• Die Nacht des 17. Septembers - nach Mitternacht

    Klar und kalt schienen die Sterne auf den alten Friedhof unter ihnen hinab. Eine feine Sichel wanderte mit ihnen über den dunklen Nachthimmel und spendete ein schwaches, fahles Licht, das zwischen die verdorrten Äste einer alten Eiche fiel, die Schatten tanzen ließ, die Szenerie aber kaum zu erhellen vermochte. Es war ruhig und doch war der Friedhof voller Leben. Maden, Käfer und Regenwürmer lebten hier in der Hoffnung, dass kein Vogel und keine Maus sie entdecken würden. Tagsüber hielten sie sich im tiefen Gras oder zwischen den Ritzen der Grabsteine verborgen, doch nachts krochen sie hervor und suchten nach Nahrung. Ihre kleinen dürren Gestalten krabbelten über die Namen längst vergessener Menschen und kümmerten sich nicht um die große Welt in der sie lebten.
    Man musste aufpassen, wohin man seine Schritte setzte, denn der unebene, weiche Boden und versunkene Grabsteine stellten natürliche Stolperfallen dar, doch die dunkle Gestalt, die langsam über den Friedhof wanderte, schien das Gelände gut zu kennen. Sie blieb mal hier und da stehen und betrachtete die verwitterten Grabinschriften, beobachtete, die Käfer, die darüber krabbelten und setzte dann ihren Weg fort. Zwei Raben beäugten die Gestalt misstrauisch, als sie an der alten Eiche vorbeikam und eine Maus machte sich ganz klein in der Hoffnung nicht gesehen zu werden. Die Gestalt schien davon selbst keine Notiz zu nehmen. Sie setzte zielstrebig ihren Weg fort, sah nun immer weniger nach links und nach rechts und hielt erst an, als sie auf einer größeren freien Fläche ankam. Dort sah sie sich eindringlich um, ließ ihren Blick über den Friedhof schweifen und sog die kühle Nachtluft ein. Es war Zeit.
    Die Sichel am Himmel bewegte sich weiter und schien kurze Zeit später auf eine kleiner Gestalt, die plump und laut über den Friedhof schritt. Sie stieß sich einen Zeh an einem versunkenen Grabstein, verscheuchte die Raben und erschreckte die Maus so sehr, dass sie sich hinter einem Grabstein versteckte. Das Kommen der Person kündigte sich durch Flüche und leise Selbstgespräche lange im Voraus an, doch die Gestalt, die vorhin fast lautlos über den Friedhof geschritten war, kümmerte sich nicht groß darum. Sie hatte die Augen geschlossen und schien sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, bis der Verursacher des Lärms schließlich direkt neben ihr stand.
    "Mein Meister! Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte.", stammelte Wurmschwanz vor sich hin und verbeugte sich tief. Lord Voldemort öffnete die Augen und steckte stumm seine Hand aus. Wurmschwanz schien zu zögern, krempelte dann aber seinen schmutzigen Ärmel hoch und legte seinen Unterarm frei. Er wusste was nun kam und er wusste, dass es ihm grob Schmerzen bereiten würde. Doch er wusste auch, dass es notwendig war. Der dunkle Lord selbst sagte nichts, sondern packte stattdessen den Arm seines Dieners und presste seinen Finger auf das dunkel Mal. Ein gellender Schrei durchfuhr die Stille und binnen weniger Sekunden verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Er hatte gerufen. Es war Zeit.


    @Christian L. Kavanagh, @Ambrose Peasegood, @Nataniel Robert Earnshaw, @Bartholomew Peasegood


    //Offtopic: Das Treffen findet Inlay in der Nacht vom 17. auf 18. September statt. Es kann aber gerne ab jetzt gepostet werden.

  • cf: Das Schlafzimmer


    Ein erdiger, fast schon irgendwo von Zeit gesegneter Duft erfüllte die Luft, in die sie beide in diesem Moment eindrangen. Die Füße fanden sich in Morast und auf Gras wieder, die Körper umgeben von Grabsteinen, die mit ihrer schiefen Lage und leicht verfallenen und heruntergekommenen Art eine bedrohlich anmutende Stimmung hervorriefen und wie schiefe Zähne aus dem Boden wuchsen. Gewiss mochte es für den einen oder anderen Geist reizvoller sein, sich in die Untiefen der Erde zu legen und mit den Gebeinen längst vergessener Personen zu beschäftigen, als dem harten und urteilenden Blick des dunklen Lords auf sich zu ziehen, der auch in ihm nach all den Jahren noch den typischen Schauer hervorrief, der über den Rücken drang wie eine kalte Flüssigkeit, die langsam und zehrend hinabfuhr. Er genoss dieses Gefühl, dass schlichtweg Respekt hervorlockte und somit einen Anteil dazu beitrug, dass unüberlegtes Handeln seinerseits heute nicht auf dem Tagesplan stand. Die Schritte wanderten langsam zwischen den Grabsteinen und allerlei Getier hinweg, während sich der Arm von seiner jungen Begleitung löste. Ladies first mochte eine noble und höfliche Geste sein, doch in diesem Moment präferierte er aus logischen Gründen eher ein Voranschreiten seinerseits. Das Rascheln von Kleidung begleitete sie auf ihrem Weg, doch es ließ sich zweifellos feststellen, dass eine gewisse von Demut erfüllte Stille über dem Friedhof lag und lauerte. Selbst die Natur schien der einen Gestalt Respekt und Tribut zu zollen. Eine recht zufriedenstellende Erkenntnis. Seine Miene blieb dennoch relativ hart, die Augenbrauen etwas zusammengezogen, die Furche dazwischen leicht erkennbar, während sich das Lippenpaar indes ein wenig kräuselte und sich die Hände ein paar Mal aneinander rieben. Es wäre töricht, sich sorglos und ohne Gedanken in diese Szene zu begeben, sich nicht noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, was den eben noch durch ihn gedrungenen Schmerz, das Pochen nur zu dem Beginn einer längeren Reihe an Ereignissen machen konnte. Sein Verstand war für ihn stets die wichtigste Waffe gewesen und so würde er diesen bedrohlich anmutenden Ort nicht durch falschen Stolz und übertriebene Eitelkeit betreten, auf dass er seinen eigenen Grabstein von Maden und Spinnen besetzt heute Nacht hier finden sollte.
    Bereits aus der Ferne war die Gestalt zu erblicken - und ebenso das kümmerliche Etwas daneben, welches sich den Arm rieb und von den eben noch hervorgerufenen Schmerzen gewiss noch zehrte. Wurmschwanz. Er war wohl unentwegt der Erste vor Ort. Abgesehen davon hatte wohl noch keiner diesen von Tod und Zerfall erfüllten Ort gefunden und mit grimmiger Miene oder einem Zittern der Szene die richtige Wirkung gegeben. Ein wenig vermisste er ja schon Ada, deren stetige Verrücktheit und Loyalität immerwährend eine gewisse Brisanz in solche Treffen gebracht hatte.
    Mit einer von Ehrfurcht angereicherten, leichten Verbeugung näherte er sich jener eindringlichen und stets Furcht hervorrufenden Gestalt, die er mit einem „Mein Lord“ mit klarer und ehrerbringenden, sowie respektvoller Tonlage begrüßte. Er ließ zwei Sekunden vergehen, um der Begrüßung den erforderlichen Nachhall zu geben, ehe er den Kopf wieder anhob und mit seinen stahlblauen Augen das schlangenartige Gesicht des dunklen Lords in den Blick nahm. „Eurem Ruf zu folgen versüßt mir geradezu diese chancenreiche Nacht“, fügte er ergänzend herbei und hob stolz das Kinn, jedoch auch einen Mundwinkel, ehe er mit einer Handgeste nach hinten zu der blonden Hexe deutete, die er auf diesen von schiefen Grabsteinen gefüllten Friedhof geführt hatte, wie es dem Anliegen seines Herrn entsprochen hatte - so wie auch seinem Eigenen. „Eurem Wunsch entsprechend wird uns Miss Dixon heute beiwohnen.

  • Leise hörbar fiel die Schreibfeder auf den hölzernen Boden, den das matte Kerzenlicht kaum zu herhellen vermochte, und hinterließ einen Tintenfleck in dem Durchmesser einer Münze. Die schwarze Gestalt am Tisch beugte sich vor und griff perplex nach ihrer rechten Hand. Ein stechenden Schmerz, der einem durch Mark und Bein ging, auf jenem gekennzeichneten Unterarm zu solch später Stunde zu verspüren, kam ebenso unerwartet, wie die Präsens der unverkennbare Person, die dahinter steckte. Obwohl das Dunkle Mal erst seit einer vergleichsweise kurzen Zeit den Arm des Zauberers zeichnete, folgte dem Schmerz eine Welle von Erfurcht vor dem, was folgen würde. Der dunkle Lord rief sie zu sich. Alleinig diese Tatsache ließ ihn den Atem stocken. Die Präsens von anderen Todessern, welche gelegentlich den Weg des ehemaligen Sportlers kreuzten, war in keinster Weise mit der Anwesenheit des Lords höchstpersönlich vergleichbar. Trotz alledem galt es aber keine Zeit zu verlieren, keine Sekunde mit den Gedanken zu verschwenden, was es für einen Anlass gab. Ihn warten zu lassen, wäre gewiss das Letzte, was man tun konnte.
    Von einer Sekunde auf die andere apparierte Peasegood Senior dem Ruf folgend auf den düsteren Friedhof. Es war nicht die Reue, sich den Todessern angeschlossen zu haben, die ihn begleitete, sondern alleinig der mit Furcht behaftete Respekt dem mächtigsten Zauberer aller Zeiten gegenüber. Macht hatte seinen Preis und so würde das Leid all jene treffen, die sich dazu entschieden, in feindseliger Absicht den Weg der Strebsamen zu kreuzen. Es war unbestreitbar, dass sie hier auf der richtigen Seite standen, um den nächsten Aufstieg des Lords zu überstehen und zugleich von diesem Erfolg zu kosten. Jene Erfolge, die dem ehemaligen Quodpotspieler seit Jahrzehnten verwehrt blieben. Über die letzten Generationen verhielten sich die Peasegoods neutral, zurückgezogen, in der Hoffnung von niemandem ins Visier zu geraten. Doch dieser Ruf endete schon vor einiger Zeit, als Julia Peasegood gänzlich versagte und wegen eines unverzeihlichen Fehltrittes hinter die Mauern von Askaban gesperrt wurde. Dass sein Sohn Ambrose bereits seit mehreren Jahren ebenfalls ein Platz in den Reihen der Todesser einnahm, konnte das Familienoberhaupt in diesem Moment nicht einmal erahnen.
    Es war weder der kalte Wind, noch der Geruch des eisige Todes, der den Herren vor Furcht erschaudern ließ, sondern alleinig der Blick auf jene bedeutsame Gestalt, die dort auf einer freien Fläche stand. Selbst die Tiere schienen allesamt die Flucht ergriffen zu haben. Nur die streifenden Schritte durch das hohe Gras, gelegentliches Knacken von leblosen Ästen, das Jammern der elendigen Gestalt an der Seite des Lords und die Stimmen des Todessers Kavanagh, welcher offensichtlich einer der ersten vor Ort war, verriet ihre Anwesenheit. Die erdrückende Atmosphäre wurde allemal dem Ruf des mächtigen Lords gerecht. Zielstrebig bewegte auch Bartholomew sich zwischen den teils versunkenen Grabsteinen entlang und bemühte sich, trotz seiner ansteigenden Nervosität, auf den Weg zu achten, was sich in dem schwachen Licht als kleine Herausforderung herausstellte. Der weiche, unebene Boden hinterließ den Eindruck, als wollte dieser jedes über sich laufende Geschöpf in die Tiefe reißen und die Besucher in ein eigenes Grab ziehen. Hier wartete nur der Tod. Und dennoch war es nicht einmal ansatzweise ein Grund wieder kehrt zu machen.
    Auf der freien Fläche angekommen, bestätigte auch Bartholomew seine Ankunft mit einer untergebenen Verbeugung, gefolgt von einem ehrfürchtigen "Mein Lord." und entschied sich zugleich dazu, seine Stimme im Verlauf dieser Zusammenkunft nur zu erheben, wenn es nötig war und von ihm verlangt wurde.

  • Achte auf deine Wortwahl. Auf den Inhalt. Und benimm dich. Das waren alles dinge, die er vielleicht gar nicht hätte aussprechen müssen. Dennoch erschien es ihr gut die Worte aus seinem Mund zu hören. Genau so wie die leichte drohung welche Blume blühen könnte wenn sie sich nicht an diese regeln hielt. Deswegen lächelte sie. Nein, er würde jeden ohne mit der Wimper zu zucken. Aber ob er das tun könnte bei ihr, ohne zu zögern, das bezweifelte sie. Vielleicht war das Ergebnis letztendlich das gleiche - das hätte sie aber nicht geschert.
    Arya spürte nicht der verlangen sich von dem Arm zu lösen, als die Welt unter ihren Füßen wieder Platz genommen hatte und die kühle feuchte Luft ihnen wie ein Waschlappen ins Gesicht schlug ohne sie zu benetzen. Sie wollte nicht los lassen, weil es ihr halt gab und doch nicht angebracht war. Als hätte sie eine Wahl; Jetzt kleinlich zu sein nach allem was sie tat. Nach den Entscheidungen die sie traf obgleich ihrer Begleitungen oder doch nur der eigenen taten. Somit war sie gezwungen sich seiner zu entziehen, und lies den Blick aus den freundlichen blau goldenen Blick über ihre nahe Umgebung schweifen. Gewiss war es dunkel, und nicht mal der Himmel schien ihnen Hold zu sein und besonders viel zu offenbaren außer Steinen die empor ragten. Es dauerte einen Augenblick, und den ersten Schritt hinter dem Ministeriumsbeamten hinter her, Hinter dessen breiten Schultern sie beinahe zu verschwinden schien, ehe die junge Hexe realisierte wo sie sich befanden. Oder eher worauf. Die Füße gruben sich in die Erde, sanken ein in stellen die bewachsener waren von Moos und Fauna. Es war ein Friedhof auf welchem vor viel zu langer Zeit wahrscheinlich das letzte Begräbnis von statten gegangen war. Der Ort wirkte Melancholisch, doch für solche Gefühle hatte sie keine Zeit. Der Blick hob sich fort von den Steinen den Pflanzen, hinauf vor sich, aber fort vom breiten Kreuz. Nein sie sah die zwei gestalten an auf die sie zu liefen und es spannte sich unweigerlich in ihrer Brust an.
    Erst betrachtete sie den kleinen, einfältig wirkenden Mann. Weder ansprechend noch Ehrfurcht erregend wie er dort stand und sich den Arm hielt. Dann trafen ihre Augen auf die hagere im schwarzen Umhang gekleidete Gestalt welche alle für Tod hielten. Verschollen, nicht möglich das er auferstehen könnte - oder bereits wieder hier war. Aryas Hände fanden sich, falteten sich vor ihrem Schoß und blieb schräg hinter Kavanagh stehen. Sie hatte noch lange kein Recht sich in den Vordergrund zu drängen wenn es nicht gewünscht war - obgleich sie den zwingenden drang verspürte. Ähnlich wie dem Impuls zu folgen es ihrem, nennen wir es mal Mentor, gleich zutun. So verbeugte sie sich sanfter, graziler ohne ein Wort zu sagen...zumindest bis Mr Kavanagh ihren Namen so deutlich betonte das sie nicht anders konnte und sie nochmals den Kopf leicht neigte. "Es ist mir eine Ehre." Sagte sie - oh nein, sagte sie nicht. Sie tat etwas, was ihr ein kurzes zucken der Mundwinkel bescherte. Es war Arrogant es zutun, doch hatte Christian gewiss nicht mehr als das sanfte, grade mal so hell von der Lautstärke her das man es hören konnte, zischen vernommen. Sie hatte simpel geparselt, da doch die Erinnerung an die Kammer des Schreckens ein so großer Teil von ihr worden war. Damals hatte ein Teil des dunklen Lord gesagt das mehr aus ihr hatte werden können und das sie ihre Talente nicht an die falschen verschwenden sollte. Und Heute stand sie hier, mit erneut erhobenen Hauptes der sich tatsächlich leicht neugierig zur Seite drehte als die nächsten Schritte von den Grabsteinen abzuprallen schienen. Weder die Stimme noch das Gesicht sagte ihr viel, obgleich sie nicht einschätzen kannte woher sie diesen Mann womöglich kannte - war auch Irrelevant. Lieber drehte sie das Gesicht wieder fort von ihm, zurück zu dem dunklen Lord an dem es so viel mehr interessantes zu entdecken gab, das sie sich jedes mal ärgerte wenn der Wind dafür sorgte das die vereinzelten strähnen, die immer aus ihrem Zopf zu fallen schienen ihr ins den Blick kamen.

  • cf: Im Keller


    Ambrose schmale Lippen verzogen sich zu einem vielsagenden Grinsen. Er nickte. „Der Lord wartet“, verkündete er verheißungsvoll, ehe er den Ärmel wieder über seinen entblößten Unterarm zog und so das brennende Mal verdeckte. In diesem Moment hätte es eigentlich so viel zu sagen gegeben, so viel mehr zu fragen, aber der ehemalige Slytherin wusste, dass die Zeit drängte. Der Dunkle Lord wartete nicht gerne – und er ließ ihn das schon viel zu lange tun.
    Ob Donovan wusste, was auf ihn zukommen würde? Seinem leicht grenzdebilen Blick zufolge malte er sich wahrscheinlich gerade Heldentaten und Berge von Galleonen aus, die auf ihn warten würden – als ob sie das nicht schon längst taten – und Ambrose musste sich zurückhalten ihm all das nicht sofort zunichte zu machen. Auch er war mit dieser naiven Haltung zu den Todessern gestoßen und hatte schnell lernen müssen, dass man sich auch hier Erfolg erarbeiten musste. Dass man sich beweisen, Dinge opfern musste. Das Opfer, das er erbracht hatte, zeichnete sein Gesicht immerhin immer noch und würde es auch sein Lebtag tun.
    Bereit?“ Der Sicherheitszauberer war näher an seinen Kollegen herangetreten und zog nun seinen schwarzen Ebenholzstab aus seiner Manteltasche. Donovan nickte – dann umschloss Ambrose den Arm des anderen fest mit seiner Hand, schloss die Augen und disapparierte.


    Es war kalt, kälter noch als im Keller und die Härchen an seinen Armen richteten sich auf, obwohl sein Mantel ihn wärmen sollte. Seine Atemluft bildete kleine Nebelschwaden, die sich hastig verflüchtigten, als der frisch Angekommene ruckartig seinen Kopf drehte, um sich zu orientieren. An Donovan folgte keine Nachfragen, ob er ihn in einem Stück an diesen Ort gebracht hatte – nicht etwa, weil es ihn nicht interessierte, sondern weil er spürte, dass er nah war.
    Dumpf klang das Geräusch seiner Schritte auf dem weichen Boden des Friedhofes, während er sich einen Weg durch die Grabsteine bahnte und nur flüchtig Blicke auf die Namen warf. Alt und versunken waren sie, verwittert und überwachsen; Menschen, um die sich nach ihrem Tod keiner mehr geschert hatte. Ob er auch so enden würde? Vergessen, verloren? Ob sich irgendjemand an ihn erinnern würde? Er war hier, um dafür zu sorgen.
    Seine Verbeugung wirkte steif, er hatte seinem Herren noch nicht oft gegenübergestanden. Ein kurzer Blick hinter sich bestätigte, dass Donovan ihm folgte. Kopf runter schien sein Blick zu sagen, als er sich nach einem ehrerbietenden „Mein Lord“ wieder aufrichtete und an seinem Mitreisenden vorbeiging, dann postierte er sich neben Kavanagh. An die übrigen hatte er bis jetzt kaum einen Gedanken verschwendet, aber nun stellte er überrascht fest, dass sich auch eine junge Frau unter ihnen befand. Wurmschwanz selbstverständlich und – Ambrose' Gesicht erstarrte zu einer entsetzten Fratze.
    Auf der anderen Seite des schwer erkennbaren Halbkreises stand sein Vater.

  • Es war als würden Weihnachten und mein Geburtstag gerade zusammenfallen. Der dunkle Lord wartete. Endlich schien sich alles ausgezahlt zu haben. Meine gute Arbeit beim Inquistionkommando war quasi nur eine Aufwärmübung für das, was ich nun mit anderen anstellen konnte. Nun musste ich nicht mehr auf Mitschüler zurückgreifen. Diese lächerliche Schlammblutbliebhaberausstellung war schon ein wunderbarer Auftakt gewesen, doch ich war aus der Übung, was man deutlich gemerkt hatte. Mir hatte es an zündenden Ideen zwar nicht gefehlt, aber die Liebe dahinter war nicht so spürbar gewesen, wie bei den Qualen, die ich zu Schulzeiten verbreitet hatte. Natürlich war es damals mit der Plakette auf der Brust und dem Treiberschläger in der Hand auch wesentlich einfacher gewesen. Damals hatte jeder in der Schule meinen Namen gekannt und andächtig geflüstert. Diesen Umstand vermisste ich hier tatsächlich. Doch in den Reihen des dunklen Lords würde ich es bestimmt schaffen, mir das Ansehen wieder zurück zu holen, das ich nach dem Abschluss eingebüßt hatte. Schließlich hatte der Mann, der vor mit stand, nun auch einen viel besseren Stand als je zuvor. Vermutlich hatte ihm das Vitamin B eingebracht, mit einer kräftigen Portion Gewalt. So eine schicke Narbe bekam man immerhin nicht, wenn man nur eine Klobürste schwang. Und wenn doch, dann war man eigentlich ziemlich dumm. Eigentlich könnte ich Peasegood tausende Fragen stellen und ihn damit durchlöchern, doch ich war nicht grün hinter den Ohren. Dad hatte mir oft genug eingebläut, wie wichtig Pünktlichkeit war. Vor allem bei so etwas.
    All der Ärger über den lächerlichen Botendienst für meinen Dad waren wie verflogen – fast so, als hätte ich den beim Apparieren im Keller vergessen – als wir plötzlich auf dem Friedhof landeten. Seit-an-Seit-Apparieren war noch nie etwas für mich gewesen, doch ich hatte mich gut genug im Griff, um mir nicht das Geringste anmerken zu lassen. Schnell, aber auch nicht zu schnell, folgte ich Peasegood. Ich wollte nicht sofort einen falschen Eindruck hinterlassen. Niemand sollte denken, ich wäre ein Arschkriecher, oder einer dieser übereifrigen Streber, die sofort drauflos liefen, wenn sich ihnen die Chance bot und sie etwas dafür erwarten konnten.
    Der Blick des ehemaligen Putzteufels entging mir nicht, dennoch hatte ich nicht vor, das Haupt zu senken wie ein demütiger Hund. Natürlich trug ich meine Nase nicht so hoch wie sonst, doch ich hatte auch nicht vor, hier zu Staube zu kriechen. Man konnte auch auf andere Arten Respekt zollen. Aus diesem Grund verbeugte ich mich auch vor dem Lord. „Mein Lord, es ehrt mich, in ihrer Gegenwart sein zu dürfen!“, bedankte ich mich für die Einladung und musste mir auf die Zunge beißen um nicht davon zu sprechen, dass ich schon viel über ihn gehört hatte. Man konnte nie wissen, wie der dunkle Lord es aufnahm, wenn er davon hörte, dass einer seiner Anhänger über ihn sprach. Dad erzählte ja auch nicht wirklich viel. Man musste ihm einiges aus der Nase ziehen, aber ich wollte keine Schande über ihn bringen. Also richtete ich mich schnell aus der Verbeugung auf und reihte mich ebenso ein, um nicht wie ein Idiot rumzustehen. Tantchen Arya zwinkerte ich kurz kess zu. Scheinbar hatte unser kleiner Spaß beim dem Schlammblutevent wirklich große Wellen geschlagen, sodass wir nun hier sein durften.

  • cf: Im Inneren des Hauses // @Amira Rai @Nicolas J. Graf


    Erbarmungslos und unnachgiebig wie eine Teufelsschlinge umschlossen die Finger von Nataniel Robert Earnshaw die Arme beider Gestalten. Er hatte keinen Augenblick damit verschwendet, den beiden ihre brisante Situation zu erklären oder ihnen gar die Möglichkeit gelassen, ihre eigene Meinung zu äußern. Taub für Protest und Wiederwille hatte sich der Politiker Zugang zu ihnen verschafft und sie mitgenommen. Denn es war sein Auftrag gewesen, Nicolas Graf und Amira Rai zu besorgen und er alleine würde den Kopf dafür hinhalten müssen, wenn einer von beiden dem Treffen fernblieb. Deshalb waren es nicht nur die Neulinge, auf die der ältere Herr keine Rücksicht nehmen konnte und wollte, vor allem nämlich litt er selbst. Schwindel. Übelkeit. Herzrasen. Der Gedanke an den Lord alleine konnte all das in ihm auslösen, doch war es vor allem das Apparieren, das ihm seit gefühlten Jahren in diesen Zustand versetzte. Und an diesem Abend kam zu der ungebändigten Furcht vor diesem Mann eine ganze Reihe von Reisen, die Nataniel Earnshaw inzwischen längst Schweißperlen auf die Stirn getrieben hatten. Stumm stand er in seinem Wohnzimmer, die Hexe und den Zauberer mit einem letzten, mahnenden Blick versehend, dann war es Zeit für das letzte Apparieren des Tages. Eigentlich hätte der Politiker sich darüber freuen sollen, die Qual beinahe hinter sich gelassen zu haben, doch die Aussicht auf das, was ihr folgen würde, machte alles nur noch schlimmer. Er wartete sicher schon. Von diesem Gedanken angetrieben nickte der Berater des Zaubereiministers und im nächsten Augenblick war das Zimmer menschenleer.
    Dumpf schlugen die inzwischen viel zu schweren Füße auf dem morastigen Boden auf, doch die beiden anderen machten es ihm unmöglich, zu fallen. Der Geruch von Moos und Erde und Tod stieg ihnen in die Nase, gepaart mit der frischen Abendluft. Gegen die Übelkeit half davon jedenfalls nichts. Nataniel Robert Earnshaw zwang sich dazu, den Blick zu heben um einen Überblick zu gelangen, nicht aber ohne den Zauberer und die Hexe weiter zu umklammern. Es war der Friedhof, ein wundervolles Symbol für ihre kleine Versammlung, der im lauen Licht einer Mondsichel zu glühen schien. Doch der Anblick von Grabsteinen und Gebeinen war es nicht, der zu all den anderen Gebrechen dafür sorgte, dass sich nun auch die Lunge des Politikers zuschnürte. Es war vielmehr die kaum zu übersehende Gestalt auf einer entfernten, freien Fläche, die ihm den Atem zu rauben wusste. Obwohl bereits einige, von hier kaum zu erkennende Schatten um ihn herum versammelt waren, stach nur der Lord heraus. Nataniel Robert Earnshaw merkte, wie seine ohnehin zittrigen Knie wieder weich wurden. Doch war es noch nicht der richtige Augenblick, wieder zu Boden zu sinken, gerade so, wie es ihm bereits zuvor und alleine wegen der Reiseanstrengungen in London passiert war. Erst musste er zu ihm. Musste ihm die beiden Narren bringen. Unsicher hob der Zauberer einen Fuß, doch es half nichts. Nicht einen einzigen Schritt konnte er mehr gehen, wäre er doch ohne die beiden anderen längst zu Boden gefallen.
    Die mit den Gerüchen des Friedhofs durchmischte Abendluft riss an seinem Umhang, als er gemeinsam mit Rai und Graf erneut verschwand und mit einem leicht zu überhörenden Keuchen an einer freien Stelle des sich bildenden Menschenkreises wiederauftauchte. Hier waren auch all die anderen Gestalten zu erkennen – oder wären zumindest zu erkennen gewesen, wenn Mr. Earnshaw nicht den Blick auf den Boden vor sich gerichtet hätte, nur kurz zu seinem Lord aufblickend. Seine Beine erzitterten erneut, schlimmer noch als zuvor und das hatte nicht nur mit dem Anblick seines Gebieters zu tun. Ein Schauder lief ihm über den Rücken, während die Welt um ihn zu schaukeln begann. Ohne zu überlegen stieß Nataniel Robert Earnshaw die beiden Rekruten von sich, so dass sie unweigerlich einen kleinen Schritt nach vorne machen mussten. Sofort ließen seine eigenen Beine nach, doch der Auftrag war ausgeführt und nichts konnte den Politiker davon abhalten, sich mit einem dumpfen Aufschlag auf Hände und Knie vor seinen Meister fallen zu lassen. „Mein Lord“, keuchte er, doch die Stimme transportierte nicht die tiefe Verachtung, die den Todesser durchflutete. Doch es war ohnehin kein Hass gegen den dunklen Lord. Die Gebrechen, die Unterwürfigkeit, der Kniefall und allem voran die Angst – Nataniel Robert Earnshaw verachtete sich selbst.

  • So überraschend diese nächtliche Störung auch gewesen war, inzwischen hatte sich die Halbinderin schon lange wieder gefangen. Die höfliche, freundliche, stets lächelnde Maske war wieder intakt, jedoch spürte die Hexe, dass es hier um etwas ernsteres ging, als ein paar närrische Ministeriums-Zauberer zu beeinflussen. Sie wusste, ein falscher Schritt und es würde unangenehm werden. Hier würde sie niemanden mit einem charmanten Lächeln hinters Licht führen können.
    Earnshaw hatte ihnen das Wichtigste eingebläut, jedoch war äußerste Vorsicht geboten. Sie wusste nicht, ob sie all jenen, die Anwesenden vertrauenswürdig waren, oder ob sie Amira bei der erstbesten Gelegenheit auflaufen lassen würden. Dann wäre ihre Karriere auf jeden Fall ruiniert, und auch wenn sie heil aus der Sache raus käme, wäre es mit ihrem geheimen Ziel, Zaubereiministerin zu werden, auf jeden Fall vorbei.
    Diese Gedanken schwirrten der Hexe durch den Kopf bevor sie an der Seite von Earnshaw und dem jungen Graf apparierte. Allerdings merkte sie sofort, dass hier mehr als nur ihre Karriere auf dem Spiel stand, als sie den Friedhof erkannte, auf dem sie gelandet waren.
    Amira mochte apparieren nicht besonders, sie fand das Gefühl in der Bauchgegend höchst unangenehm, aber sie zog es einem Besenflug jederzeit vor.
    Allerdings schien der höchst ehrenwerte Earnshaw neben ihr nicht so gut auf diese Reisemethode zu reagieren. Oder war es die Angst vor dem, dessen Name nicht genannt werden darf? Fast hätte sie eine Augenbraue hochgezogen, hielt sich aber im Zaum und setzte ein unverbindliches, aber immer noch freundliches Gesicht auf.
    Was es auch war, es schien dem Mann nicht gut zu bekommen, denn als sie an ihrer endgültigen Position ankamen, fiel er auf die Knie. Sie hatte seinen verkrampften Griff gespürt und gemerkt, wie er die die Luft scharf einatmete.
    Plötzlich wirkte das Zaubergamotsmitglied bei weitem nicht mehr so respekteinflößend wie noch einige Minuten zuvor.
    Innerlich hatte sie kein Mitleid mit ihm, sie sah dort unten auf allen vieren nur Schwäche, ihr über die Jahre perfektioniertes Schauspiel allerdings ließ sie beinahe selbst auf die Knie gehen, um ihm aufzuhelfen.
    Doch stattdessen nahm sie eine relativ neutrale Körperhaltung ein und senkte den Blick respektvoll.
    Es bedurfte keiner großen Worte, und sie war sich auch bewusst, dass es besser wäre sich hier im Hintergrund zu halten. Große Reden und überschwängliche Gesten waren hier unangebracht, dessen war sie sich sicher.
    Wenn sie sich an eines aus der ersten Herrschaft des Dunklen Lords erinnerte, dann daran, dass ein falsches Wort einem das Leben kosten konnte. Aber auch, dass man, wenn man sich richtig verhielt durchaus mit Vorteilen rechnen konnte. Und das war es was sie wollte. Sie wollte Vorteile für sich selbst. Wie man mit Muggeln umsprang war ihr völlig gleichgültig, genau so wie es ihr mehr oder minder egal war, was einem ihr unbekannten Zauberer wiederfuhr. So lange sie selbst einen Vorteil daraus zog, waren ihr die Methoden egal. Und das war der einzige Grund, warum sie hier war. Sie versprach sich vieles von einer erneuten Herrschaft des Lords, vor allem aber einen Karrierekick.
    Das Ministerium war hier bei diesem Treffen sogar recht gut vertreten, stellte sie fest, alls sie die anderen Menschen dieser Versammlung aus den Augenwinkeln bemerkte. Peasegood war hier, ein Mann, den Amira für äußerst fähig hielt und der noch wusste was gutes Benehmen war. Dass sein Sohn auch hier war, bemerkte sie nicht, denn sie hatte für diese Art Zauberer einfach nichts übrig. Da war ihr sein korrekter Vater schon eher die Sorte Zauberer mit der sie sich umgab. Im Gegensatz zu Jonathan, ihrem verwöhnten Großcousin. Natürlich war Amira stolz ein Teil der altehrwürdigen Familie zu sein, allerdings hatte sie sich für dieses Balg nie erwärmen können. Alles an seiner Art wiederte sie an, und auch wenn sie es nie offen zeigen würde, verachtete sie ihn. Sie beschloss ihn einfach zu ignorieren und das auch weiter zu führen, sollten sie sich jemals wieder bei so einem Anlass über den Weg laufen.
    Anscheinend war auch Kavanagh mit von der Partie, was sie im Nachhinein weniger überraschte, als in diesem Moment. Die blonde Hexe allerdings war ihr vollends unbekannt und so verschwendete sie jetzt keinen weiteren Gedanken an sie, auch wenn sich alle Gesichter genauestens in Amiras Gehirn einbrannten. Sobald sie wieder hier weg war, würde sie Nachforschungen über jeden einzelnen hier anstellen und jedes noch so kleine Detail herausfinden.
    Nachdem sie diese Szene unauffällig studiert hatte faltete sie ihre Hände in ihrem Schoß und wartete was nun geschehen würde. Den Dunklen Lord direkt oder auch indirekt anzusehen wagte sie nicht und sie nahm sich fest vor heute keine Gefühlsregung über ihr Gesicht huschen zu lassen. Ebenso, wie sich so unauffällig wie möglich zu verhalten.

  • Es war keine pure Angst, die Nick in ihrem Klammergriff langsam und sicher einfing und festhielt. Es war Furcht und ein klitzekleines bisschen auch Neugierde. Besonders als die kaum wahrnehmbare Aufforderung des älteren Zauberers ihn von seiner letzten Möglichkeit zu gehen oder vor dem zu drücken, was der von ihm wollte, abkapselte, wurde die Neugierde sofort von der Furcht überspielt und ging komplett unter. Es gab schließlich keinen Weg dem was der Zauberer von zu entkommen und wenn es damit endete, dass er starb, wäre es wohl noch die angenehmste Variante? Nicolas war zu verunsichert um einen klaren Gedanken zu fassen und starrte Earnshaw deshalb nur mit etwas verdunkelten Augen an. Selbst dessen Worte ergaben keinen rechten Sinn in seinem Kopf und so war erst der Griff zum Ärmel nötig, dass er endlich die Augen von dem alternden Gesicht nahm und hinabstarrte auf die Tätowierung auf der Innenseite des Unterarms.
    Er hatte das Zeichen bisher nur auf Abbildungen in Büchern oder in Zeitungen gesehen. Wenn es am Himmel aufgetaucht war, dann in einem giftigen grün, welches einem nur zu deutlich darstellte, mit welcher Macht man es hier zu tun hatte. Ansonsten wurde es schwarz dargestellt, doch bei weitem nie so lebendig wie es jetzt wirkte auf dem etwas schrumpelnden Unterarm von Nataniel Earnshaw. Die grauen Irden des 19-jährigen weiteten sich ein Stück etwas, seine Kehle drohte sich zu verengen, als er mühsam schluckte. Er hatte das selbst so gewollt. Es war sein Wunsch gewesen, aber er war nie Mannes genug gewesen darüber nachzudenken, dass er tatsächlich einmal in die Situation geraten würde einem echten Todesser von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen und zu wissen, dass er womöglich bald selbst einer sein würde. Natürlich konnte man das Naivität nennen, aber Nicolas war kein Träumer. Er hatte sich das nicht in der dunkelsten Nacht vor Augen ausgemalt und quasi daraufhin gefiebert. Er glaubte an das was der dunkle Lord repräsentierte, was er darstellte und verwirklichen wollte, aber gleichzeitig war er sich nicht sicher, ob er zu den Gräultaten fähig war, über die ganze Bücher geschrieben worden waren. War jetzt der Augenblick gekommen, an dem er wirklich Angst haben sollte?
    Earnshaws Stimme unterbrach ihn in seinem aufgewühlten Denken. Seine Augen hafteten noch einen Moment an dem Tattoo - bildete er sich das ein oder wandte die Schlange sich tatsächlich um den Schädel, als wäre sie lebendig? -, dann schob sich die Hand des Politikers ins Blickfeld und er wurde in die drückende Enge des Apparierens gezogen, im Kopf nur den Gedanken daran in wenigen Minuten, bereits dem dunklen Lord gegenüber zu stehen. Nick nahm die andere Frau nur am Rande wahr. Zu aufwühlend war das Gefühl von unterschwelliger Angst und vorsichtiger Neugierde, die seinen ganzen Körper einzunehmen schienen. Wieder disapparierten sie, aber diesmal schlugen die Sohlen seiner Schuhe nicht auf einem Teppich sondern auf festgetrampelter Erde auf. Seine Wahrnehmung registrierte Bäume und drückende Dunkelheit um sie herum. Außerdem hatte sich der Griff von Mr Earnshaw um seinen Arm einen Moment lang etwas mehr verfestigt als sonst, doch Nicolas nahm sich nicht die Zeit länger darüber nachzudenken, was mit dem alten Mann los war. Wo bis eben noch er, als Laurens Vater, eine Bedrohung gewesen war, befand er sich jetzt in der unmittelbaren Gegenwart des berüchtigsten Zauberers Großbritanniens, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Dagegen war ein Politiker doch gar nix, oder? In der Erwartung jetzt zu der kleinen Menschengruppe zu laufen, wollte er schon losgehen, aber wieder apparierte der Mann und sie tauchten keine fünfzig Meter entfernt in dem Kreis wieder auf. Merkwürdiger alter Kerl.
    Wie von einem Magneten gezogen, richtete Nicolas sich mit seinem ganzen Körper unwillkürlich in die Richtung der aufragenden blassen Gestalt, zu der jeder Anwesende einen respektvollen Abstand hielt. Er bemerkte wie Earnshaw hinter ihm zusammenbrach, doch er dachte nicht daran selbst auf die Knie zu sinken. Keiner der anderen Anwesenden tat das. Nicolas bezweifelte, dass man so weit gehen musste, um dem dunklen Lord seinen Respekt zu zeigen. Sein Gesicht hatte auch so schon jegliche gesunde Farbe verloren und seine Finger zitterten mit Sicherheit vor Unsicherheit. Mehr Unterwürfigkeit war ja wohl kaum tragbar. „Eure Lordschaft“ entkam es ihm ehrfürchtig und als er sich dabei hinabbeugte, prickelte sein ganzer Körper unter dem Blick des dunklen Zauberers. Dann trat er wieder den Schritt zurück, um auf gleicher Höhe wie die anderen zu sein und wagte einen ausschweifenden Blick zu dem Rest der Gruppe. Natürlich erkannte er Jonathan und Arya, aber zwei andere Männer, die sich trotz des deutlichen Altersunterschieds ähnlich sahen, waren ihm nicht vertraut, sodass erst Christian Kavanagh in ihm Überraschung auslöste. Und im gleichen Moment fast schon Entsetzen darüber, wie oft er an diesem Mann wohl schon vorbei gegangen war ohne zu wissen, wer oder was er wirklich war. Das Zittern in seinen Fingern wurde stärker, das Bedürfnis sich den kalten Schweiß aus dem Nacken zu wischen auf einmal überlebenswichtig. Plötzlich war eine Idee, entsprungen aus dem Trotz und der Wut eines jungen Erwachsenen, zu harter Realität geworden. Nicolas war sich noch nicht sicher, was er davon halten sollte.

  • Der Geruch des Scotches den er vor dem Schlafen getrunken hatte lag immer noch im Raum als er durch ein allzu bekanntes brennen in seinem Arm wach wurde. Erschrocken blickte er auf das Mal hinab und strich über die Konturen des Zeichens. Er sprang aus dem Bett und öffnete seinen Kleiderschrank, mit einem Schlenker seines Zauberstabs war schon in dem Schwarz gekleidet und eine Sekunde später verschwand er aus seinem Schlafzimmer und atmete schon die kühle, feuchte Luft des Friedhofs. Octavian war nie ein besonderer Freund von Friedhöfen gewesen - doch irgendwie passte das Setting, vor allen wenn er bedachte wer ihn gerade zu sich gerufen hatte. Travers blickte in die Runde, einige kannte er und andere waren zumindest in diesen Kreisen völlig neue Gesichter. Er versuchte nicht zu erkennen um wen es sich handelte, denn das war in diesem Moment nicht das wichtigste. Von einem knienden Mann heraufblickend konnte Octavian den Gastgeber erkennen und dieser hatte Ansprüche an seine Gäste. "Mein Lord," sagte auch er ehrfürchtig und senkte seinen Kopf, nur um gleich wieder heraufzublicken und seinen Herren anzuschauen. Octavian hatte diesen Tag durchaus ersehnt, denn mit dem erneuten Aufstieg des dunklen Lords würde sich auch sein Leben wieder deutlich zum besseren wenden. Die Zeit in der Todesser sich verstecken müssen wird vorbei sein und auch die Zeit die sein Vater im Gefängnis fristet würde zu ende gehen. Während das brennen in seinem Arm entweder abnahm oder er sich daran gewöhnte blickte er ein weiteres mal in die Runde, die im Gegensatz zum letzten Treffen deutlich kleiner geworden ist. Es fehlten einige andere Todesser und gerade zu seiner rechten spürte Octavian beinahe eine schmerzliche Leere, da er dort sonst seinen Vater finden würde. "...eine Freude ihren Ruf heute Abend zu spüren" sagte er andächtig und zog damit seinen Ärmel über das Mal, welches immer noch leicht brannte. Er hat natürlich nicht nur Freude verspürt, er wusste auch, dass das viel Arbeit bringen würde. Gefahr. Er hatte kein großes Problem damit, doch er war sich über die möglichen Folgen bewusst. Ein Fehler in dieser Runde und er konnte den Zorn seines Herren spüren. Ein Fehler bei den mit ziemlicher Sicherheit folgenden Aufgaben und er könnte sterben oder was noch schlimmer wäre, er könnte gefasst werden und nach Askaban müssen. Er hatte sich nach seinen 3 Monaten im Zauberergefängnis dazu entschieden, dass er sicher nicht noch einmal leben gefasst werden würde. Dieses mal gab es nur Sieg oder Tod, zumindest für Octavian.
    Sein Blick wanderte noch einmal zu den Neuen Mitgliedern der Runde, er kannte keinen von ihnen. Er war sich nicht sicher, ob sie wussten worauf sie sich hier eingelassen haben, gerade bei dem jüngsten hatte er Zweifel. Er konnte es aber verstehen, auch er war schon jung in den Dienst des Lords gerufen, erhoben worden - bisher war die Bilanz für ihre Seite zwar noch nicht so gut, aber dieses mal würde es besser laufen. Dessen war der Mann sich sicher.

  • Langsame Schritte näherten sich. Der Ruf ward vernommen worden und die Diener des dunklen Lords verloren keine Zeit, um sich um ihren Meister zu scharen. Dieser verharrte stumm, das Wimmern von Wurmschwanz ignorierend, und lauschte in die Nacht hinein. Kavanagh und seine Begleitung waren die ersten, die eintrafen. Der stellvertretende Leiter der Abteilung für magisches Recht hatte bisher nicht enttäuscht, kannte seinen Platz und erledigte seine Aufgaben gewissenhaft, doch damit stand er nicht alleine da. Es befanden sich einige fähige Zauberer und Hexen unter den Todessern und jeder trug seinen Teil zum großen Ganzen bei. Selbst Wurmschwanz hatte eine Aufgabe, die nicht nur daraus bestand möglichst mitleidserregend zu Kreuze zu kriechen. Die Mundwinkeln des dunklen Lords zuckten bei diesem Gedanken amüsiert, ehe Kavanaghs Stimme seinen Gedankengang unterbrach. Der Todesser verbeugte sich leicht und bekundete seinen Respekt, ehe er die Aufmerksamkeit auf seine Begleitung lenkte. Der leichte Wind hatte ihr ein paar Strähnen aus dem geflochtenem, weißblonden Haar gezogen, doch ihrem Auftreten mangelte es nicht an Eleganz. Voldemort vernahm ihre Worte klar und deutlich, doch wenn er sich etwas dabei dachte, so ließ er es sich nicht anmerken. Stattdessen nickte er Peasegood Senior zur Begrüßung zu und stellte zufrieden fest, dass auch sein Sohn dem Ruf des dunklen Mals gefolgt war. Voldemorts Lippen verzogen sich zu einem schmalen Grinsen, als er sah, wie sich der Körper des Todessers anspannte und sein Blick an seinem Vater festhielt. Familientreffen waren doch immer dazu bestimmt dem Ganzen eine gewisse Dynamik hinzuzufügen. Peasegood junior hatte Donovan im Schlepptau. Auch er war, wie fast alle hier, beim Ministerium angestellt und befand sich somit genau in der Position in welcher der dunkle Lord ihn haben wollte. Man konnte eine Gesellschaft schließlich nicht von Außen ändern. Nein, man musste vorsichtig vorgehen, um den Kern zu bewahren und nicht zu zerstören. Man musste ein Teil der Gesellschaft werden und ihnen gut zureden. Hier ein geflüstertes Wort, dort ein gut gemeinter Ratschlag und nach und nach würde sie sich verändern. Nach und nach würden sie genau das tun, was er wollte - und noch dazu glauben, dass es ihre Idee war, dass es ihre Werte sind und dass sie die Beschützer dieser Werte waren. Nie würden sie bemerken, dass sie die getäuscht worden waren. Dass sie die ganze Zeit von Todessern in strategisch wichtigen Positionen manipuliert wurden. Sie würden die Fäden nicht bemerken, die an ihnen zogen und dies war auch gut so. Ein Mann, der sich vortrefflich darauf verstand an diesen Fäden zu ziehen, war Earnshaw. Der Zauberer war seines Zeichens Mitglied des Zaubergamots und somit wohl in einer der einflussreichsten Positionen, welche die magische Gesellschaft zu bieten hatte. Er saß zudem im Ministeriumsrat und hatte das Ohr des Ministers, doch vor allem besaß er Angst. Angst vor ihm. Angst und Respekt, die ihn äußerst wertvoll machten. Zufrieden betrachtete Voldemort den knienden Todesser und ließ seinen Blick kurz über seine zwei Begleiter schweifen. Rai und Graf, ein ungleiches Paar. Während Rai stumm wie ein Fisch blieb und ihre Augen aufmerksam leuchteten, verbeugte sich Graf tief und sah sich anschließend leicht verstohlen um. Bei Kavanagh verharrte sein Blick länger als nötig, was der dunkel Lord schweigend zur Kenntnis nahm. Das Erscheinen von Travers rundete ihre Versammlung schließlich ab. Der Todesser, dessen Vater noch immer ein Dasein in Askaban fristete, hatte ein gieriges Funkeln in den Augen, das von seiner ungebrochenen Motivation zeugte. Gut so.
    Der dunkle Lord beugte sich zu Earnshaw hinab und legte ihm eine Hand auf seine Schulter. Seine feingliedrigen Finger konnten die Anspannung des Zauberers spüren. Einen Herzschlag lang, schien die Welt stillzustehen, ehe Lord Voldemort die Stille durchbrach. "Erhebe dich Earnshaw.", wies er den Todesser an, trat einen Schritt zurück und wandte sich an alle umstehenden Todesser. "Ich weiß, dass die letzten Jahre für viele von euch nicht einfach gewesen sind.", erklärte er mit rauer Stimme und ließ seinen Blick über die Umstehenden schweifen. "Unsere Reihen sind ausgedünnt worden. Manche von uns haben ihre Pflicht bereits erfüllt, andere können heute nicht hier sein.", sprach der dunkel Lord weiter und sein Blick fiel dabei für einen kurzen Moment auf Travers, ehe er sich an zwei Todesser wandte, die ihre Verwandtschaft kaum abstreiten konnten. "Umso erfreulicher ist es, zu sehen, dass die richtigen Werte innerhalb der Familie weitergegeben wurden.", bemerkte er und deute mit einem hämischen Grinsen auf die beiden Peasegoods, von denen beide nicht ganz glücklich aussahen. "Doch auch außerhalb der Familien bemerken immer mehr junge Zauberer und Hexen, dass diese muggelfreunldiche Politik unser Untergang sein wird." Sein Blick glitt von Donovan, zu Rai und Graf und blieb schließlich bei Dixon hängen. Ein Zischen schreckte die Raben, die sich beim Baum in der Nähe niedergelassen hatten, auf und ließ sie mit lautem Krächzen davonfliegen. Die schlauen Vögel mochten diese Geräusche nicht, klangen sie für sie doch bedrohlich. Auch für das menschliche Ohr muteten die Laute vermutlich seltsam an, für Arya Dixon wandelten sich diese Laute jedoch zu klar verständlichen Worten. "Du hast gut daran getan, meinem Ruf zu folgen." Einen Herzschlag lang, ruhte der Blick des dunklen Lords noch auf der jungen Zaubererin, ehe er sich umwandte und mit lauter Stimme einen Namen rief. "Amira Rai!", schallte es über den Friedhof, gefolgt von einer etwas leiseren Aufforderung. "Tritt vor."

  • Ein letztes, leises Plopp und die Runde war vollständig. Mehr reflexartig als bewusst drehte Amira ihren Kopf in die Richtung des Geräusches. Aus der Dunkelheit, die die Grabsteine umgab trat Octavian Travers. Für einen Moment wurden die Augen der hexe groß und sie spielte sich ernsthaft mit dem Gedanken einfach wieder zurück in ihre Wohnung zu apparieren. Doch das war keine Option, sie durfte keine Schwäche zeigen.
    So viele Jahre und es war ihr immer geglückt, diesem Zauberer aus dem Weg zu gehen. Und ausgerechnet hier. Hier auf diesem Friedhof, mitten in der Nacht, sah sie ihn das erste mal wieder. Nun gut, sie hatte immer wieder Zeitungsartikel über ihn gelesen, aber eine Zeitung konnte man beiseite legen und so tun, als ob man es nicht gesehen hatte. In der Winkelgasse konnte man einfach umdrehen oder in ein Geschäft flüchten, aber hier blieb ihr nichts anderes über als stehen zu bleiben und so gut es eben ging ihre Fassung zu wahren.
    Natürlich hatte sie gewusst, was mit seinem Vater passiert war. Amira wusste immer alles, was ihre direkten Mitmenschen betraf, sie hätte also damit rechnen können. Und trotzdem, sein Auftauchen traf sie mehr, als sie es sich jemals eingestehen würde. Hass brodelte in ihr hoch und der Zorn hätte ihr Tränen in die Augen getrieben, hätte sie es über die Jahre nicht perfektioniert, ihre stets freundliche Miene zu wahren. Und er trug mit Schuld daran, hatte sie zu dem gemacht, was sie jetzt war. Damals, freilich war sie eine andere gewesen. Verschlossen zwar, und auch egoistisch, doch die kalte Intrigantin war sie erst danach geworden.
    Das schwache Licht an ihrem Treffpunkt verhalf ihr in dieser Situation gewiss zum Vorteil und sie hatte sich schnell wieder im Griff. Ja, das waren die heftigsten Gefühlsausbrüche, zu denen die Ministeriumshexe fähig war: Ein kurzes Weiten der Augen und womöglich ein Schlucken. Dann verstaute sie ihre Gefühle wieder dort hin wo sie gehörten, nämlich in den hintersten, abgelegensten Platz in ihrem Herzen, das über die Jahre gelernt hatte nur sich selbst zu lieben.
    Doch jegliche Gefühlsregung wurde sofort erstickt, als Lord Voldemort auf das Grüppchen zutrat und Earnshaw aufforderte aufzustehen. Es war ja auch ein erbärmlicher Anblick, wie er da im Dreck kauerte. Niemand wollte so etwas sehen. Unbewusst hielt sie den Atem an und wagte es nicht Voldemort direkt anzusehen. Der Dunkle Lord hatte kaum etwas menschliches an sich, und Amira wunderte es nicht mehr, dass ihm damals einige nur aus Angst gefolgt waren. Er war eine sehr einschüchternde Erscheinung und jeder, der nur halb bei Verstand war, wusste, was er in solch einer Situation zu tun hatte.
    Nun folgten einige Begrüßungsworte, die an sich durchaus freundlich klingen mochten, jedoch wusste die Halbinderin, dass jeder der Anwesenden sofort beseitig werden würde, sollte er oder sie einen Fehler machen.
    Sie stimmte ihm zwar zu, vor allem beim letzten Satz über die Politik, jedoch fühlte sie sich dadurch nicht besonders besser. Seine Präsenz nahm den ganzen Friedhof ein und schien jeden einzelnen der Todesser gefangen zu halten. Alle waren wie gebannt. Nur die junge blonde Hexe schien sich ziemlich wohl zu fühlen. Ein leises Zischeln war zu vernehmen, als er sich zu Dixon drehte. Es musste Parsel sein, dachte Amira, die noch niemals jemanden parseln gehört hatte, aber ihre Schlüsse zog.
    Dann drehte er sich um. "Amira Rai!", hallte seine Stimme über die Ansammlung sterblicher Überreste und verursachte einen kalten Schauer, der der Hexe über den Rücken lief. Ihr Herzschlag setzte einen Moment aus. Es war also Zeit. Wozu wusste sie nicht genau. Doch sie zögerte keinen Moment und trat mit erhobenen Kopf auf ihren Gebieter zu. "Zu Euren Diensten.", waren die ersten Worte, die respektvoll mit weicher Stimme über perfekt geschminkten, dunkelroten Lippen kamen, seit sie auf der feuchten Friedhofserde gelandet waren. Ihre Aufmerksamkeit galt nun voll und ganz der großen Gestalt vor sich, auch wenn sie Travers Anwesenheit nicht hundertprozentig aus ihrem Kopf streichen konnte.

  • //Nur blubb.


    Die Blonde nahm nicht wirklich den Blick fort. Sie hörte die Schritte, lauschte das sich andere Personen näherten - und doch war es erst das leise schnaufen eines Mannes jenes Arya unverblümt dazu zwang den Blick zur Seite zu richten, seitlich nach Unten. Er kniete, was vielleicht nieder gefallen. Mit Absicht, oder auch nicht, wer wusste es schon: Doch kurz erkannte man die Verblüffung auf ihrem Gesicht auf Grund dessen wer es war. Niemand konnte beschreiten das es nicht aufregend war wen man alles traf. Das der dunkle Lord anwesend sein würde war ja beinahe selbstverständlich. Darauf war sie vorbereitet, auf ihre eigene Art und Weise. Aber das der angesehene Politiker Nataniel Earnshaw dort kniete war ihr nicht in den kühnsten Träumen vorgekommen. Sofort dachte sie an seine Arme Tochter, die ebenfalls verscherbelt wurde. Sie sollte die Füße in die Hand nehmen, wenn sie nicht die gleichen Fehler begehen wollte wie hunderte Mädchen vor ihr: Denn eines sollte ihr klar sein, sie war nichts besonderes. Keiner von ihnen war außergewöhnlich. Bis auf einer.
    Ihr blick wendete sich wieder ab, schien beiläufig über die anderen Schatten zu gleiten. Über Ambrose Peasegood, den sie oft genug zu Gesicht bekommen hatte. Über ihre eigene, nähere Verwandschaft und die Mundwinkel zuckten in die höhe, gar nicht sicher ob JT es sehen würde, oder ob er zu sehr gebannt war von der ganzen Szenerie. Es folgten eine Dame, und Nick. Und erstaunlicherweise entspannte sich Arya zunächst mehr. Kavanagh, Graf, Donovan. Sie wurde nicht in einen Fremdenpool geworfen. Sie war selbstsicher, schaute nicht mal Groß die Dame mit der Karamelleren Haut an. Zu schön, selbst im dunklen um lange hin zu sehen. Und selbst, als der offensichtlich letzte im Bunde erschien wich der Blick nicht mehr vom dunklen Lord. Die Ehemalige Ravenclaw wusste nicht wer Octavian Travers war, wobei es klingeln würde sobald der Name fiel. Aber einzig vom außen her war er für sie jener, der die größten Fragen aufwarf - und die Mimik einfrieren lies. Dabei war es aber nur die Stimme welche nun die Stille durchbrach, anders als es einer von ihnen zutun vermochte. Eine Art Ansprache, und die Luft in ihren Lungen hielt still. Die vor dem Schoß gefalteten Hände umschlossen sich fester, während sie sich daran erinnert wie Smith ihr damals erzählt hatte, wie seine Vergangenheit ausgesehen hatte. In der 6. Klasse war es gewesen, sie erinnerte sich an den Geruch von Scotch und die feuchte von salzigen Tränen welche sie aus seinem Gesicht wischte. Sie war stets Verständnis voll. War es noch Heute. Dabei war das alles, Monate bevor Kavanagh in ihr Leben getreten war. Einen Bruchteil der Sekunde linzte sie zu ihm hinauf, und doch wieder gleich fort. Wie ihr Leben wohl aussehen würde, wenn er niemals die dunklen Züge ihres Charakters gedüngt hätte, sie genährt mit Gedankengut und wissen? Wenn sie niemals so ehrlich zueinander gewesen wären? Sie konnte es nicht sagen, und wollte auch nicht darüber nachdenken. Vielleicht würde sie dann auch in diesen reihen stehen, vielleicht wo ganz anders und darüber sprechen was es bedeutete das der Arm der letzten lebenden Deserteure schmerzte.
    War sie aber nicht, und trotz der Anspannung in ihren Muskeln fühlte sie sich nicht unwohl. Es war angenehm, wie, als sie den Lethifold jagte und Walker als Köder zum Sterben verurteilte. Und nicht nur wegen des Gedankens schien sich wieder das lächeln auf den Lippen erneut zu bilden, sondern weil sie gewürdigt wurden, der Nachwuchs dieses neu aufzubauenden Imperiums - und noch mehr, weil sie besonders gewürdigt wurde. Sie versteckte nicht, das ihr es gefiel wenn er mit ihr auf diese Weise sprach, die keiner unterihnen sonst verstand. Für Arya war es eine Ehre, die sie in der Jugend als kleinen Fluch angesehen hatte. Und doch konnte sie dem Blick, obgleich sie lächelte, nicht lange stand halten und senkte den blick mit einem sanften schmunzeln, gefolgt von dem erleichterten Luftzug sobald nicht ihr Name, sondern der von Amira für alle hörbar vernommen wurde. Es dauerte, bis sie ihren Herzschlag regulierte, und rutschte beinahe kaum merklich näher an Christian. Ja, jetzt war sie aufgeregt. Wer konnte es ihr verdenken? So durfte der blick nicht mehr auf der feuchten Friedhofs Erde liegen, sondern mit Wissensdurst und Neugierde auf Amira Rai liegen. Sie war zu perfekt. Solche Menschen wollte man gerne einen Makel schaffen.

  • Eine allzu bekannte Stimme durchdrang die Luft. Eine Stimme, die das Oberhaupt der Peasegoods an diesem düsteren Ort als letztes erwartet hätte und umso mehr all die Aufmerksamkeit, die zuvor dem Dunklen Lord galt, der neuen Gestalt an der Seite von Kavanagh zu widmen, die noch einen jüngeren Mann an seiner Seite hatte. Niemals hätte Bartholomew überhaupt damit rechnete, sein eigen Fleisch und Blut in Gegenwart des Dunklen Lords anzutreffen. Es taten sich im ersten Augenblick sogar Zweifel auf, ob sein Sohn dort tatsächlich stand. Doch diese Erscheinung war unbestreitbar. Dort stand tatsächlich sein Sohn, inmitten der Todesser. Nicht auch nur eine Regung wollte sich in seinem mit tiefen Furchen überschattetem Gesicht zeigen, während sein Blick starr auf die Gestalt seines Sohnes gerichtet blieb. Im ersten Augenblick war es Überraschung und der Schock zugleich.
    Wieder einmal bewies diese herbe Enttäuschung, was sich Sohn schimpfte, dass er erneut enterbt gehörte. Dieses Bedürfnis zuckte bereits im ersten Augenblick in seinen Fingerspitzen, auch wenn Ambrose in den letzten Jahren beruflich mit Ehrgeiz glänzen konnte, denn sein Vater verstand noch immer nicht wie dieser Junge überall sein Unwesen treiben konnte – nun auch noch selbst bei den Todessern -, nur gegen die Familientradition des Quodpots wehrte er sich mit Händen und Füßen, als wäre es eine Strafe dem stolzen Familiennamen als Peasegood und damit als Nachfahren des Quodpoterfinders gerecht zu werden. Aber nicht nur mit diesem Gefühl, den Jungen in die Schranken weisen zu müssen, ringte er, sondern spürte in den tiefsten Abgründen einen kleinen Hoffnungsschimmer. War das Stolz? Stolz auf seinen Sohn? Welch ein seltenes Gefühl machte sich innerhalb des griesgrämigen Mannes bemerkbar, während er seinen Sohn musterte, wie er dort stand und sich dem Dunklen Lord untergeben zeigte. Zum ersten Mal seit langem wurde das Oberhaupt der Peasegood den Gedanken nicht los, dass sein Sohn nach all den Jahren – jedenfalls seitdem Ambrose das gesamte Familienvermögen in Glücksspielen verloren hatte - endlich dazu in der Lage war, die richtigen Entscheidungen zu fällen, zu wissen auf welche Seite er sich begeben musste, um nicht den Umständen zu unterliegen, sich um Erfolge zu bemühen und durch seine Fähigkeiten einen Platz an Lord Voldemorts Seite zu sichern. Mindestens diese Tatsache bewies, dass Ambrose doch zu etwas nutze war, denn auch der Lord erkannte in ihm etwas. Widerwillig ließen sich auch die beruflichen Erfolge hinzuziehen, durch welche Ambrose bewiesen hatte, dass er voran kommen konnte. Aber wer wusste schon wie der Junge an diese Aufstiegsmöglichkeit gekommen war und welche Mittel ins Spiel geholt wurden. Wie dem auch sei. Julia Peasegood war nicht mehr hier, um das Familienerbe in Anspruch nehmen zu können. Es würde sich als deutlich effektiver herausstellen, Ambrose dieses Erbe zu überlassen, wenn er sich als weniger ungeschickt wie seine enttäuschende Schwester herausstellte. Ambrose Peasegood durfte im Testament bleiben. Vorerst.
    Mit ernster Miene wandte er sich wieder von seinem Sohn ab, um seine Aufmerksamkeit wieder auf den Lord zu richten, der bereits seine Stimme eines bekannten Zauberers gegenüber erhob. Der verehrte Mister Earnshaw war offensichtlich ebenfalls eingetroffen, der sogar zwei Jungspunde an seiner Seite hatte. Miss Rai? Welch Überraschungen würden noch auf den älteren Zauberer warten? Niemals wäre Bartholomew davon ausgegangen, dass auch die Sekretärin der Aurorenzentrale zu den Todessern gehörte. Die erst ein Jahr andauernde Mitgliedschaft unter den Todessern war es zu verschulden, dass Senior Peasegood noch keinerlei Kenntnis darüber besaß wer nun alles zum Kreis des Lords gehörte, sodass er ebenso wenig etwas von einer Rekrutierung wusste.
    In der Ansprache des Lords wurde zusätzlich bestätigt, dass Mister Peasegood Senior sich diese Präsenz nicht eingebildet hatte und sein Sohn tatsächlich ein Todesser war. Scheinbar waren die beiden Herren mit selbem Blut sich ähnlicher als sie sich selbst jemals eingestehen wollten und erkannten auch ohne Absprachen welcher Seite sie sich anzunehmen hatten. Dem Lord zustimmend nickte Bartholomew einmal, während sein Blick wieder den seines Sohnes traf.

  • Zitternd verharrte der Todesser in der unterwürfigen Pose, zu Füßen seines Lords. Und auch zu Füßen all der anderen Männer und Frauen, die sich hier auf diesem Friedhof versammelt hatten. Niemandem konnte der Kniefall entgangen sein, wusste der Politiker doch genau, dass er mit der Geste ganz alleine im Dreck gelandet war. Doch das war keine Überraschung. Sie hatten es nicht verstanden. Nichts hatten sie verstanden. Wie eine Herde aus Schafen standen sie im Zwiespalt zwischen Herdentrieb und dem leitenden Stab ihres Führers, umherblickend um einzuschätzen, wer die anderen Mitglieder ihrer Gruppe sein mochten. Niemand wollte hier sein Gesicht verlieren, doch waren es am Ende des Tages nicht die anderen Schafe, die eine Bedrohung für das eigene Leben darstellten. Der Hirte war ihr Richter, und unter den Hexen und Zauberern der heutigen Zeit war bekannt, welches Leid und welche Schmerzen die kritischen Worte des Lords mit sich bringen konnten. Und wie reich er zu belohnen wusste, wenn man sich in seinen Diensten zu beweisen wusste. Nataniel Robert Earnshaw hatte dieses Spiel um Leben und Tod verstanden. Und er spielte es gut. So gut, dass die Einflüsse des Lords ihm zu einem neuen politischen Aufstieg verholfen hatten, der in den Jahren zuvor noch undenkbar gewesen war. Und noch war kein Ende in Sicht. In der Politik, doch auch in der Gunst ihres Herrschers. War er es nicht gewesen, dem der Lord an diesem Abend alleine doppelt so viel zugetraut hatte wie seinen treusten Anhängern? Doch die anderen Schafe waren zu blind, um das zu erkennen. Mitleid oder Ekel erwartete der Todesser in ihren Gedanken, vielleicht sogar in ihren Gesichtern, doch war es nicht ihr Recht, zu urteilen. Dass sich Nataniel Robert Earnshaw für den Anblick, den er bieten musste, selbst schämte, spielte in dieser Hinsicht keine Rolle, denn am Ende war er ihnen allen doch überlegen. Die Augen des Zauberers lösten sich von dem dunklen Fleck Erde direkt unter seinem Kopf und glitten nach vorne, sahen die abstoßenden Füße des Herrn direkt auf ihn zukommen.
    Die rechtfertigenden Gedanken gegen all die anderen Todesser waren mit einem Schlag aus seinem Kopf verschwunden, als der Lord vor ihm stand und eine seiner Hände die Schulter des Politikers berührte. Er spürte die knochigen Finger, doch der Moment war zu unwirklich, um ihn zu begreifen. Earnshaws Herz ging schnell, schneller, vielleicht schon zu schnell im Hinblick auf seine körperliche Verfassung – doch als er die Situation vollends realisiert und verstanden hatte, war sie auch schon wieder vorbei. „Danke, mein Lord“, hauchte er in die Nacht und gab den eigenen, zittrigen Gliedern den Befehl des Lords weiter. Erheben. Für einen Moment schien sogar er selbst vergessen zu haben, dass ihn weniger die Unterwürfigkeit als das Nachgeben des eigenen Körpers für den Kniefall gesorgt hatten, doch auch die Strapazen der Reisezauber waren inzwischen in weite Ferne gerückt. Schaudernd erhob sich der Politiker und machte einen kleinen Schritt zurück, weg von dem dunklen Lord, der nun mit seiner schneidenden Stimme auch die restlichen Anwesenden begrüßte. Und mit der Erkenntnis, dass abermals Nataniel Robert Earnshaw den Vorzug vor all den anderen bekommen hatte, beruhigte sich sein Herz und auch die zitternden Knie gewannen wieder an Stabilität. Alles war gut. Sein Weg war richtig. Ohne Zweifel.

  • Ambrose Mimik musste Bände sprechen, so eindringlich und schockiert wie er seinen Erzeuger anstarrte. Etliche Monate war es her, seit er seinen Vater das letzte Mal auf einem Gang im Ministerium getroffen hatte und dass sie sich gerade hier, an diesem Ort, zu dieser Zeit, in dieser Umgebung wiedersahen, hielt der ehemalige Slytherin nicht für einen Wink des Schicksals, sondern für den morbiden Galgenhumor eines zynischen Schöpfers. Unzählige Fragen schossen durch seinen Kopf und zum ersten Mal seit Jahren verspürte er das tiefgreifende Bedürfnis sich mit seinem Vater zu unterhalten; oder besser gesagt: ihm am Kragen zu packen und ihn zu fragen, was verdammt nochmal er hier wollte. Er war doch beim letzten Treffen nicht dabei gewesen! Seit wann lief das hier? Und wieso wusste er – er, der er dem Dunklen Lord eigenhändig dieses verfluchte Schmuckstück überreicht hatte – nichts davon?! Wäre Ambrose allein gewesen, hätte er jetzt wahrscheinlich damit angefangen auf irgendetwas einzuprügeln, so gebot ihm die bedrohliche Präsenz seines Herren jedoch sich zurückzuhalten und in Geduld zu üben. Er würde seine Antworten bekommen. Später.


    Den Rest der Ankommenden nahm der rotblonde Sicherheitszauberer nur am Rande war, allerdings schien ihm heute die zynische Ader zu fehlen, die ihm sonst gebot sich in sarkastischer Manier auf Kosten seiner Kollegen zu amüsieren. Oder war es doch der Dunkle Lord selbst, der ihm derart Furcht und Respekt einflößte, dass er es gar nicht erst versuchte? Er wagte es nicht einmal sich gedanklich über den schwächelnden Earnshaw lustig zu machen, nicht in einer Situation, die ihm selbst die Knie zittern ließ. Er war sich sicher: irgendwann würde es ihm genauso ergehen. Und der Gedanke daran, dass er ihn vielen Jahren immer noch in dieser Position sein würde, immer noch Knecht und einem grausamen Herrscher Untertan sein würde, ließ ihn schaudern und dem Blick seines Vaters ein Mal mehr ausweichen. Er musste sich konzentrieren – auf das, was er tat und das, was er nicht tat, um kein Zeichen von Schwäche zu zeigen. Denn was waren die Todesser schon als ein Haufen Hyänen, die sich beim kleinsten Anzeichen einer Unterlegenheit auf dich stürzten, um dich in Stücke zu reißen?

  • Ah.“ Eine eigentümliche Regung kräuselte die farblosen und dünnen Lippen des bleichen Mannes und in einer fast einladenden Geste breitete er die Arme aus, um Amira dazu zu animieren noch einen kleinen Schritt näher zu treten. Ein unbedarfter Beobachter hätte die Regung als freundliches Lächeln interpretieren können, die ausgebreiteten Arme als warme Begrüßung einer alten Freundin, doch nur selten, wenn nicht sogar niemals, waren die Worte freundlich und warm mit dem Dunklen Lord in Verbindung zu bringen. Selbst für Todesser – seine Vertrauten, wenn man es naiv ausdrücken wollte – wich die Präsenz Gefahr nicht, die ein stetiger und schattenhafter Begleiter des Schwarzmagiers blieb, ganz egal ob sich seine Lippen verzogen, seine Arme öffnete oder er seine Freunde begrüßte.
    So war der Blick aus den roten Augen auch kaum zu deuten, als er über die fein definierten Züge der Ministeriumshexe huschte und die katzenhaften Pupillen schmal wurden. Das Zähneblecken eines Raubtieres blieb dabei bestehen. Amira Rai und ihr ordentlich bemaltes Gesichtchen, ihr elegantes Auftreten und ihr respektvolles Verhalten waren nichts, was die meisten Hexen und Zauberern bei den Todessern suchen würden – die Zeit und die Geschichten hatten aus ihnen verlumpte Verbrecher gemacht, irrsinnige Schwarzmagier und genau deswegen waren Hexen wie die ordentliche Amira Rai so wertvoll, so zufriedenstellend. Sie fielen nicht auf, arbeiteten im Stillen und wer würde einem solchen Gesicht unlautere Unterstellungen machen.
    Als der Dunkle Lord schließlich mit einem Nicken einen Schritt zurücktrat, war seine Mimik auch plötzlich zu deuten: er war zufrieden; mit Rai, mit sich selbst und mit den Menschen, die sich in sein Spinnennetz begeben hatten. „Meine lieben Freunde“ Und da war dieses Wort: Freunde. „Aber ich möchte euch nicht länger vorenthalten, warum wir hier heute zusammengekommen sind. Warum hier – und nicht in einer komfortablen Stube oder einem ehrwürdigen Manor.“ Die Stimme des Zauberers hatte ein wenig Kälte verloren und nahm an Fahrt auf, genauso der Zauberer selbst, der begann die Ministeriumshexe wie ein hungriges Raubtier zu umkreisen. „Ich möchte, dass ihr diese jungen Hexe und Zauberer kennenlernt, die ihr heute zu mir gebracht habt, die ein Beispiel dafür sind, dass die Zeit nach einer Neuordnung lechzt. Ich möchte, dass ihr alle bezeugt, wie Amira Rai ihren Lohn für ihre stillen Aufwendungen im Ministerium erhält; die diese lächerlichen Auroren an der Kette hält… und welcher Ort könnte treffender für Neues sein, als die Gebeine schwächerer Vorväter? Dämmernde Bequemlichkeit hat einige aus unserer Mitte bei einer vergangenen Zusammenkunft ja leider zu... bedauernswerten Torheiten verleitet.
    Wieder folgte eine einladende Geste und vielsagende Blicke traktierten vor allen Dingen, die drei Zöglinge, die es seiner Ansicht nach besonders verdient hatten hier und heute im Mittelpunkt zu stehen. Sie mussten nicht wissen, was in der Vergangenheit vorgefallen war oder warum die Runde an diesem Abend klein ausfiel, aber eine Unterschwellige Drohung schwang definitiv bei den bedauernswerten Torheiten mit.
    Ein großes Opfer hatten die Jungen bisher noch nicht bringen müssen, aber sie hatten bewiesen, dass sie bereit waren sich führen zu lassen und Teil zu sein. Sie mussten nun nur noch verstehen, was für eine große Ehre es war, die Amira nun zuteil werden würde und in einiger Zukunft vielleicht auch ihnen zuteil werden konnte… wenn sie sich nicht doch noch als ungestüme, kindische Idioten herausstellen würden, die an einer Zerreißprobe scheitern würden. Aber genug davon.
    Der Zauberer hatte indes seine Kreise beendet und streckte nun fordernd die langen Finger nach Amira aus. „Gib mir deinen linken Arm.“, sagte er dabei leise, jedoch dabei beinahe schon so sanft als wäre er ein Heiler, der sich eine alte Wunde ansehen wollte. Eine surreale Vorstellung. Aber eben so surreal war auch das Bild der versammelten Hexen und Zauberer; ein seltsamer Kult, in einer Welt, die sich doch so modern glaubte.

  • DIe Hexe fühlte sich keinesfalls wohl so in der Mitte der Aufmerksamkeit zu stehen. Lieber wäre es gewesen sich unauffälig im Hintergrund zu halten und zuzusehen, wie sich die Alteingesessenen so verhielten. Doch sich an diesen Schwächling Earnshaw zu halten war wohl weniger klug. Wie sich die Meinung über eine Person innerhalb von Sekunden komplett wenden konnte, war schon erstaunlich.
    Doch sie war nun hier. Alle Augen waren auf sie gerichtet, und wie sie einige der Anwesenden einschätzte, warteten sie nur darauf, dass sie einen Fehler machte. Weswegen sie ihnen diese Genugtuung nicht gewähren würde. Doch was interessierten einen die anderen kleinen, unbedeutenden Blutsauger, wenn der mächtgstte Zauberer der Welt vor einem stand. Der mächtigste - und der gefährlichste. Alleine ihr selbst zuliebe durfte sie sich keinen Fehler erlauben. Sonst wäre sie schneller Teil der zu Staub zerfallenen Körper dieses Friedhofes, als ihr lieb war.
    Deswegen straffte sie ihre Schultern und trat tatsächlich noch einen Schritt auf den Dunklen Lord zu, wahrte aber einen respektvollen sicherheistabstand. Was sich in ihr abspielte war für die Außenwelt nicht von ihren Zügen abzulesen.
    Fast konnte man glauben, hier handelte es sich um ein freundschaftiches Treffen unter gleichgesinnten, aber die Spannung, die die Luft erfüllte, stellte der Ministeriumshexe die Nackenhaare auf. Während der Mann, der mit einem Menschen kaum noch etwas gemein hatte zu sprechen begann, blieb sie wie versteinert stehen. Nur das regelmäßige heben ihrer Brust und das blinzeln gab zu erkennen, dass sie keine besonders lebensechte Schaufensterpuppe war. Auch wenn das stehen auf der feuchte Friedhofserde zunehmend anstrengender wurde. Hochhackige Schuhe waren keinesfalls das richtige Schuhwerk. Um zu verhindern, dass ihre Absätze in der Erde einsunken, hatte sie das Gewicht auf ihre Zehen verlagert, was ihr aber zunehmend Kraft abverlangte. Sie hoffte wirklich, dass dieses Treffen ohne allzuviel Geschwafel auskam, denn dafür hatte sie keine Zeit - oder Lust. Und sie hatte ein wenig Angst was nun passieren würde. Doch ihre Gedanken wurden Schnell von ihren Absätzen abgelenkt, als Voldemort anfing über sie und das Ministerium zu sprechen. Seine Stimme schallte unangenehm von den kalten Grabsteinen wieder. Es war ihr um einiges unangenehmer, als sie erwartet hatte, als die Auroren zur Sprache kamen. Auch wenn sie ein abschätziges und leicht schadenfrohes Lächeln nicht unterdrücken konnte, als er meinte, dass sie sie an der Kette hielt. Es war wirklich an der Zeit, dass sich im Ministerium einiges änderte. Und ihr Glaube daran, dass dieser Zauberer das als einziger konnte, war der einzige Grund, warum sie hier war. Was aus all den Muggelstämmigen wurde, oder gar den Muggeln, war der Hexe mehr als egal. Und sie würde sicher keine Torheiten begehen, wie er es nannte. Sie verstand die Drohnung und würde alles daran setzen den Dunklenn Lord nicht zu enttäuschen, immerhin war ihr ihr Leben lieb. Und was hatte sie schon zu verlieren? Ihre Karriere im Ministerium stagnierte schon viel zu lang.
    Als er stehen blieb und seinen Arm nach ihr aussteckte lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Eine innere Stimme sagte ihr, dass sie sich vielleicht mit den falschen Leuten eingelassen hatte, dass das hier alles andere als eine gute Idee war und für eine Sekunde war es ihr, als würde sie ihre eigene Zukunft vor sich sehen, und diese war weder gloreich noch friedlich, doch diese Ahnung strich so schnell vorrüber wie ein Traum nach dem Aufwachen, an den man sich nicht mehr errinern konnte, so sehr man es auch versuchte. Es war zuspät um jetzt noch einenen Rückzieher zu machen. Also ging sie noch einen Schritt auf die blasse Gestalt zu und reichte ihm wortlos ihren Arm.


    //sorry für die Wartezeit, hier bitte.

  • Ob es wohl einen Narren gegeben hatte, der sich von dem weichen und süßlichen Tonfall hatte täuschen lassen, mit dem der Schwarzmagier nach Amiras Arm verlangt hatte? Vermutlich nicht, denn jeder der Versammelten musste wissen, was für einen Menschen sie vor sich hatten. Andererseits… waren sie aber auch bereit ihm blind zu folgen und so wenig vertrauensselig sie sich auch alle wähnen mochten, offensichtlich vertrauten genug auf den Mann, auf dessen Karte sie ihr ganzes Leben setzten.
    Dass jede Sanftheit, jede Zuneigung jedoch nur die Illusion einer Schlange war, die gerade noch ihre Beute bezirzte, musste wohl vor allen Dingen Amira im nächsten Augenblick schrecklich klar werden. Der Griff des dunklen Lords war weder weich, noch verständlich, sondern eine eiskalte, harsche Klammer, die von den Spinnenfingern sicher kaum zu erwarten gewesen wäre. Sollte sie wanken, wäre es jetzt zu spät und das rote Funkeln der schmalen Augen schien dieser Drohung noch einmal achdruck zu verleihen. Sie alle glaubten, sie nutzten ihn, nutzten die Gunst der Stunde für ihre eigenen Ziele, doch die Kontrolle hatten sie alle mit ihrem Mal verloren; schwarzmagische Pakte drangen in die tiefste Faser jeden Körpers und kamen oft mit einem Preis, dem man sich erst später bewusst wurde.
    Langsam und mit der ausladenden Geste und Theatralik eines antiken Hohepriesters hob der Dunkle Lord schließlich seinen Zauberstab und führte ihn bestimmt auf den Unterarm der schönen Hexe. Sein Augenmerk hatte sich dabei von ihr abgewendet und fixierte nur noch den Zauberstab, der auf dem weichen Fleisch lag - fast wie eine übergroße Kanüle, die jede Sekunde die Haut durchstechen würde. Tatsächlich schien der Zauberer es einen Moment eben darauf anzulegen, der Druck wich jedoch als er mit einer lautlosen Zauberformel begann, die sich kaum auf seinen bebenden Lippen ablesen ließ. Die Spitze des Stabs erglühte in gleißendem Grün; das Licht fraß sich unter die Haut und in die Adern und formte langsam und flackernd leere Augenhöhlen, hohe Wangenknochen und eine gewundene Schlange, die sich aus einem toten Kiefer erstreckte.
    Die Mundwinkel des Dunklen Lords zuckten kaum merklich zu seinem makabren Lächeln, als der Zauber gesprochen war. Amiras Arm hielt er dabei noch immer fest umklammert und vermutlich weniger, um die Hexe am Wanken zu hindern, sondern um seiner unausgesprochenen Botschaft noch einmal Nachdruck zu verleihen. „Octavian.“, sagte er schließlich ruhig und geschäftsmäßig ohne den Duellanten anzusehen. „Unsere neue Mitstreiterin wirkt ein wenig blass… Bitte.“ Und erst nach diesen Worten ließ er den Arm der Hexe los, um sich unvermittelt und mit wehendem Umhang abzuwenden. Es war seine Höflichkeit, dass er sich nicht ansehen würde, ob sie strauchelte oder im Kreise ihrer neuen Gefährten versuchte keine Schwäche zu zeigen – ein Zeichen seines guten Willens, seiner Fürsorge, ehe er wieder damit begann wie ein Raubtier den Kreis entlang zu schreiten.
    Diese Hexe ist nun eine der meinen, eine der unseren. Bald… kann ich auch unsere jungen Freunde an ihrer Stelle sehen. Wenn sich sich weiter als fähig und loyal erweisen.“ Wieder begleitete das seltsame Lächeln die Worte, die irgendwo zwischen bizarrer Verlockung und düsterer Drohung schwebten.

    [Hier beginnt der Teil des Posts, der für verschiedene Figuren bestimmt ist. Sie sind gekennzeichnet, damit ihr besser zurecht kommt. Per se gehört der Post zusammen, es gibt nur kleinere Sprünge, die euren Reaktionen Platz lassen können.]


    * für JT, Nicolas und Amira
    Ihr beiden“, der Zauberer hob seinen Stab um zwischen den beiden jüngsten Männern vor Ort hin und her zu verweisen ohne seine Kreise dabei zu stoppen, „werdet eure Augen und Ohren im Ministerium aufhalten. Kavanagh und Earnshaw berichten uns bereits über die Politik und sind mit Bedeutsamem beschäftigt, ihr aber sollt beobachten, was vor sich geht, wer seine Nase in Angelegenheiten steckt, die ihn nichts angehen. Ihr werdet der teuren Miss Rai Rede und Antwort stehen und tun, was sie verlangt, während sie sich mit den Auroren befasst.“ Ein weiterer Vertrauensbeweis und eine weitere ausgestreckte Hand, die er Amira mit einem Nicken vermittelte. Wer ihm gab, der erhielt Macht – auch wenn diese gerade mit zwei kleineren Lakaien begann. Earnshaw und andere Stimmen im Ohr des Ministers würden in den nächsten Wochen sicher noch arrangieren, dass sie auch offensichtlich belohnt werden würde.


    * für Ambrose und Bartholomew
    Ah… und natürlich Ambrose. Auch ein Mann des Ministeriums.“ Dieses Mal ohne ein Lächeln und dafür mit vollkommen ausdruckloser Miene bliebt der Zauberer vor dem Rothaarigen stehen und hob die dürren Finger. Einen Moment lang schien es so, als wollte er die Narbe im Gesicht des Mannes berühren, jedoch blieb es bei einer sehr seltsamen Geste. „Du wurdest von uns nie als jemand beachtet, der Ränke schmiedet, nein. Du bist ein Mann für's Grobe, der den Kampf nicht scheut und trotzdem… ja, trotzdem warst du derjenige, der klug genug war, sich einer jungen Hexe im Ministerium nähern.“ Die Brauenpartie des Dunklen Lords hob sich, als er den Blick von Ambrose abwandte und noch einmal in die Runde sah. „Warum ist eigentlich sonst noch niemand auf die Idee gekommen die Fehler meiner gefallenen Dienerin Ada Menacy auszubügeln? Viel zu lange war mir verschlossen, was sie versucht hat, was ihre Torheit war, aber unser Freund Ambrose wird sich dem annehmen, nicht wahr? Führe Menacys Werk zuende. Jedoch ohne Zwischenschritte… das Uylenburgh-Mädchen kann uns auch anders nützen. Sie wird für uns arbeiten.“ Eine kurze Kunstpause folgte, ehe der Blick zwischen Ambrose und seinem Vater hin und her wanderte. „Und ich hoffe nicht, dass ich eine Familienangelegenheit aus dieser Sache machen muss…“ Dieses Mal gab es keine Frage – der Zauberer drohte, ehe er weiterging und seinen Kreis abermals ablief. Schon in der Vergangenheit mussten Familienmitglieder strafen oder büßen und es war ihre eigene Schuld, wenn sie ihm diese Macht über sie in die Hände legten. Macht musste man nutzen.


    * allgmeiner Abschluss und Arya
    Erst nach einigen weiteren Runden, die er scheinbar zum Nachdenken gebraucht hatte, blieb er wie beiläufig noch einmal vor der jungen, aschblonden Frau stehen. „Nun… ich denke, ich sollte euch nun entlassen. Geht. Nur du, Arya… bleibst noch eine Weile.“ Nur aus dem Augenwinkel fixierte der Schwarzmagier die junge Frau und wie schon zu Beginn des Abends folgte ein eigentümliches Zischeln, das nur für ihre Ohren bestimmt war. Parsel wusste der Dunkle Lord zu schätzen und verleitete vielleicht auch ihn zu einer eigentümlichen Vertrauensseligkeit, denn die ehemalige Ravenclaw erhielt so im Geheimen einen kleinen Auftrag mit er nicht nur ihre Loyalität, sondern auch die von anderen prüfen wollte. Er verlangte von ihr Bericht darüber zu erstatten, was seine eigenen Untergeben dachten, ob sie eigene Ränke schmiedeten und woran sie scheiterten… Wenn sie jemand vereinnahmen wollte, wollte er der erste sein, der es wusste.

  • in der Nacht vom 06. September, kurz vor Mitternacht

    Todesser:in und Anwärter:in (Todesser:in)



    Für die meisten war der reißende, wütende Schmerz im linken Unterarm ein eindeutiges Zeichen, das keiner Notiz bedurft hätte. Nur ein paar glückliche Anwärter:inn durften dagegen nur mit der weit weniger quälenden, schwarze Notiz mit den Worten „Heute Nacht. Auf den Gebeinen der Unwürdigen.“ bangen.



    Inhaltlicher Hinweis: Ersticken, Tod


    Kaltes, klares Mondlicht erleuchtete den verfallenen Friedhof von Little Hangleton. Die silbrige Scheibe am Himmel strahlte hell genug, um die gesamte Szenerie in ein unwirkliches Zwielicht zu tauchen, während die mahnenden Gestalten verdrehter und verwitterter Statuen lange Schatten warfen. Ein straffer Wind pfiff durch die zerbrochenen Eisengitter, die den alten Friedhof umgaben, und obwohl der Herbst kaum begonnen hatte, hing der süße Geruch der beginnenden Fäulnis gefallener Blätter in der Luft.
    Totenstille herrschte zwischen von Moos und Flechten überwucherten Grabsteinen, obwohl eine ganze Gruppe dunkler Gestalten in schwarzen Roben demütig versammelt war. Totenstille – abgesehen von dem heiseren Pfeifen eines Zauberers, der sich verzweifelt im feuchten Laub wand und kriechend und hilfesuchend nach einem Paar erbarmungsvoller Hände bettelte. Er krümmte sich zu Füßen einer wabernden, dunklen Robe, die scheinbar mit den Schatten zu verschmelzen schien. Fast hätte man glauben können, sie wäre selbst ein Teil der Dunkelheit, hätte sich die fahle und durchscheinende Haut ihres Besitzers im Mondlicht nicht so deutlich abgezeichnet.
    Das rote, unmenschliche Augenpaar Lord Voldemorts war in purer Verachtung auf den Mann am Boden gerichtet.
    Es schmerzt immer, einen Kampf als verloren sehen zu müssen…“ Die Stimme des Magiers bebte hörbar. Es war ein fernes Grollen, bevor ein tobender Sturm losbrechen würde. Und tatsächlich folgte ein herrisches Peitschen des Zauberstabs, der den sich windenden Zauberer in die Mitte des Kreises der Versammelten schleuderte. Es war kein Fremder, kein aufgegriffenes Mitglied des verhassten Ordens oder ein übermütiger Auror, sondern ein bekanntes Gesicht aus den eigenen Reihen.
    Richard McDougal hatte bereits im ersten Zaubererkrieg zu jenen gehört, die Voldemort gedient hatten – aber auch langjährige Dienste schienen nicht vor seinem Zorn zu schützen.
    Der ehemals so stolze Todesser am Boden riss den Mund auf, doch jeder seiner Atemzüge oder Versuche zu sprechen klang nur wie ein schmerzhaftes Röcheln. Kiemenspalten an seinem Hals zuckten verzweifelt, doch anstatt mit Wasser füllten sie sich nur immer und immer wieder mit trockener Luft. Seine Augen traten hervor, panisch und glasig, und jeder versuchte Atemstoß wurde ein Stückchen kürzer, ein Stückchen gepresster.
    Als die Stimme des Schwarzmagiers erneut erklang, war sie bereits zu einem boshaften Zischen geworden. Der von einem grünen Licht umgebene Zauberstab blieb auf den Todesser am Boden gerichtet, dieses Mal galt die Ansage jedoch unmissverständlich allen.
    Aber was unerträglich brennt, ist die erbärmliche Schwäche von Feiglingen! Von denen, die gerannt sind wie Hunde, wenn ihnen Widerstand entgegentritt. Unser alter Freund, Richard, hat die Schmerzen des Kampfes gefürchtet. Er hat nicht nur mich verraten, sondern auch euch. Während Ambrose und Murtagh bis aufs Blut gekämpft haben, Madeline – genau wie er jetzt – gelitten hat und der treue Valentin zumindest weiteren Schaden von einem der Unsrigen abgewendet hat, ist er verschwunden und hat die Reihen als Erster gebrochen… Hat er die Schmerzen gefürchtet, die andere von euch ertragen haben? Fürchtest du den Tod auch, Richard?
    Der bestrafte Todesser wimmerte heiser und kroch langsam in Richtung der schwarzen Roben seiner ehemaligen Kameraden und Mitstreiterinnen. Voldemort selbst begann, ihn zu umkreisen wie ein hungriger Geier.
    Ihr alle seid meine Waffen, mein Zorn, meine Schatten! – Und wer es wagt, unseren Kreis zu verraten, wird nicht mehr die Zeit haben, seine Fehler zu bereuen! Wer es noch einmal wagt zu fliehen, den werde ich persönlich brechen, um wenigstens aus der Asche der Knochen neue Krieger zu erheben! – Morrigan, es reicht!
    Die letzte Aufforderung zerriss die Dunkelheit besonders laut.
    Morrigan O’Carroll zuckte zusammen. Die gescheiterte Anführerin des Aufmarschs auf dem Zeltplatz der WM sah ausgezehrt aus. Obwohl sie sich immer noch mit einer eisernen Würde aufrecht hielt und einen herrischen Blick in die Runde warf, war sie unübersehbar müde, scheinbar um Jahre gealtert. Tiefe Furchen gruben sich in ihr strenges Gesicht – Zeichen von Erschöpfung, aber auch die Reste der scharfen, kleinen Wunden, die eine gewisse Fledermaus auf ihrem Gesicht hinterlassen hatte. Sie wagte es nicht, zu widersprechen, und ging eilig auf die Knie. Dabei stürzte auch ein weißer, stark zerrupfter Hase zu Boden, den sie noch bis vor wenigen Minuten in sichtlichem Frust durch die Luft und gegen die Grabsteine geschleudert hatte. Wo er ins Gras fiel, bewegte sich etwas Schwerfälliges gleitend über den Boden. Es zischte, und ein leuchtendes Paar animalischer Augen blitzte hungrig auf. Bevor das Naturschauspiel jedoch seinen Lauf nehmen konnte, schnalzte die Hexe und sprach ein widerwilliges „Finite.“ Das gebeutelte Kaninchen verwandelte sich zurück in Mercury Nightowl. Blanker Hass funkelte in ihren Augen. Sie hatte die Folter ihres Herrn erdulden müssen und war offensichtlich der Meinung, dass Nightowl für seine Dummheit und Nutzlosigkeit noch nicht genug gebüßt hatte.
    Ein erschreckend mildes Lächeln legte sich jedoch auf die Lippen des schlangenhaften Zauberers, und er trat in einem langen, theatralischen Schritt beiseite, um Nightowl wieder Platz zu machen. Er sollte sehen können, was sich abspielte – wie der andere Bestrafte die Finger fest in seinen Hals verkrallte, wo die feinen Häutchen der trockenen Kiemen zu reißen begannen.
    Leider sind jedoch noch mehr erbärmliche Narren unter uns. Nataniel Earnshaw, der große Diplomat und Politiker in unseren Reihen, droht das zu tun, was widerliche Opportunisten tun, wenn sie im Staub kriechen. Er wird sich anbiedern wie der Wurm, der er ist. Er muss beseitigt werden. Und Dippet, unsere gute Freundin Dippet, hat sich ebenfalls als feiges und falsches Gesicht erwiesen. Wir haben ihr schon genügend Warnungen zukommen lassen, haben geduldet, dass sie uns hinhält, doch auch sie wird büßen und uns anders dienlich sein. Findet sie. Bringt sie mir.
    Funken prasselten aus dem bleichen Zauberstabholz, und der Schwarzmagier wirbelte einmal im Kreis. Die Aufträge gingen an alle Schergen. Es war ihre Entscheidung, nun die Waagschale zwischen Planung und Übermut zu halten.
    Nur einer von ihnen würde sich der Aufgaben nicht mehr annehmen können.
    Richard McDougal hatte aufgehört zu kämpfen und sich zu regen. Seine aufgerissenen Augen starrten unbewegt in Richtung Himmel.


    // Liebe Spieler:innen: Wie bereits erwähnt, ist dieser Post primär als Möglichkeit zum Daraufreagieren gedacht und nicht als groß angelegtes Gruppenposting. Falls eure Charaktere ganz dringend noch eine Reaktion von Voldemort bräuchten, bzw. etwas tun möchten, was einer Reaktion bedürfte, kommt auf uns zu! Roben und Masken sind bei diesem Posting erlaubt. Mit den ausgesprochenen Aufträgen gehen zwei neue Hitlists für euch einher! Außerdem hat sich bei den Ewigen Quests etwas verändert. Ewige Quest #2 steht temporär – aus offensichtlichen Gründen – nicht mehr zur Verfügung, dafür habt ihr eine neue Ewige Quest #4 bekommen, mit der sich eure Figuren gerne beschäftigen können.

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