren Gedanken und ihren Schmerzen ablenkte, dass er das angenehme Gefühl des Wassers verstärkte. Bei seiner Frage legte sie das Kinn auf die Knie, verzog das Gesicht nachdenklich, fuhr sich mit der Hand währenddessen über die Oberschenkel. Dann seufzte sie und schloss genussvoll die Augen, als ihr der Geschmack ihrer Lieblingsspeise in den Kopf kam. Weil sie bei dem Gedanken schon fast sabberte, fiel ihr nicht auf, dass er sie bei ihrem alten Namen nannte. „Schokoladenkuchen mit einer großen Portion Sahne. Oder Schokomuffins! Uff..“ Danach war sie immer kurz vor dem Erbrechen, weil es zu viel Zucker in ihr System brachte, doch bei Merlin, dafür würde sie alles andere aufgeben. Jede Pastavariation, jeden Snack, alles. „Weil es mir das Gefühl gibt, Zuhause zu sein. Meine Mutter hatte einen solchen jeden Sonntag gebacken, und für mich gab es immer nur ein winziges Stück, weil mein Bruder und mein Vater so gierig waren.“ Wieder drehte sie den Kopf zu ihm. „Und als ich dann bei meiner Großmutter lebte, habe ich die Tradition fortgeführt. Sogar in Hogwarts habe ich häufig einen gebacken.

  • Jonas hielt den Blick größtenteils geradeaus gerichtet, während er sprach, ließ ihn lediglich hin und wieder kurz auf den Boden oder gen Decke schweifen, um irgendetwas anderes zu beobachten. Sein Gedanke war, Layla damit gleichermaßen Privatssphäre wie Gesellschaft zu ermöglichen. Ob ihm das gelang konnte wohl nur die ehemalige Hufflepuff entscheiden. Er fragte sie allerdings nicht danach, ließ sich stattdessen auf das von ihr gewählte Thema ein, antwortete ausführlich und wahrheitsgemäß. Er beobachtete die Verfärbung des Wassers nicht, ging aber auch nicht davon aus, dass sie allzu schnell wieder das Bad verlassen würden. Immerhin hatte die Hexe zuvor so ausgesehen, als wäre es durchaus mehrere Monate her, dass sie ein Bad gesehen hatte. Da konnte sowas schonmal dauern. Und wenn nur um das warme Wasser an der eigenen Haut zu genießen. Jonas erinnerte sich an sein eigenes erstes warmes Bad im Grimmauldplatz, kurz nach seiner Rückkehr. Zwar hatte er sich auf seiner Reise mittels Magie oder gelegentlich auch in einem Fluss oder See baden können, doch ein warmes Bad, das war in den zwei Jahren unterwegs vielleicht ein oder zweimal vorgekommen, wenn er mal eine Nacht in einem Gasthaus verbracht hatte.
    Keine Ahnung”, erwiderte er auf ihre Frage danach, wie Nepal gewesen sei und verlor sich auf der Absurdität dieser Aussage in ein kurzes, kehliges Lachen. „Ich hab nicht viel davon gesehen. Also vermutlich schon, aber mich nicht konzentriert. Nicht darauf.” Er zuckte mit den Schultern. Dieser kleine Abstecher war nicht für den Orden gewesen, auch wenn er schlussendlich dort eine Spur gefunden hatte. Er hatte nach Marius gesucht, dessen Spuren wiederum in das ferne Land geführt hatten. Er wusste nicht mehr so genau, wie er ausgerechnet auf Nepal gekommen war, doch er hatte nach seinem Freund gesucht - hatte einer Finte nach der anderen nachgejagt, hatte sich tief in die Gebirge begeben, nur um schlussendlich keinen Funken weiter gewesen zu sein. Er hatte keine Ahnung, wo er war. Vielleicht, durchfuhr es den Zauberer mit einem ergebenen Seufzen, war er einfach tot. Vielleicht wäre das sogar das Beste.
    Die restlichen Fragen der Hexe verhingen für einen Moment in der Luft, dann runzelte Jonas die Stirn, schüttelte ein wenig den Kopf. „Sorry. Können wir über was anderes Reden?” Das war ein wunder Punkt, gewissermaßen, so wie es eigentlich die ganze Reise war. Er sprach nicht gerne darüber, selbst nicht mit den Leuten aus dem Orden. Die Fährten, die er verfolgt hatte, hatten schlussendlich alle in einer Sackgasse gelandet - und keine von ihnen war sonderlich angenehm gewesen. Die zusätzlichen Narben auf seiner Haut sprachen Bände darüber, doch er war nicht bereit, sich jetzt zu erklären. Er hatte dem Orden die wichtigsten Infos über seine Reise mitgeteilt. Alles andere… blieb lieber da, wo es war.
    Laylas Erzählungen über ihr Lieblingsessen kam ihm also Willkommen und ein kurzes Schmunzeln glitt über seine Lippen, während er sich mit der freien Hand über den Nacken strich. „Ah, Schokolade und… Schokolade. Ich glaube, ich erkenne ein Muster”, witzelte er, dann jedoch wurde er wieder ruhig, gab ihre Begründung doch deutlich interessantere Details preis, verriet nicht nur etwas über das Verhältnis zu ihrer Mutter, sondern auch zu ihren grundsätzlichen Verhältnissen. Sie war zu ihrer Großmutter gezogen. Weshalb? „Wie kommt es, dass du bei deiner Großmutter gewohnt hast?” Nun wandte der Zauberer doch den Blick zu der Dame in der Badewanne. „Wenn du nicht drüber sprechen willst, ist das ok.” Immerhin hatte auch er entschieden ein Thema nicht vertiefen zu wollen. Sie war ihm keine Antwort schuldig. Das hier sollte eine entspannende Unterhaltung werden, keine, die Dinge aufwühlte, Emotionen löste, die sie beide nicht haben wollten. Der Zauberer lächelte, als sie Hogwarts erwähnte. Auch wenn er es damals vielleicht nicht immer so bewusst gehabt hatte: Eigentlich war die Zeit innerhalb der Schlossmauern eine sehr glückliche, entspannte gewesen. Zumindest die Unbeschwertheit der damaligen Zeit wünschte er sich gelegentlich zurück. „Ah, das Geheimnis der Hufflepuffs”, warf er ein. Er selbst hatte in all den Jahren nie einen Abstecher in die Schulküche unternommen - aber vielleicht auch, weil es ihn einfach nicht genug interessiert hatte. Wenn er etwas gebraucht hatte, hatte er einen seiner Freunde geschickt. Nun jedoch erschien es ihm ein passendes Thema zu sein. „Also… nun wir beide wohl so schnell nicht mehr dorthin kommen: Wo genau hat sich die Schulküche versteckt?” Er hatte es einmal versucht aus Aneurin herauszubekommen, war damit aber nicht sehr weit gekommen. Oder vielleicht hatte er es auch nur einfach vergessen...

  • Damals, kurz nach seiner Ankunft in Großbritannien, hatte er allen Mitgliedern des Ordens die wichtigsten Informationen mitgeteilt, die er über seine zwei Jahre der Abwesenheit sammeln konnte, die er in seinem Ermessen als wichtig oder erwähnenswert empfand. Sie erinnerte sich kaum an die Erkenntnisse, waren es keine gewesen, die besonderen Wert für ihre Mission hatten, keine Informationen, die sie verarbeiten konnten, weshalb der Rest der Erzählung nicht abgespeichert wurde. Es war zu der damaligen Zeit, die gar nicht so lange zurücklag, zu viele Informationen gewesen, zu viele neue Empfindungen, zu viele Veränderungen. Außerdem war es Jonas gewesen, niemand, dem sie damals besonders große Bedeutung geschenkt hatte, dessen Worte und Erzählungen, solange sie keinen Mehrwert für ihre Organisation und Zukunft erzeugten, vergessen waren. Sie erinnerte sich nicht mehr an die Orte, die er gesehen hatte, und auch die Motivation, dies für eine so lange Zeit zu tun, waren ihr unbekannt. Diese hatte er nicht verdeutlicht. Wer war sie, nach diesen Informationen zu fragen, zu bohren, wo sie kein Anrecht darauf hatte, wo sie keine Rechenschaft verlangen konnte.
    Und, das musste man der Hufflepuff auch zugutehalten, obwohl sie von neugieriger Natur war, gerne nachfragte und mehr über den Menschen erfuhr, war sie an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie selbst wusste, welche Geheimnisse der Mensch in sich wahren konnte und manchmal auch musste, welche Herausforderung dies für das Individuum darstellte und welcher Bedeutung diese waren. Es war das Recht des Menschen selbst, zu entscheiden, wem er was erzählen wollte, welche Informationen er weitertrug, und Layla verstand, dass die Grenze des jungen Fawleys damit erreicht war. Deshalb nickte sie auf seine Frage, entschuldigte sich jedoch auch nicht für das bisherige Fragen. Denn, und dies, so hoffte sie, wäre ihm klar, hätte er nicht beantworten müssen, wenn er nicht wollte. So schätzte die junge Frau ihr Gegenüber auch ein; ein Merkmal, das sie an ihm akzeptierte.
    Bei dem Gedanken an Schokolade trieb es ihr die Spucke im Mund zusammen. Sie hatte schon so lange keine Schokolade gegessen, schon so lange kein Essen genossen, das nicht Brot oder pampiger Reis war, keinen guten Wein getrunken, kein.. Ihr Magen knurrte und sie verzog das Gesicht. Beschämt? „Sorry, ich liebe einfach Schokolade, dass mich der Gedanke daran direkt mitreißt“, raunte sie darauf nur und hielt sich die freie Hand an den Bauch. Die Beine streckte sie im Schmutzwasser aus und begann dann, weil es gerade so passend erschien, den Dreck von ihrem Oberkörper zu reiben. Ihre Hautfarbe schien förmlich eine andere Schattierung anzunehmen, sobald das Dunkel wegkam.
    Dieses Mal wandte sie den Blick ab, nicht, weil es ihr zu intim wurde, wie sie nun vor ihm saß (Layla scherte sich nicht um diese alten Konventionen und hatte schon früh gelernt – Dank gebühre diesbezüglich ihrem lieblichen Cousin Jonathan –, sich mit Nacktheit abzufinden, da sie schon diverse Male in den Badezimmern der Schule von jenem in die Ecke gedrängt und geshamet, ja, gemobbt wurde), sondern weil sie einen Moment überlegte. Das Verfolgen ihrer eigenen Hand schien ihr eine gute Entschuldigung dafür zu sein, die sich nun langsam über die Brust herauf bis zu dem Hals und die Schultern bewegte. „Meine Eltern sind nicht so gut auf mich zu sprechen“, erzählte sie, ein entschuldigendes, halbherziges Lächeln auf den Lippen. Sie würde sich gern für ihre Fehler als Kind bei ihnen entschuldigen, doch dazu mussten sie sich zunächst eingestehen, dass sie das mittlere von fünf Kindern schlecht behandelt hatten, dass sie sie weggegeben hatten, weil es damals zu jung und zu dumm war, um die Ausmaße der eigenen Magie zu verstehen. Sie hätten das direkte Gespräch suchen müssen, und dessen waren sie nicht Imstande. Sie schüttelte den Kopf. Es war albern, daraus noch ein Geheimnis zu machen, dem so viel Macht zu geben, wie sie es immer getan hatte. „Ich habe in einem Ausbruch meiner Magie meinen Bruder von seinem fliegenden Besen befördert und er ist unglücklich aufgekommen. Er war nicht mehr zu retten.“ Ihre Stimme gewann über den letzten Satz an Kühle, das Verträumte von eben war verschwunden. „Ich glaube, sie halten es mir immer noch vor. Es ist nicht schlimm, alles ein Teil der Vergangenheit, nicht wahr?“ Ihre freie Hand fuhr über das eigene Gesicht, rieb auch da den Schmutz von den Wangen. Wie gerne hätte sie jetzt ein Stück Schokokuchen, das würde ihre Laune wieder erhellen.
    Doch das brauchte es nicht einmal unbedingt. Die Frage nach der Schulküche rief nämlich Erinnerungen hervor, die sie wieder ablenkten, die ihr einen schwelgenden Blick verliehen. All die Male, die sie dort mit Jared gesessen war, um ihre Comics zu lesen und Schokokuchen zu essen, all die Male, die sie mit der ein oder anderen Person aus der Unterstufe dort gebacken hatte, all die Male, die sie zum Mitternachtsessen dort gesessen war, weil sie während der normalen Zeit des Abendessens gelesen hatte.. Sie öffnete wieder die Augen und hob die Augenbrauen. „Wenn ich dir verrate, wo sie ist, kriege ich das wohlduftende Shampoo, nach dem du riechst?

  • Ich merk’s”, erwiderte Jonas mit einem seichten Schmunzeln. Die Betrübung von zuvor, seine Weigerung über seine Reise in Details zu sprechen, schien schon wieder verdrängt zu sein. Er war dahingehend auch nicht nachtragend. Er hatte seine Gründe, warum er darüber nicht sprechen wollte und solange Layla das akzeptieren konnte, war für ihn alles in Ordnung. Fragen durfte sie ja, dafür würde er sie nicht verurteilen. „Also ist das mein Auftrag, sobald du aus dem Bad bist?”, fragte er mit einem neckischen Grinsen auf den Lippen, „Dir einen Schokokuchen zu besorgen?” Ob er in der Lage wäre einen selbstzubacken, wusste er nicht. Das Kochen gelang ihm nach seinen zwei Jahren im Exil inzwischen deutlich besser - ja, er hatte sogar Freude daran gefunden, sich an neuen Rezepten auszuprobieren. Backen allerdings hatte er nie gelernt. War es deutlich schwerer als Kochen oder im Grunde genauso leicht zu erlernen? Vielleicht sollte er sich aber bei Laylas erstem Schokokuchen seit Lange nicht zwingend daran versuchen. Immerhin wollte er nicht Schuld sein, wenn das dann gehörig in die Hose ging und die ehemalige Hufflepuff enttäuscht war.
    Ein Schweigen überkam Layla, als er nach dem Grund dafür fragte, dass sie bei ihrer Großmutter aufgewachsen war. Jonas hatte nicht vor, sie nach etwas zu fragen, dass zu bedenken ihr schmerzte, aber er hatte ihr fairerweise ja auch direkt angeboten, dass sie seine Frage unbeantwortet lassen konnte. Das war ja selbstverständlich. Doch Laylas Schweigen war keine Ablehnung seiner Frage, es schien vielmehr ein Nachdenken zu sein, eine Suche nach den richtigen Worten. Welche Worte dann als erstes über ihre Lippen kamen, entlockten dem Zauberer ein knappes Glucksen. „Ja… Willkommen im Club”, gab er mit bitterem Amüsement von sich, schüttelte dann aber knapp - und wohl entschuldigtend gemeint - den Kopf. Das war ihre Geschichte, nicht seine. Er hatte sie gefragt, also würde er sich auch ihre Antwort anhören, ohne dazwischen zu quatschen. Kurz wandte er den Blick zur Seite in der Hoffnung ihr damit auch optisch die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihre Erzählung verdient hatte. Layla jedoch hatte sich inzwischen gestreckt und schien sowieso eher mit ihrem Körper beschäftigt, weshalb auch Jonas den Blick wieder von ihr nahm, lieber die zum Teil gekachelte Badezimmerwand betrachtete.
    Die Geschichte, die allerdings hinter der Abneigung Laylas Eltern zu stecken schien, entlockte Jonas ein leichtes Stirnrunzeln, ein zusammenziehen der Augenbrauen. Oh. Er wusste dass solche Sachen passierten, dass die emotionalen Ausbrüche von Kindern zu Situationen führten, die für jemand anderen tödlich endeten. Es war im Grunde keine Seltenheit, nichts Unbekanntes. Und doch war es jedesmal eine Katastrophe, die die Familie heimsuchte.
    Jonas wusste nicht, was er sagen sollte. Er empfand Bedauern für die Situation Laylas und gleichermaßen Verständnis wie Unverständnis über die Reaktion ihrer Eltern. Einerseits konnte er verstehen, wie ein solches Ereignis an den Eltern nagen mochte, andererseits war ihm unverständlich, wie man nach dem Verlust eines Kindes ein weiteres von sich stoßen konnte. Und dennoch verbalisierte er diese Gedanken nicht. Es würde nichts ändern. Weder ein geäußertes Mitleid, noch gutes Zusprechen, dass die Vergangenheit Vergangenheit war und ihre Eltern darüber hinwegkommen sollten und sie andernfalls nicht verdient hätten. Es kam ihm leer vor, unbedeutend, gerade von jemandem wie ihm, der Layla im Grunde kaum kannte. Was also sollte er sagen?
    Als sich die Lippen des Zauberers trennten, wusste er noch nicht, was seine Kehle verlassen würde und doch kam er dem Drang nach, etwas zu sagen. „Als ich vierzehn war..”, begann er, hielt kurz inne, überlegte ob es vierzehn oder fünfzehn gewesen war. Egal, es spielte keine Rolle. „In den Sommerferien, verliebte ich mich in ein Mädchen aus der Umgebung. Nicht weit weg von unserem Haus war ein Hof, wie es sie in Wales beinahe überall gibt.” Er schüttelte den Kopf, nein, das war nicht die Besonderheit, es gab schließlich auch in der Welt der Magie Menschen, die sich um die Landwirtschaft kümmern mussten. „Sie war ein Muggel und meine Eltern davon erfuhren, haben sie mir verboten, das Haus zu verlassen.” Er wog den Kopf hin und her, ein kurzes schelmisches Grinsen huschte auf seine Lippen, auch wenn es die Augen nicht wirklich zu erreichen vermochte. „Ich habe mich natürlich rausgeschlichen.” Offensichtlich. Welcher vierzehnjährige hörte schon auf seine Eltern? Vielleicht hätte er es besser getan - auch wenn ihn das vielleicht seine ersten Male gekostet hätte. Doch so unbesiegbar er sich in diesem Sommer auch gefühlt hatte: Er war es nicht gewesen. „Sie starb. Die Muggel sagen, sie lief bei einem Sommergewitter über die Ebene, war der höchste Punkt, wurde von einem Blitz getroffen.” Nun zogen sich die Augenbrauen zusammen, ob der Regungen, die nach wie vor in seinem Inneren wohnten, ihn Bitterkeit schmecken ließen. „Doch sie wurde so nah vor der magischen Barriere unseres Hauses gefunden…” Der Kopf des Zauberers wog sich zur Seite, ließ offen, was er seit Jahren nur impliziert hatte, nie aber in Erfahrung hatte bringen können. Und plötzlich kam er sich unsagbar dumm vor, Layla davon erzählt zu haben. Er schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid. Das… hat nichts mit deiner Geschichte zu tun. Außer: ‚Eltern sucht man sich nicht aus’, schätze ich.
    Jonas lehnte sich ein wenig zurück, legte die freie Hand leicht hinter sich auf den Boden, um sein Gewicht zu stützen. Ein kurzes Seufzen entfuhr ihm. Er hätte einfach seine Fresse halten sollen. Glücklichweise schien Layla diese Unhöflichkeit nicht davon abzuhalten, weiter das Gespräch mit ihm zu suchen. Und tatsächlich vermochte ihre Forderung es, ihm ein kurzes Glucksen zu entlocken. „Mein Shampoo?” Er nickte kurz, warf ihr ein neckisches Grinsen zu. „Einverstanden, wir haben einen Deal, Miss Night.” Er würde dafür wohl kurz das Bad verlassen müssen, hatte er das Shampoo doch bereits in seinen Rucksack gepackt, bevor Layla aufgetaucht war. Aber das wäre ja nun nicht wirklich das Thema. Nun, außer natürlich. „Ich fürchte aber, du wirst meine Hand loslassen müssen, damit ich es holen kann.” Der blaue Blick glitt zu der Hexe neben sich. Dass ihre Hände nach wie vor miteinander verschränkt waren, kümmerte ihn nicht - doch er konnte nicht gleichzeitig ihre Hand halten und das Shampoo holen gehen.

  • Die mandelförmigen Augen wurden aufgerissen, als er davon sprach, ihr einen Schokoladenkuchen zu besorgen. Natürlich hatte sie in ihrer Notlage nicht immer davon geträumt, wie Schokolade auf ihrer Zunge schmeckte, waren ihre Prioritäten, was ihre Wünsche und ihre menschlichen Bedürfnisse betraf, andere, doch gab es die Momente der Trance, der halluzinierten Bilder und Momente aus ihrem Leben, wo sie die Geschmacksexplosion in ihrem Mund gespürt hatte. Diese Einbildung hatte ihr manchmal einen winzigen Moment der Freude geschenkt. Zumindest in den seltenen Momenten, in dem ihr Schmerz sie so betäubt hatte, ihr Hunger sie so gequält hatte, dass sie ihren Körper zu verlassen schien. Aber es war nicht das, woran sie gerade dachte, denn das Bild eines Schokoladenkuchens blendete ihren Blick, füllte ihre Gedanken, sodass sie für einen Moment lang gar nichts anderes mehr sehen konnte. „Was?“ purzelte es fast schon überfordert über ihre Lippen. Wollte er sagen, dass sie gleich so einen Kuchen haben könnte? Dass sie Schokolade schmecken könnte, wenn sie aus dem Bad kam? Ein verträumtes Lächeln fand sich über die Zeit auf den Lippen der Hungrigen. So ein Schokokuchen wäre wirklich, wirklich toll, aber gleichzeitig wusste sie, dass das Besorgen eines Kuchens auch andere Konsequenzen mit sich brachte. Sein Verschwinden. Layla blinzelte mehrfach, um die Vorherrschaft des Schokoladenkuchens über ihre Gedanken zu lösen, um sich in das Hier und Jetzt zu begeben.
    Und sie war noch nicht bereit, seine Hand loszulassen. Sie war noch nicht bereit, allein zu sein, seine Anwesenheit aufzugeben. Sie war nicht bereit.
    Es grenzte an Absurdität, wie man den eigenen Charakter um 180 Grad wenden konnte, welches Verhalten man an den Tag legte, wenn man an einem Tiefpunkt angelangt war. Wenn das ursprüngliche Verhalten zueinander, die Rolle, die man bisher in einer zwischenmenschlichen Beziehung – ganz gleich, ob diese positiver oder negativer Natur war – eingenommen hatte, gänzlich eine andere wurde, sich für den Augenblick wandelte und eine ganz neue Beziehung bildete. Layla hatte ihn verachtet. Respektiert, aber verachtet. Er hatte ihr oft das Gefühl gegeben, zu schwach zu sein, zu langsam, zu.. einfach. Sie hatte sich in seiner Anwesenheit bedeutungslos gefühlt, überflüssig. Nicht, weil sie ein Identitätsproblem hatte, weil sie sich immer so fühlte, sondern weil er dieses Gefühl vermittelte. Als ob ein einzelner Mensch ihr das Existenzrecht abgesprochen haben könnte. Und das, ohne ein Wort zu sagen. Es hatten die Blicke von ihm gereicht, um ihr diesen Beigeschmack zu verleihen. Bei jeglichen Treffen hatte sie ein Gespräch mit ihm vermieden, keinen Blick in seine Richtung geworfen. Und jetzt saß sie hier und wollte nicht, dass er ging.
    Es war nicht klar, wie lang sie diese Art von Verhalten füreinander an den Tag legen würde, wie lange es gut gehen würde, bevor wieder ein Missgeschick geschah und sie aneinander an die Gurgeln gerieten. Es war unklar, ob sie bei dieser Art bleiben würden oder ob sie wieder zu alten Mustern zurückkehren würden. Es war unklar, wann oder ob es passierte. Und diese Frage interessierte sie nicht, sie quälte sich nicht damit, darüber nachzudenken, wann es vorbei sein könnte, sondern genoss seine Freundlichkeit, seine Erzählungen, seine Hand in ihrer.
    Nein, der Kuchen kann warten“, flüsterte sie, übte mit den rauen Fingern sanft Druck auf seine Hand aus und hob den Blick, um ihn wieder anzusehen. Ein leichtes Lächeln umspielte die Mundwinkel, als er zu seiner Geschichte anstimmte. Einer Geschichte, mit der sie niemals gerechnet hatte, eine Liebesgeschichte aus dem Mund des sonst so kalten Jonas‘. Und es war süß, wie sich ein schelmisches Grinsen auf die Lippen stahl, weil es zeigte, welche Gefühle es auch noch heute in ihm auslöste, auch wenn es die Augen nicht berührte. Doch die Geschichte zog ihr schnell das Lächeln aus dem Gesicht und motivierte die Stirn zu einem Runzeln. Sie starb. Durch einen Blitzschlag. In der Nähe seines Hauses. Es war die Art, wie er betont hatte, dass sie ein Muggel war, dass man ihm verboten hatte, sie zu sehen. Es war die Art, gewisse Aussagen zu wählen, die sie wissen ließen, dass seine Familie wohl Probleme mit einer solchen Verbindung hatte. Hatten sie es deswegen vermieden? Wie sehr hatte es das Herz eines so jungen Mannes gebrochen? Seine Liebe in diesem Alter zu verlieren? Gab er sich die Schuld dafür, wie sie es damals getan hatte? Wobei sie nichts dafür konnten.. Das Hinterfragen der Handlungen von Eltern, das Kritisieren der eigenartigen Verhaltensweisen, die nach einem solchen Vorfall an den Tag gelegt wurden, das vergebliche Suchen nach einer Lösung dieses Problems, all diese Bemühungen musste man hinter sich lassen. Sie hatte es tun müssen und er hatte Ähnliches getan. Sie hatten sich beide von ihren Familien gelöst. Zumindest ging Layla durch seine Erzählung und das, was sie auch bisher von ihm erfahren hatte, davon aus, dass er keine Bindung mehr zu ihnen hatte. Und ähnlich wie bei ihm hatte sie in diesen Moment nichts dazu zu sagen. Dafür kannten sie sich zu wenig.
    Sie senkte ihren Kopf, schloss die Augen und legte ihre Stirn an seine Knöchel, ließ sie an dieser Stelle ruhen. Sie atmete einige Male tief durch. Es war eine Geste des Mitgefühls, des Respekts. Es war eine Geste, die der spanische Teil ihrer Familie bei ihren Eltern gemacht hatten, als ihr Bruder beigesetzt wurde, eine Geste, die ihre Großmutter ein einziges Mal gemacht hatte: Als Layla ihr Schicksal akzeptiert hatte und gegenüber ihren Eltern keinen Groll mehr hegte. Eine Geste, die das Kleinkind gemacht hatte, um sich zu bedanken für ihre Liebe, ihr Mitgefühl und ihre Akzeptanz.
    Sie war froh, dass es keine besonders auffällige Geste war, sodass sie den Kopf nur etwas heben musste, um das Kinn auf dem Wannenrand abzulegen. Die Augen öffneten sich. Sie blickte auf seine Hand in ihrer und verzog das Gesicht. „Ich will sie aber nicht loslassen“, gab sie leise zu und schob die Unterlippe schmollend vor. Hatte er denn seinen Zauberstab nicht dabei? Aber sie wusste, dass sie nur mit Seife den Schmutz von ihrer Haut kriegen könnte, wenn sie Seife hatte. Und sie wollte gut riechen. Sie wollte wieder weiche Haut und weiches Haar haben. Sie brauchte diese Seife.
    Eher widerwillig löste sie ihre Finger von seinen. Sofort fühlte sich ihre Hand nutzlos und leer an und sie blickte kurz auf diese herab. Dann schaute sie zu ihm, lächelte. „Beeil dich!“ Und mit diesen Worten beugte sie sich hervor und entließ das Schmutzwasser aus der Wanne. Während dieses Augenblicks ließ sich nach hinten sinken, sodass ihr Haar im Wasser war und wusch es mit den Fingern.

  • Es war ein ehrlich gemeintes Angebot gewesen, auch wenn Jonas es unter einem leidlichen Unterton, einer gespielten Theatralik versteckt hatte. Es würde ihm nichts ausmachen, gleich, wenn Layla etwas Zeit für sich brauchte - vielleicht um sich umzuziehen, vielleicht um einfach einen Moment für sich zu sein, kurz in die Stadt zu apparieren, dort einen Schokoladenkuchen zu kaufen und innerhalb weniger Minuten wieder zurück zu bringen. Wenn es das war, was Layla wollte, was ihr ein Gefühl des Zuhause seins, der Sicherheit geben würde, wäre es wohl das Mindeste was er ihr anbieten konnte. Ein Angebot jedoch, das offensichtlich für Verwirrung bei der ehemaligen Hufflepuff sorgte. Das kleine „Was?“ welches aus ihrem Mund hopste, zeigte, wie surreal ihr die Vorstellung vorkam, weshalb Jonas den Blick ein wenig anhob, um etwas mehr Ernshaftigkeit in seine Worte rutschen zu lassen. „Wenn du willst, kann ich dir einen Schokokuchen besorgen, wenn du mit dem Baden fertig bist. Finde bestimmt irgendwo noch einen.“ Es war ja immerhin mitten am Tag. Die Geschäfte hatten offen und dank Magie würde er keine lange Wegstrecke zurücklegen müssen. Und sobald Layla aus dem Bad gestiegen und sich wieder im Bett oder auf dem Sofa - je nachdem, was ihr eben mehr zusagte - eingefunden hatte, war Jonas sicher, dass sie ein paar Minuten im Grimmauldplatz ohne ihn überleben würde. Der Treffpunkt des Ordens war der sicherste Ort, den Jonas kannte und Layla wirkte nicht derart ernsthaft verletzt, als dass sie seine konstante Aufmerksamkeit bedurfte.
    Dass das nicht war, was Layla in diesem Augenblick wollte, dass sie seine Gegenwart der eines Schokokuchen bevorzugte, konnte Jonas nicht wissen - er hinterfragte aber auch nichts, was hier geschah, machte sich keine Gedanken um das was sein würde, blieb im hier und jetzt, weil es ja doch keinen Sinn machte, sich zu fragen, was dieser so veränderte Umgang miteinander nun für Konsequenzen haben würde. Das hier war eine Ausnahmesituation, für ihn hatten sonstige Befindlichkeiten nichts zu suchen. Ganz gleich wie sehr er Layla sonst auch aufzuziehen vermochte - in einer Mission des Ordens würde das für ihn ja auch keine Bedeutung haben.
    Es mochte eine Weile dauern, bis Jonas den Ernst einer Situation begriff, manchmal musste man ihn mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl schonmal erschlagen - doch sobald er verstand, worum es ging, vermochte der Zauberer es, seine persönlichen Befindlichkeiten zurückzustecken und sich auf das zu konzentrieren, was wesentlich war. Und in diesem Moment war das eben Laylas Wohlbefinden.
    Doch Layla lehnte sein Angebot ab, kaum dass sie es verstand, gab ihm ganz nonverbal zu verstehen, dass das nicht war, was sie in diesem Moment wollte und mit einem knappen Nicken gab er zu verstehen, dass er ihre Entscheidung akzeptierte. Der kurze Druck ihrer Hände wurde erwidert, dann wandte sich das Gespräch seltsam ernsteren, tiefgründigeren Themen zu.
    Jonas wusste nicht so Recht, warum er bereit war, Layla diese Geschichte zu erzählen. Es war lange her, dass er irgendwem gegenüber davon gesprochen hatte - selbst gegenüber jenen Menschen, denen er einst derart vertraut hatte, war das Thema stets verschwiegen geblieben. Größtenteils, weil er keinen Sinn darin sah, über etwas zu sprechen, dass ohnehin nicht mehr zu ändern war. Jene Ereignisse hatten in jenem Sommer hatten wohl den endgültigen Keil zwischen ihn und seine Familie getrieben und doch wusste er wohl eigentlich, dass sie nur ein Auslöser gewesen waren. Zu sehr hatte er sich bereits von den Ideologien seiner Kindheit gelöst gehabt, seine ganz eigenen, so anderen Erfahrungen dazu gemacht, welche Menschen wertvoller waren als andere.
    Dass es solche Erfahrungen in seinem Leben gegeben haben musste, war natürlich kein Geheimnis. Warum sonst sollte ein Fawley, jemand der von der Ideologie und dem Bestreben des dunklen Lords und seiner Anhänger eigentlich nur profitieren würde, sich dem Orden anschließen, bereit gegen alles zu kämpfen, was ihm von klein auf anerzogen worden war? Doch bisher waren diese Motive und Erfahrungen nicht hinterfragt worden - und vermutlich hätte man von Jonas selbst dann auch keine sinnvolle Antwort erhalten. Er war niemand, der sich zur Erklärungen oder Statements hinreißen ließ, passte sich lieber den Geschehnissen an, wartete ab, was andere in ihm sehen wollten und bestätigte dann entweder ihre Meinung oder enttäuschte sie ganz bewusst. Im Grunde war das ungewöhnliche seiner Geschichte also nicht, was er erzählt hatte, sondern dass es wahr war, dass er keine Konnotation in eine Richtung legte, die eigentlich nicht seinem Bild entsprach.
    Jonas erwartete keine verbale Antwort der Hexe, war wohl ganz froh darum, dass sie einfach schwieg. Die kurze Geste, die sie ihm entgegenbrachte, wurde dem Waliser nicht in ihrer vollen Bedeutungen bewusst, auch wenn sie nicht beiläufig an seiner Aufmerksamkeit vorbeilief. Er bemerkte die Geste, verstand, dass ihr irgendeine Bedeutung innewohnen musste, konnte ihre Bedeutung aber nicht vorher sagen. Stattdessen glitt der Blick über die Hexe, war beinahe schon bereit nach der Bedeutung zu fragen, als Layla stattdessen sprach, sich nicht bereit dazu erklärte, ihn gehen zu lassen. In einer anderen Situation hätte Jonas wohl darüber gespottet und vielleicht sogar einen anzüglichen Kommentar zum Besten gegeben, so jedoch schmunzelte er lediglich kurz. „Dann wird das mit dem Shampoo aber schwierig…“ Am Ende würde er die Entscheidung aber ihr überlassen. Wenn sie ihn allerdings nicht losließ, würde sie wohl einen anderen Preis für die Information überlegen müssen. Schlussendlich jedoch lösten sich die verschränkten Finger voneinander und Layla gab ihn frei. Mit einem kleinen Grinsen, nickte er, dann erhob er sich aus der sitzenden Position, huschte aus dem Badezimmer zurück in Richtung des Schlafzimmers und wühlte dort ein wenig in der Tasche, bevor er auch schon fündig wurde, und sich zurück zum Badezimmer begab.
    Als Jonas in das Badezimmer zurückkehrte, hatte Layla sich ein wenig mehr in das Wasser sinken lassen. Der Waliser trat an die Badewanne heran, ging dann in die Hocke und überreichte der ehemaligen Hufflepuff das gewünschte Shampoo. Die Unterarme stützte er dabei auf den Wannenrand, halfen dem Zauberer das Gleichgewicht zu halten, während sein Blick auf der jungen Frau vor sich ruhte. Wie seltsam die Vorstellung war, dass sie in wenigen Minuten nach seinem Shampoo riechen würde. So banal und dennoch so befremdlich. Aber nichts, worüber er sich in diesem Moment Gedanken machen sollte. Also wirklich.

  • old acquaintances, new friendships
    Friday, June 7th - im Abendrot
    @Brooke Hutton


    Es war Sommer geworden in England und über dem Grimmauldplatz lag eine warme Abendluft. Pollen kitzelten in der Nase und der Geruch von frisch gemähtem Gras hing in der Luft. Auf den Straßen waren einige Menschen unterwegs, die entweder von der Arbeit nach Hause kehrten oder aber zu abendlichen Aktivitäten aufbrachen. Keiner von ihnen hatte den Hauch einer Ahnung, was sich direkt neben ihnen befand. Für sie waren die Häuser an diesem Platz wie alle anderen in Islington. Und so liefen sie ohne zweimal darüber nachzudenken an ihnen vorbei.
    Im Inneren der Nummer 12 aber versteckte sich eine völlig andere Welt. Eine Welt, die sich momentan in akuter Gefahr befand. In diesem Haus gab es sich bewegender Bilder, Hauselfen und eine ganze Gruppe von Hexen und Zauberer, die versuchten ihre eigene Welt zu retten. Koste es was es wolle.
    Kostet tat es Kai Kowalski gerade vor allem ihre Nerven. Haareraufend stand sie vor einer Wand in einem der Schlafzimmer und starrte auf die daran angehefteten Zettelchen. Diese Notizen bildeten einen Zeitstrahl. Einen unvollständigen Zeitstrahl. Diese Abfolge von Ereignissen enthielt eine große Lücke, die es zu füllen gab. Irgendjemand hatte irgendetwas mit Ceene angestellt und Kai musste herausfinden wer und was. Zumindest hatte sie eine vage Vermutung welche Gruppe dahinter stand und dieser Gedanke gefiel ihr ganz und gar nicht.
    Natürlich begab sich Ceene ständig in Gefahr. Das Ministerium vor Turner’s nicht gerade freundlich gegenüber gestellt und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Ceene den Laden komplett auseinander pflückten. Doch wenn es nun auch die Anhänger des dunklen Lords auf ihre Freundin abgesehen hatten, dann konnte Kai einfach nicht mehr tatenlos zusehen. Sie hatte damals Ceene nichts von dem Orden gesagt um sie zu schützen, nun wusste sie nicht mehr, wie sie sie ohne den Orden beschützen sollte.
    Doch Kai konnte auch ihren Schwur nicht brechen. Sie alle hatten sich zur Geheimhaltung verpflichtet. Doch das Schweigen wurde von Tag zu Tag schwerer. Es lastete ihr auf den Schultern und ging ihr nie aus dem Kopf. Nicht einmal beim Quidditch oder bei den Kämpfen im Untergrund. Die Sorge um Ceene und die Schuldgefühle darüber sie anlügen zu müssen, waren immer da. Konstant.
    Verfluchter Kröterkack!”, rief Kai schließlich aus. Sie hatte nicht genug Informationen um die Lücke zu schließen. Nicht einmal einen Punkt an dem sie beginnen konnte weitere Nachforschungen anzustellen. Es war hoffnungslos. Wahrscheinlich sollte es sie es für heute einfach sein lassen. Es war bereits dunkel draußen und Ceene war sicher schon zu Hause. Also begann Kai ihren Schreibkram zusammen zu sammeln und sich auf den Feierabend vorzubereiten.
    Gerade als sie aber das Schlafzimmer verlassen wollte, sah sie eine Gestalt an der Tür vorbei ziehen. Vielleicht war es besser, wenn sie erst einmal ein wenig runterkaum, bevor sie zu Ceene zurück kehrte. Sie wollte ihrer Freundin nicht noch mehr Anlass zur Sorge geben. Nein, sie musste ihr Halt geben. Nicht andersherum.
    Hey, Brooke! Warte ma'!”, rief Kai ihrer alten Klassenkameradin nach. “Was hast’n du so vor heute Abend?”, fragte sie anschließend. “Ich glaub, ich brauch ein Feierabendbutterbier. Leistest du mir Gesellschaft?

  • Inzwischen hatte sich Brooke daran gewohnt, im Grimmauldplatz mehr Zeit zu verbringen als in ihrer WG. Dass sie am vergangenen Wochenende jedoch sogar eine Tasche gepackt hatte, um kurzfristig einige Tage lang in das Ordenshauptquartiert zu ziehen, war überraschend, aber nicht unwillkommen passiert. Auch wenn Brooke es mochte, mit Levin in einer WG zu leben, so hatten sie doch die letzten Wochen und Monate sowieso wenig Zeit dort verbracht. Levin war regelmäßig im Monkshood, im St. Mungos oder, genauso wie sie, eben hier – und die WG war ihr merkwürdig fremd geworden. Manchmal hatte sie Sorge, dass plötzlich jemand aus dem Ministerium dort auftauchte und sie verschleppte, weil sie herausbekommen hatten, was Brooke war. Ja, die Sicherheit des alten Gebäudes, das am Anfang so düster gewirkt hatte und das so vollkommen Brookes Vorstellung von einem Zuhause widersprach, war ein Zufluchtsort geworden und so hatte sie nicht lange überlegt, anzubieten, die Wohnung in Bedford zu räumen, um Levin und seiner ehemaligen Freundin Platz einzuräumen. Außerdem würde sie hier umso unproblematischer ihre Verteidigungs- und zur Not auch Angriffszauber üben können, abhängig davon, was Richard Emmerich Elias und ihr alles beibrachte. Die Möglichkeit, überhaupt von einem Menschen mit einem solchen Erfahrungsschatz zu lernen, war wirklich überwältigend und Brooke hatte Bestrebungen, ihr Bestes zu geben.
    Doch nicht mehr jetzt. Sie würde vielleicht noch eines der Bücher, die sie im Florish & Blotts besorgt hatte – damals noch, bevor Brooke sich entschieden hatte, in diesem werwolfhassenden Laden nicht mehr einkaufen zu gehen – anfangen, in dem es um einfache Schutzzauber ging, aber die Tage im Ministerium waren immer nervenaufreibender, besonders wenn sie mit einem Mann zusammenarbeitete, der als mit der gefährlichste des ganzen Ministeriums agierte. Nicht einmal, weil Brooke der Meinung war, dass Emrys Trevelyan wirklich gefährlich war. Sie hatte keinerlei Anhaltspunkte dafür, nur dass er Dinge über die Geschehnisse wusste und sie bewusst angelogen hatte. Er, der viel zu viel über sie wusste. Und so war die Arbeit, die ihr doch tatsächlich irgendwie Spaß gemacht hatte, auch wenn sie unter seltsamsten Umständen zu ihrem Job gekommen war, ein Spießrutenlauf geworden und Brooke hatte immer wieder das Gefühl, beim nächsten Schritt auszurutschen und sich zu verraten. Etwas, das sie im schlimmen Fall das Leben würde kosten können – und im schlimmsten Fall sogar das anderer, ihr Nahestehender.
    Auf dem Weg in ihr provisorisches Zimmer hörte sie aus der Nähe bereits Geräusche, doch sie wollte nicht aufdringlich sein und einfach weitergehen – als sie eine nur zu bekannte Stimme hörte und doch innehielt. Ein Lächeln trat auf die Lippen der einst braunhaarigen Hexe, als sie Kai erblickte. Es war wohl einer der schöneren Umstände, dem Orden beigetreten zu sein, denn die Bekanntschaften aus älteren Tagen schienen wieder mehr zu wachsen. Sie hatte die Gryffindor schon immer gemocht – außer sie hatten Quidditch gegeneinander gespielt, dann war auch so etwas wie Ehrgeiz in der Hufflepuff aufgekommen – und sie hatten sich, als Brooke noch im Besenregulations-Kontrollamt gearbeitet hatte, ab und zu bei den Quidditchspielen gesehen. Besonders dann, wenn die Chudley Cannons mal wieder spielten und die Besen des Suchers auf Flüche überprüft werden mussten. Doch der Kontakt war eher sporadisch gewesen und nach Brookes Rückkehr aus Afrika und ihrem ministerialen Richtungswechsel, hatten sie sich nicht mehr gesehen. In den letzten Wochen jedoch war es angenehm unkompliziert mit Kai gewesen – und so wurde das Lächeln ein wenig breiter, die Abendpläne wurden über den Haufen geworfen, denn einfach mal beisammensitzen, den Kopf freikriegen … Es klang verboten angesichts der aktuellen Situation – und doch auch so dringend notwendig. „Wenn wir aus dem Butterbier etwas Stärkeres machen“, kam es schmunzelnd über die Lippen der Hexe. Nicht unbedingt das, was man von ihr kannte, doch es schien passend. So viel war passiert und auch wenn Brooke lange kein Glas Wein mehr getrunken hatte, so schien es mehr als verlockend. Und doch … Ein entschuldigendes Lächeln trat auf die Lippen der Hexe, denn irgendwie hatte das besonders verzweifelt geklungen. „Entschuldige, es war ein langer Tag und irgendwie … Ja, ich glaube, ich brauche ein Glas Wein. Wollen wir?“ Und sie deutete auf die Treppe, damit sie sich auf den Weg in die Küche machen konnten.

  • Es war schön zu wissen, dass Kai und Brooke nun endlich auf der selben Seite standen. Eigentlich waren die beiden ja schon immer gut miteinander klar gekommen, doch Freundschaften sind manchmal kompliziert. Insbesondere für die hormongesteuerten Gehirne von Teenagern. Quidditch hatte dafür gesorgt, dass die beiden sich irgendwann dann doch immer als Rivalen gegenüber traten. Dabei hatten sie auch immer wieder am selben Strang gezogen. Insbesondere als sie das Oliver Wood als Spezialgast an Board geholt hatten. Bei Merlin, es fühlte sich an als wäre das alles in einem anderen Leben geschehen.
    Ganz zu Schweigen von dem Inquisitionskommando und den Evil Huntern. Dieser Krieg erschien Kai inzwischen wie ein albernes Spiel von Kindern, die sich wichtig fühlen wollten. Damals hatte Kai auf der falschen Seite gestanden. Sie hatte nichts verstanden. Inzwischen war sie ein gänzlich anderer Mensch geworden und sie hatte gelernt was richtig und was falsch lief auf der Welt. Nun stand sie mit guten Menschen auf der guten Seite. Das hier war echt. Und Kai Kowalski war bereit alles aufs Spiel zu setzen. Alles außer Ceene.
    Ja auf jeden!”, rief Kai begeistert aus. Statt jedoch zu Brooke auf den Flur hinauf zu treten, kehrte sie tiefer in den Raum zurück und zog ihren Rucksack hinter dem Bett hervor. “Feuerwhiskey gefällig?” Grinsend hielt sie Brooke eine halbvolle flasche des flüssigen Goldes entgegen. “Oder biste eher so der Elfenwein-Typ? Dann müssten wir glaub ich den Keller durchsuchen."
    Kai hatte schon wieder vergessen, dass Brooke eigentlich wohl in die Küche wollte. Statt sich also mit der Flasche auf den Weg zu machen, schmiss sie sich auf das breite Bett und machte es sich in den Kissen gemütlich. Als sie ihren Schneidersitz zurecht gerückt hatte, klopfte sie auf den freie Stelle neben sich und nickte Brooke einladend zu.
    Accio Gläser!”, rief Kai mit ihrem Zauberstab wedelnd und kurze Zeit später kamen zwei Whiskey Gläser durch den Flur ins Zimmer geschossen. “Oh Merlin!”, japste Kai und streckte ihre Arme aus um beide Gläser abzufangen. Wie gut, dass sie Quidditchspielerin war und ihre Reflexe täglich trainiert wurden.
    Also, Brooke!”, begann sie dann mit bedeutungsschwerer Stimme bevor sie zu lachen begann. “Du und ich. Im Orden des Phoenix. Wär hätt’s gedacht, huh?

  • Oh, Oliver Wood. Ja, das war wohl ein Ereignis gewesen und hatte Brookes Schwärmerei für den Hüter der Puddlemere United nur noch weiter gestärkt. Sie waren tatsächlich noch lange Zeit gut befreundet gewesen. All das schien eine Ewigkeit zurückzuliegen. Nun waren sie hier, in einem alten Haus, das durch magische Zauber geschützt wurde, die Brooke zuvor nicht einmal gekannt hatte. Und auch die Vergangenheit konnte ruhen, waren sie doch alle noch Kinder gewesen, unwissend auf allen Seiten. Auch wenn die Vergangenheit sie trotzdem immer wieder ein Stück einholte, wie Brooke gemerkt hatte als Bertie von dem Cruciatus-Fluch getroffen worden war. Ein Fluch, den die Todesser mit Freude genutzt hatten und dessen Wirkung Brooke damals in Hogwarts zu spüren bekommen hatte. Wie viele wohl von denen, die damals dabei gewesen waren, nun Ihn unterstützten? Es war etwas, worüber Brooke nicht nachdenken wollte. Sie hatte immer gehofft, dass ihre eigene Generation dazugelernt hatte. Doch dafür gab es leider keine Sicherheit. Menschen, die leicht zu beeinflussen waren oder den falschen moralischen Verpflichtungen nachgingen, gab es in jedem Alter.
    Doch genug davon. Nicht hier, nicht heute. Und so schüttelte die blonde Hexe kurz den Kopf, verdrängte die Gedanken und wandte sich dann Kai zu, die anscheinend nicht vorhatte, in die Küche runterzugehen. Die Augen der Hexe wurden ein wenig größer als Kai tatsächlich den Feuerwhiskey hervorzog. Auch wenn Brooke ab und zu mal Alkohol trank, davon hatte sie doch zumeist die Finger gelassen. Aber heute, mit dem Umstand, wer da gerade in ihrer Wohnung saß … Der anfangs noch unsichere Ausdruck in ihrem Gesicht wich einem entschlossenen und sie nickte. „Feuerwhiskey passt.“ Hoffte sie zumindest. Und so wandte sie sich von der Treppe ab und betrat das Zimmer, strich sich vor dem Bett die Schuhe von den Füßen und saß dann ebenfalls im Schneidersitz auf dem Bett, den Rücken von der Wand abgewandt, während sie mit einem Schmunzeln beobachtete wie die Gläser auf Kai zugeschossen kamen. Ja, es war wohl wirklich gut, dass Kai eine Quidditchspielerin war, denn ein paar Verletzungen hätten ihren Plan vielleicht doch eher zunichte gemacht. Dass man eine Schnittwunde zum Glück relativ schnell beseitigen konnte, vergaß die eigentliche Hexe durchaus immer noch des Öfteren.
    Während Kai die Gläser hielt, griff Brooke nun nach der Flasche und öffnete diese mit Leichtigkeit, nur um den beiden die Gläser einzuschenken, ehe sie eines entgegennahm. Sie beide. Im Orden des Phoenix. Ja, wer hätte das wohl gedacht? Brooke hatte ja bis vor wenigen Monaten nicht einmal gewusst, dass es diesen überhaupt gab. Und die ganzen Wahrheiten, die damit einhergingen. Ein deprimierter Ausdruck trat für einen Moment auf das Gesicht der jungen Frau, ehe sie Kai musterte – und dann das Glas mit der dampfenden feurigen Flüssigkeit abrupt an ihre Lippen ansetzte und den Inhalt in einem Zug herunterkippte. Entspannen. Nicht zu viel denken. Und während sie noch spürte wie das Feuer regelrecht ihren Rachen herunterrann und sie husten musste, hob sie auch schon erneut die Flasche an, schenkte sich wieder ein und kippte das nächste Glas herunter. Machte man das so? Oder war der Alkohol zu gut dafür? Brooke wusste es nicht und eigentlich war das so gar nicht ihre Art. Doch sie wollte heute nicht. Sie wollte nicht die Last spüren, die immer so erdrückend schien. Und während der Hustenreiz langsam abnahm, blickte Brooke auf, ein Gefühl von Wärme in ihrem Inneren spürend. „Ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, wenn wir nicht den Orden gebraucht hätten, um uns wiederzusehen.“ Ein klägliches Lächeln auf den Lippen, kam beinahe so etwas wie ein Lachen aus ihr hervor. Ja, wenn es den Orden nicht gebraucht hätte, würde es auch keine Bedrohung geben. Das wäre ihr deutlich lieber gewesen.


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    cf: RE: Verkaufsraum - An der Kasse

    Earnestine hat gesagt, dass das Krankenzimmer frei ist.“ Brooke ignorierte die dunklen Wände und das Gefühl des Unwohlseins, das sie die letzten Male im Grimmauldplatz überkommen hatte. Es lag nicht nur am Ort, sondern an der Vorstellung, dass sie tatsächlich noch bis vor wenigen Tagen hier gewohnt hatte. Es würde wohl noch eine Weile dauern, bis sie das Haus wieder als Hauptquartier des Ordens ansehen würde. Doch das waren keine Gedanken von Relevanz. Es war ein Glück – und auch Können - gewesen, dass Levin trotz all der Zauber, um die er sich gekümmert hatte, auch noch einen Patronus hatte losschicken und Earnestine Newburn hatte verständigen können. Die Hexe war als Geheimniswahrerin für den Grimmauldplatz tätig und es hatte keinen anderen Ort gegeben, an den sie Finlay und Ceene hätten bringen können. Besonders wenn man einmal beachtete, dass auch noch Ceenes Partnerin Teil des Ordens war. Vielleicht wäre es angemessen gewesen, Kai bereits zu informieren, aber das musste warten, bis die beiden untersucht worden waren. Ceene schien es deutlich schlimmer getroffen zu haben, aber auch Finlay sah mitgenommen aus und sobald sie den Hausflur betreten hatten, hatte Brooke die Hexe in Levins und Elias‘ Obhut gegeben. Sie beide waren die Heiler – oder zumindest die mit einer entsprechenden Ausbildung – und die Hexe war somit in den besten Händen. Brooke wusste, wovon sie sprach. Sie ließ ihnen den Vortritt, um den in ein Krankenzimmer umfunktionierten Raum zu betreten, mit Finlay folgend, um ihn auf eine freie Bahre zu setzen, den Oberkörper aufgelehnt. Er musste, trotz der nassen Tücher, einiges an Rauch eingeatmet haben und so wandte sie kurz den Blick zu den beiden Heilern, nicht sicher, ob sie zur Seite treten oder helfen konnte. „Wie kann ich helfen?“, kam entsprechend auch ihre Frage, während sie den Blick nicht von dem jungen Zauberer nahm, die Augen leicht zusammengekniffen und versuchend, durch den Mund zu atmen, denn der beißende Geruch nach verbranntem Fleisch war nun, da sie den Kopfblasenzauber los war, penetrant und ekelerregend. Oh, man konnte vielleicht erahnen, dass da mehr unter der Oberfläche schlummerte, dass die Situation nicht nur mit Hilfe und Freundlichkeit enden würde, doch solange noch nicht klar war, wie schwer die Verletzungen der beiden waren, würde sich Brooke zurückhalten.

  • Ja, sie mussten hier raus. Aber war es dafür nicht bereits zu spät? Alles stand in Flammen. Der ganze Laden. Finlay durfte nicht ihretwegen sterben. Er musste hier raus. Und sie? Sie war nur Ballast. Der Rauch brauchte sie gerade ohnehin um. Sie bekam kaum mehr Luft, verlor die Orientierung, weil der Sauerstoffmangel ihrem Gehirn zusetzte.
    Ceene spürte, wie ihr Körper von Finlay angehoben wurde. Spürte, wie sich der Gryffindor damit abmühte sie irgendwie mit sich durch das Feuer zu schleifen. Sie wollte ihn dabei unterstützen, aber ihre Füße versagten ihr die Mitarbeit. Als hätte man ihr zwei Stricke an die Hüfte gebunden und zwei nutzlose Holzblöcke an die anderen Enden geknotet. Ihr Körper war noch da, aber er wollte ihr nicht mehr gehorchen. Auch ihre Kopf schwang bei jedem Schritt, den Finlay tat, einfach nur wie leblos von einer Seite zur anderen. Vor ihre tanzenden Flammen auf dem Boden.
    Vor ihr waren Hände. In ihren Ohren waren Stimmen. Schemen. Silhouetten vor den bunten Flammen, die inzwischen bis hinauf an die Decke reichten und sich in das alte Gebälk fraßen.
    Dann wurde es eigenartig still und kalt. Luft strömte wieder in ihre rasselnden Lungen. Ceene glaubte, Sterne zu sehen. War sie im Freien?
    Ein grelles Leuchten, ein Gefühl, als wäre sie auseinandergezogen werden. Die Luft blieb kalt, aber sie war auch staubig. Aufgeregte Stimmen. Ein wildes Toben und Schimpfen. Das Knarzen von alten, vielfach genutzten Treppenstufen. Sie schaukelte hin und her. Wurde sie getragen? Schwebte sie? Ceene konnte es nicht sagen. Sie versuchte ihren Blick zu schärfen, zu verstehen, was gerade mit ihr geschah. Irgendjemand musste Fin und sie aus dem Turners geschafft haben. Sie war jetzt irgendwo anders. In einem anderen Haus mit vielen Treppen. Es war nicht das St. Mungo. Sonst wären die Gerüche anders gewesen, die Lichtverhältnisse auch. Aber trotzdem wurde sie in ein Krankenzimmer gebracht. Wo hatte man sie hingebracht? Und wer waren die Menschen, die sie hierhergebracht hatten und sich jetzt um sie kümmerten?

  • Zwischen all den Flammen, dem verzweifelten Versuch Ceene und sich selbst aus diesen befreien zu können, waren mit einem Male drei Gestalten aufgetaucht die nicht wie im ersten Augenblick befürchtet gekommen waren um Ceene, sowie auch ihm, den Rest zu geben. Stattdessen erkannte Finlay nach einem ersten Schock-Moment, in welchem er zurückwich, die Gesichter: Elias und Brooke, welche beide soweit entfernt von Todessern waren, wie man es nur sein konnte. Die dritte Person konnte er nicht gleich zuordnen, obschon er ihm bekannt vorkam, Finlay nur nicht sofort den Zusammenhang zum St. Mungos fand, welches er so häufig besuchte.

    Die Hitze drängte noch immer auf ihn ein, ein tief brennender Schmerz auf seinem Arm ergänzte die unerträgliche Temperatur nur zusätzlich. Der Rauch schien unterdessen überall zu sein, in seiner Lunge, den Augen und in jedem Millimeter seiner Kleidung. Auch Finlay wollte hier weg, trotzdem kostete es ihn Überwindung Ceene an Brooke zu übergeben, da die Grünhaarige einfach zu verletzt war und aus diesem Grund gerettet werden musste. Er wollte dies tun. Die Worte der blonden Frau drangen jedoch zu ihm durch, schafften es, dass er sich vorbeugte und Ceene gänzlich überreichte. Kaum war sie von seinen Armen genommen spürte er jedoch eine Hand auf seiner Schulter und nur Momente später zerrte die Magie ihn in einen Strudel, fort von dem Feuer und dem Rauch, der für einen Augenblick seine Welt eingenommen hatte.


    Die klare Nachtluft, welche ihn plötzlich wie ein Schlag ins Gesicht traf, war ein schmerzlicher Segen. Als habe man ihn in einen Eiskübel getaucht und reinen Sauerstoff in seine Lungen gepumpt, wo noch gar kein Platz für all die saubere Luft vorhanden war. Hustend krümmte er sich zunächst, nur um im Anschluss seine rechte Hand anzuheben und nach Elias' Ärmel zu greifen. Einfach damit der Ältere nicht gleich wieder verschwand, ihn orientierungslos zurückließ, während Finlay noch versuchte zuzuordnen was gerade geschah. Mit geweiteten Augen starrte er dem fremden Ort entgegen, fühlte sich noch immer in einen Strudel aus Ereignissen geworfen, die er nicht verstand.

    Selbst in dem Haus fühlte er sich noch immer überfordert, nicht allein aufgrund des Schmerzes auf seinem Körper oder dem furchtbaren Husten, der immer mal wieder aus seiner Kehle kroch, sondern auch der Fremde wegen, in die er gestoßen worden war. Trotzdem entließ er Elias' Ärmel wieder in die Freiheit, als dieser mit Ceene und dem anderen Mann vorlief und Brooke, sowie Finlay nach ihnen einen Raum betraten, in welchem man sich offenkundig Ceenes' Verletzungen widmen wollte. Mit seiner rechten Hand wischte sich der Gryffindor über die Augen, versuchte den Ruß, der sich in seinem Gesicht befand, mit seiner ebenso schmutzigen Hand hinfort zu wischen. Doch er konnte nichts anderes tun als zuzusehen, sich auf die Bahre setzen zu der Brooke ihn geführt hatte und alles geschehen lassen. Die Heiler widmeten sich glücklicherweise zunächst Ceene und auch als er an der Reihe war, gelang es ihm noch immer nicht zu verstehen, wo er war oder was genau nun passieren würde.

  • Es war eine dieser Situationen, in der keine andere Möglichkeit zu bestehen schien, als zu funktionieren. Später würde er sich kaum noch daran erinnern, wie sie den Raum durchquert hatten und im Flur schließlich auf die beiden Gestalten gestoßen waren: Finlay und die Besitzerin des Ladens. Levin hatte Earnestine informiert, er selbst und Brooke hatten Ceene und Finlay aus dem Laden geschafft und waren schließlich mit ihnen appariert.
    Als sie vor dem Grimmauldplatz wiederauftauchten, hatte Finlay sich an seinen Ärmel geklammert und Elias hatte ihn schweigend gewähren lassen, den Jungen bis in das Krankenzimmer des Grimmauldplatz geleitet und ihn dann Brooke überlassen. Zu erst mussten sie sich um die Ladenbesitzerin kümmern, die kaum bei Bewusstsein zu sein schien.
    Levin und Brooke schienen die Frau zu kennen, hatten irgendwann ihren Namen fallen lassen. Elias selbst glaubte zwar, die Grünhaarige schon einmal gesehen zu haben, konnte aber nicht behaupten, viel mehr mit ihr zu verbinden. Im Augenblick hatte es wenig Relevanz.
    Sie hatten die junge Frau auf eine Pritsche befördert und aus dem Augenwinkel konnte er sehen, dass auch Brooke Finlay zu einem Bett geleitet hatte.
    Elias wechselte einen Blick mit Levin und begann dann einen einfachen Diagnosezauber zu wirken, um den Zustand der Grünhaarigen besser beurteilen zu können.
    Schau nach, ob Finlay ebenfalls verletzt ist. Fass nichts an. Du kannst ihm Wasser anbieten. Wenn du einen Zauber zur Reinigung der Atemwege beherrscht, kannst du ihn anwenden. Anapneo sollte sonst auch helfen.“, erwiderte er knapp auf Brookes Frage.
    An Ceene widmete er sich einem etwas komplexeren Zauber, um die Atemwege zu entlasten und den Rauch zu entfernen, den sie eingeatmet hatte. Sein Blick fiel auf ihren Unterarm, der von einer teerartigen Flüssigkeit benetzt war. Der Diagnosezauber hatte ihm verraten, dass auch die Haut darunter in Mitleidenschaft gezogen worden war. Er deutete mit seinem Zauberstab darauf und blickte zu Levin hinüber.
    Ich fürchte wir haben nichts da, um die Wirkung der Substanz zu neutralisieren.“, bemerkte er mit einem resignierten Blick auf die spärliche Ausrüstung des Krankenzimmers. Sie hatten ihr Bestes getan, um den Raum für die Versorgung von Verletzungen auszustatten, mit den Beständen des St. Mungos konnte der Vorrat an Salben und Tränken jedoch keineswegs mithalten. Abgesehen davon waren sie eher von Fluchschäden ausgegangen, als von Verletzungen durch magische Tränke und Tinkturen.
    Unangepasste Behandlung mit Diptam und Heilzaubern?“, schlug er schließlich vor, wohlwissend, dass dies auch nicht sein Fachgebiet war und sie zwar in der Lage waren, dieser Verletzungen Herr zu werden, die Behandlung im St. Mungo für diese junge Frau aber theoretisch die bessere Option gewesen wäre. Wahrscheinlich hatten Levin und Georgina das Gleiche gedacht, als sie ihn vor etwa einem Jahr behandelt hatten. Auch ihm waren die Narben geblieben.

  • Es war fast wie früher im St. Mungo, als Levin noch Auszubildender und Elias noch sein Ausbilder gewesen war. Sie hatten auch damals viele kritische Fälle vor der Nase gehabt, hatten nicht immer sofort gewusst, was zu tun war, doch eben auch deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung gehabt als hier. Dass sie hier die wichtigsten Tränke, die wichtigsten Tinkturen hatten, war selbstverständlich. Ähnlich hatte Levin ja auch das Monkshood ausgestattet. Doch mit dem Vorratslager des St. Mungo konnte das hier natürlich nicht mithalten – und so war ihnen allen klar, dass Improvisation wichtiger sein würde, als ihnen lieb war. Dass Brooke sich um Finlay kümmerte, war eine große Hilfe, denn die Ladenbesitzerin Ceene schien deutlich schwerer verletzt zu sein. So war es gut, dass Brooke den Zustand des ehemaligen Gryffindors schnell einschätzen und ihm vielleicht bereits helfen konnte. Es erinnerte Levin daran, dass es vielleicht sinnvoll wäre, die Mitglieder des Ordens in den wichtigsten Heilzaubern zu trainieren – denn offensichtlich würden sie diese leider immer mal wieder brauchen.
    Es brauchte zwischen ihnen nicht viele Worte, bis Elias mit dem Diagnosezauber begann. Er war der erfahrenere Heiler, routinierter und belesener. Levin würde assistieren – die Aufteilung ergab nur Sinn. Während Elias sich somit den Atemwegen der Frau widmete, heilte Levin die Schnittwunden im Gesicht und benetzte die verbrannte Haut an der Hand mit heilenden Tinkturen, die sofort eine Linderung verschaffen und die Haut regenerieren würden. Hinsichtlich der anderen Hand, die mitsamt einem Teil des Arms mit einer teerartigen Substanz überzogen war, konnte Levin Elias nur zustimmen. Was auch immer es war – es überstieg mutmaßlich ihre Vorräte. Es war nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei dieser Substanz um eine unglückliche Mischung vieler Zutaten und Zaubertränke handelte, sodass ein klares Gegenmittel so oder so nicht erkennbar war. Die Anwendung eines Mittels könnte die Wirkung eines Bestandteils abschwächen und die des anderen verstärken – somit mussten sie ins Blaue hinein versuchen, um die Hand und den Arm nach Möglichkeiten zu retten. Auch Levin blickte sich noch einmal um, ließ den Blick kurz über die verschiedenen Mittel gleiten, doch nichts davon erschien ihm sinnvoller als Elias’ Vorschlag. So nickte er knapp und ließ zwei weitere Flaschen Diptam in ihre Richtung fliegen. „Wie kriegen wir das nur von ihrem Arm?, fragte er zwar mehr sich selbst, erhoffte sich aber eben doch von Elias eine Antwort. Dass sie es nicht berührten, war oberstes Heilergebot, denn man wusste nie, was man da anfasste und wie es sich auf einen selbst auswirkte. Doch als Levin es mit einem ersten Heilzauber versuchte und ein wenig der Substanz verschwand, wurde unter der schwarzen Oberfläche direkt stark verletzte Haut sichtbar. Elias‘ Diagnosezauber hatte zwar ergeben, dass die Haut darunter so oder so verletzt war, doch ob das Ablösen der Substanz ebenfalls zu weiteren Verletzungen führte, konnten sie nicht ausschließen. Das schwarze Gemisch, das sich bereits abgelöst hatte, klatschte auf den Boden des Zimmers. Fragend sah Levin zu Elias: Sollten sie trotzdem so weitermachen? Auf der anderen Seite: Was blieb ihnen? Kurz wandte Levin sich an Brooke und Finlay: "Alles okay bei euch?", fragte er.
    Vorsichtig ließ Levin ein wenig Diptam auf die verletzte Haut dort tropfen und es schien sich auch eine gewisse Wirkung zu entfalten, doch ein weiterer Blick verriet ihnen, dass das Diptam nicht alles würde heilen können. Es würden Narben zurückbleiben, mit denen die Besitzerin des Turners würde leben müssen. Ewige Erinnerungen daran, was ihr angetan worden war – denn dass es Todesser*innen gewesen waren, würde keiner von ihnen jemals vergessen.

  • Es war gut, dass sich Elias und Levin Ceene annahmen, denn es brauchte keinen Heiler, um zu erkennen, dass sie in deutlich schlechterer Verfassung als Finlay war. Und auch wenn sich Brooke in diesem Moment vielleicht Georgina oder einen anderen Heiler hierher gewünscht hätte, damit sie selbst keinen Fehler beging, wenn sie sich nun um Finlay kümmerte, so traute sie es sich zu. Vielleicht war es generell die Arbeit mit dem Orden, die dazu führte, dass die junge Frau immer selbstbewusster im Umgang mit Magie wurde, vielleicht lag es auch daran, dass sie inzwischen in Haushalten lebte, in denen Magie unumgänglich war. Oder es war wieder einmal der Situation geschuldet, dass es gar keine andere Möglichkeit gab, als davon auszugehen, dass das funktionieren musste. Letztlich war es auch egal, denn auf Elias‘ Worte, die kurzen Anweisungen, nickte sie nur und richtete ihren Zauberstab auf Finlay, dem man im Blick ansehen konnte, dass er mehr als verwirrt war. Versuchend, die eigene Atmung ruhig zu halten, um nicht die ganze Zeit den Geruch nach verbranntem Fleisch in der Nase zu haben, hob sie den Zauberstab, richtete ihn auf die Brust des jungen Mannes und kümmerte sich erst einmal um den Rauchgehalt in seiner Lunge. Wieder frei atmen zu können, war das Wichtigste. Levin oder Elias konnten im Nachhinein noch einmal überprüfen, ob es innere Verletzungen an der Lunge gab, das würde sie sich selbst nicht zutrauen.
    Der Anapneo verteilte seine Wirkung und für einen Moment hielt die Hexe inne, betrachtete den jungen Mann. Ceene war bei den anderen beiden in besten Händen, sie konnte dort nicht viel helfen, aber die Desorientierung, die von Finlay ausging, war mehr als deutlich spürbar. „Ihr seid in Sicherheit“, kam es leise und ruhig über ihre Lippen, ehe sie die Hand auf die Schulter des anderen legte, darauf achtend, dass sie nicht an den Unterarm kam, an dem sie eine seltsame Substanz ausmachen konnte. Vermutlich war es dieselbe, über die auch die anderen beiden in diesem Moment sprachen. „Elias und Levin kümmern sich um Ceene. Sie sind mehr als fähig.“ Dinge, die Finlay vielleicht auch selbst wusste, denn immerhin kannte er Elias. Aber manchmal war es gut, diese Wahrheiten noch einmal zu hören, laut, ausgesprochen. „Kein*e Todesser*in kann hier rein.“ Wo sie waren, was dieser Ort war, das waren sicher alles Fragen, die kommen würden. Und um die sie sich kümmern mussten. Aber für den Moment zählten nur die wichtigsten Informationen, sonst würde es zu viel werden.
    Vorsichtig nahm Brooke Finlays Gesicht unter die Lupe, überprüfte die Haut und führte den ein oder anderen Episkey durch, während sie mit einem halben Ohr den anderen beiden zuhörte. „Alles okay“, beantwortete sie Levins Frage, „aber Finlay hat auch etwas von der Substanz abbekommen.“ Etwas, was sie nun wirklich nicht in der Lage war, entsprechend zu heilen, wenn schon die beiden beruflichen Heiler sich nicht im Klaren waren, wie sie die Substanz vom Arm bekommen konnten. Also konzentrierte sie sich solange weiter auf die anderen, oberflächlichen Wunden, bis Elias und Levin Ceene soweit verarztet hatten. Dass mit jeder versorgten Wunde aber auch die innere Unruhe der Hexe anschwoll, die Sorge und Panik, die sie noch im Moment der SMS verspürt hatte, sich langsam in Ärger umwandelte, jetzt, wo sie etwas erleichterter sein konnten, sorgte für Unruhe in der Hexe. Es war nicht einmal so, dass sie es an sich nicht verstand. Dass sie diesen Drang nicht nachvollziehen konnte. Sie hätte schließlich dasselbe gemacht, wäre sogar ohne richtigen Schutz in die Flammen gelaufen. Ja, sie wusste genau, warum Finlay so gehandelt hatte. Doch es war etwas anderes, selbst so zu agieren – oder es bei einer anderen Person, um die man sich sorgte, zu sehen. Und während sie erneut einen Episkey anwandte, presste die Hexe, die sonst eigentlich eher ruhig und verständnisvoll war, irgendwann wann nur noch verärgert die Lippen zusammen. Sie wollte nichts sagen, war es doch der falsche Moment. Aber es kostete sie einiges an Überwindung, stillzuschweigen.

  • Jeder Atemzug schmerzte, als glühten in ihren Lungenflügeln Glutnester, die mit jedem Luftholen neu angefachten wurden. Ceene wollte, dass es aufhörte und gleichzeitig war sie für den Schmerz dankbar, denn er hielt sie bei Bewusstsein und gab ihr unmissverständlich zu verstehen, dass sie noch am Leben war. Das war alles, was gerade zählt: durchzuhalten, nicht aufzugeben. Mehr konnte sie in ihrem Zustand auch nicht tun. Alles lag jetzt an den Menschen, die sich um sie kümmerten.

    Ein Knistern in der Brust, ein Stechen beim Einatmen, eines beim Ausatmen. Dann, plötzlich, war alles kühl und weit. Als hätte sie das Fenster in einem verrauchten Zimmer aufgerissen und ihren Kopf nach draußen, in die kristallklare Winterluft gestreckt. Ceene füllte ihre Lungen mit tiefen Atemzügen und obwohl sie auch jetzt noch ein leichtes Ziehen dabei verspürte, inhalierte sie so viel von der von allen Rauchpartikeln befreite Luft, wie sie nur konnte.

    Als nächstes versiegte das scharfe Pulsieren in ihrer rechten Wange. Die Wunden, die von den scharfen Glaskanten in ihre Haut geschnitten worden waren, schlossen sich und auch dort, wo die Hitze des Feuers ihre Hand verbrannt hatte, konnte man ihr Linderung verschaffen.

    Mit jedem Zauber, der gewirkt wurde, mit jeder Salbe und jeder Tinktur, die man auftrug, wurden die gravierenden Schäden, die sie ihrem Körper zugemutet hatte, behoben. Bei ihrem linken Arm sah die Sache allerdings anders aus. Er stellte die beiden Zauberer, die sich um sie kümmerten, vor eine wahrscheinlich unlösbare Herausforderung, weil sie einfach nicht wussten, womit sie es zu tun hatten. So viel Gutes die richtige Vermengung von unterschiedlichen Substanzen bewirken konnte, so viel Schlechtes entstand aus einer unsachgemäßen Zusammenführung. Ceene wusste das nur zu gut.

    Seltsamerweise spürte sie noch immer keinerlei Schmerz in ihrem linken Arm. Er fühlte sich vollkommen normal an. Aber ein verschwommener Blick reichte bereits aus, um den katastrophalen Schaden zu erkennen, den die teerartige Substanz angerichtet hatte. Ein Großteil ihres Unterarmes war einfach vollkommen schwarz, faltig, voller Blasen und an einigen Stellen wie aufgebläht, an anderen wiederum eingefallen.

    Ceene drehte ihren Kopf zur Seite und sah neben sich ein hochkonzentriertes Gesicht. Jedoch kein unbekanntes. Auch wenn sie Levin Mercer nur ein paar Mal im Monkshood über den Weg gelaufen war, erkannte sie den Heiler trotz ihrer eingetrübten Sicht direkt wieder. Die Welt war klein und daher war es für Ceene auch gar nicht so sehr überraschend, dass ausgerechnet er dabei war, sie wieder zusammenzuflicken.

    „Musste ja irgendwann so kommen“, murmelte Ceene und versuchte dann ihren Kopf noch ein Stückchen weiter zu drehen, in der Hoffnung einen Blick auf Finlay zu erhaschen. Wie schwer waren seine Verletzungen? Wenn ihr Arm nicht wieder in Ordnung kam, damit kam sie schon irgendwie klar, aber ihn mussten sie wieder voll und ganz gesund bekommen. Er war nur wegen ihr in das Feuerinferno geraten. Alles, was er abbekommen hatte, war also alleine ihre Schuld. Sie hatte das zu verantworten. Eine Frau antwortete auf Levins Frage und Ceenes verspürte einen Stich in ihrer Brust, als sie sagte, dass auch er etwas von der Substanz abbekommen hatte. Das konnte nur passiert sein, als er versucht hatte, sie nach draußen zu ziehen.

    „Ihr müsst das bei ihm wegkriegen“, forderte Ceene mit schwacher Stimme, „Experimentiert an meinem Arm rum. Macht irgendwas. Aber bei ihm muss das runter. Er hat das Scheißzeug nur wegen mir abbekommen.“

  • Sein Blick huschte von Brooke, welche direkt bei ihm war, zu Elias und Levin, die sich Ceenes' Verletzungen annahmen. Zwar bekam Finlay mit, wie Anweisungen gesprochen wurden, doch über sein eigenes Husten hinweg diese zuzuordnen war nicht allzu leicht. Brooke jedoch wusste was sie tat, der Hexe vertraute Finlay als sie ihren Zauberstab auf seinen Oberkörper richtete und all der unangenehme Rauch, den er zuvor eingeatmet hatte, nun aus seinem Mund wieder hinaus drang. Tief sog er im Anschluss die klare Luft des Raumes ein, fühlte die Befreiung seiner Atemwege dankbar und nickte im Anschluss gen Brooke, deren Untersuchung noch nicht an ihrem Ende angekommen war. Doch wo waren sie? Wo hatte man ihn hingebracht und wer waren die anderen Leute, welche ihn überhaupt erst in dieses Gebäude eingelassen hatten? Brooke schien seine Verwirrung, die Fragen in seinem Blick glücklicherweise zu erkennen, denn ihre Worte vermochten es die Unruhe, welche noch immer hohe Wellen in seinem Inneren schlug, geringfügig zu beruhigen. "Okay. Und habt ihr sie gesehen? Die Todesser?" Finlay selbst hatte es nicht, sondern nur das Ergebnis ihrer Taten mitbekommen. Den vergeblichen Kampf, welchen Ceene ausgefochten hatte um ihren Laden zu retten. Ein Unterfangen was wohl schrecklicherweise misslungen war.

    Die Anspannung seines Körpers wich jedoch nicht, ebenso wenig der angestrengte Ausdruck auf seinem Gesicht, denn obschon die meisten Verletzungen an ihm oberflächlich waren, spürte er wie etwas durch den Stoff seines linken Unterarmes drang. Beißend, brennend berührte es seine Haut, ein beständiger Schmerz, der nicht weichen wollte, selbst wo sie nun außerhalb des Feuers waren. Brookes' Zauber wirkten auf ihn ein, nahmen Prellungen, kleinere Brandwunden und Schnittwunden hinfort, bis der dominante Schmerz übrig blieb, den er hartnäckig hinzunehmen versuchte. Doch sein linkes Bein, welches begann unruhig auf und ab zu wippen, versuchte eine Ablenkung vom Schmerz zu schaffen, war ebenso auffällig wie sein hastiger Blick in Richtung der zwei Heiler bei Ceene. "Ihr bekommt sie wieder hin, oder? Wie geht es ihr?" Die Fragen warf er zwar in den Raum, wandte seinen Blick jedoch wieder gen Brooke. "Und... wo sind wir? Brooke, glaubst du, die Todesser wollten euch folgen? Habt ihr sie erwischt? Ich hab' keinen gesehen. Aber sie waren da, du hast meine Nachricht ja bekommen. Und das Bild?" Unbewusst hob sich sein rechter Arm, legte sich um seinen linken Oberarm, als könne dies den Schmerz negieren. "Ich wollte nur kurz... fuck, sie haben einfach das Turners angegriffen." Fassungslos schüttelte er seinen Kopf, ehe er den Blick wieder auf Brooke fokussierte. Erneut hatten die Todesser angegriffen, mit erschreckendem Erfolg, denn Ceene war mehr als nur einfach verletzt: Auch wenn ihre schwache Stimme ertönte, deren Worte er nicht zu entziffern wusste, während sich Levin und Elias um sie kümmerten, so war doch offensichtlich wie viel Kraft der Angriff ihr genommen hatte. Finlay selbst wusste nicht, was diese dunkle, klebrige Flüssigkeit an seinem Unterarm bedeutete, die doch weitaus mehr vom Körper Ceenes' bedeckt hatte. Einzig seine Hoffnung blieb, dass Elias, Levin und Brooke schon eine Lösung haben würden.

  • Levin und er selbst diskutierten eine Weile über die Möglichkeiten, die Flüssigkeit von Ceenes – und wie Brooke ihnen mitteilte – auch Finlays Haut zu befreien. Ceene Nosmion erlangte derweil das Bewusstsein wieder und begann zu sprechen, offenbar sehr besorgt um ihren jungen Retter. Nachdem Levin und Elias sich für eine Reihe komplexerer Heilzauber und einen einfachen „Evanesco“ entschieden hatten, schafften sie es schließlich, der Substanz Einhalt zu gebieten. Anschließend mussten sie sich der zerstörten Haut widmen, die sie schließlich dick mit Diptam einschmierten und dann mit einem Verband abdeckten, um der Heilsalbe die Möglichkeit zu geben, auch in tiefere Hautregionen einzudringen. Aufgrund der Komplexität der Verletzung und der unbekannten Zusammensetzung der Substanz war zu bezweifeln, dass die Haut makellos verheilen würde.
    So sollte es verheilen. Den Verband müssen wir noch einmal wechseln und das Diptam neu auftragen“, wandte Elias sich schließlich an die junge Frau und blickte dann zu Brooke und Finlay hinüber. Fionas Sohn hatte einige Fragen gestellt, denen sie sich noch widmen mussten, vorerst war es jedoch wichtiger, auch ihn zu behandeln.
    Ich vermute, das Narben zurückbleiben werden. Wir sind leider nicht so gut ausgestattet wie das St. Mungo. Bleiben sie am Besten einfach liegen, Ms.“, ergänzte er einen Augenblick später, sein Blick wanderte von Finlay zurück zu Ceene und dann zu Levin. Er nickte zu ihrem zweiten Patienten und wartete darauf, dass Levin ihm zu Brooke und dem jungen Aileanach folgte.
    Wir haben nur eine Person gesehen, die jedoch appariert ist und unser Auftauchen vermutlich nicht bemerkt hat.“, erwiderte er dann vage auf keine bestimmte von Finlays Fragen und beobachtete, wie Levin mit den ersten Zaubern begann. Elias überprüfte derweil kurz Brookes Arbeit und nickte ihr dann zu, ehe er sich wieder auf den Sohn Fionas konzentrierte.
    Das hier ist ein sicherer Ort. Die Todesserinnen können uns nicht folgen.“, Elias schüttelte langsam den Kopf. Er erinnerte sich an das Gespräch, das er vor einigen Monaten mit dem jungen Aileanach gehabt hatte. Damals hatte er dem Jungen nicht die Wahrheit gesagt, auch wenn er versucht hatte, ihn zu warnen. „Mehr kann ich nicht sagen.“, bemerkte er leise, nur an Levin und Brooke gewandt. Er hatte den beiden nicht von dem unbrechbaren Schwur erzählt und wusste auch nicht sicher, wie weit sich die Wirkung des Zaubers erstreckte. Es war kein Risiko, das er einzugehen gedachte. Wie viel sie den beiden erzählen würden, war fraglich. Earnestine würde darauf bestehen, dass sie dieses Quartier unwissend verließen, wenn sie nicht bereit waren, sich der Arbeit des Ordens zu verschreiben. Sie konnten nicht mehr riskieren, andere Personen mit dem Wissen um ihre Existenz ziehen zu lassen. Elias konnte es nicht anders sehen. Er wollte die Namen seiner Mitstreiterinnen auch nicht in den Händen der Todesserinnen wissen.

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