[Anwesen der Riddles] Die große Eingangshalle

  • Heute Abend
    Es war nicht besonders toll, eine Botschaft von Voldemort zu bekommen. Der dunkle Lord ließ sich nicht oft dazu herab, eine Botschaft zu verfassen. Natürlich konnte ich mich glücklich schätzen, dass seine Nachricht an mich schriftlicher Natur war, und keinesfalls in Form von Taten, oder Folterung zu mir gelangt war. Aber irgendwas sagte mir, dass dies noch kommen würde. Was jedoch noch schlimmer war, war die Tatsache, dass das Schreiben schon ein paar Wochen alt war und Severus der verdammte Hippogreifarsch es mir erst gestern hatte zukommen lassen. Er war echt eine Bestie. Kein Wunder, dass er der oberste Speichellecker des Herrn war.
    Seit gestern Abend hatte ich keine ruhige Minute mehr verbracht. Am liebsten wäre ich sofort los, aber Rose hatte mich zurückgehalten. Es war nicht gut, aus dem Affekt zu handeln. Ich war wirklich froh, dass sie bei mir gewesen ist, als ich die Nachricht bekommen hatte. Ich wäre sofort zum Lord geeilt und hätte vermutlich nicht lange überlebt, hätte mich um Kopf und Kragen gestammelt. So konnten wir aber ansatzweise einen Plan aushecken, der mich hoffentlich halbwegs heil wieder zurückkommen ließ.
    Natürlich hatte ich Angst, wer hätte es nicht, wenn er wusste, dass das hier vermutlich sein letzter Gang war. Dead man walking, oder so in der Art. Oh ich hätte gar nicht erst hierherkommen sollen. Doch nun war es zu spät. Gekleidet in meinen besten Anzug, gestärkt durch einen schnell gebrauten und vielleicht etwas zu hoch dosierten Stärkungstrank, betrat ich das unheilvolle Haus. Atmete kontrolliert ein und aus, um mich zu beruhigen und meine Atmung und Herzschlag ruhig zu halten. Der Kopf war leer, sehr wichtig, kein Gedanke sollte mich stören, falls ich Okklumentik benötigen sollte, um wichtige Informationen zurück zu halten. Er durfte weder von Rose noch von meinen Freundschaften zu Schülern erfahren.
    So betrat ich nun die Eingangshalle und sah mich um. Alles war düster, erinnerte mich an den Tag, an dem ich zum ersten Mal zurück in mein altes Anwesen gekommen war, um meinen Vater zu töten, was ich ja nicht über mich gebracht hatte und somit auch eine Lüge war, die ich dem dunklen Lord erfolgreich aufgetischt hatte. Nun musste ich es erneut schaffen, ihn davon überzeugen, dass ich ihm gegenüber loyal war. Dafür würde wohl ein riesiges Talent an Schauspielkunst von Nöten sein. Bei diesem Gedanken begann ich an meiner Krawatte herum zu fummeln. Das würde schon funktionieren.
    Aber wie sollte ich auftreten? Demütig? Nein, am besten so wie immer. Mit einem Grinsen im Gesicht. Niemand sollte sagen, dass John Smith um seinen Tod gebettelt hatte, sondern ihm grinsend entgegen geschritten war. Hoffentlich schritt ihm nicht entgegen, aber dennoch, Demut war nicht meine Masche. Man zeigte einem Menschen Wesen wie Voldemort auch nicht solche Gefühlsregungen, weil er sich sonst sofort darauf stürzte, wie ein hungriger Hund.
    So stand ich nun da, mit erhobenem Haupt, einem Lächeln im Gesicht, als wäre nie etwas gewesen und wartete auf meine Audienz. Wenn ich ihm erklärte, dass alles ein Missverständnis sei, würde es schon funktionieren. Solange die Maske aufrecht blieb und der Stärkungstrank wirkte, hatte ich nichts zu befürchten. Hoffentlich.

  • Wenn man eien Idee hatte, eine Vision, und diese mit anderen Menschen teilte, so wurde man schnell von allerlei unfähigen Menschen umgeben, die auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollten ohne dabei möglichst viel Einsatz zeigen zu müssen. Wurmschwanz war so ein minderbemitteltes Wesen, das täglich im Schatten kroch und seine Fahne nach dem Wind ausrichtete. ich hegte keinen Zweifel daran, dass dieser elende Köter sofort die Seiten wechseln würde, wenn es hart auf hart kam und er glaubte, ich würde verlieren, und dennoch war er nützlich für mich. Er war nützlich für all die niederen Arbeiten, die anfielen, aber wirklich zu gebrauchen war er nicht. Anderes erwartete ich von meinen Todessern. Diese mussten nicht nur nützlich sein, sondern musste auch zu gebrauchen sein. Ich erwartete daher keinerlei Fehlschläge. John Smith schien aber ein einziger Fehlschlag zu sein. Das Treffen mit Snape lag nun schon mehrere Wochen zurück und dieser Stümper hatte es immer noch nicht für nötig befunden hier aufzutauchen und eine Erklärung abzuliefern, die besser ungemein gut ausgedacht war. Ich war daher nicht gut auf Smith zu sprechen, weshalb sich meine Miene verfinsterte, als Wurmschwanz in seinem gewohnt unterwürfigen Tonfall den Besuch des Hogwartsprofessors angkündigte. Er war hier! Er war tatsächlich hier! Mit einer abfälligen Handbewegung schickte ich Wurmschwanz fort und erhob mich aus meinen Lehnsessel am Kamin. Heute war nicht die Zeit für eine angenehme Audienz in der Stube. Heute würde John Smith erfahren, was es bedeutete, mich warten zu lassen! Mit kräftigen Schritten verliße ich den Raum und trat in die Eingangshalle. Dort hielt ich - wie erstaunt inne - und musterte Smith einen Moment lang schweigend, während Nagini hinter mir aus dem Zimmer kam und sich zu unserem Gast begab. Der Hogwartsprofessor machte äußerlich einen tadellosen Eindruck. Seine Haltung war betont locker, sein Auftreten gepflegt und das Lächeln in seinem Gesicht trachtete verzweifelt danach, Ruhe und Gelassenheit auszudrücken.
    "Smith, richtig?", erhob ich das Wort und trat einen Schritt auf meinen unewrarteten Gast zu, den ich eigentlich gegen Ende dieser Woche den Vampiren überlassen wollte. "Was verschafft mir das Vergnügen deines unerwarteten Besuchs? Es ist doch hoffentlich alles in Ordnung inHogwarts? Deinen kleinen Schülern geht es gut? Sind sie unversehrt?", erkundigte ich mich mit beißendem Tonfall und zog dabei meinen Zauberstab um ihn zwischen meinen Fingern hin und herzurollen. "Ich hätte ja nicht gedacht, dass du noch den Mut besitzt hier aufzutauchen. Nach allem was passiert ist...", sprach ich weiter mit trügersich sanfter Stimme und beobachtete wie Nagini sich vor Smith aufbaute und ihn anzischte. "...hatte ich mich schon gefragt, ob du vergessen hast, wo dein Platz ist. Umso mehr freut es mich, dass du nun hier bist.", beteuerte ich und umkreiste meinen neuen Gast. Schräg hinter seiner Schulter blieb ich stehen und beugte mich leicht nach vor. "Also...Smith. Sag mir, wo ist dein Platz?", flüsterte ich dem Zauberer leise ins Ohr mit einer Stimme, die kein Wässerchen hätte trüben können und umso mehr Gefahr in sich trug. Ich ließ mich nicht auf den Arm nehmen und Smith war ein Narr, wenn er glaubte, dass er ungeschoren davonkam. Nicht heute, nicht nach wochenlanger Abwesenheit, nicht nachdem er nicht mehr zu gebrauchen war.

  • Irgendwo raschelte ein Umhang. Vermutlich war das bloß Wurmschwanz, der mein Erscheinen ankündigte. Diese miese Ratte. Hätte er mir nicht noch ein paar Minuten Ruhe gönnen können? Nein. Ich sollte nun also langsam die Treppe hochgehen, und mich stellen. Aber ich haderte mit mir selbst, versuchte noch ein wenig ruhiger zu werden. Ich würde das schon schaffen. Bisher hatte ich mir immer den Mund fusselig geredet und mich damit gerettet. Es hatte immer funktioniert, wieso nicht auch jetzt? Voldemort steckte ich doch einfach in die Tasche, immerhin war ich clever, ein Genie.
    Die ersten Schritte gen Treppe waren getan, doch plötzlich erhob sich eine Stimme und ich erstarrte. Er würde doch nicht etwa …? Und schon stand er neben mir. Ich musste mich am Riemen reißen, um nicht zusammen zu zucken, mir Mut im Gedanken zu reden. Jetzt, da er vor mir stand, war es gar nicht mehr so einfach, die unsichtbare Mauer in meinem Kopf aufrecht zu erhalten, die wichtige Informationen zurück hielt, ebenso wurde es mir schwerer mein unbeschwertes Auftreten aufrecht zu erhalten.
    Aber ich riss mich zusammen und verneigte mich leicht. „Seid gegrüßt, Mylord. Eure Nachricht an mich hat mich erst jetzt erreicht. Snape ist eine lausige Eule, wenn ich das so sagen darf“, scherzte ich gelassen und lächelte. Immer Grinsen, keine Angst zeigen. Half das nur bei Hunden, oder auch bei dem dunklen Lord? Hoffentlich auch bei letzterem.
    Zur Sicherheit ging ich auf seine Fragen gar nicht erst ein. Mir war klar, dass es nur dazu da war, um mich zu verhöhnen, mir aufzuzeigen, wie dämlich ich doch wäre, würde ich darauf einsteigen. Voldemort war nie nach plaudern und das würde sich nun wohl auch nicht ändern. Leicht argwöhnisch linste ich auf den Zauberstab, welchen er wie ein Spielzeug in seinen Fingern herumrollte. Ich versuchte sogar zu ignorieren, dass sich die Schlange vor mir aufbaute, was mich ein wenig mit Panik erfüllte. Schlangen. Zeros Hinterteil hatte es wirklich geschafft, mir Respekt einzuflößen, obwohl ich aufgehört hatte, sie zu entgiften mochte sie mich immer noch nicht, vielleicht mochten mich Schlangen allgemein nicht.
    Mein Platz, mein Lord, ist hier bei euch. Ihr habt mir so viel gegeben und ich bereue es, dass ich es versäumt habe, mich auf den letzten Treffen blicken zu lassen … es war ein wenig chaotisch im Schloss, vielleicht hat Severus davon erzählt“, begann ich schon wieder vor mich zu plappern und hielt mich selbst auf, schluckte. Mir gefiel nicht, dass er hinter mir stand. Mir wäre es viel lieber gewesen, wenn ich hoch zu ihm, in die Stube gekommen wäre, wo er wie immer auf seinem Sessel saß und seine Todesser empfind. Dann konnte man ihn und seine Regungen wenigstens beobachten. Nun aber war ich ausgeliefert, wusste nicht, wie er dreinblickte, weil er hinter mir stand. Ich konnte nur hoffen, dass mein fast unbekümmerter Ton ihn wirklich besänftigte und glauben ließ, dass ich wirklich gern gekommen wäre, aber leider keine Zeit gehabt hatte.

  • Smith ging nicht auf meine Anspielungen ein. Vielleicht hatte er sie aber auch einfach nicht verstanden, denn ich meinte meine Worte durchaus so, wie ich sie sagte. Wer passte wirklich auf Smiths heißgeliebte Schüler auf, während er weg war? Es wäre doch schade, wenn ausgerechnet in seiner Abwesenheit jemand zu schaden kam und Pomfrey ein weiteres Opfer in der Krankenstation zu versorgen hatte - sofern man bei einem versteinerten Patienten überhaupt irgendetwas versorgen konnte. Der Gedanke amüsierte mich. Ebenso die Aussage, die Smith sich als Ausrede für sein Nicht-Erscheinen zurechtgelegt hatte. Snape war eine schlechte Eule. Ich traute es dem Schulleiter von Hogwarts durchaus zu, dass er absichtlich den ein oder anderen Brief unter den Tisch fallen ließ um ihn Wochen später zu finden und dem Empfänger zuzustellen. Er war eben ehrgeizig und nur mit Ehrgeiz kam man in dieser Welt voran. Dass sich Smith in dieser Zeit nicht selbst um seine Verfehlungen gekümmert hatte, sprach Bände. Immerhin hätte er auch von sich aus zu mir kommen können um seine penetrante Abwesenheit zu erklären, aber offenbar musste man den Herrn Professor nun schon bitten, damit er seine Pflichten wahrnahm.
    "Chaotisch sagst du? Hmhm...Severus hat nichts dergleichen erwähnt.", erklärte ich nun und starrte nachdenklich auf meinen Zauberstab während Nagini jede Bewegung von Smith mit ihren aufmerksamen Augen verfolgte. "Stattdesen hat er mir erzählt, potentielle neue Todesser gefunden zu haben und wie er die Presse in Schach hält damit die Eltern dieser bedauernswerten Schüler nicht auf die Barrikaden steigen. Und dabei hatte Snape nicht viel Zeit seit unserem letzten Treffen. Er war also sehr fleißig, findest du nicht auch?", fragte ich rein rhetorisch, wartete dennoch eine Antwort ab. Wurmschwanz streckte kurz seine Nase aus einer seitlichen Tür, verschwand dann aber gleich wieder. Das war auch besser so, denn ich hatte keine Lust auf seine niederträchtige Visage. Noch immer hinter Smith stehend räusperte ich mich und stellte meine nächste Frage mit der selben engelsgleichen Stimme, die ich schon zuvor benutzt hatte: "Du hattest weit mehr Zeit um weit mehr für meine Sache zu erreichen. Also, sag mir, Smith, was hast du in der Zwischenzeit getan?" Unheilvoll hallte meine Stimme in der Halle wieder und verdeutlichte jedes einzelne Wort meiner Frage. Es stand für mich außer Zweifel, dass ich Smith nicht einfach so davonkommen ließ, denn wie Sarah in ihrem letzten Brief angemerkt hatte, durfte ich keine Gnade zeigen um respektiert zu werden. Würde ich Smith laufen lassen, würde der nächste dasselbe erwarten und so etwas konnte ich nicht dulden. Furcht war ein mächtiges Instrument, Schwäche war etwas für Muggel und Schlammblüter. Dumbledore hatte das nie begriffen und er wird es auch nicht begreifen. Er verweichlicht Potter wo er nur kann und genau das wird sein Untergang sein. Das wird der Untergang aller sein. Immer gab es irgendeine Person, die sie so sehr zu schätzen wussten, dass sie alles dafür geben würden, wenn sie diese beschützen konnten. Und genau daran lag ihre Schwäche. Daran konnte man den höchsten Minister und den niedrigsten Eisverkäufer zu Fall bringen. Konnte es nun sein, dass auch Smith schwach geworden war? Snape hatte die Sorge um seine Schüler erwähnt und wenn ich etwas wusste, dann dass Severus nie etwas einfach per Zufall sagte. Dazu war er viel zu berechnend und so hatte seine Aussage Gewicht - Gewicht, dass Smith gleich zu spüren bekommen würde.

  • Snape dieses widerwärtige arschgesichtige Etwas. Natürlich kroch er dem Lord meterweit in den Arsch, arbeitete nur für ihn und strich ihm Honig ums aschfahle Maul. Wenn ich doch auch nur so ein Speichellecker geworden wäre, hätte ich keine solchen Probleme wie nun. Aber nein, ich hatte den anderen Weg gewählt. Wieder einmal den Weg der Rebellion, nur dass diese mich hier mein Leben kosten könnte, und nicht Gefängnis bedeutete so wie früher. Mir wäre eine kleine Zelle, voll mit Dementoren im Moment viel lieber, als in einem riesigen Raum mit Voldemort allein zu stehen und mich zu fragen, was er hinter mir so trieb, welche Grimassen er bei meinen Worten schnitt, wie man seine Tonlage einschätzen musste. Es war schwierig jemanden etwas vorzuspielen, den man nicht sah, man wusste nicht, wie man richtig reagieren sollte, wann welche Reaktion abpassen. Wie sollte man wissen, wie weit man gehen konnte?
    Daher ließ ich es nun auch zu, verächtlich zu schnauben. „Natürlich hat er das nicht, schließlich landet der größte Teil seiner Post auf meinem Schreibtisch“, knurrte ich wütend und vergaß fast, dass ich eigentlich eher darauf gefasst sein sollte, bald um Gnade zu winseln. Hoffentlich kam es nicht so weit. Aber dennoch ließ ich meinen Ärger vor jemanden raus, der eigentlich an anderen Dingen interessiert war. Toll. Severus war also das brave Kind, das Daddy glücklich machte und ich war wie immer derjenige, der alle enttäuschte. Wie immer. Wieso kaufte er Sev nicht ein großes Eis und ging mit ihm in den Prater? Oi, was sollten diese Gedanken nun wieder in meinem wirren Kopf. Ein neuer Todesser? Wer sollte das sein? Snape verließ doch Hogwarts nicht, geschweige denn, wusste er, wie man andere Menschen ansprach, wie man überhaupt Konversation schrieb. Viel eher ignorierte er alle mit Wonne, obwohl er sie zu sich bestellt hatte.
    Die Tonlage seiner Stimme, so ruhig sie auch klingen mochte, jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Wieso tat er das? Mir wurde langsam klar, dass ich mich auf dünnen Boden bewegte, und er wusste es ebenso. Wieso also spielte er mit mir? Aber er verlangte nun ehrlich eine Antwort. Was sollte ich ihm erzählen? Was konnte ich ihm erzählen? Mein Auftrag war es gewesen, Hogwarts zu unterwandern und Informationen zu sammeln und das hatte ich getan, nur leider hatte ich mich mit einigen von diesen Leuten angefreundet, oder aber ich schaffte es nicht, jene Personen zu verraten. Diese verdammten Drecksbälger waren mir doch ans Herz gewachsen. Dennoch musste ich nun meinen sonst so redseligen Mund öffnen. „Informationen gesammelt, Herr … Hogwarts, besonders Slytherin, ist voll von kleinen Lügnern, die sich im Moment alle damit brüsten wollen, zu wissen, wer der Verursacher der Angriffe ist und wer hinter der Kammer steckt. Sie machen Listen, um andere in Angst und Schrecken zu versetzen, dabei ist es doch völlig klar, wessen Handschrift dieses wunderschön grausame Spektakel doch trägt.“ Ich schluckte. Hatte ich das nun gerade wirklich gesagt? Oi, nur weil ich die Gewissheit haben wollte, ob es wirklich sein Werk war, begann ich nun auch schon ihm Honig ums Maul zu schmieren. Wie tief war ich nur gesunken? Aber da konnte man immer noch einen draufsetzen. Einer ging noch immer. „Ich verstehe, Mylord, dass ich nicht erfreut über meine lange Abwesenheit seid und das es ein schlechtes Bild auf mich wirft … aber ich war euch immer treu“, kam es wie ein Flüstern über meine Lippen. Der Versuch eines Verzweifelten das Unumgängliche zu verhindern.

  • "Smith, Smith, Smith...", bemerkte ich kopfschüttelnd und trat vor den selbsternannten "Hogwartsprofessor", der sich offenbar zu sehr an sein Leben innerhalb der Schlossmauern gewöhnt hatte. "...wenn ich jedes Mal, wenn man mir sagt, man wäre mir treu ergeben, enn Muggel umbringen könnte, dann wäre unsere Aufgabe bereits erfüllt.", schloss ich und musterte meinen Diener sorgfältig. Smith war verrückt, das stand außer Frage, aber er war auch klug genug um sich nicht durch unbedachte Aussagen selbst zu verraten. Ich würde ihm demnach ein wenig auf die Sprünge helfen müssen, aber da mich Smiths wortgewandte Ausreden stets amüsierten, wollte ich ihm noch eine etzte Gelegenheit geben, sich etwas besonders Kreatives auszudenken.
    "Aber gut, sagen wir, ich schenke deinen Worten meinen vollsten Glauben.", setzte ich an und begann wieder um Smith herumzugehen, wohl wissend, dass ihn dies immer mehr aus seiner Ruhe bringen würde. "Welche Art der Information war so wichtig, dass deine Abwesenheit alle Chancen auf eine Beschaffung zunichte gemacht hätte? Was war so wichtig, dass du, als Professor, nicht kurz Hogwarts verlassen konntest? An Snape konnte es schon einmal nicht gelegen haben. Ich bin mir sicher, du musst dich um seine Erlaubnis nicht kümmern. Also, Smith, was kannst du mir erzählen, das ich noch nicht weiß und das dein Fernbleiben rechtfertigt?" In den nächsten Sekunden würde ich sein Gehirn förmich arbeiten hören können. Er würde sich alle Mühe der Welt machen um eine halbwegs logische Ausrede aus seinem Mund zu zaubern und doch wäre alles vergebens - doch das musste ich ihm jetzt doch noch nicht sagen. Ein kleiner Anpsorn hingegen, konnte jedoch nicht schaden, daher hielt ich inne, als ich wieder hinter Smith stand und beugte mich ein wenig zu ihm vor. "Oh und du beeilst dich besser. Ich habe heute nicht gerade einen geduldigen Tag.", zischte ich nun minder freundlich, dafür umso kälter und beobachtete die Reaktion meines Dieners. Sie alle mussten von Zeit zu Zeit lernen, wo ihr Platz war. Niemand war davor gefeilt, denn ihre Erfolge oder Misserfolge ließen sie alle wanken und meine Aufgabe war es, sie wieder auf den rechten Weg zu bringen, damit sie mein Werk fortsetzen konnten. Smith würde hierbei keine Ausnahme darstellen, vor allem nicht nachdem ich letztens mit Snape gesprochen habe. Natürlich könnte es durchaus sein, dass Smith die Wahrheit sagte, doch wenn es um meine Untergebenen ging, war ich nicht bereit ein Risiko einzugehen. Smith würde dafür sicher Verständnis haben und am Ende des heutigen Abends einsehen, dass es eine sehr dumme Idee war, mich warten zu lassen.

  • Dann hätte er bald kein Material mehr um zu töten. Wenn er jedoch jeden gleich umlegen würde, der ihm diese Lüge auftische, wäre es mugglefreundlicher, aber dann hätte er wohl eher bald keine Todesser mehr. Also besser nicht. Außerdem wollte dann sicher keiner mehr mitmachen, wenn er wusste, dass nur der Tod auf einen wartete, wobei das nun ja auch schon bekannt war und dennoch gab es immer noch Idioten, die dem Lord die Treue schworen. Hatte er nicht etwas von einem neuen Todesser gesagt? Auch wenn ich keine Ahnung hatte, wer das sein sollte, aber der Idiot tat mir jetzt schon leid. Vielleicht war das ja auch kein solcher Einfaltspinsel, der sich nur aus Rachegelüsten am Vater hier gemeldet hatte, so wie ich damals. Man konnte ja nie wissen. Mhm. Wie auch immer. Ich sollte meinen Kopf frei von Gedanken halten, damit mir nichts Dummes über die Lippen kommen konnte, aber irgendwie schaffte ich es dann doch, etwas über sie kommen zu lassen. „Es wäre auch sehr auffällig, wenn die Muggle alle umfallen würden, wie tote Fliegen“, scherzte ich und grinste schief, nicht lange, weil mir dann einfiel, dass es wohl oder übel bedeuten mochte, dass ihn einige anlogen und das wollte man doch nicht behaupten oder? Immerhin wollte man doch gerade von dieser Vermutung ablenken. Ach was solls. Meißelt doch gleich einen Grabstein mit meinen Namen darauf.
    Trotz meiner dummen Aussage schien jedoch nicht abgeneigt zu sein, meinen Worten Glauben zu schenken. Mir war klar, dass er nicht dumm war und nicht alles schluckte, was man ihn auftischte und einschenkte, aber so ein klein wenig konnte man doch hoffen, oder? So ein klitzekleines Bisschen. „Danke, Sire!“ Aber natürlich hatte ich mich zu früh gefreut. Konnte er nicht einmal ruhig stehen bleiben, verdammt. Musste er mich umkreisen, wie ein Raubtier seine Beute, während er mir solche Fragen stellte? Ich tigerte auch oft rum, wenn ich nachdachte und normalerweise störte es mich daher auch nicht, wenn andere es taten, aber hier ging eine tödliche Gefahr aus und ich würde auch so gerne herumgehen können. Aber nein. Ich war das Beutetier, das brav stehen bleiben musste, und hoffte, zu überleben. Vielleicht fand sich das Raubtier ja doch ein anderes Beutetier.
    Er wollte Informationen. Im Grunde genommen hatte ich auch welche, aber ich konnte doch nicht meine Schüler verraten?! So weh es mir auch tat, es mir einzugestehen, aber Severus hatte leider recht gehabt: Mir waren die Schüler zu wichtig geworden. Toller Todesgrund. So einfach würde ich nun aber doch nicht aufgeben. Irgendetwas musste ich ihm doch erzählen können. Irgendwas. Komm schon. „Wie gesagt, versuche ich gerade herauszufinden, welcher der Schüler aller behauptet, ein Erbe von Slytherin zu sein. Außerdem kann ich berichten, dass nicht jeder der Schüler wirklich menschlich ist, ich bin jedoch noch nicht soweit in das Vertrauen der Kinder vorgedrungen, um herauszufinden, wer einen Biss von Kreaturen erlitten hat. Aber ich bin mir sicher, dass wenn ich es schaffe, dies herauszufinden und deren Vertrauen erschleiche, ich locker 2-3 neue Todesser für euch habe, My Lord!“, versprach ich und merkte, wie sich mein Kopf wie in alten Zeiten nach oben reckte und ich mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen da stand, siegessicher, als könnte es gar nicht anders sein, als das ich ihm je untreu gewesen war und eigentlich noch bin. Also wenn er mir das nicht abkaufte, wo ich mich doch fast schon selbst davon überzeugen könnte, böse zu sein, dann wusste ich auch nicht mehr weiter.

  • Nachdem Smith geendet hatte, herrschte Stille in der Eingangshalle. In Seelenruhe ging ich noch einmal jedes Wort, das seine Lippen verlassen hatte, einzeln durch, ahmte dabei seine Betonung der Wörter in meinen Gedanken nach und ließ so Sekunde um Sekunde verstreichen. Als ich damit fertig war, die komplette Aussage Revue passieren zu lassen, entwich ein einzelnes, aber gewichtiges Wort meinen Lippen.
    "Aha." Dann folgte wieder Stille, während ich den Zauberstab in meinen Händen betrachtete und mir aus dem unerschöpflichen Repertoire von Bestrafung jene aussuchte, die wohl am Besten zu Smith passen würde. Dezent, einfach und doch ungemein wirkungsvoll - so wie es Smith einmal unter meiner Obhut gewesen war, doch nun hatte er nichts zu bieten, außer Ausflüchte, die nicht einmal die irre Trelawney glauben würde, selbst wenn sie sie in einer Kristallkugel sehen würde! Ich räusperte mich und trat wieder vor mein Opfer, das sein Glück vermutlich noch nicht erahnte. Immer noch klammerte sich Smith an den Strohhalm, ich würde ihn einfach so laufen lassen. Wie erbärmlich! Vielleicht hatte Rookwood Recht gehabt, als sie meinte, ich müsste an meinem Durchsetzungsvermögen arbeiten, damit solche Dinge in Zukunft nicht mehr vorkamen. Apropos Rookwood: wann brachte mir mal endlich jemand ihren Kopf? Die Unfähigkeit meiner Mitarbeiter schien in diesen Tagen grenzenlos zu sein. Zeit jene von Smith zusammenzufassen.
    "Ich halte also fest, dass du die Schule nicht verlassen konntest, weil du dich mit ein paar Schülern unterhalten hast, die eventuell, vielleicht, möglicherweise nicht vollends menschlicher Natur sind?" Skeptisch blickte ich von meinem Zauberstab zu Smith. Ich hatte ihm mehr zugetraut. "Und dass deine Anwesenheit zu jeder Zeit und zu jeder Stunde im Schloss erforderlich war um das Vertrauen dieser kleinen Biester zu gewinnen, da sie andernfalls...andernfalls was? Sie hätten es doch etwa nicht in Frage gestellt, wenn ein Professor ab und an das Gelände von Hogwarts verlässt oder? So viel Autorität wirst du wohl noch haben!" Meine Stimme schlug um, wurde laut und unerbittlich kalt. Ich hatte genug gehört, genug gesehen und genug darüber nachgedacht. Smith würde den heutigen Tag noch lange in Erinnerung behalten und er täte gut daran, dies zu tun. "Aber nein, mein lieber Smith muss in der Schule bleiben um zweitklassige Informationen zu liefern, die ich ohne mit der Wimper zu zucken sowieso erfahren hätte können, wenn ich Severus danach gefragt hätte! Und als wäre das nicht genug, glaubst du noch allen Ernstes, dass diese kleinen Ausflüchte mir als Grund für deine unverschämte Abwesenheit genügen würden?", herrschte ich Smith an und beschloss, dass genug geredet worden war. Es war an der Zeit Smiths verdrehte Gehirnzellen zum Nachdenken anzuregen und so schwang ich meinen Zauberstab in einer längst geübten und perfekten Geste während meine Lippen jenes Wort zischten, dass so viele Zauberer und Hexen auf dieser Welt fürchteten. "CRUCIO!"

  • Stille kehrte ein. Ein Umstand, der langsam wieder den Wahnsinn in mir wach werden ließ. Schluckte er die Ausrede, tat er es nicht? Keine Regung verriet irgendetwas, was er wohl dachte. Vermutlich ging er nur noch alles durch, durchdachte das eben gesagte. Wog ab, wie viele Todesser noch dabei rausspringen würden. Im besten Fall. Im schlechtesten Fall würde er wohl schon abwägen, wie er mich am besten kalt machte und dann verscharren ließ. Ich durfte nun nur nicht nervös werden. Alles würde gut werden. Er würde es mir abkaufen und ich könnte normal hier rausspazieren und normal nach Hogwarts zurückkehren, um weiterhin mein Doppelleben führen, auf das ich nun mehr aufpassen musste, damit ich es nicht zu einseitig führte. Die Todesserseite brauchte wohl mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung, damit alles im Lot blieb. Doch es kam anders als erwartet, die Hoffnung war am Sterben.
    Aha? Da erzählte man ihm eine hieb- und stichfeste Ausrede und er quittierte es nur mit einem AHA?! Es war wohl doch schlimmer, als ich gedacht hatte. Es wurde schwieriger Ruhe zu bewahren vor allem da, er nun nicht mehr hinter mir stand, nun mir gegenüber. Doch anstatt mir seine Aufmerksamkeit zu widmen, starrte er lieber seinen Zauberstab an. Nun durfte ich nur nicht zusammen brechen. Vielleicht glaubte er mir ja, und dieses Aha war nur eine Bestätigung dafür. Meine Paranoia hatte mich ja schon öfter an der Nase herum und in die Irre geführt. Es konnte nun genauso sein. Doch weitgefehlt.
    Ich nickte nur, als er zusammenfasste, versuchte weder Haltung noch Gesichtsmimik zu verlieren und blieb einfach steif und blickte weiterhin ausdruckslos vor mich hin. Wenn ich an so etwas wie einen Gott glauben würde, hätte ich spätestens jetzt zu beten begonnen und ihn angefleht mich zu retten. Aber so etwas, wie einen Gott, konnte es in Anbetracht der Ereignisse einfach nicht geben. Ausgeschlossen. Ebenso wenig gab es Glück, zumindest nicht für mich. Er glaubte mir nicht. Immer mehr vernichtete er meine Hoffnung und zerpflückte meine Erklärung, wie eine Blume, deren Blüten ausgerissen wurden. Tod – Leben – Tod –Leben – Tod … Irgendwann würden die Blütenblätter wohl ausgehen und dann würde ich zu spüren bekommen, wie das Urteil wohl ausfiel.
    Immer näher kam das Urteil und immer angespannter wurde ich. Irgendwann pfiff ich dann auf Pokerface und merkte, wie mir immer mehr die Gesichtszüge entglitten, ehe ich nicht mehr anders konnte. Snape, Snape, Severus Snape. Immer nur ging es um diesen schmierigen Verräter, der keinen Finger krumm machte und trotzdem der Liebling aller war. „Wieso vertraut ihr Snape eigentlich, wo er doch Dumbledores Schoßhund gewesen war?! Ich war selbst in Askaban treu!“, platzte es aus mir heraus, genau in jenem Moment, als mir klar wurde, dass die Urteilsvollstreckung schon längst im vollen Gange war, nur ich die plötzlich Bewegung nicht mitbekommen hatte.
    Entsetzt starrte ich ein paar Millisekunden auf den Zauberspruch, der auf mich zukam. Wie gelähmt aus Angst war ich nicht einmal fähig, den Versuch zu starten nach meinem eigenen Zauberstab zu greifen, oder auch nur auszuweichen. Nun war es sowieso zu spät. Kaum traf der Folterfluch, durchzuckte ein unglaublicher Schmerz meinen gesamten Körper. Es war, als würde jeder meiner Nervenstränge explodieren. Und obwohl ich mir vorgenommen hatte, bevor ich hierherkam, nicht zu schreien, da ich ihm die Genugtuung nicht gönnen würde, konnte ich nun nicht mehr anders. Es tat so verdammt weh. „ARGH!“ In diesem Moment konnte ich mir auch wirklich vorstellen, warum jemand bei dieser Folterung um den Tod bettelte. Der Schmerz war einfach unerträglich und man wollte ihm so schnell wie möglich entgehen. Millionen von heißen Nadeln, die sich einem in die Haut bohrten wären mir nun tausendmal lieber, als der Lieblingsfolterfluch des Lords, der mich nun auf die Knie zwang und mich am Boden winden ließ. Aber um den Tod betteln würde ich bestimmt nicht. Das hatte ich Rose versprochen. „Lasst es … mich … wieder gut … machen“, schaffte ich es verständlich hervorzupressen zwischen Schreien und Keuchen und hoffte, dass er es vernommen hatte und so gnädig war, mir eine zweite Chance zu erteilen.


    //FunFact: Der Post hat 666 Wörter :D

  • Wieso vertraut ihr Snape eigentlich, wo er doch Dumbledores Schoßhund gewesen war?! Ich war selbst in Askaban treu!“ Hörte ich da etwa eine Kränkung in Smiths Stimme? Fühlte er sich benachteiligt, unfair behandelt? Herzallerliebst, doch seine Beschwerde konnte den Zauber nicht aufhalten, der ihn nun traf und dafür sorgte, dass Smtih erfuhr, was es bedeutete, wahre Schmerzen zu haben. Seelenruhig ging ich vor meinem Diener auf und ab, dessen Körper verkrampft gegen die Schmerzen anzukämpfen schien, die ja doch nicht aufhören würden. Smith hatte einen interessanten Gedanken ausgesprochen. Snape hatte durchaus eine gewisse Nähe zu Dumbledore entwickelt, als der Alte noch Schulleiter gewesen war, doch das musste er auch, wenn er mich weiterhin mit Informationen beliefern wollte. Dennoch war ich nicht so dumm zu glauben, ich könnte ihm vertrauen, denn ich konnte niemanden außer mir selbst vertrauen. Bellatrix kam möglicherweise noch in Frage, da sie durch ihren Fanatismus so stark vereinnahmt ist, dass es schwer wäre zu glauben, sie würde je einen Finger gegen mich erheben, aber abgesehen davon, war ich von Speichelleckern umgeben, die alle nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren und für diesen möglicherweise ihre Gesinnung noch einmal überdenken würden. Snape bildete hierbei nur bedingt eine Ausnahme. Er hatte sich zwar als durchaus fähiger Todesser erwiesen, aber ich habe seine Bitte, die er vor so vielen Jahren geäußert hatte, nicht vergessen. Lily Potter sollte verschont bleiben. Aber natürlich. Weil ich ja sonst nichts zu tun hatte! Rückwirkend hätte ich das vielleicht lieber bleiben lassen, da es mir eine Menge Schwierigkeiten erspart hätte, aber dank eines übereifrigen Potters beim Trimagischen Turnier habe ich auch so wieder meine Gestalt erlangt. So gesehen könnte man fast denken, Snape hätte mich davor warnen wollen, was geschehen würde, wenn ich Lily und ihrem Sohn zu töten versuchte, aber selbst Severus konnte von dieser verfluchten Magie nichts wissen. Es war also Gefühlsduselei, die den Schulleiter von Hogwarts zu seinen Worten bewog und Gefühlsduselei machte immer so verwundbar. Vertraute ich Snape? Nein, aber ich traute ihm mehr zu als den meisten in meiner Dienerschaft, was ihn aber nicht davor bewahren würde als Schlangenfutter zu enden, wenn er sich als unnützlich erweisen würde. Ha! Schlangenfutter. Das ist kreativ. Ich sollte mir das merken. Nagini hatte bestimmt nichts dagegen einzuwenden, Blut zu vergießen und Schmerzen zu bereiten. Apropos Schmerzen: Smith schien nicht mehr lange durchzuhalten. Zwischen seinen Schreine brachte er Worte hervor, die zwar nicht besonders beeindruckend waren, aber immerhin mehr waren, als ich ihm zugetraut hätte. Er hatte meien Aufmerksamkeit also durchaus wieder verdient.
    "Natürlich wirst du das!", herrschte ich den Zauberer an und erhob meine Stimme. "Wurmschwanz!"
    "J-j-ja mein Herr?", kam es aus dem Türrahmen rechts von uns.
    "Bring uns Pergament und eine Feder.", befahl ich knapp woraufhin Wurmschwanz mit einem entsetzten Blick auf Smith kehrt machte und dabei fast über seine eigenen Füße stolperte. Mit einem Grinsen fasste ich nach Smiths Kinn und zwang ihn mich anzusehen, während ich den Fluch gnädig aufhob, um Smith das Denken zu erleichtern. "Unser lieber Smith wird mir nämich nun die Namen seiner Schüler aufschreiben."

  • Diese unsäglichen Schmerzen. Mir war klar, dass sich der dunkle Lord ergötzte an meinem Anblick, während ich mich hier am Boden wandte und versuchte, hier und da einen Schrei zu unterdrücken. Wieso tötete er mich nicht einfach? Vielleicht sollte ich ihm darum bitten. Nein, das wäre schwach. Aber das, was ich stattdessen tat, war genauso schwach. Ich wollte es wieder gut machen, mir erneut einreden, dass ich ein Todesser war und dem auch gerecht werden konnte, obwohl das bisher noch nie der Fall gewesen war. Wie hatte ich hier überhaupt so lange überleben können, ohne nicht schon öfter so gefoltert worden zu sein? Vermutlich lag es daran, dass ich damals noch mit Überzeugung dabei gewesen war und erst ab Askaban wirklich zu zweifeln begonnen hatte.
    Der Lord schien jedoch wenig von inneren Konflikten zu verstehen und meine nicht mitzubekommen, sonst würde er nicht nach Wurmschwanz rufen und diesen nach etwas schicken. Aber wofür brauchte er nun Feder und Pergament? Vielleicht irrte ich doch nur wieder, und ich durfte mein Testament schreiben, bevor er sich meiner entledigte. Unter Folter konnte man sowieso so schlecht denken. Mir war kaum bewusst, dass er sich genähert hatte, merkte es erst, als ich seine kalten Finger an meinem Kinn spürte und ich ihm mit zusammen gebissenen Zähnen, damit ich nicht so viel rumschrie, anblicken musste. Die Angst stand mit ins Gesicht geschrieben. Was wollte er von mir? Wieso konnte er mich nicht einfach so töten? Den Zauber hatte er ja nun gelöst und woraufhin ich erleichtert aufatmen konnte, aber nicht entspannen. Wie könnte man das auch, wenn einem das Unheil so höhnisch ins Gesicht grinste. Trotz meiner Angst und der Panik die sich in mir breit machte, konnte ich nicht anders, als für einen kurzen Moment einen dummen Gedanken zuzulassen: Er sollte mal zum Zahnarzt. Man verlor trotz Folter seine dummen Gedanken nicht, nur vielleicht Bewusstsein. Aber ich wagte es nicht einmal zu blinzeln, obwohl ich mich lieber auf dem Boden zusammenrollen würde, und die Augen schließen. Vielleicht wachte ich ja in meinem Büro auf, über den Schreibtisch gebeugt, eingeschlafen bei der Korrektur der Tests. Doch leider war das nur Wunschdenken.
    Das Verlangen des Lords, war jenes, vor dem ich mich schon immer gefürchtet hatte, seit ich an Hogwarts war und mir diese verdammten Bälger ans Herz gewachsen waren. Aber ich konnte nun keinen Rückzieher machen. Dann wäre ich tot. Aber war der Tod nicht besser, als unschuldige Kinder zu verraten? Die leise Stimme Rose’s hallte durch meinen Kopf. Wir bekommen das hin, John. Keinem wird irgendwas passieren. Denk an unser Kind und alles wird gut. Ob sie damit recht behielt? Man würde es sehen. Es dauert fast eine Ewigkeit, bis der Idiot Wurmschwanz mit Pergament und Feder widerkehrte und in dieser Ewigkeit hatte ich schon die Befürchtung das Bewusstsein zu verlieren. Der Blick des Lords war jedoch so durchbohrend, dass ich nicht einmal laut zu atmen wagte und sogar ein leises Wimmern unterdrückte, obwohl ich das Gefühl hatte, ein LKW wäre über meinen Körper gerollt. Und das nicht nur einmal.
    Mit zitternden Händen nahm ich den Federkiel zur Hand und hatte schon fast die Befürchtung, kein einziges Wort zu Papier bringen zu können, so dass man es überhaupt lesen konnte. Aber welche Namen wollte er denn nun haben? Er hatte nur verlangt, die Namen meiner Schüler aufzuschreiben. Derlei waren viele und ich wusste nicht einmal annähernd deren Namen. Aber wenn sollte ich nun hier verzeichnen? Aus Angst, er könnte mein Zögern bemerken, begann ich einfach darauf los zu schreiben und begann einfach mit jenen, die sich mir ins Gedächtnis gebrannt hatten, aufgrund ihrer nervigen und auffallenden Art.

    Zitat

    Wendy Flowers, Katherine Thornwood, Lily Morticia Addams, Justus Coal, Michael Jüngelthron, Jalice Russle, Evelin Lou Sen, Keira Morrison, Christopher Miles, Riley Lestrange, Nathaniel Fiennes


    Verdammtes Gehirn. Mir fielen nicht mehr ein, die ich nicht mochte, aber es war gemein hier jene anzuschwärzen, die ich nicht leiden konnte, aber es wäre noch schlimmer jene zu verraten, die ich mochte, dennoch hatte der Selbsterhaltungstrieb längst übernommen und führte meine Hand weiter, Hauptsache schreiben, damit er mich nicht tötete.

    Zitat

    Clara McDuff, Evander Oafert, Luna Lovegood, Sebastian Haydn, Sasha Fields, Kai Kowalski, Remedius Efferescent, Lewis John Chamberlain, Penthensilea Uylenburgh


    Immer weiter glitt die Feder über das Pergament und ich kam mir immer dreckiger vor dabei.

  • Brav, wie ein fleißiger Schüler nahm Smith Feder und Papier zu Hand und begann gleich darauf Namen auf das Blatt Pergament zu kritzeln, das Wurmschwanz ihm gebracht hatte. Es war erstaunlich was ein einfacher Fluch bewirken konnte. Schweigend blickte ich ihm nun über die Schulter. Kamen die Namen anfangs nur zögernd zu Papier, so schienen sie plötzlich dahinzufließen. Gierig hefteten sich meine Augen auf die Namen, verweilten bei jedem einzelnen auf das sie nicht vergessen werden würden.

    Zitat

    Wendy Flowers, Katherine Thornwood, Lily Morticia Addams, Justus Coal,
    Michael Jüngelthron, Jalice Russle, Evelin Lou Sen, Keira Morrison,
    Christopher Miles, Riley Lestrange, Nathaniel Fiennes

    Der erste Name, der meine Aufmerksamkeit erregte, war der von Katherine Thornwood. Hectors Tochter! Er hatte erwähnt, dass er einen Schützling in Hogwarts hatte, doch ich war diesem Thema nicht weiter nachgegangen, da ich wichtigeres zu tun hatte. Zweifellos war Katherine in Slytherin gelandet und würde aufgrund ihrer Familie wohl kaum ein geeignetes Opfer darstellen. Addams sagte mir nichts, von Coal hatte ich zwar bereits gehört, aber ich wünschte dem wäre nicht so. Es war erstaunlich unter welchem Größenwahn manche Hogwartsschüler heutzutage litten. Es folgten ein paar unbekannte Namen bis Smiths leicht zitternde Hand Riley Lestrange nannte. Kein unbeschriebenes Blatt aber ebenfalls ungeeignet für mein Vorhaben und so ließ ich Smith weiter schreiben, hatte weiterhin meinen Zauberstab in der Hand, bereit dem Professor ein wenig zu motivieren, sollte ihm sein Gedächtnis schlussendlich doch im Stich lassen. Es folgten weitere Namen.

    Zitat

    Clara McDuff, Evander Oafert, Luna Lovegood, Sebastian Haydn, Sasha
    Fields, Kai Kowalski, Remedius Efferescent, Lewis John Chamberlain,
    Penthensilea Uylenburgh

    Oafert...Hufflepuff. Snape hatte einmal etwas im Rahmen der Quidditchspiele erwähnt. Offenbar hatte der Schüler ein "gutes Herz", was gut genug war um in meiner engeren Wahl zu landen. Luna Lovegood. Wer kannte die nicht? Die Tochter des verrückten Lovegoods, die seit mehreren Jahren Schulsprecherin in Hogwarts war, verbarg bestimmt so manches Geheimnis, aber ich würde sie vielleicht noch später brauchen, daher fiel sie in dieser Auswahl durch. Sebastian Haydn...doch nicht etwa aus der reinblütigen Familie Hadyn? Soweit ich wusste hatten sie keine Kinder in diesem Alter, wenn man von Xalias Bastard absah. Sasha Fields. Gryffindor wenn ich mich recht erinnerte. Snape erwähnte sie in Zusammenhang mit Oarfert. Kai Kowalski, Vertrauensschülerin aus dem Hause Gryffindor. Allein das reichte aus um sie für mein Vorhaben zu qualifizieren. Remedius Efferescent, noch so ein unbeschriebenes Blatt dessen Namen ich zum ersten Mal hörte. Lewis John Chamberlain...hieß der nicht anders? Es gab auf jeden Fall einen ganzen Haufen von Chamberlains, die dem Ministerium in letzter Zeit das Leben schwer machten. War dies ein Spross von ihnen so katapultierte ihn dies automatisch auf meine imaginäre Liste, die ich in Gedanken gerade anfertigte. Es folgte Penthensilea Uylenburgh. Was für ein unaussprechlicher Name! Der Tagesprophet hatte sie in Verbindung mit dem Erben gebracht, was natürlich vollkommen lächerlich war, aber immerhin hatte sie dadurch das Zauberervolk gut unterhalten. Ich hatte genug.
    "Das reicht.", wies ich Smith an, nahm das Pergament an mich und betrachtete die Namen noch einmal aufmerksam, ehe ich dem Professor einen eindringlichen Blick über die Kante des Pergaments hinweg zuwarf, aber nichts sagte. Die Sekunden strichen dahin während mein Blick auf Smith lag und eindeutig davon sprach, was ihm bevorstand, wenn er es noch einmal wagte, mich warten zu lassen. "Du bist entlassen.", bemerkte ich schließlich kalt und begann das Pergament sorgsam zusammenzufalten. "Aber sei dir versichert, dass dein Verhalten noch Konsequenzen haben wird.", fügte ich hinzu und wandte mich ohne weitere Worte zu verschwenden von Smith ab. "Wurmschwanz! Geleite ihn nach draußen und sorge dafür dass er sicher nach Hogwarts zurückkehrt. Ich bin sicher Professor Smith muss sich nun erst einmal ausruhen.", rief ich dabei noch meinem Diener zu, ehe ich die Eingangshalle verließ und mich mit dem wertvollen Stück Pergament zurückzog um die Namen noch eingehender zu studieren. Ich würde so viel über sie in Erfahrung bringen wie nur irgendwie möglich und dann eine Wahl treffen, auf die Smith nicht vorbereitet sein würde. Der wahre Teil seiner Strafe stand ihm noch bevor, ob er sich dessen bewusst war oder nicht.

  • Die Worte des Herrn ließen mich zusammenzucken und die Feder schlagartig fallen lassen, wie bei einem Test, den man sonst nicht mehr abgeben durfte, wenn man weiterschrieb, obwohl längst die Abgabe gefordert wurde. Mir war es auch lieber, nun diese furchtbare Tat beenden zu müssen. Namen um Namen hatte ich mich schmutziger und verräterischer gefühlt, bei gewissen Namen natürlich. Bei manchen war es mir fast gleichgültig gewesen, weswegen ich schon fast angenommen hatte, dass ich wieder ganz der Alte war. Aber nein. Es war wie bei einer Waage, bei der der Ausgleich verdammt schwer abzupassen war und man keine Ahnung mehr hatte, was man noch versuchen sollte, um die Balance zu halten. Denn eigentlich gab es nur eine Seite, die gewinnen konnte. Hier in diesem Umfeld musste es die dunkle sein, damit man weiter leben konnte. Dafür musste man aber artig sein und dem Meister dienen, der einem nun das Blatt Papier abnahm, auf dem in zittriger Krakelschrift ein paar Namen verzeichnet worden waren. Ich hatte es vermeiden können, die Namen meiner wirklich engen Freunde aufzuschreiben, kam mir aber schlecht vor, Evander und Sasha verraten zu haben. Bei Evander mehr als bei der Gryffindor, da ich mit ihm eindeutig mehr zu tun hatte. (zumindest war das im Mai noch so) Es war allgemein nicht richtig, das zu tun, nur um meinen eigenen Arsch zu retten. Aber was sollte man schon machen. Der Lord konnte ihnen nichts antun, solange sie in Hogwarts waren. Und darüber hinaus würde er bestimmt vergessen, weswegen er die Liste hatte, schließlich war er alt.
    Der eingängige Blick, den er mir schon wieder zuwarf, während ich immer noch am Boden kauerte, wurde natürlich erwidert, was blieb mir anderes über. Er konnte, dank Okklumentik, ja sowieso nur an Informationen rankommen, die ich gewillt war frei zu geben. Zumindest hoffte ich, dass die Mauer trotz Folterung noch aufrecht geblieben war. Ich fühlte mich schwach, zitterte wie Espenlaub und atmete fast erleichtert aus, als er meinte, ich sei entlassen. Ich sackte noch ein wenig mehr zusammen, als er meinte, dass mein Verhalten noch Konsequenzen haben würde. Was? Aber…? Wofür war dann das hier gut gewesen, wenn da noch mehr folgte? „Aber Herr …“, begann ich, doch er wandte sich ab, und befahl Wurmschwanz mich raus zu bringen. Nein, ich wollte das noch klären. Welche Konsequenzen, reichte denn diese Folter nicht schon? Doch ich war zu feige den Mund erneut aufzumachen, versuchte aufzustehen, damit ich mich zum Abschied verbeugen konnte, aber es ging nicht. Meine Beine wollten mir nicht gehorchen. So musste ich zulassen, dass Wurmschwanz mir auf die Beine half. Ich hasste es so schon, wenn ich auf Hilfe angewiesen war und dann kam sie auch noch von diesem schmierigen Arschkriecher, den ich genauso verachtete wie Snape, wenn nicht sogar mehr, denn dank diesem Individuum war der Lord wieder geboren worden. Nur wegen dieser schäbigen Ratte war das Leid wieder auf Erden zurückgehrt, von dem es eigentlich erlöst gewesen war.
    Auf Wiedersehen, Mylord. Und vielen Dank für eure Gnade“, kam es gerade noch so über meine Lippen. Meine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, ein schmerzverzerrtes Gemurmel. Eigentlich hätte ich das nicht sagen sollen, schließlich musste ich ja auf die Konsequenzen noch warten. Oh, wenn ich nicht so ein Feigling und so schwach wäre, dann hätte ich meinen Zauberstab gezogen und ihn herausgefordert, aber Rose hatte mir eingebläut keine Dummheiten zu machen und alles so kommen zu lassen, dass das Vertrauen wieder hergestellt werden konnte. Ob das nun so gut funktioniert hatte, wusste ich nicht. Es musste einfach. Des Kindes Willen. Niemand würde meiner zukünftigen kleinen Familie ein Haar krümmen dürfen, und dafür müsste ich mir wieder das Vertrauen des Lords erschleichen, damit er nicht eines Tages auf der Matte stand und jene quälte, die ich liebte.
    Schmerzerfüllt atmete ich ein, als Wurmschwanz mich packte und zur Tür bugsierte. „Sei nicht so grob, du Fettsack“, knurrte ich ihn an, bäumte mich auf und zog meinen Zauberstab, um ihn dem Zauberer an die Kehle zu drücken. Wie gesagt, ich hasste es, wenn mir jemand half, vor allem solche Leute und in solchen Momenten. Der Lord sollte nicht denken, dass ich schwach wäre. „Finger weg“, sagte ich mit ein wenig festerer Stimme, wartete bis der Diener des Lords zurückgewichen war, ehe ich den Rücken durchdrückte, die Luft anhielt, und den Raum verließ. Kaum hatte sich die Tür hinter mir geschlossen, gaben meine Beine auch schon wieder nach und es war nicht gelogen, dass ich keine wirkliche Erinnerung mehr daran hatte, wie ich ins Schloss gelangt war.


    -Ende-

  • one microscopic cog
    Mittwoch, 14. August
    abends
    Jeff Davin Brooks I Jonathan Theodore Donovan


    Angespannt tigerte Jeff durch die Eingangshalle der Villa. Jeder seiner Schritte brachte die Dielen dazu, ein erbarmungswürdiges Krächzen von sich zu geben, während sein Blick über die spärliche Möblierung huschte und immer wieder an der Eingangstür hängen blieb. Er wusste, dass er zu früh war. Aber wenn der Dunkle Lord ihm einen Auftrag gab, dann würde der Brooks diesen auch gewissenhaft erfüllen. Dessen war er sich sicher, auch, wenn die Entschlusskraft in seiner bisherigen kurzen Zeit als Todesser noch nicht auf die Probe gestellt worden war. Zu dieser Gewissenhaftigkeit gehörte selbstverständlich auch ein pünktliches Erscheinen und so hatte er lieber riskiert, fünf Minuten zu früh zu erscheinen, als auch nur eine Minute zu spät. Dabei würde er den Dunklen Lord heute gar nicht in der Villa der Riddles treffen. Er erwartete lediglich einen getreuen Anhänger desselben. – Jonathan Theodore Donovan. Gemeinsam wollten die beiden Zauberer sich der Aufgabe ihres Herrn stellen und einen Plan ersinnen, um Hogwarts zu infiltrieren und nach und nach von dem schändlichen Einfluss der Muggel zu befreien. Ein sicherlich schon lange überfälliges Vorhaben, das der Vater einer Hogwartsschülerin, sowie zweier ehemaliger Schüler dieser Schule selbstverständlich gerne unterstützte. Und natürlich hoffte er, dass der Plan, an dem er mitgewirkt hatte, am Ende den Dunklen Lord überzeugen würde. Nicht nur, weil er in der Gunst seines Herren aufsteigen wollte, sondern auch, um seine Tochter vor möglichen Gefahren für die Schüler im Zuge der Unternehmung beschützen zu können.
    So war es auch nicht verwunderlich, dass Orja ihn nur einmal an den Termin, den er schlicht als „Besprechung 1“ in sein Notizbuch eingetragen hatte, erinnern musste, ehe er nach Little Hangleton appariert war, sich seinen schwarzen Zaubererumhang glattgestrichen hatte und mit einem etwas mulmigen Gefühl die Villa betreten hatte. Wie lange das her war, wie lange er schon unruhig durch die Hallte schlich, das konnte der Waliser nicht sagen. Obwohl es ihm vorkam wie Stunden, war er sich doch sehr sicher, dass nicht mehr als drei oder vier Minuten vergangen waren. Oder waren es schon zehn? Schlussendlich war das auch unwichtig. Die Hauptsache war, dass er aufmerksam blieb, sich nicht überrumpeln ließ und vor allem keine Schwäche zeigte. Um zu erkennen, dass die Todesser ein Nest voller Vipern waren, brauchte es nicht viel und der Brooks beabsichtigte nicht, sich von ihnen beißen zu lassen.
    Als die Eingangstür endlich mit einem lauten Qietschen aufging, unterbrach er seine Wanderung umgehend. Ein Stück rechts der Tür, den Blick auf eben diese gewandt, verschränkte er die Arme vor der Brust und zauberte sein Politikerlächeln auf die Lippen. Eine Maske der Gelassenheit, die seine Aufregung ebenso verbergen sollte, wie den großen Eifer, sich endlich beweisen zu können. „Guten Tag, Mister Donovan. Schön, dass sie es einrichten konnten. Wollen wir uns vielleicht setzen?“ Mit einer einladenden Geste deutete er auf einen Tisch mit zwei Stühlen, der in einer Ecke der Halle stand. Ohne auf eine Reaktion zu warten, ging er bereits in die von ihm gewiesene Richtung und setzte sich auf den Stuhl, dessen Rückenlehne zur Wand zeigte, sodass er die Halle weiterhin im Blick hatte. Erst dort unterzog er den Mann, der nur halb so alt war, wie er selbst, einer eingehenden Beobachtung. Immerhin wollte er wissen, mit wem er nun zu tun haben würde.


    @Jonathan Theodore Donovan

  • Ein Treffen unter der Woche war durchaus keine schlechte Idee, schließlich lief da nicht gerade viel im Club. Nur die – mittlerweile – Stammgäste, die vor der Ankunft zu Hause noch am Feierabend einen trinken wollten, belagerten die Bar, oder waren auf den wenigen Sitzgelegenheiten zu finden. Die wenigen Kellnerinnen und der Barkeeper reichten dafür ganz gut aus. Es war also zu verschmerzen, dass ich nach der Arbeit im Ministerium sofort hierher kam. Ich hatte mir heute eine spätere Schicht eingeteilt, damit Kijada nichts davon wusste, dass ich mich hier herumtrieb. Natürlich wusste sie, wem ich mich angeschlossen hatte, aber wenn ich ihr nun von Planungen erzählen würde, wäre das eindeutig zu viel des Guten, vor allem da es darum ging, jemanden in Hogwarts zu positionieren. Da könnte sie vielleicht weniger tolerant reagieren, vor allem weil es ja um Kinder ging. Aber diese Art von Kinder, die sich zur Zeit dort herum trieb, brauchte ohnehin mal eine Abreibung. Ich vermisste die guten alten Zeiten, als ich mit meinen Freunden im Inquisitionskommando war und wir unseren Mitschülern Respekt beigebracht hatten, damit sie sich an die Schulregeln hielten. Hogwarts bräuchte so etwas wohl wieder. All diese toleranten Milchbubis und Milchmädchen die dort herumhopsten und dachten es wäre cool wenn man obszön war und sich gegen alles stellte, was Autorität bedeutete, weil das ja alles so männlich war und männlich war ja ach so böse. Pah. Mit einer Sonnenbrille auf der Nase durchs Schloss zu laufen und dabei seinen Klatscherschläger geschultert haben, DAS war der Inbegriff von Coolness, aber nicht diese linkslinke tolerante Kinderkacke. Der dunkle Lord hatte schon recht, wenn er jemanden dahin schicken wollte. Doch das Wie fehlte noch.
    Genau aus diesem Grund stieß ich nun auch die Tür zur Villa auf, in der der Lord sich immer versteckte. Wirklich eine schicke Hütte, aber ein bisschen zu groß für einen einzigen. Ein Wunder, dass er sich hier immer allein aufhielt, wenn man mal von Wurmschwanz absah, aber der hatte ja eher den Status eines Hauselfen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich sofort begrüßt wurde, als ich die Eingangshalle betrat und war daher etwas überrascht, während ich meine Sonnenbrille abnahm. „Guten Tag auch Ihnen“, grüßte ich artig zurück und nickte dann, ehe ich ihm folgte. Ein bisschen seltsam war es ja schon von einem viel älteren Mann gesiezt zu werden, immerhin war ich vermutlich nicht älter als seine Söhne. Aber wir waren immerhin hier als Kollegen eingetroffen, da war es wohl oder übel angebracht, auf Förmlichkeiten zu bestehen. Ein bisschen eingeschnappt war ich ja doch, dass Tantchen Dixon sich bereits mit ein paar der anderen zum Planen eingefunden hatte, ohne mir Bescheid zu geben. So war sie eben, die liebe Familie. Eben richtig kacke. Daher musste unser Plan jetzt einfach genial werden. Ich wollte gewinnen und die ehemalige Ravenclaw einfach nur alt aussehen lassen.
    Also setzte ich mich nun an den Tisch und legte die Sonnenbrille an den Rand des Tisches. „Nun, eigentlich bin ich immer noch dafür, dass wir das Schloss stürmen sollten und Dumbledore und seinen Schoßhund Smith vom Thron schupsen sollten. Er ist alt, bestimmt bricht er sich beim Aufstehen unbedacht den Oberschenkelhals oder so.“ Und wenn nicht, musste man eben nachhelfen. Dann könnte man einfach jemanden von uns ins Schloss als Schulleiter einsetzen. „Eigentlich ist es eine Schande, dass bisher keiner der Pläne funktioniert hat. Mein Dad hat mir erzählt, dass man schon mindestens zweimal unsere Leute als Lehrer nach Hogwarts geschickt hatte …“ Eine wurde schwanger und ging irgendwann wieder und der andere sitzt immer noch dort und wurde zum Verräter. Pah. „Also würde ich schon einmal ausschließen, als Lehrkraft für eine der Unterrichtsfächer dort anzufangen. Wie sehen Sie das?

  • Hätte Jeff die Ruhe gehabt, sich den Neuankömmling wirklich anzusehen, anstatt nur wahrzunehmen, dass er da war, hätte er vielleicht die Überraschung des Donovans bemerkt. So jedoch quittierte er die Begrüßung nur mit einem kurzen Nicken, ehe er sich in Richtung der Sitzgelegenheiten aufmachte. Es stimmte natürlich, der junge Todesser war nur wenige Jahre älter als Theophilus. Doch deswegen würde der Brooks nicht persönlich werden. Sie waren quasi geschäftlich hier und nicht aufgrund von Sympathie oder gar Freundschaft. Lediglich das Ziel, dass sie verfolgten war das Selbe. Und mit wem dieses geschah, war zumindest dem Brooks insofern egal, als dass er bereit war, alles andere für den Erfolg ihres Vorhabens zurückzustellen. Natürlich war er ein wenig enttäuscht gewesen, dass Peasegood nicht ihn als Partner ausgewählt hatte. Doch auch diese Konstellation hatte Vorteile. Schließlich erlaubte sie es dem Brooks, einen weiteren Todesser näher kennenzulernen und dadurch besser einschätzen zu können.
    Und zumindest hatte Mister Donovan die Freundlichkeit besessen, seine Sonnenbrille abzunehmen, als er die Villa betreten hatte, sodass Jeff ihm nun in die Augen sehen konnte. Eine kleine, missmutige Falte bildete sich jedoch bei den nächsten Worten seines Gegenübers zwischen den Augenbrauen des Älteren. Den Eifer, mit dem der Sicherheitsbeauftragte den Auftrag erfüllen wollte, schätzte er natürlich. Immerhin entsprach dies seinem eigenen unbedingten Willen. Aber ein direkter Überfall auf die Schule – das erschien ihm dann doch zu riskant und vor allem wenig erfolgsversprechend. Er sah keinen Grund, sein Leben für nichts und wieder nichts zu riskieren. Bei einer solchen Aktion konnte er doch eigentlich nur sterben oder nach Askaban geschickt werden. Die Folgen, die dies nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie, seine Kinder hätte, wollte er lieber gar nicht durchdenken. Da klang der Vorschlag, Todesser als Lehrer einzusetzen schon vielversprechender. Doch da das in der Vergangenheit scheinbar schon häufiger missglückt war, war dieses Vorgehen wohl auch keine Alternative. Allerdings hatte auch Jeff sich bereits einige Gedanken gemacht. Nicht nur während des bisher sehr kurzen Gesprächs, sondern bereits zuhause, in seinem Arbeitszimmer. Seine Idee war es, bei dem Beruf des Donovan anzusetzen. „Einen Sturm auf Hogwarts halte ich für wenig Zielführend. Und nach mehrmaligem Scheitern wird auch die Installation einer Lehrkraft kaum erfolgsversprechender sein. Zumal Dumbledore und das Kollegium dadurch bereits gewarnt und sicherlich besonders aufmerksam sind. Allerdings...“ er legte eine kkleine Kunstpause ein, in der er ein wenig an seinem Ehering herumnästelte. „Allerdings sehe ich die Möglichkeit, unsere Stellung im Ministerium für die Infiltrierung der Schule zu nutzen. Sie arbeiten, ebenso wie ich, im Sicherheitsbereich. „ Ein kurzer Blick, um zu sehen, ob sein Gegenüber bereits verstand, worauf er hinauswollte, dann fuhr er fort. „Es wäre sicherlich möglich, unter einem Vorwand die Sicherheitsvorkehrungen von Hogwarts auszukundschaften. Mit etwas Glück ließe sich sogar ein Leck einfügen. Beispielsweise könnten wir behaupten, es habe einen anonymen Hinweis auf Sicherheitsmängel innerhalb der Schule gegeben. Diesem müsse das Ministerium selbstverständlich nachgehen. Nach der Untersuchung könnten wir uns dann einfach wieder verabschieden und sagen, dass wir nichts gefunden haben.“ Egal, ob dies nun der Wahrheit entsprach oder nicht. Ein kleines, selbstzufriedenes Blitzen stahl sich in seine blaugrauen Augen, während sein Mund weiterhin lächelte. Genau, wie zu Beginn der Unterredung. „Was halten Sie von diesem Vorschlag? Denken Sie, dass dies mit Ihrer Position im Ministerium vereinbar ist? Oder würden Sie eine andere Vorgehensweise bevorzugen?“

  • Fast hätte ich angefangen zu lachen, schaffte es aber, es bei einem schiefen Lächeln zu belassen. Als ob Dumbledore bisher bemerkt hätte, was da für Gestalten in seinem Lehrkörper herumliefen. Manchmal hatte man so das Gefühl, dass er einfach nach Lust und Laune einstellte. Aber irgendwie war damals auch noch Professor Snape Schulleiter gewesen, als es geglückt war, die Anhänger des Lords im Schloss positionieren. Nur leider war Dumbledore dann zurückgekehrt und mein Lieblingslehrer hatte sich, aus welchem Grund auch immer, bereitwillig ins Ministerium versetzen lassen. Eigentlich hatten wir schon so einen schönen Ausgangsstandpunkt besessen, wenn er sich nicht versetzen hätte lassen. Man hätte damals schon darauf beharren müssen, dass der alte Sack gar nicht erst auf seinen Schulleiterstuhl zurückkehren durfte, dann hätten wir nun keine Probleme. Vermutlich hatte der Lord seine Gründe dafür gehabt, diesen Posten aufzugeben, aber es war wohl nicht besonders taktisch gewesen, es so einfach zu machen. Vor allem nun, da er wieder seine Leute dort haben wollte. Wie sollte man das anstellen? Wieso hatte man es denn überhaupt aufgegeben? Fragen, die man wohl mit dem Leben bezahlte, wenn man sie dem dunklen Herrn stellen würde. Schließlich galt er als unfehlbar.
    Seine Idee klang da schon eher besser. Vor allem konnte ich mir auch keinen aus den Reihen der Todesser als Lehrer vorstellen. Die meisten waren einfach zu dumm dafür. „Das wäre eine gute Idee. Oder wir erklären, dass besorgte Eltern gerne mehr Schutz für ihre Kinder im Schloss haben wollen, wo doch jedes Jahr etwas passiert und wir ein Sicherheitskonzept erarbeiten möchten. Dann könnten wir auch jeden Winkel des Schlosses auskundschaften und gewisse Installationen für uns anbringen.“ Sicherheitslücken, durch die nur jene kommen, die das dunkle Mal trugen. Angeblich gab es so einen Zauber ja, und nur der innere Kreis kannte ihn, aber ich würde Dad schon irgendwie dazu bekommen, ihn für mich in Erfahrung zu bringen. Dann könnte jemand immer ein und ausgehen und man könnte besser herumschnüffeln und gegebenfalls auch Leute reinbringen, wenn es nötig wurde. „Es war schon einmal angedacht, Sicherheitsbeauftragte nach Hogwarts zu schicken, als der Weihnachtsmarkt angegriffen worden war. Sogar davor schon, als Dumbledore zurückkam, aber mich hat es dann nach Bulgarien verschlagen für ein Praktikum, also weiß ich nicht, was daraus wurde. Es ist also durchaus möglich, dass wir ohne großes Aufsehen wegen Sicherheitsangelegenheit ins Schloss kommen könnten.“ Vielleicht könnte man auch eine Art Kurs anbieten, aber dann wären wir wieder beim Lehrer spielen, was bei diesen seltsamen neoliberalen Kackbratzen durchaus sehr anstrengend werden könnte, wenn man denn nicht mit eiserner Faust unterrichten durfte.

  • Das Lächeln wurde noch ein wenig breiter, als sein Vorschlag umgehend für gut befunden wurde. Manchmal waren es eben doch die relativ einfachen Pläne, die am meisten Erfolg versprachen. Dies war vielleicht nicht der direkte Weg, aber allzu groß war der Umweg auch nicht, den sie zu nehmen gedachten. Außerdem erforderte dieses Vorgehen nicht allzu viele weitere Eingeweihte, die allesamt ein Sicherheitsrisiko dargestellt hätten. Desto weniger Menschen von ihren Plänen erfuhren, desto besser. Deshalb war er auch wegen der Eltern-Idee etwas skeptisch. Egal, was man von Dumbledore auch halten mochte, er war vermutlich nicht so ein Narr, dass er die Behauptung, die Eltern hätten Sicherheitsbedenken, einfach so hinnehmen würde. Auch, wenn diese Bedenken durchaus berechtigt waren. In den letzten Jahren war wirklich viel passiert. Vielleicht konnte man deshalb über eine gefälschte Petition nachdenken, die bei Aufforderung vorgezeigt werden konnte. Diese müsste dann allerdings auch den üblichen Gang durchlaufen, falls es kritische Nachfragen gab. Desto mehr er darüber nachdachte, desto mehr Lücken fielen dem Brooks in seinem Plan auf. Nachdenklich begann er erneut, an seinem Ehering herumzunästeln. Und für einen Moment konnte er es nicht vermeiden, an Louisa zu denken. Seine verstorbene Frau hätte all das, was er hier tat, niemals gutgeheißen. Hätte womöglich erneut einen Weg gefunden, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten. Und er, Jeff, wäre darauf eingegangen. Er hätte alles für sie getan, hatte sie von ganzem Herzen geliebt und wünschte sich noch immer ihre Liebe, ihre Wärme und ihren Rat zurück. Die Augen des Walisers wurden bei diesen Gedanken trüb. Doch als der Donovan ausgesprochen hatte, riss er sich wieder zusammen.
    Er musste sich konzentrieren, Bestleistungen für den Dunklen Lord bringen. Sein Herr war alles andere als Nachsichtig, das war dem Brooks bewusst.„Eigentlich finde ich die Idee, sich auf besorgte Eltern zu beziehen gut.“ Das ‚Aber‘ schwang schon in seinem ersten Satz mit und folgte dann auch direkt. „Aber ich befürchte, dass die Umsetzung etwas komplizierter ist. Schließlich könnte die Schule sich beim Ministerium oder bei den Eltern selbst erkundigen, ob eine derartige Beschwerde oder Anfrage vorliegt. Nicht, dass sie nicht berechtigt wäre...“ Ein freudloses Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, während er an all die Geschichten dachte, die seine Kinder ihm von ihrer Schulzeit zu berichten wussten. Ganz abgesehen von all den Zwischenfällen, die auch außerhalb der Schülerschaft bekannt wurden. „Wenn wir für dieses Problem eine Lösung finden, bin ich jedoch gerne bereit, diesen Weg zu gehen. Vielleicht könnte man auch Erkundigungen zu dem letzten Vorhaben dieser Art einziehen. Wissen Sie zufällig, wen man dazu kontaktieren könnte?“ Es war ärgerlich, dass er selbst in Bezug auf vergangene Aktionen der Todesser ein derartiges Informationsdefizit hatte. Einfach, weil er erst seit kurzem zu ihnen gehörte. Unter anderen Umständen hätte Jeff jetzt sein Notizbuch gezückt und eine entsprechende Notiz gemacht. Doch das war ihm zu riskant, sodass er sich auf sein eigenes Gedächtnis verlassen musste.

  • Natürlich war es schon rauszuhören, dass es ein großes aber gab. Schließlich hatten das ältere Personen, mit denen ich oft sprach, so an sich. Gerade weil ich jünger war, dachten sie oft, dass sie mir noch etwas beibringen mussten, zumindest hatte es oft so den Anschein. Wieso sollte er schließlich sonst widersprechen wollen? Doch nicht etwa, weil mein Masterplan Lücken aufwies? Das konnte es doch nicht sein. Immerhin hatte ich mir doch so viele Gedanken gemacht. Oder zumindest sollte es so aussehen. Denn wirklich ganz viel darüber nachgedacht hatte ich nicht wirklich, obwohl ich eigentlich bei dieser Aufgabe glänzen wollte, um zu zeigen, wie genial die Donovans sind. „Naja entweder wollen die Eltern eben anonym bleiben um Dumbledore nicht zu beleidigen, oder aber wir schaffen es, ein paar einflussreiche Eltern mobil zu machen. Ist nicht ihre Tochter noch in der Schule?“ Dann hätten wir schon einmal die erste besorgte Stimme. Vielleicht schaffte mein Dad ja auch seine Connections zum Minister spielen zu lassen, um einen besseren Stand bei solchen Dingen zu haben, oder wäre das gleich zu auffällig? Eine Order vom Minister könnte Dumbledore auch nicht so einfach ausschlagen und es kam ja nicht zum ersten Mal vor, dass ein Minister ein gewisses Maß an Misstrauen gegen den Schulleiter hatte, und auch dass der Minister sich einfach als Spielball benutzen ließ. Alles war schonmal vorgekommen und ließ sich gewiss einfach wiederholen.
    Leider nicht, aber vielleicht lassen sich dazu Akten im Archiv finden“, schlug ich vor und kratzte mich am Kinn. Wenn man einen Tag erwischte, an dem im Archiv nicht viel los war, oder besser gesagt, niemand da war, könnte man selbst ganz einfach nachgucken. So wie damals mit Miss Fear, als wir das halbe Archiv auf den Kopf gestellt hatten, nur weil wir uns geärgert hatte, weil niemand da war. Aber gab es sonst noch irgendwelche Ideen, die man einbringen konnte? Wie kam man ansonsten einfach in die Schule? Seine Tochter war wohl noch etwas zu jung dafür, um sich für gewisse Dinge einsetzen zu lassen. Außerdem wäre es wohl kein guter Plan, kleine Mädchen in die Dienste des Lords zu stellen. Kinder hatten da einfach nichts verloren, schließlich konnte das ziemlich brutal werden, wenn es richtig zur Sache ging. Ich würde da nicht einmal den kleinen Bastard mit reinziehen, obwohl der nun bei einem Verräter aufwuchs. Irgendwie war es doch nicht so einfach, sich einen Plan auszudenken, der dem Meister gefallen könnte. Da war es einfacher gewesen, ein Konzept für den Club zu entwerfen, um damit Investoren an Land ziehen zu können. Und das war für mich schon furchtbar schwer gewesen, schließlich war ich ein direkter Mensch, der gern mit dem Kopf durch die Wand ging, anstatt die Wand zu Tode zu quasseln. „Fallen Ihnen sonst Wege ein? Weswegen will der Lord überhaupt ins Schloss? Wieso jetzt?“ Irgendwie nervte es, immer nur halbe Infos zu bekommen.

  • Irgendwie überzeugte Jeff die Vorstellung, dass die besorgten Eltern anonym bleiben wollten, nicht. Eine Petition, die von einem Haufen unbekannter Gestalten unterzeichnet wurde, war einfach viel zu leicht zu fälschen und damit von vornherein unglaubwürdig. Dessen war sich der Waliser sicher. Da wäre es wesentlich besser, wirklich einige einflussreiche Eltern zu einem derartigen Schritt gegen den Schulleiter zu bewegen. Was natürlich auch alles andere als leicht werden würde. Zumal auch er selbst keineswegs beabsichtigte, sich direkt in das Schussfeld zu bewegen. Nein, er fühlte sich wohler, wenn er im Hintergrund die Fäden ziehen konnte, während andere seinen Wünschen gemäß handelten. Immerhin machte dies eine Entdeckung seiner eigenen Aktivitäten direkt wesentlich unwahrscheinlicher. Und Lore würde er definitiv nicht in ihr Vorhaben einbeziehen. Sie war noch viel zu jung, um dem Dunklen Lord zu dienen. Nein, sollte er sie mit seinen Handlungen in Gefahr bringen, so könnte er sich dies niemals verzeihen. Entsprechend zögerlich nickte er mit dem Kopf, ehe er zu sprechen anfing. „Sie haben ganz recht. Lore besucht derzeit die vierte Klasse in Hogwarts. Aber Sie werden sicherlich auch verstehen, dass ich nicht bereit bin, sie zu einem Teil unseres Plans zu machen. Ich bin sicher, dass sich auch andere Möglichkeiten finden werden, einflussreiche Eltern für unsere Zwecke zu instrumentalisieren. Ich hatte beispielsweise bereits ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit Professor McWhite. Bekanntermaßen teilt dieser unsere Gesinnung nicht. Doch auch er schien besorgt über einige Umstände in Hogwarts.“ Dass es sich bei diesem Umstand primär um den derzeitigen, und im übrigen hervorragenden, Professor für Muggelkunde handelte, auf den seine Tochter so große Stücke hielt, verschwieg der Brooks lieber. Und auch auf die Idee einer anonymen Petition ging er nicht ein. Der junge Donovan würde sicherlich von alleine die Lücke in seinem Plan entdecken, sobald er ein wenig Zeit hatte, darüber nachzudenken.
    Stattdessen versuchte er lieber, sein Informationsdefizit auszugleichen. Und hatte dabei bemerkenswert wenig Erfolg. Doch zumindest der Hinweis auf das Archiv war ein Lichtblick. Immerhin arbeitete Miss Shafiq in dieser Ministeriumsabteilung. Und auch, wenn sie eine bemerkenswert unfähige Hexe war (sie konnte noch nicht einmal einen einfachen Champagnerfleck von ihrem Kleid entfernen), so hatte er doch keine Zweifel an ihrer Gesinnung. Dafür hatte vor allem die Freundschaft der Shafiq zu Alicia Dolohow gesorgt. Und offenbar war es ihr sogar gelungen, ihre Ansichten weitestgehend geheim zu halten, sodass zumindest sein junges Gegenüber nicht auf diese einfache Lösung zu kommen schien. Oder handelte es sich hierbei um einen Test? Wollte der Donovan herausfinden, wie viel Jeff bereits wusste? Wie gut er wirklich vernetzt war und welche Vorteile sein Einfluss den Todessern einbringen konnte? Und wenn dem so war, war es wirklich eine kluge Idee, bereits diesen Trumpf aus der Hand zu geben? Und traute er Rebecca Shafiq genug, um sie in einen Teil der Todesser-Pläne einzuweihen? Jeff rang mit sich, musste sich zwingen, sein typisches Lächeln nicht zugunsten einer nachdenklichen Miene fallen zu lassen. Doch schließlich entschied er sich für einen Mittelweg, der ihm hoffentlich alle Optionen offenließ. „Nun, ich könnte mich einmal mit Mitarbeitern des Archivs unterhalten. Ich bin optimistisch, dass ich Zugang zu einigen der Akten erhalten kann.“
    Die nächste Frage brannte allerdings auch Jeff schon seit einiger Zeit unter den Nägeln. Nur zu gerne wüsste er, was im Kopf seines brillanten Herren vorging. Doch da er dies nicht erfahren sollte, blieben ihm nur Mutmaßungen und der gesunde Menschenverstand. „Wenn ich das richtig einschätze, herrscht derzeit einiger Aufruhr in der Schülerschaft. Dieser könnte dafür sorgen, dass andere Sicherheitsbedenken etwas in den Hintergrund rücken. Was wiederum unseren Plan vereinfacht und die Zeit für die Umsetzung des selbigen beinahe optimal erscheinen lässt. Aber das ist natürlich nur meine Meinung. Ich muss gestehen, dass ich ebenso im dunklen tappe, wie Sie. Auch, was weitere Wege betrifft. Oder sollte ich mich irren und Sie haben bereits einen anderen Plan entwickelt?“ Nicht, dass Jeff großartige Hoffnungen hegte, dass dieser Plan besser wäre, als die bisherigen. Aber es erschien ihm unhöflich, nicht zumindest zu fragen. Was im übrigen auch der einzige Grund war, warum er hinzufügte „Sicherlich haben Sie doch auch einen Verdacht, wieso Hogwarts infiltriert werden soll, und warum dies jetzt geschehen muss.“

  • Ambrose Peasegood

    Hat den Titel des Themas von „Die große Eingangshalle“ zu „[Anwesen der Riddles] Die große Eingangshalle“ geändert.

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