Erdgeschoss - Hausflur


  • No room for your daft intolerance left in this day and age
    We're not gonna go down quietly, we're not gonna be afraid
    'Cause under the cloak of sanities are mad[wo]men in disguise
    oder auch: #2 Kammerjäger

    Virginia MacGuffin & Jonas Myrddin Fawley
    Montag, der 24. Februar 2020, abends


    Das Schreien wollte einfach nicht aufhören. Jonas hatte alles versucht, doch nachdem er vor einer dreiviertel Stunde in der Küche einen Teller hatte fallen lassen, waren die Vorhänge vor dem Portrait im Hausflur zur Seite geflogen und Mrs. Walburga Black hatte mit ihrer elendigen Schimpftirade begonnen, der sie ganz offensichtlich auch nicht müde wurde. Nun, eine gewisse Unerschöpflichkeit gehörte dann wohl zu den Vorteilen, wenn man tot oder, wie in Mrs. Black Fall, ein von Beginn an lebloses Objekt war. Zunächst hatte Jonas in seiner inzwischen beinahe schon chronischen Ruhe sie einfach schreien lassen, in der Hoffnung, sie würde damit aufhören, sobald das Geräusch des zerspringenden Porzellans nur lange genug verklungen war. Schließlich sollte man Babys ja manchmal auch einfach schreien lassen, oder so. Nachdem das Gezeter (welches sich vorerst nur auf einen Dieb oder Einbrecher bezog, den Mrs. Black wohl in ihrem Haus vermutete) jedoch eine geschlagene Viertelstunde angehalten hatte und Jonas von einem markerschütterndem Schrei der alten Sabberhexe derart zusammengezuckt war, dass seine Hand gegen die heiße Pfanne gerutscht war und er sich an ebenjener verbrannt hatte - gefolgt von ein paar unschönen Flüchen seinerseits, die Mrs. Black wohl durchaus Konkurrenz gemacht hatten - war er es Leid gewesen. Schnell waren die Sachen vom Feuer gestellt und der temperamentvolle Waliser aus der Küche und dem Speiseraum nach vorne in den Eingangsflur getrampelt.
    Mit breit aufgestellten Beinen hatte er sich vor dem kreischenden Portrait aufgestellt und war spontan einfach in das Gefluche der alten Blutrassistin eingefallen - mit deutlich nachäffendem Unterton verstand sich. Das wiederum hatte die Hexe wohl einen Moment irritiert, einen kurzen seeligen Moment der Stille, den Jonas genutzt hatte, um die alte Frau eindringlich anzustarren, bevor diese wohl erkannt hatte, wer da vor ihr stand. „FAWLEY!!” war es fortan durch das Haus geschallt und beinahe glaubte Jonas die Wände zittern zu hören „BLUTSVERRÄTER! IN MEINEM HAUS! UNWÜRDIGER!” Et cetera, et cetera. Jonas war das gewöhnt, denn ein bisschen erinnerte ihn die gute alte Mrs. Black an seine Großmutter, Rhonda Fawley, die ganz ähnlich reagiert hatte, als die Versuche Jonas zu seiner „guten, Erziehung” zurück zu führen leider erfolglos geblieben waren. Und obwohl ihn die Beleidigungen an sich eher weniger störten, war die Lautstärke in der das Portrait der verstorbenen Hexe ihn beschimpfte, auf Dauer selbst für ihn nicht zu ertragen. Jonas verdrehte die Augen und seufzte genervt. Er wollte doch einfach nur etwas Essen! Doch leider würde ihn alles quengeln hier nicht wirklich weiterbringen, weshalb der ehemalige Gryffindor kurzerhand seinen Zauberstab erhob.
    WAG ES DICH DU SCHMUTZIGER-” begann Mrs. Walburga Black ihm um die Ohren zu kreischen, doch wirklich erfolgreich war sie mit ihrer Drohung nicht. Der Waliser schwang den Fichtenstab durch die Luft und sprach einen „Silencio” der die Stimme des Portaits zumindest vorerst eindämmte. Doch Jonas wusste, dass dies nicht die Lösung aller Probleme war. Früher oder später würde sein Zauber nachlassen, schien auf dem Portrait doch seine ganz eigene Magie zu liegen. Magie, die bisher wohl auch dafür gesorgt hatte, dass niemand das Portrait der alten Sabberhexe abgehangen hatte. „Aber heute, du hässliche alte Schabrake, nimmt es ein Ende mit dir.” prophezeihte der Waliser, das Gesicht zu einem unheilvollen Grinsen verzogen und steckte den Zauberstab vorerst wieder in seine Hosentasche. Stattdessen griffen die Finger des Zauberers nach dem Bilderrahmen in welchem Mrs. Black derart wild umherzukeifen versuchte, dass es wohl einem Wunder glich, dass sie noch keinen Schaum vor dem Mund zu verzeichnen hatte. Mit aller Kraft versuchte Jonas an dem goldverzierten Bilderrahmen zu zerren, um das alte Ding recht unbedacht von der Wand zu reißen - doch Erfolg hatte er damit nicht. Stattdessen hatte er, als er schließlich von dem Portrait abließ, lediglich über schmerzhafte Druckspuren auf den Fingerkuppen zu klagen. „Die harte Tour also, ja?” Böse funkelte er mit Walburga Black um die Wette, als ein Geräusch hinter ihm ihn aufhorchen ließ. Abrupt wandte Jonas sich um, griff mit der linken Hand erneut nach dem Zauberstab in seiner Hosentasche und richtete ihn auf die Tür. Vorsicht war besser als Nachsicht.



    @Virginia MacGuffin

  • And here we are, living despite it all
    @Elias G. Cooper

    02.05.2021

    Tatsächlich war das Hauptquartier des Ordens für Brooke so etwas wie ein zweites Zuhause geworden. Sie fühlte sich in den dunklen, kühlen Gängen irgendwie sicher, aufgehoben, vor der Welt verborgen. Es fehlte das Freiheitsgefühl und auch waren die Räume nicht sonderlich schön eingerichtet, aber zumindest dieses Pochen in ihren Schläfen, das Verlangen, sich jederzeit umdrehen zu müssen, um zu überprüfen, ob ihr nicht heimlich jemand folgte, nahm ab. Zwar war es eine unrealistische Vorstellung, denn niemand würde sie wohl ohne die Erlaubnis ihres Chefs verfolgen lassen, außer er war lebensmüde, aber trotzdem konnte Brooke den Gedanken nicht abschütteln. Denn neben der Strafverfolgung, die sich in gewissen Bereichen leider als wenig zuverlässig gezeigt hatte, waren da auch noch die Todesser. Und diese folgten nur einer Person, einer, von der Brooke gehofft hatte, dass sie nur bösen Märchen entsprach. Oder dass sie zumindest für immer besiegt worden wäre. Doch die Realität sah anders aus, sie hatten es selbst gesehen. Nein, es gab dort draußen nicht nur das korrupte Ministerium, es gab so viel mehr Gefahren – und hier, zwischen den kühlen Mauern, da wirkte es zumindest manchmal so, als könne man all das hinter sich lassen, als würde man einen Moment Ruhe von der Außenwelt haben. Nur um dann im nächsten Moment Pläne zu schmieden, wie man beispielsweise die eigene Position im Ministerium nutzen könnte, um mehr Informationen zu bekommen.
    Mit einem Buch über die wirksamsten Verteidigungszauber in der Hand hatte Brooke sich den Weg aus einem der oberen Zimmer nach unten in Richtung Küche begeben, denn es gab wohl nichts wichtigeres, als sich selbst immer weiter auf das, was kommen würde, vorzubereiten. Dass sie dabei einen Schatten regelrecht übersah, der im Hausflur verweilte, war wohl ein Zeichen dafür, dass solches Wissen wirklich angebracht war. Und so wäre die junge Frau beinahe in ihr Gegenüber reingelaufen, hätte sie nicht im letzten Moment nach oben gesehen und abrupt Halt gemacht. „Elias.“ Überraschung in der Stimme, auch in den blauen Augen, ehe Brooke das Buch zuschlug und sich eine der (noch) braunen Haarsträhnen hinter das Ohr schob. Sie hatte die Haare seit dem Vollmond noch nicht wieder gefärbt, da sie aktuell Urlaub hatte und auf der Arbeit nicht den Schein aufrecht erhalten musste. Sie hatte den ehemaligen Heiler nur noch selten gesehen, besonders seitdem er nach Hogwarts gegangen war. Eine Entscheidung, die sie vollkommen nachvollziehen konnte, auch wenn für sie wohl das Schloss auf ewig mit wunderschönen, aber auch mit tragischen Erinnerungen verbunden werden würde. Nein, sie hatte in Hogwarts damals leider nicht immer das Gefühl der Sicherheit verspürt.
    Ich … Wie geht es dir?“ Ich freue mich, dich zu sehen? Nun, das war ein Satz, der doch irgendwie abgedroschen wirkte. Die nun gewählten Worte waren da jedoch keinesfalls besser und doch kamen sie von Herzen. Am Liebsten hätte Brooke den anderen in den Arm genommen, etwas, das für die Hexe selbst eigentlich ziemlich untypisch war – und genau aus diesem Grund ließ sie es sein. Sie wollte sich nicht ausmalen, welche emotionalen Kämpfe Elias noch mit sich ausfechten musste. Ob er regelmäßig aus Albträumen erwachte oder auch tagsüber Dinge sah. Beides würde ihm wohl niemand vorhalten, denn die Qualen, die Elias hatte erdulden müssen, waren unvorstellbar gewesen. Brooke hatte größten Respekt vor ihm, dass er sich nicht zurückzog, fernab von Menschen jeglicher Art. Oder mit seiner Familie floh, auch wenn der Weggang nach Hogwarts vielleicht für manch einen so wirken musste. Vielleicht war das sogar seine Intention gewesen, doch Brooke war anderer Ansicht. Dass er noch hier war, dass er dem Orden half – Elias hatte sich gewiss nicht zurückgezogen oder war geflohen. Nein, er blieb – und dafür bewunderte Brooke ihn. „Es freut mich wirklich, dich zu sehen.“ Ein feines, warmes Lächeln trat auf ihre Lippen und ganz vorsichtig, sacht, berührte sie mit einer der Hände, die sie vom Buch gelöst hatte, seinen Arm, bereit, sich jederzeit zurückzuziehen, wenn es ihm unangenehm war.

  • Elias wusste, was ihn in den Grimmauldplatz trieb. Es war das Gefühl, diesen Menschen etwas zu schulden, nach allem was sie für ihn getan hatten. Als wäre es seine Pflicht, etwas beizusteuern, irgendetwas von Wert mit diesem Leben zu machen, das er ohne die anderen Mitglieder des Ordens in diesem Herbst verloren hätte. Wie geliehene Zeit kam es ihm manchmal vor.
    Es gab nicht viel, das er hätte tun können. Er hatte begonnen, mit Richard an seinen Verteidigungszaubern zu arbeiten und seine Okklumentikfähigkeiten aufzufrischen. Ob es ihm letztendlich helfen würde, wusste er nicht. Nichts würde ihn wirklich darauf vorbereiten können, diesen Menschen ein weiteres Mal gegenüber zu stehen. Er glaubte nicht daran, dass er eine zweite Begegnung überleben würde, gleichgültig welche Zauber er erprobte. Und so waren seine magischen Bemühungen nicht die einzige Vorsorge, die er getroffen hatte. Der Zauber, mit dem er sichergestellt hatte, die Mitglieder des Ordens nicht zu verraten, würde jedoch zwischen ihm und Earnestine bleiben. Er bezweifelte, dass es etwas war, für das Patrick oder die jüngeren Mitglieder Verständnis gezeigt hätten. Die meisten von ihnen waren noch immer Idealist*innen.
    Elias drückte das Papier des Tagespropheten zwischen seinen Fingern, spürte das Knistern der Seiten. Jede Woche ging er die Nachrichten durch, strich die an, die ihm verdächtig vorkamen. Er wusste nicht, was er sonst hätte tun können. Es war nur der Versuch, dieses Netz der Gewalt nachzuzeichnen, in der Hoffnung, zu verstehen, wie sie ihre Opfer auswählten und wer diese Auswahl traf.
    Für einen Moment verharrte er regungslos, als er Schritte vernahm. Seine freie Hand war bereits zum Zauberstab gewandert, als die Gestalt von Brooke Hutton vor ihm auftauchte. Er hatte sie seit einer Weile nicht mehr gesehen. Die Spaziergänge, die sie gemeinsam unternommen hatten, erschienen Jahre entfernt. Selbst Theo, der alte Mischlingshund, war in den Osterferien verstorben. Elias hatte nur gehofft, Isaac endlich weniger oft weinen sehen zu müssen.
    Hallo Brooke.“, er nickte der jungen Frau zu, hob die Schultern, als sie ihre Frage hervorbrachte. „Ganz gut und dir?“, er gab die normale Antwort, die, die vertraut und erwartet war und nicht zu Nachfragen einlud. Elias konnte anerkennen, dass es manchmal helfen konnte, mit anderen Menschen zu sprechen, aber er war es Leid. Er wollte ein Leben zurück, dass sich nicht auf diese Erinnerungen reduzieren ließ. Manchmal half es nicht mehr, über all die Dinge zu reden, die nicht normal waren, die nie wieder normal sein würden. Er wollte nur weitermachen. Im Mittelpunkt des Mitleids hatte er nie gerne gestanden. Er hatte immer nur einer von denen sein wollen, die sich irgendwo am Rand bewegten, ihren Part spielten.
    Ich freue mich auch dich zu sehen. Ich wollte mir gerade einen Tee machen, möchtest du auch einen?“, er deutete in Richtung der Küche, überging den Moment, in dem er zurückzuckte, als sie seinen Arm berührte. Auch das kannte er bereits. Manchmal griff seine Tochter nach seiner Hand und alles was er spürte waren die glühenden Fesseln auf seiner Haut.
    Es war nicht mehr die gleiche blanke Panik wie am Anfang. Und natürlich machte es ihn wütend, dass sie ihm auch diese Selbstverständlichkeiten genommen hatten, letztendlich aber er nicht mehr und nicht weniger, als damit zu leben.

  • Hätte Brooke gewusst, wie Elias sich gerade fühlte, sie hätte ihm gesagt, dass er ihnen gegenüber keine Verpflichtung hatte. Dass er ihnen nichts schuldete, denn sie hatten ihn gerne und alle freiwillig befreit. Ob das allerdings geholfen hätte, wäre wohl die andere Frage gewesen. Denn wie musste sich jemand fühlen, wenn andere ihn freiwillig gerettet hatten, er aber selbst alles andere als in der Lage war, das zu erwidern. Wenn die Person sich lieber zurückgezogen und nichts mehr damit zu tun gehabt hätte? Auch wenn Brooke hier ebenfalls gesagt hätte, dass das in Ordnung war, so bedeutete das nicht, dass andere es auch so empfanden. Und so war Elias wohl nicht von der Last zu befreien, die er sich selbst auferlegt hatte. Und so würde es ihn wohl weiterhin belasten, etwas, das sicher hart sein musste, denn wenn man etwas nicht aus Überzeugung tat, war es umso schwerer. Vor allem, weil Elias doch gleichzeitig eine Familie hatte, um die er sich kümmerte, die verständlicher Weise im Mittelpunkt seines Handelns stand.
    Brookes Blick glitt nur kurz über die angespannte Haltung, die sie kannte. Auch ihr war es in der Vergangenheit schon so ergangen. Erging es noch immer, sobald sie etwas hörte. Besonders wenn sie im Ministerium war. Doch während sie nur Angst vor der Entdeckung hatte, war es bei Elias sicher tiefgreifender. Sie würde ihre Angst niemals mit seiner vergleichen – und sie auch nicht thematisieren, außer er wollte es. So etwas brauchte Zeit. Und unter Umständen würde es vielleicht niemals weichen. Doch sie lebten weiter, taten so, als ob alles okay wäre. Ganz gut. Es brauchte nicht viel Menschenkenntnis, um zu wissen, dass mehr dahintersteckte. Dass die Worte eine Floskel waren, eine Antwort, die Menschen gerne gaben, weil andere sie gerne hörten. Oder weil sie selbst nicht näher darauf eingehen wollte. Viel zu oft wurden diese Floskeln genutzt, ohne dass man wirklich Interesse daran hatte, wie es den anderen ging. Hier war es anders. Brooke hätte gerne wirklich gewusst, wie es Elias ging, doch sie akzeptierte seinen Wunsch, unausgesprochen wie er in der Luft hing. Sie war sich sicher, dass er wusste, dass sie miteinander reden konnten. Sie hatten es in der Vergangenheit auch schon gemacht, wenn auch nicht auf dieser Tiefe. Doch Brooke hatte angefangen, den ehemaligen Heiler in ihr Herz zu schließen. Und wenn er jemanden brauchte, wäre sie da. Das würde er sicher wissen.
    Sie spürte Elias‘ Zurückzocken noch bevor sie es sah. Spürte die Muskeln unter ihren Fingern, wie sie sich zusammenzogen. Und so schnell sie ihn berührt hatte, so schnell hatte sie auch die Hand zurückgezogen. Sie würde ihn nicht noch einmal berühren, die Anzeichen dafür, dass er das nicht konnte, waren deutlich. Und auch das verstand sie nur zu gut. Und so lächelte sie nur freundlich, ließ das Gesehene unausgesprochen, ehe sie leicht nickte. „Soweit alles okay.“ Den Umständen entsprechend halt. „Ein Tee wäre wundervoll.“ Und so wandte sie sich um, vor ihm hergehend, in Richtung Küche. Jemandem im Nacken zu haben war sicher auch alles andere als angenehm, weshalb es sinnvoller zu sein schien, wenn er sie ihm Blick hatte. Brooke wusste nicht, ob das half, aber sie wusste, dass wenn er so empfand, sie es nicht persönlich nehmen würde.
    Wie selbstständig machte sie sich auf den Weg zum Herd, um den Zauberstab aus der Tasche zu holen und die Kanne, die dort bereits stand, mit Wasser zu füllen. Es war seltsam für sie, die doch Zuhause eigentlich in einer Form von Muggelhaushalt lebte. „Wie ist es Hogwarts? Gab es bereits Vorfälle beim Trimagischen Turnier, die der Tagesprophet vergessen hat zu berichten?“ Man wusste ja nie, was unter den Tisch gekehrt wurde.

  • Brooke stellte keine Nachfragen und sie kommentierte auch nicht. Sie lächelte nur und stimmte seinem Vorschlag. Elias erwiderte ihr Lächeln für einen Moment, ehe sie sich auf den Weg in die Küche machten. „Was möchtest du denn? Kräuter, Früchte, grün oder schwarz?“, erkundigte er sich dann bei Brooke, sobald sie die Küche betreten hatten. Elias lehnte sich gegen die Anrichte und dirigierte den Prozess der Teeauswahl mit dem Zauberstab, während Brooke das Wasser aufsetzte. Zaubern – wenn man von offensiver Magie absah – war ihm immer leicht gefallen. Es fühlte sich natürlich und selbstverständlich an, selbst jetzt noch, wo so viele Dinge, die ihm früher nicht wie die geringste Herausforderung erschienen waren, zu schier unüberwindbaren Hürden wurden.
    Elias war zufrieden mit seinem langweiligen Leben gewesen. Er hatte es nie für eintönig gehalten, hatte weder Abenteuer noch Aufregung vermisst. Diesen Krieg hatte er nicht für sich gewählt.
    Selbst das Leben in Hogwarts, welches Brooke nun ansprach, war ihm manchmal beinahe zu bewegt. Manchmal wünschte er beinahe, er wäre als Muggel geboren worden. Egal wie sehr er das Zaubern auch liebte, es konnte nicht aufwiegen, was diese Welt ihm genommen hatte.
    Bisher ist es nicht anders verlaufen, als bei dieser Veranstaltung zu erwarten ist. Bei der letzten Prüfung mussten wir den Schülern aus Slytherin bereits bei dem ersten Teil der Aufgabe zur Hilfe eilen. In allen anderen Gruppen gab es ebenfalls Verletzungen.“, Elias schüttelte den Kopf. Er hielt nichts von dieser Veranstaltung. Obschon er Miranda Cameron ansonsten respektierte und grundsätzlich für eine fähige Schulleitung hielt, war es ihm nur schwer verständlich, wie man ein Event veranstalten konnte, welches die Schüler*innen derartigen Gefahren aussetzte. Insbesondere mit Blick auf die Gefährdungen, die die Kinder außerhalb von Hogwarts erwarteten, war es in seinen Augen fahrlässig. „Ich glaube jedoch nicht, dass irgendwelche… externen Mächte Einfluss auf den Ausgang der Aufgabe genommen haben.“, fügte er einen Moment später hinzu, strich mit dem Finger über das Holz seines Zauberstabs. Das Holz war noch glatt und ebenmäßig. Nach seiner Entführung hatte er das zweite Mal im Laufe weniger Jahre zu Ollivander gehen müssen, um einen neuen Zauberstab zu kaufen.
    Deine Arbeit im Ministerium ist sicherlich stärker von den Entwicklungen betoffen. Du arbeitest für Mr. Trevelyan, richtig?“, Elias wusste, dass er den Namen stets mit einem gewissen, wertenden Tonfall nannte. Obschon er Emrys Trevelyan keineswegs etwas nachweisen konnte, so würde es ihn doch nicht verwundern, wenn dieser Mann sich den Todesser*innen angeschlossen hatte. Er erinnerte sich noch zu gut daran, wie der Ältere ihn in der Schule drangsaliert hatte, welche Genugtuung es ihm bereitet zu haben schien, Macht auszuüben und andere Menschen niederzumachen. Emrys Trevelyan war kein einfacher Mitläufer gewesen, der versucht hatte, im Ansehen seiner Mitschüler*innen aufzusteigen. Er war der Mitschüler gewesen, der die Mitläufer*innen um sich geschart hatte.
    Zweifelsohne hatte Trevelyan sein Image mittlerweile poliert, aber so wie er sich im Tagespropheten äußerte, war zumindest deutlich, dass seine Position ihm wichtiger zu sein schien, als die Wahrheit und das war die wohlwollensde Vermutung, die Elias dazu machen konnten. Weshalb jemand wie Brooke für diesen Mann arbeitete, war ihm unverständlich. Sie hatten bisher nicht darüber gesprochen.

  • Früchte gerne“, erklärte Brooke mit einem dankbaren Nicken, ehe sie sich um das Teewasser kümmerte. Zuhause, in ihrer WG, zauberten sie generell eher weniger. Sie lag direkt in der Muggelgegend und sie hatten einige technische Gerätschaften, die zumindest Brooke auch ganz gerne nutzte. Doch aktuell waren weder Levin noch sie dort sonderlich oft anzutreffen. Levin, da er durch die Arbeit im St. Mungos und auch im Monkshood ziemlich eingespannt war, Brooke, weil die Arbeit im Ministerium stressig war – gerade jetzt – und sie den Grimmauldplatz als eine Form sicheren Rückzugsort kennengelernt hatte. Er war geschützt, konnte so gut wie nicht verraten werden und die Wahrscheinlichkeit, dass hier plötzlich jemand reinapparierte, weil die Wahrheit über sie ans Licht gekommen war, ging gegen Null. Es war schier unmöglich. Und so hatte sie die häuslichen Zauber auch immer mehr beherrscht, waren sie immer leichter von der Hand gegangen, auch wenn es niemals natürlich sein würde für sie. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie sich dem Zaubern so lange verwehrt hatte, dass alles schwierig wirkte. Selbst die Bücher für einfache Selbstverteidigungssprüche wirkten schwer zu bewältigen, vielleicht eben auch, weil Brooke es sich nicht zutraute. Doch Tee kochen, das immerhin konnte sie.
    Ein leichter Schauder durchlief Brooke als sie an die Prüfungen des Trimagischen Turniers dachte. Nein, sie verstand es ebenfalls nicht, warum man ein solches Turnier abhalten musste. Wer jemals auf die Idee gekommen war, Kinder an so etwas teilnehmen zu lassen. Quidditch war schon ein hochgefährlicher Sport und hier war sie wohl auch einfach voreingenommen, aber die Aufgaben, die bei solchen Events auf die Schülerinnen und Schüler warteten? Man hatte als Schule doch auch einen Auftrag des Schutzes. Etwas, das so definitiv nicht gewährleistet wurde. Und dennoch … Es war auch eine Erleichterung zu hören, dass zumindest von Außen her wohl noch keine Beeinflussung vorgekommen war. Und es war gleichzeitig gut zu wissen, dass Menschen aus dem Orden vor Ort waren, die Ohren offen hielten. Von Elias hatte Brooke schon seit langer Zeit eine hohe Meinung und auch wenn sie Patrick O’Rourke nicht so gut kannte, so schien er vertrauenswürdig, denn sein Weg hätte ihn anders gewiss nicht in den Orden geführt. „Man muss sich wohl über die kleinen, positiven Nachrichten freuen.“ Eine Aussage, die viel zynischer rüberkam als es Brooke wollte – und doch vielleicht genau so meinte.
    Den Tee fertig zubereitet, reichte die junge Hexe ihrem Bekannten seine Tasse Tee, ehe sie ihre eigen nahm und sich langsam in Richtung des langen Küchentisches begab, auf einen der Hocker niederlassend, während sie langsam nickte. „Das Ministerium ist aufgescheucht, auch wenn es von außen nicht auffällt. Es gehen aktuell einige Falschmeldungen ein, aber natürlich auch Fragen, ob die Strafverfolgung etwas verpasst hat. Nicht viele“, erklärte sie weiter, denn die meisten schienen naiv genug, nichts von den Vorkommnissen für voll zu nehmen. „Aber doch ein paar. Ich verstehe noch immer nicht, wie das so unter-“ Brooke schüttelte leicht den Kopf. Es musste fähige Menschen in ihrer Abteilung geben, wenn sie dafür hatten sorgen können, dass nichts davon bis zu Emrys durchgedrungen war. Und doch … Der Unterton war nicht stark, aber er war da. Da war sich Brooke ziemlich sicher, während sie nun den Blick hob und beinahe ein wenig verwundert zu Elias blickte. Es war ganz so als ob… Natürlich. Sie durften alterstechnisch nicht zu weit auseinander sein, sie mussten sich vermutlich aus der Schulzeit kennen. „Ja, ich arbeite direkt für ihn“, erklärte sie unumwunden, die Tasse Tee hebend und kurz auf das heiße Wasser pustend. „Du kennst ihn?“ Eher rhetorisch, doch der Öffner für mehr.

  • Elias nickte und bereitete den gewünschten Früchtetee vor. Brooke sprach weiter und ihren Zynismus in Bezug auf das trimagische Turnier konnte Elias gut verstehen. Es war eine traurige Bilanz für den Zustand ihrer Welt, wenn die gute Nachricht die war, dass die Verletzungen der Schüler*innen nur den Entscheidungen der eigenen Schulleitung zuzusprechen waren und nicht den Taten der Todesser*innen. Es bangte ihn bereits vor der Ziehung für die letzte Aufgabe. Der Name seines Sohnes befand sich im Kelch und Elias hoffte inständig, dass Isaac noch ein weiteres Mal verschont bleiben würde. Durch die verqueren Regeln dieses Turnier war es ihm nicht möglich, im Nachhinein Einfluss auf die mögliche Teilnahme Isaacs zu nehmen, auch wenn er nichtsdestotrotz nach Möglichkeiten gesucht hatte. Er wusste nicht, wie er es ertragen sollte, seinem Kind dabei zuzusehen, wie es sich magischen Herausforderungen stellte, denen er schlicht nicht gewachsen war. Keines von diesen Kinder war es. Selbst Patrick hatte gesagt, dass er keinem aufgewühlten Drachen gegenüber treten wollen würde und Elias zweifelte nicht an der Kompetenz seines besten Freundes wenn es um Tierwesen ging.
    Ja.“, erwiderte er schließlich schlicht und nahm die Tasse entgegen, die Brooke ihm reichte. „Dankeschön.“, er folgte ihr zum Küchentisch und ließ sich ihr gegenüber nieder.
    Einige Zeit lang hörte er ihr schweigend zu, während sie über die Situation in der Strafverfolgung berichtete. Elias selbst hatte das Vertrauen in diese Institution bereits vor Jahren verloren, wahrscheinlich zeitgleich mit den Geschehnissen auf der Muggelausstellung und der offensichtlich falschen Berichterstattung in Bezug auf das Ergebnis der Ermittlungen. Im Prinzip war er von Beginn an niemand gewesen, der eine hohe Meinung vom Ministerium hatte. Elias hatte sich nie erlauben können, jemand zu sein, der blind auf Recht und Ordnung vertraute, der sich einbilden konnte, dass die Regierung seine besten Interessen im Blick hatte. So war es für ihn nie gewesen – weder in der magischen Welt noch in der der Muggel. Seine persönliche Geschichte mit Emrys Trevelyan tat ihr Übriges. Es fiel ihm schwer, Brookes Blickwinkel nachzuvollziehen. Er wusste nichts darüber, wie sie aufgewachsen war, welche Werte ihre Familie vertreten hatte. Ausrechnen konnte er sich, dass sie in den letzten Jahren des Krieges geboren war, zu jung, um sich an Erlebtes zu erinnern.
    Glaubst du, dass die Aussagen des Ministeriums und die Ergebnisse der Ermittlungen ein Versehen sind, ein Produkt schlechter Arbeit oder mangelnder Sorgfalt?“, erkundigte er sich schließlich beinahe vorsichtig. Seit Brooke im Orden war, hatte er nicht viel mit ihr gesprochen, zu beschäftigt damit, seine eigenen Wunden zu lecken und sich vor der Welt zu verstecken. Er wusste nicht, was sie mit den anderen Mitgliedern besprochen hatte, worüber sie sich ausgetauscht hatten. Vielleicht hatte er sie missverstanden. Er blickte einen Moment zu ihr hinüber, bis sie seine Aussage zu ihrem Vorgesetzten aufgriff. Elias schwieg einen Augenblick. Es war kein Thema, über das er gerne sprach. Er hat sich so weit und so wenig von dem Jungen entfernt, der sich all die Jahre lang von Emrys Trevelyan und seinen Freunden hatte quälen lassen. Manchmal fühlte es sich an, als wäre er diesem panischen Kind in den letzten Monaten wieder näher gekommen. „Wir sind einige Jahre zusammen zur Schule gegangen. Ich kann nicht ansatzweise behaupten, dass meine Erfahrungen mit ihm positiv waren.“, er zuckte mit den Schultern und nahm einen vorsichtigen Schluck von seinem Tee. „Es mag sein, dass er sich inzwischen geändert hat, aber es würde mich sehr überraschen, wenn nicht noch ein wenig von diesem Jungen in ihm steckt, der es genoss, Schwächere zu schikanieren.“, fügte er schließlich hinzu. Es mochte unfair sein, so über jemanden zu urteilen, mit dem er seit Jahren nicht gesprochen hatte. Und doch, in Zeiten wie diesen schien es ihm angemessen, den polierten Charakter einer einflussreichen Person auch aus den Schatten seiner Jugend zu betrachten.

  • Ob sie glaubte, dass die Aussagen des Ministeriums ein Versehen waren? Aufgrund schlechter Arbeit? Vielleicht wäre das der angenehmere, schönere Glauben gewesen, auch wenn es ein schlechtes Licht auf die Abteilung, in der Brooke seit über einem Jahr arbeitete, warf. Doch wie viel schlechter war das Licht, wenn sie davon ausgehen mussten, dass all die Informationen absichtlich zurückgehalten worden waren? Dass es in ihrer Abteilung Mächte gab, die all jene, die wirklich etwas Gutes und Richtiges erreichen wollten, davon abhielt? Und dass diese Mächte stärker waren als sie es sich selbst hatten eingestehen wollen. Denn wenn es wirklich so war, wenn diese Geheimnisse niemals den Weg bis zur Leitung gefunden hatten, niemals bis zu Emrys, dann mussten die Bestrebungen massiv gewesen sein. Und das wiederum war mehr als nur beängstigend. Ja, Brooke wusste, dass mit den Todesser:innen nicht zu spaßen war. Sie war dort gewesen, hatte ihn befreit und sie war nicht so naiv, die Gefahr zu unterschätzen. Auch wenn sie vom ersten Zaubererkrieg nichts mitbekommen hatte, so waren die Geschehnisse der vergangenen Jahre nicht vergessen. Sie hatten bereits in der Schule geblutet, auch wenn dies niemals mit dem Leid all derer, die unter der Herrschaft von Du-weißt-schon-wem gelitten hatten, vergleichbar sein würde. Doch ein kleiner, naiver Teil der Hexe wollte es nicht glauben. Wollte am Liebsten die Augen verschließen. Doch sie würde es nicht tun.
    Nein, denn dann dürften die Umstände gar nicht bekannt sein.“ Sie hatte davon gehört, woher die Informationen kamen. Wer diese zugespielt hatte. Und wenn Geraldine Lovett informiert war, eine Aurorin aus dem Ministerium, dann konnte dies kein Produkt schlechter Arbeit oder eines Versehens sein. Denn wenn Mitarbeiter:innen im Ministerium selbst davon Kenntnis hatten, dann musste eine Vertuschung stattgefunden haben. Und die Verstrickungen würden tiefer gehen als sie es sich vielleicht hatte vorstellen können. Aber dass Emrys damit irgendetwas zu tun haben konnte … Nein, das war unmöglich. Jemand musste den Leiter zum Narren halten - und dieser Umstand war noch deutlich erschreckender, auch wenn sie wohl hier, in diesem Moment, die einzige mit diesem Gedanken war. Denn sie sah wie Elias schwieg, abwartend, ehe er zu sprechen begann. Und für einen Moment wirkte es so als ob das, was er sagte, nicht passen würde. Nicht stimmte.
    Ein feines Stechen in Brookes Brust zeigte ihr, dass sie noch nicht losgelassen hatte. Dass sie gewiss noch nicht über ihre Gefühle für ihren Chef hinweg war. Denn die Vorstellung, dass dieser in seiner Schulzeit nicht korrekt gewesen war … Es tat weh. Und Brooke würde gewiss nicht an Elias‘ Worten zweifeln, sie vertraute ihm. So wie er ihnen sein Leben hatte anvertrauen müssen. Doch sie würde Emrys nicht verurteilen für das, was er in der Vergangenheit gemacht hatte. Sie würde nicht an seinen jetzigen Motivationen zweifeln, auch wenn sie sich in den kommenden Tagen und Wochen noch deutlich mehr damit auseinandersetzen würde als es ihr jetzt bewusst war. Levin hatte ihr gezeigt, dass manches Verhalten aus der Vergangenheit vergeben werden konnte. Nicht, dass sie in der Position war, denn das war ganz allein Elias‘ Entscheidung. Und es war auch vollkommen okay, wenn er das nicht tat. Sie würde ihn nicht bedrängen, mehr aus ihrer gemeinsamen Schulzeit zu erzählen. Sie konnte jedoch nur den Emrys Trevelyan beurteilen, den sie heute kannte. Und Elias‘ Vermutung, dass er es immer noch genoss, Schwächere zu schikanieren – sie konnte es nicht teilen.
    Und so holte sie tief Luft, die Finger um die Tasse legend, auch wenn sie die Hitze in ihren Fingern spüren konnte. Sie hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, weil es nicht fair war, wenn ihre Mitstreiter:innen nicht über sie Bescheid wussten. Die möglichen Risiken. Doch es würde nie einen passenden Moment dafür geben – und hier, jetzt, vielleicht würde sie Elias ein wenig erklären können. Vielleicht würde er es dann besser verstehen … „Ich weiß nicht, wie viel Levin dir erzählt hat …“ Ihre Finger fuhren über die Tasse, strichen immer wieder über die raue Oberfläche. Ihr Blick war auf den Holztisch gerichtet. Es war das erste Mal, dass sie von sich aus darüber sprach. Dass sie nicht indirekt dazu gezwungen wurde. Elias war die erste Person, der gegenüber sich Brooke aus freien Stücken öffnete, der noch nichts wusste. „Er war letztes Jahr auf diesem Quidditchspiel. Das mit dem Werwolfangriff.“ Erneutes Schweigen. „Wir waren zusammen dort. Ich ... hätte es fast nicht geschafft.
    Das Herz der Hexe klopfte so laut, dass sie sich sicher war, Elias würde es hören müssen. Ihre Finger zitterten, während sie tief Luft holte, Elias den Platz ließ, seine eigenen Schlüsse aus dem zu ziehen, was sie ihm damit hatte sagen wollen. Brooke wusste nicht, wie viel Levin seinem ehemaligen Ausbilder erzählt hatte. Von seiner Arbeit im Monkshood beispielsweise. Doch sie war sich sicher, dass Elias die richtigen Schlüssen ziehen würde, auch wenn sie nicht wusste, was er im Endeffekt von ihr halten würde. Es war das eine, sich für andere einzusetzen. Doch plötzlich vor einem der gefährlichsten Wesen der Zaubererwelt zu sitzen – nun, Brooke würde ihn nicht verurteilen, wenn er plötzlich anders dachte.
    Ein feines Räuspern, ehe sie weitersprach. „Emrys hat es herausgefunden. Er hat mich in seine Abteilung aufgenommen. Gibt mir den Freiraum in gewissen Wochen. Ohne ihn … ohne ihn wäre ich längst Opfer der neuen Verordnungen.“ Sie hatte Glück. Ein Glück, das andere nicht hatten. Sie hatte sich zwar für die Angst entschieden, irgendwann entdeckt zu werden. Doch bis dahin genoss sie eine Freiheit, wie es viele andere nicht konnten. Wie es Bertie nicht konnte. „Emrys hat mir geholfen.“ Er hatte sie beschützt, hatte sie in Sicherheit gebracht als sie kurz davor war, sich im Ministerium zu verwandeln. Und so hob sie langsam den Blick, ängstlich, aber auch vom feinen Zweifel durchsäht, denn die Ungewissheit, warum ausgerechnet er von all den Machenschaften nichts gewusst hatte, blieb.

  • Wie sie ihr augenscheinliches Vertrauen in Emrys Trevelyan mit ihrer Bewertung der Vorkommnisse im Ministerium vereinbaren konnte, war für Elias zunächst schwer verständlich. Er nickte jedoch nur, als sie auf seine Nachfrage hin verneinte und ließ es zunächst dabei beruhen. Seine Bemerkung zu ihrem Chef schien ihr nicht gefallen zu haben, wenn er ihre Reaktion richtig deutete. Die Erwiderung, zu der sie ansetzte, überraschte ihn jedoch. Als sie zu sprechen begann und Levin mit ins Spiel brachte, verstand er im ersten Moment nicht, worauf sie hinauswollte und noch weniger, worin der Zusammenhang zu dem bisherigen Thema ihrer Unterhaltung bestand. Seine Augen wanderten über ihre zitterenden Hände und ihr angespanntes Gesicht, während er sich daran erinnerte, wie er Levin damals in der Besenkammer des St. Mungos vorgefunden hatte. Eine Begegnung, die er beinahe wieder vergessen hatte und deren Bedeutsamkeit er erst in diesem Moment zu begreifen begann. Elias schwieg, während die junge Frau sprach, begann ihre Erzählung zu verknüpfen. Es gab noch immer Lücken, Teile der Geschichte, die Brooke ausgelassen hatte, die Hauptbotschaft jedoch war deutlich. Sie hätte den Angriff beinahe nicht überlegt und sie war von den Verordnungen des Ministeriums direkt betroffen, hätte sie sich nicht unter dem „Schutz“ von Trevelyan befunden. Offenbar hielt sie ihre Erkrankung geheim.
    Elias wusste nicht, was er auf ihren Bericht erwidern sollte.
    Danke für dein Vertrauen.“, dieses Mal war er es, der die Hand nach ihr ausstreckte und die ihre für einen Moment mit leichtem Druck umfasste, ehe er sie wieder zurückzog. Ein Teil von ihm wünschte, sie hätte ihm diese Information nicht anvertraut. Es war ein weiteres Geheimnis, das gewahrt werden musste. Eine weitere Person, die ihr Vertrauen in sein Schweigen setzte, ein Schweigen, das in seinem Gefühl viel zu fragil war. Er war so müde, so viel Verantwortung für das Glück, das Leben anderer Menschen zu tragen. So viel Macht über ein Schicksal. Vielleicht war es unfair, dass es gerade dieser Teil war, an dem seine Gedanken für einen Moment hängen blieben.
    Geheimnisse wie das von Brooke waren Dinge, die so leicht auszunutzen waren. Nicht nur als Druckmittel, sondern auch wesentlich unscheinbarer als Möglichkeit, jemanden loyal und gefügig zu machen, Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen und zu erhalten, möglicherweise ohne dass die andere Person es so wahrnahm. Was hatte Emrys Trevelyan davon einer jungen, unregistrierten Werwölfin zu helfen, wenn nicht die Chance auf jemanden, der die besten Gründe hatte, ihm loyal und hörig zu bleiben. Eine Spielfigur, die er jederzeit fallen lassen konnte, wenn er denn wollte.
    Wäre der ehemalige Trevelyan nicht Leiter der Strafverfolgung gewesen, hätte es sich bei ihm nicht um einen der mächtigsten Männer unter Dippet gehandelt, vielleicht hätte Elias nicht derart an seinen Beweggründen gezweifelt. Vielleicht hätte er angenommen, dass der ältere Mann wirklich nur helfen wollte. So aber erhielt Brookes Geschichte für ihn nur einen faden Beigeschmack aus Misstrauen und Mitgefühl.
    Es erleichtert mich das du Hilfe hattest und immer noch hast. Solltest du sie einmal benötigen, kannst du dir auch meiner Hilfe gewiss sein.“, er verstummte für einige Sekunden, unsicher, wie er seine Bedenken formulieren sollte. „Vielleicht hat Mr. Trevelyan mittlerweile wenig mit der Person gemein, als die ich ihn als Schüler kennen gelernt habe. Ich hatte seitdem nichts mit ihm zu tun. Was ich jedoch sehe ist, dass er unter Dippet arbeitet und entweder ihre Politik mitträgt oder willentlich unterstützt. Eine Politik, die diese Verordnungen erst hervorgebracht hat.“, er nahm einen Schluck von seinem Tee und blickte auf seine Hände.
    Keine der Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mit der Strafverfolgung gemacht habe, hat mich glauben lassen, dass sie auf der Seite von Menschen wie uns stehen.“, schloss er schließlich ab, ehe er den Kopf hob und zu Brooke hinüber blickte. Ohne die Entscheidungen des Ministeriums wäre auch Brooke niemals in die Situation gekommen, von Emrys Trevelyan geschützt werden zu müssen.

  • Früher wäre Brooke zurückgezuckt, hätte ihre Hand dem sanften Druck entzogen, der doch eigentlich eine Form des Trostes sein sollte. Sie hatte diese Nähe, die man dann suchte, um das eigene Mitgefühl zu zeigen, früher nicht verstanden, doch hier, jetzt, da tat dieser kurze Moment der Berührung, das Mitgefühl gut. Auch dann, wenn es nicht das Ziel der Hexe gewesen war, denn Elias hatte selbst genügend durchgemacht, er musste ihr keinen Trost spenden, auch wenn sie selbst genauso reagiert hätte wie der ehemalige Heiler. Trotzdem schenkte sie ihm ein Lächeln und die Hände wurden mit der Zeit ein wenig ruhiger, ihr Atem gleichmäßiger. Sie hatte ihm nicht das Gewicht eines weiteren Geheimnisses aufdrücken wollen, vielleicht würde das irgendwann einmal Thema werden. Nein, Brooke war es darum gegangen, ehrlich den anderen gegenüber zu sein, die hier waren. Denn Geheimnisse konnten Probleme schaffen, Unbehagen oder auch Feindseligkeit. Es war nur fair, dass er es wusste und vielleicht würde ihr das helfen, auch in Zukunft anderen gegenüber offener zu sein. Zumindest sofern es Menschen waren, bei denen sie davon ausgehen konnte, dass die Wahrheit gewichtiger war als der Umstand, dass sie diese Personen zu Mitverschwörern machte. Doch sie, die hier Teil dieses Ordenkonstrukts waren, das Brooke noch immer nicht vollständig verstand, waren es doch sowieso schon. In gewisser Weise.
    Es war regelrecht spürbar, dass Elias nach Worten suchte. Wie er zu überlegen schien, abwägend. Es mussten wirklich unschöne Erfahrungen gewesen sein, die Elias mit ihrem Chef gehabt hatte. Ob es zu Zeiten des ersten Krieges gewesen war? Brooke selbst war damals noch nicht auf der Welt gewesen, doch sie hatte einiges darüber gehört. Elias selbst musste damals ein Teenager gewesen sein. So wie sie zu Zeiten des Inquisitionskommandos. Es fühlte sich nicht gut an, dass er so vorsichtig sprach, ganz so als wäre er sich nicht sicher, was er ihr anvertrauen konnte. Oder auch, weil er sie selbst nicht verletzen wollte. Doch sie akzeptierte das, hörte ihm zu, auch wenn sich alles in ihr sträubte, dem Glauben zu schenken. Nicht, weil sie Elias nicht zuhören wollte, sondern weil sie vielleicht an einem Bild festhalten musste, das in den letzten Monaten ihr Auffangnetz geworden war.
    Ja, sie wusste, dass Emrys Ariadne Dippet in gewisser Weise unterstützte. Und es war sicher auch naiv zu glauben, dass er alle Werwölfe eigentlich unterstützte. Doch er hatte ihr gezeigt, dass zumindest sie ihm vertrauen konnte. Etwas, das sie immer wieder in Selbstzweifel und Unwohlsein verfallen ließ, weil es so viele andere da draußen gab, denen keiner helfen konnte. Ihr Verhalten war in gewisser Weise egoistisch, das wusste Brooke. Wusste sie und konnte es doch nicht ändern. Das vergangene Jahr war zu hart gewesen, zu geprägt von Verlusten. Und Emrys … Nun, er war eine beständige Konstante geworden. Doch vielleicht taten sie ihm auch Unrecht. Er mochte zwar die Leitung der Strafverfolgung auch unter Dippets Kommando weiterhin aufrechterhalten haben. Doch das hieß nicht, dass er diese automatisch mittrug, selbst wenn die Anzeichen dafür da waren. Aber wer war sie, dies zu kritisieren? War sie nicht selbst jemand, der mit ihrer Anstellung im Ministerium das Regime unterstützte? Auch jetzt, obwohl sie angefangen hatte, auf Schwingungen zu achten, darauf, was eventuell gesagt wurde. Doch bisher waren ihre Bemühungen eher harmlos gewesen, war sie passiv dabei vorgegangen. Ja, sie hatte sich im letzten Jahr mehr um sich selbst gekümmert als es der ehemaligen Hufflepuff eigentlich lieb gewesen wäre.
    Die Tasse an ihre Lippen hebend, erwiderte sie Elias‘ Blick, nachdenklich. „Ich weiß nicht, ob er sie willentlich unterstützt.“ Sie hoffte nicht. „Aber ich weiß, dass die Arbeit, die er macht, gut ist.“ Sie war selbst dabei gewesen, hatte ihn oft genug gesehen. Wenn es um Verbrechen ging und die Fälle bei ihm landeten, kümmerte er sich darum. Und Brooke hatte noch nie an seinen Fähigkeiten zweifeln müssen. „Allerdings ...“, fuhr sie fort, auch wenn sie aus Elias‘ Sicht nachvollziehen konnte, dass er kritisch war, „Muss es gefährliche Personen in der Strafverfolgung geben, die solche Informationen im schlimmsten Fall sogar der Leitung vorenthalten können.“ Oder die Leitung selbst, doch nein, diesen Gedanken wollte Brooke nicht einmal folgen, auch wenn es naiv war. Kurz tippte Brooke auf der Tasse herum, nachdenklich. „Vielleicht .. kann ich etwas herausfinden.“ Und die Vermutungen zerstreuen.

  • Elias hatte die Strafverfolgung – das ganze politische und gesellschaftliche System der magischen Welt, wenn er ehrlich war – bereits kritisch gesehen, als seine eigene Frau noch als Aurorin gearbeitet hatte. Während seiner Kindheit und Jugend waren die Strukturen zu sehr durch den Krieg zerrüttet worden, als dass man viele Rückschlüsse hätte ziehen können, zumal er zu dieser Zeit zu jung und zu sehr mit seinem eigenen Überleben beschäftigt gewesen war, als dass er sich in der Lage gefühlt hätte, sich mit dem Ministerium auseinanderzusetzen. Elias war kein Politiker, er war kein Sozialwissenschaftler oder Philosoph. Er war Heiler. Und neben seiner eigenen Geschichte, war auch das ein Grund, weshalb ihn Brookes Glauben in diese Institution und an ihre Leitung beinahe wütend machte.
    Es war Emrys Trevelyans Entscheidung gewesen, sich an die Spitze dieses Teils des Ministeriums zu stellen, mit allem wofür er stand und was er tat. Die Verfolgung von Werwölfen, von Menschen, die Verbrechen begangen hatten und dafür zu Jahren in Askaban verurteilt wurden, wo sie der in miserabelsten Bedingungen lebten und er nicht einmal sagen konnte, ob es nicht vielleicht eine Erlösung war, dass manche von ihnen ihre Seele verloren, bevor auch ihre Körper dahinsiechten. Die Überwachung von Muggelstämmigen und ihren Familien, die Kriminalisierung und Marginalisierung von Menschen, die sich nicht mehr zu schulden kommen lassen hatten, als nicht in das ideale Weltbild des Ministeriums zu passen.
    Vielleicht war er im Herzen zu sehr Muggel geblieben. Die magische Welt war voller Grausamkeit und zumindest für ihnen erschien es so oft, als wären selbst ihre zahlreichen Wunder all dieses Leid nicht wert.
    Unter Trevelyan hatte sich die Lage für die Menschen, die von der Arbeit seiner Abteilung betroffen waren nicht gebessert. Es war nur schlimmer geworden. Die Ministerin mochte den größten Einfluss tragen, aber selbst Brooke konnte nicht glauben, dass ihr Chef keinen Einfluss besaß. Zumindest hatte er das angenommen, bis sie ihm genau diesen Blick bestätigte. Sie schien der Auffassung zu sein, der Umgang mit den Fällen der letzten Monate sei vor ihm verborgen gewesen, dass er nicht einmal gemerkt hatte, was in seiner eigenen Abteilung vor sich ging.
    Elias schwieg für einige Sekunden. Selbst wenn er das Bestmögliche von Emrys Trevelyan annehmen wollte, dann war dieser Mann noch immer entweder ein Mitläufer oder ein unfähiger Stümper. „Wenn jemand die Möglichkeit hat, Missstände in dieser Abteilung aufzudecken, so sollte man doch annehmen, dass es die Person ist, die an der Spitze steht. Glaubst du wirklich, dass wir – eine Gruppe aus Heiler*innen, Professoren, Quidditchspielerinnen und Galeriebesitzerinnen - einen einzigartigen Einblick haben, der Mr. Trevelyan verborgen ist? Es tut mir Leid, Brooke, aber das kann ich nicht glauben.“, er schüttelte den Kopf, nahm einen weiteren Schluck von seinem Tee. Die Flüssigkeit lag bitter auf seiner Zunge.
    Auch wenn du meine Zweifel nicht teilst, hoffe ich, dass du es im Hinterkopf behältst, wenn du dich entscheidest… etwas herauszufinden. “, er senkte den Blick, zögerte einen Moment. Er wollte sie nicht bevormunden oder ihr die Validität ihre Entscheidungen und Ansichten absprechen. Er wusste nur, dass er nicht damit hätte leben können, sie sehenden Auges ins Verderben laufen zu sehen. Sie hatte viel zu verlieren. Mehr noch, als er vor ihrem Geständnis hatte ahnen können. Er wollte nicht, dass sie in den Blicken und in die Hände der falschen Menschen geriet, dass sie einen Preis zahlte, der immer zu hoch sein würde. Er war es so leid immer nur zu verlieren.

  • Elias hatte Brooke falsch verstanden. Nein, Brooke glaubte nicht, dass Emrys keinen Einfluss besaß. Im Gegenteil, ihr war bewusst, dass er als Leiter der wichtigsten Abteilung des Ministeriums, der so gut wie alle anderen Abteilungen unterstellt waren, den größten Einfluss genoss. Doch musste man ehrlicherweise auch sagen, dass eine solche Stellung dafür sorgte, dass man nicht alles im Blick behalten konnte. Emrys war nicht in der Lage, jeden Fall im Auge zu behalten, außer die Mitarbeter:innen kamen auf ihn zu, um Ungereimtheiten zu besprechen. Natürlich bekam er auch von allen Seiten Informationen zugespielt, aber diese mussten eben erst bis zu ihm gelangen. Brooke ging nicht davon aus, dass ihr Vorgesetzter ein Mitläufer oder unfähiger Stümper war, nein. Sie ging davon aus, dass die Personen, die solche Informationen zurückhielten, noch mächtiger waren als Emrys Trevelyan. Und diese Vorstellung war noch beängstigender als man es sich vielleicht eingestehen wollte. Die Frage war nur, was sich Brooke insgeheim wünschte. Ob sie lieber noch mächtigere Gegner auf der anderen Seite hatte – oder die Vorstellung, dass Emrys irgendetwas damit zu tun haben könnte. Später einmal würde sich Brooke sagen, dass es wohl mehr als naiv gewesen war. Doch es gab ein schönes Sprichwort: We all eat lies when our hearts are hungry. Manche Lügen glaubte man eben verstärkt.
    Ich weiß es nicht, Elias“, erklärte Brooke ruhig. Meinungsverschiedenheiten waren gut und öffneten den Blick auf mehr. „Ich kann mir vorstellen, dass Personen, die zumindest diese Auffassung haben, sich weniger an die Abteilungsleitung wenden würden als an uns.“ Es war nur realistisch, wenn diese Person dem Ministerium nicht vertraute. Oder nicht wusste, wem sie aus der Abteilung vertrauen sollte. Doch Geraldine Lovett kannte Emrys. Sie kannte ihn, sie ging regelmäßig bei ihm aus und ein. Wenn man also den Gedankengang weitersponn und tatsächlich darüber nachdachte, dass Emrys all das ignorierte, absichtlich, dann stellte sich doch die Frage, ob Geraldine Lovett ein doppeltes Spiel betrieb. Auf wessen Seite sie stand. Und was ihre persönlichen Motive waren. Vielleicht war Elias hier zu voreingenommen aufgrund seiner früheren Erfahrungen. Brooke machte ihm da keine Vorwürfe. Doch die Frage blieb, warum Geraldine ihnen half und was sie sich davon versprach. Nur bei der Leitung der Abteilung der Strafverfolgung Fehler zu suchen, Missstände, das fand Brooke fatal. Auch wenn sie für sich selbst vielleicht ebenfalls zu befangen war und einen Schritt zurückmachen musste. Doch sie würde ihren Verdacht, das schlechte Gefühl bezügliche Geraldine Lovett nicht aussprechen. Nicht an dieser Stelle, wo diese Frau für sie eigentlich nur eine Arbeitskollegin war. Nein, viel eher würde Brooke sie vielleicht einmal selbst aufsuchen, bevor sie irgendwelche Vermutungen aussprach.
    Ein freundliches Lächeln trat auf die Lippen der jungen Hexe, während sie Elias betrachtete. „Ich werde deine Zweifel ernst nehmen, Elias.“ Sie würde es, auch wenn sie diese selbst nicht teilte. Nicht teilen wollen. „Die Frage bleibt jedoch auch, was die Person, die uns ihre Informationen zugespielt hat, sich davon verhofft. Auf wessen Seite sie letztlich steht. Auch da sollten wir nicht voreilig Sympathien pflegen, sondern zweifeln.“ Sie lebten wohl in einer Welt, in der sie zweifeln mussten. An allem, was sie von außen betraf. Doch sie brauchten auch ihre Einheit, mussten sich selbst vertrauen. Und so nickte Brooke ruhig, ehe sie den Tee an ihre Lippen hob und einen weiteren Schluck trank. Sie würden wohl noch vieles in der Zukunft anzweifeln müssen.


    Ende


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    Nothing feels like home anymore
    @Elias G. Cooper


    11.09.2021

    Es gab Momente, in denen hatte Brooke das Gefühl zu ertrinken. Unterzugehen in den Erinnerungen, welche die letzten Wochen und Monate mit sich gebracht hatten. Besonders jetzt, nachdem die ausgefüllten und lebhaften Tage in Currie und bei den Aileanachs geendet hatten. Emily und Benjamin waren wieder in Hogwarts, wo sie gewiss sicherer waren unter der anscheinend fähigen Leitung von Miranda Cameron, beschützt von diversen Ordensmitgliedern, währen Finlay und Prue ihrem Leben nachgingen, weil ihnen allen nichts anderes übrigblieb. Ja, die Tage auf dem Anwesen, die Unternehmungen hatten wenig Zeit geboten, sich mit den Dingen, die passiert waren, auseinanderzusetzen. Wieder einmal hatte es einen extremen Einschnitt in ihr Leben gegeben, aber auch in das anderer. Die Mission, bei der sie Ariadne Dippet beobachtet hatten, war aus dem Ruder gelaufen, hatte zu unerwarteten Folgen geführt, die Brooke erst jetzt zu spüren begann und die sie zwischendurch innehalten und die Augen schließen ließ, wenn es sie zu übermannen drohte. Die Begegnung mit Bartholomew Peasegood war heftig gewesen und bisher hatte sie nicht die Möglichkeit gehabt, diese wirklich aufzuarbeiten. Nicht einmal den Cruciatus-Fluch, der sie getroffen hatte. Es war nicht der erste gewesen, auch wenn er deutlich stärker gewesen war als der eines wütenden Hogwarts-Schülers. Und er war anders gewesen als die monatlichen Verwandlungen, auch wenn Brooke im Nachhinein klar gewesen war, dass es nur in ihrem Kopf gewesen war, nicht mehr. Aber an den Gefühlen, an dem, was es mit einem machte, änderte es eben nichts …
    Sie hatte es niemandem erzählt und auch Patrick gebeten, nicht davon zu sprechen. Wollte nicht mit den Blicken bedacht werden, die sie ja selbst so manches Mal jenen entgegenbrachte, die schon so viel gelitten hatte. Und sie wollte nicht mit Samthandschuhen behandelt werden, denn sie hatte es nicht verdient. Jetzt, wo die Tage ruhiger wurden, kamen die Schuldgefühle, kam der Gedanke, dass wegen ihrer Mission Menschen im St. Mungos gelandet waren. Sie hatte davon gehört, hatte es teilweise noch gesehen, bevor Patrick sie geistesgegenwärtig genommen und mit ihr disappariert war. Und ja, es war ihre Schuld, zumindest irgendwie. Sie hatten zwar nicht den Zauberstab geschwungen, doch wären sie nicht entdeckt worden, wäre es niemals dazu gekommen. Hätten niemals Unterstützung benötigt, die durch Mister Peasegoods Attacken letztlich verletzt worden waren. Und ja, natürlich konnte man rational sagen, dass dies nicht ganz fair war und dass sie nichts dafür konnten – und trotzdem kam Brooke nicht umhin, dass sie diese Gedanken viel zu oft begleiteten. Die dunklen, engen Gänge, das Geschrei der verrückten Bilder tat ihr Übriges, um die Stimmung zu fördern.
    Ein Gefühl, das Brooke auch in dem Moment, als sie mit den Einkaufstaschen das Haus betrat, spürte. Die drückende Enge verdrängte das Sicherheitsgefühl, das Brooke in den vergangenen Wochen hier empfunden hatte. Ja, die Zeit in Currie hatte sie geprägt, intensiver noch als es ihr bisher klar gewesen war und was sich auch in der Zukunft noch zeigen würde. Der einzige Lichtblick, den sie in diesem Moment jedoch erblickte, war Elias. Ein feines Lächeln zeichnete sich auf den Lippen der jungen Hexe ab, denn auch wenn die Zeit in Hogwarts den ehemaligen Heiler auf Trab hielt, so freute sie sich doch auf die Begegnungen mit ihm – zumindest sofern es sich nicht um den Unterricht mit Professor Emmerich handelte. „Bitte sag mir nicht, dass ich einen Termin vergessen habe …“ Ja, sie wollte den Unterricht haben und sie wurde auch besser, sonst hätte sie sich die Aufgabe bei den Aileanachs nicht zugetraut, aber es machte gewiss keinen Spaß, sich für den Fall auszurüsten, dass mal wieder jemand versuchen würde, sie alle umzubringen. Doch diese düsteren Gedanken kamen zu oft und sie wollte nicht daran denken, wollte sich mit Schönerem beschäftigen. „Wie waren die ersten Tage im Schloss? Sind alle wohlbehalten zurückgekehrt?“ Ja, das mit den schönen Gedanken war wohl immer ein bisschen schwierig aufrechtzuerhalten.

  • Während der Ferien hatte Elias kaum eine Gelegenheit gehabt, im Grimmauldplatz vorbeizusehen. Seine Termine mit Emmerich und Brooke hatte er noch einhalten können, ansonsten war er aber die meiste Zeit mit Malja und Isaac beschäftigt gewesen.
    Bis auf den Besuch bei der Siegesfeier der Gryffindors hatte auch Isaac das Haus nicht viel verlassen. Nebenbei hatte er noch einige Arbeiten an dem Haus verrichten müssen. Seit es die meiste Zeit des Jahres nicht bewohnt und nur gelegentlich von ihm besucht wurde, häuften sich die Kleinigkeiten, die sonst nebenbei im Alltag erledigt werden konnten. Zudem konnte er seine Kinder nicht mehr zur Betreuung seiner Mutter anvertrauen, was die Situation zusätzlich verkomplizierte.
    In Hogwarts war es einfacher, Malja für einige Stunden in Patricks Obhut zu belassen und Isaac sicher im Schlafsaal zu wissen.
    Das hatte er in dieser ersten Schulwoche auch getan, auch wenn er nicht plante, mehr als einige Minuten im Quartier des Ordens zu verbringen. Er wollte lediglich nachschauen, ob eines der Mitglieder neue Informationen gesammelt und für den Rest des Ordens hinterlegt hatte.
    Einige von ihnen hatten die Sommermonate über zweifelsohne anderes getan, als er selbst.
    Die Person, die ihm im Hausflur entgegen trat, hatte die Ferien allerdings tatsächlicher auf ähnlichere Weise verbracht, als sie es wahrscheinlich selbst für möglich gehalten hätte. Brooke hatte soweit er wusste die Aileanach Geschwister unterstützt und vor allem geschützt.
    Er erwiderte ihr Lächeln und schüttelte dann den Kopf. „Nein, ich wollte nur schauen, ob es Neuigkeiten gibt. Ich bin während der Ferien kaum dazu gekommen.“,erwiderte er auf ihre Frage, selbst erleichtert, dass ihm heute keine Einheit bei Emmerich bevorstand. Sein Blick wanderte über die junge Frau vor ihm und blieb an ihren Einkaufstaschen hängen. Es sah beinahe so aus, als hätte sie es sich hier eingerichtet, auch wenn er sich kaum vorstellen konnte, dass dieses verkommene Haus wirklich als Herberge geeignet war.
    Glücklicherweise relativ ereignislos. Miranda hat kein zweites trimagisches Turnier angekündigt. Lediglich diese Gestalt bei der heulenden Hütte bereitet Sorgen. Mittlerweile ist mein Glauben an harmlose Gerüchte wirklich erloschen.
    Hinter den anderen Meldungen im Tagespropheten hatte schließlich auch ein wenig Wahrheit gesteckt, auch wenn die Zeitung eindeutig ihre eigene Agenda – oder vielmehr die einer gewissen Ministerin – verfolgte.
    Und du? Bist du hier eingezogen?“, Elias bemühte sich, möglichst neutral und beiläufig zu klingen, auch wenn er insgeheim ein wenig besorgt um Brooke war. Sie musste besonders vorsichtig sein, die Aufmerksamkeit des Ministeriums nicht auf sich zu ziehen, von den Todesser*innen ganz zu schweigen. Sie war beim Ministerium nicht registriert und somit gleich mehrfach gefährdet. Abgesehen davon war ihm noch immer nicht wohl bei dem Gedanken, dass ausgerechnet Emrys Trevelyan von ihrer Erkrankung wusste. Er traute dem Leiter der Strafverfolgung nach wie vor nicht und es besorgte ihn nur noch mehr, dass Brooke es zu tun schien.
    Blieb zu hoffen, dass sie ihre Meinung änderte, bevor es zu spät war. Er mochte Trevelyan nicht mehr unterstellen können, als willentliche Kooperation mit der Ministerin, in seinen Augen reichte das mittlerweile jedoch lange aus.

  • Auf Elias‘ Erwiderung hin wurde das Lächeln eine Spur breiter, stahl sich ein Funke davon in die blauen Augen der jungen Frau. Sie machten beide freiwillig bei diesem Unterricht mit, aber dass keiner von ihnen wirklich Spaß daran zu haben schien – ihr Professor miteingeschlossen – war wohl keinem von ihnen verborgen geblieben. Es war ein ‚notwendiges Übel‘, auch wenn Brooke solche Worte wohl nie gebraucht hätte, da die Bedeutung dahinter und die Ausreden, die man mit einer solchen Einstellung erfinden konnte, doch einen negativen Beigeschmack hatten. Dass Elias vorrangig hier war, um sich nach Neuigkeiten zu erkundigen, konnte sie jedoch verstehen. Auch ihre Ferien waren gefühlt eine kleine Flucht aus dem Orden gewesen, obwohl die ‚Arbeit‘ letztlich doch genau damit zu tun gehabt hatte. Dass die Aileanachs zu beaufsichtigen letztlich keine Arbeit für Brooke, sondern eine wundervolle Abwechslung gewesen waren, war sicher auch dem Umstand geschuldet, dass niemand bei ihnen aufgetaucht war. Etwas, worüber Brooke noch immer froh war, denn sie konnte sich noch immer nicht als eine Person sehen, die mit ihren Zauberkräften andere abwehrte oder notfalls sogar aktiv angriff, selbst wenn sich diese Fähigkeiten in den letzten Monaten tatsächlich verbessert hatten.
    Ich glaube, bis auf die Entlassung der ‚falschen‘ Todesser war es halbwegs still.“ Eine Aussage, welche letztlich doch Furchen zwischen Brookes Augenbrauen trieb, einen Schauder über ihren Rücken. Was, wenn sie so etwas ähnliches auch mit Bartholomew Peasegood machen würden? Was, wenn er plötzlich wieder frei war? Und die Person, mit der er vor Ort gewesen war? Oder die Personen? Denn er war nicht alleine dort gewesen, zumindest hätte dies nicht zum Gespräch mit Dippet gepasst. Brooke schloss kurz die Augen, verdrängte die Erinnerungen an diese Nacht. „Und wir haben einen Neuzugang, wie du vielleicht schon gehört hast?“ Geraldine Lovett. Brooke war noch immer überrascht und ihre Einstellung zu der Hexe war zwiegespalten, aber sie konnten jeden brauchen, der ihnen zur Seite stand. Und die Mitarbeiter der magischen Strafverfolgung war immerhin jemand, der auch zu kämpfen wusste. Etwas, das in ihren Reihen doch, ehrlich gesagt, noch etwas fehlte.
    Umso schöner war es zu hören, dass die erste Woche in Hogwarts relativ ereignislos gewesen war. Wobei das Schuljahr noch lang war und anfangs immer so wirkte als wäre nichts los, wie ihnen inzwischen allen klar war. Doch man musste ja nicht direkt den Teufel an die Wand malen, selbst wenn dieser in der heulenden Hütte ein- und ausgehen sollte. „Ich würde ja gerne glauben, dass sich irgendein Hogwartsschüler oder eine Schülerin einen Scherz erlaubt hat, aber …“ Ein leises Seufzen, denn ja, wohl jeder, der den Grimmauldplatz kannte, war wohl gegenüber Gerüchten ein wenig skeptisch eingestellt.
    Erst Elias‘ Frage zu ihrem Einzug brachte Brooke dazu, wieder auf ihre Taschen zu achten, die sie noch immer in der Hand hielt. „So … indirekt?“ Mehr eine Frage stellend, machte sich die junge Frau auf den Weg in die Küche, um die Utensilien zu verstauend, die Stimme hebend, falls Elias nicht gefolgt war. „Die Ferien sind vorüber und die Aileanachs brauchen keine Hilfe mehr. Und bei Levin …“ Brooke stockte, nicht wissend, was ihr ehemaliger WG-Mitbewohner Elias vielleicht erzählt hatte. Sie wollte nichts sagen, was vielleicht problematisch war. „Es ist kompliziert.“ Ein Schmunzeln, gefolgt von einem Schulterzucken, denn das traf es wohl am besten. Seit ihrem Aufenthalt in Afrika hatte sich die WG zwar eine Zeit lang wie ihr Zuhause angefühlt, doch nach dem Werwolfangriff war alles anders gewesen. Mit der zunehmenden Bedrohung war es nicht besser geworden und jeder Tag fühlte sich mehr an wie ein Spiel mit dem Feuer. Denn auch wenn Elias dachte, dass Brooke ihrem Vorgesetzten noch immer vertraute, so war dieses Vertrauen mit jeder Lüge, mit jedem Zweifel ein bisschen mehr zerbrochen und stand nun auf wackeligen Beinen, immer dem kritischen Blick der einst so naiven jungen Hexe ausgesetzt. Doch es gab wenig, was sie machen konnte, außer sich zu stellen oder vollkommen unterzutauchen. Und beides war keine Option. Es blieben also nur Orte wie der Grimmauldplatz übrig. „Es ist nicht ideal, aber .., es fühlt sich hier sicherer an.“ Dass sie nicht besonders begeistert war, konnte man wohl der noch immer steilen Falte zwischen ihren Augenbrauen ablesen, als sie zu Elias blickte.

  • Es war ein trauriges Zeugnis ihrer Zeit, dass man die Entlassung von Massenmördern mit einem Schulterzucken im Nebensatz erwähnen konnte. Elias selbst musste gestehen, dass er diese Nachricht nur mit einer gewissen Resignation aufgenommen hatte, unfähig, den Horror, den er hätte spüren müssen wirklich wahrzunehmen. Er hatte die Verurteilungen dieser Menschen damals mitbekommen, hatte über die Prozesse im Tagespropheten gelesen und sich eingebildet, dass das Ministerium sich ernsthaft dem Wiederaufbau der Gesellschaft und der Bekämpfung des Reinblutfanatismus widmen würde. Wie sehr er sich geirrt hatte, hatte sich ihm erst in den letzten Jahren gezeigt.
    Die Menschen, die dort entlassen waren worden, konnten nur ein kleiner Bruchteil derjenigen sein, die Voldemort dienten. Sie wussten es nicht. Der Orden hatte bisher kaum etwas von Substanz herausfinden können, während die Todesser*innen ihn bereits in ihrer Gewalt gehabt hatten. Sollte es ihnen ein weiteres Mal gelingen, so konnte er sich zumindest sicher sein, dass er ihnen nichts über den Orden würde verraten können. Es war kein Trost. Lebendig hatte er sich nutzlos gemacht.
    Ja. Davon habe ich gehört.“, erwiderte er schlicht und nickte dann, als Brooke weitersprach.
    Geraldine Lovett. Ich habe bereits ihre Bekanntschaft gemacht.“, er nickte, verzichtete jedoch darauf, seine Meinung zu der Frau zum Besten zu geben. Was er von Geraldine Lovett hielt, würde sich zeigen. Gänzlich vertrauen mochte er ihr nicht, er wusste jedoch, dass sie einiges riskiert hatte, um den Mitgliedern des Ordens zu helfen. Vielleicht war ihm gerade diese Bereitschaft bei Menschen wie ihr suspekt. Als wäre der Orden nur ein Experiment für ein gelangweiltes Reinblut, dass sich an ein wenig Aktivismus erproben wollte. Über Jonas Fawley hatte er ähnlich gedacht.
    Diese Menschen würden nie verstehen, wie es war, wenn man sich die Seite auf der man stand nicht aussuchen konnte.
    Vor ein paar Jahren hätte ich das ebenfalls angenommen, aber du hast recht, inzwischen scheint es naiv, vom Besten auszugehen.“, Elias zuckte mit den Schultern und schwieg dann einen Moment, als Brooke weitersprach und ihm eröffnete, dass sie tatsächlich im Grimmauldplatz lebte.
    Elias ließ den Blick über den dunklen Flur schweifen, die alten Tapeten und die vergilbten Porträts, aus denen längst verstorbene Hexen und Zauberer gelegentlich ihre Meinungen zum Besten gaben.
    Dieser Ort war keiner, an dem irgendjemand für längere Zeit leben sollen müsste.
    Einige Sekunden lang zögerte er, dachte darüber nach, wie sein Angebot von Brooke aufgenommen werden könnte. Er wollte sie nicht in Verlegenheit bringen, noch wollte er, dass sie glaubte, er habe irgendwelche Hintergedanken.
    Sie hatte ihm das Leben gerettet und ihr eigenes dafür riskiert. Er würde nie aufhören, ihr dankbar dafür zu sein. Das Mindeste, was er tun konnte, war ihr sein Zuhause anzubieten, wenn sie selbst keines mehr hatte.
    Wenn du möchtest könntest du für eine Weile ein Zimmer in meinem Haus beziehen.“, Elias senkte für einen Moment den Blick, blickte auf eines der losen Dielenbrettern zu seinen Füßen.
    Ich bin die meiste Zeit in Hogwarts, weil es auch mit Malja einfacher ist, die Räumlichkeiten dort zu nutzen und mein Haus wird innerhalb der Woche nicht viel genutzt. Es wäre gut, wenn jemand da wäre, der ein bisschen danach schaut.“, fuhr er dann fort, verstummte für einen Moment, ehe er erneut ansetzte.
    Es ist durch einen Geheimniswahrer geschützt, weshalb du keinen Besuch empfangen könntest, dafür ist es aber recht sicher. Überleg es dir gerne. Es ist nur ein Angebot.

  • War Brooke bei der Erwähnung der Entlassung ruhig geblieben, so war das aber nicht standardmäßig so. Insgesamt hatte die junge Frau das Gefühl, dass ihr die Änderungen in den letzten Wochen und Monaten immer härter zusetzten, dass die Wut in ihrem Innern immer stärker wurde. Sie, die sonst ruhig und zurückhaltend war, hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen – und dabei doch so hilflos zu sein, weil sie eben nicht wussten, was sie machen konnten. Die Verbindungen waren gering, jeder konnte unter Umständen ein Feind sein, besonders wenn man sich die Abteilung, in der sie arbeitete, ansah – und das Gefühl der schwindenden Sicherheit half wenig, denn wenn sie vorher schon leicht paranoid gewesen war, so machte das Bewusstsein, dass sie noch unsicherer sein musste, weil es jemanden gab, der von ihrer Verwandlung wusste und dem sie nicht mehr vertrauen konnte, es noch schwieriger. Sie hatte es nicht gewählt, hatte sich damals einer Möglichkeit gegenübergesehen, von der sie nicht gewusst hatte, wie sie agieren sollte. Heute bereute sie es, jemals das Angebot von Emrys Trevelyan angenommen zu haben. Selbst falls sie ihm damit Unrecht tat … Doch, ehrlich gesagt, schien die Wahrscheinlichkeit, dass es so war, mit jedem Tag, mit jedem Misstrauen, das sie verspürte, geringer.
    Dass nun ausgerechnet Geraldine Lovett, die mit Emrys gut bekannt zu sein schien, hier im Orden war, sorgte dafür, dass auch Brooke vorsichtig war. Nicht, weil sie Richards Entscheidung nicht vertraute, sondern weil es andere Dinge gab, die sie beunruhigten. Ja, mochte Geraldine vielleicht gegen das Vorgehen bei Muggelstämmigen und Muggeln sein, so hatte Brooke nicht vergessen, wie sie über die Werwölfe gesprochen hatte. Nein, an dieser Stelle schien es nicht viel Sympathie zu geben – und das war etwas, das der Hexe sauer aufstieß. Und mit dem Gefühl von Tatendrang, den sie aktuell verspürte, hatte sie das Gefühl, dass dies noch einmal ein Thema zwischen ihnen werden würde.
    Doch war dieser Gedanke im nächsten Moment nicht länger präsent, war für einen Augenblick sogar all das Leid, all die Problematiken, mit denen sie zu kämpfen hatten, sogar wie weggeblasen; denn überrascht hob Brooke den Blick, leicht fragend, aber vor allem überrascht. Es war ein Angebot, über das sie nicht einmal ansatzweise nachgedacht hätte, von niemandem. Ja, sie war zwischenzeitlich bei den Aileanachs gewesen, aber das hatte bestimmte Gründe gehabt. Und der Grimmauldplatz war nicht perfekt, aber es war immerhin eine Möglichkeit, dort sicher unterzukommen, wenn die Sorge wieder einmal zu groß wurde. Dass Elias ihr gerade ernsthaft anzubieten schien, doch bei ihm in sein Haus einzuziehen … Es war eine Überraschung. Und so schwieg Brooke einen Moment, stand nur da und blickte den älteren Zauberer an. Ja, sie kannten sich, sie waren sich vielleicht sogar auf eine spezielle Weise nahe, wie nur eine Rettung sie hatte zusammenschweißen können. Sie alle irgendwie. Und trotzdem war das etwas, das Brooke niemals erwartet hatte. Hätte sie gewusst, dass hinter dem Angebot Dankbarkeit lag, dann hätte sie wohl auch abgelehnt. Es war selbstverständlich gewesen, ihm zu helfen. Es hatte keine Sekunde gebraucht, um darüber nachzudenken.
    Doch sie wusste es nicht und so stand sie nur dort, hörte seinen Vorschlag, die Möglichkeiten, den Fidelius-Zauber, der auch den Grimmauldplatz sicherte, dafür sorgte, dass sie zumindest anfangs das Gefühl der Sicherheit gehabt hatte. Es war eine Option, aus diesen Wänden zu kommen. Besuch empfangen musste sie nicht, das konnte sie auch woanders und die meisten ihrer Bekanntschaften waren eben inzwischen selbst im Orden. Es war ein Vertrauen, das Elias ihr entgegenbrachte, auch wenn sie den Wohnort niemals verraten könnte. Doch er lud sie in sein Heim ein – und so sehr alles in Brooke danach rief, das Angebot anzunehmen, zuzusagen, um aus diesem tristen Haus zu kommen … Sie zögerte. „Ich …“ Eine Pause, denn die Worte schienen sich nicht ganz so zu sortieren, wie sie das gerne gehabt hätte. „Elias, das ist … unglaublich lieb.“ Das war es. Es war ein kleiner Notanker, aber mit diesem kamen Probleme. Probleme, die Elias kennen würde, aber die sie nicht einfach so im Raum stehen lassen konnte, schon gar nicht nach dem, was vor zwei Vollmonden passiert war. „Aber die Risiken …“ Sie schluckte, schaute nun ihrerseits auf den Boden, denn sie wollte nicht, dass er von der Nacht erfuhr. Die Nacht, die für sie selbst der Horror gewesen war und von der sie bisher niemandem erzählt hatte. Weil alles glimpflich verlaufen war. „Sollte jemals der Trank nicht richtig wirken …?“ Und doch … Es zogen sich Gedankenspiele durch ihren Kopf. Vielleicht konnte sie die Nächte woanders verbringen? Wieder im Monkshood? Ob das eine Option war?

  • Brookes Zögern war schwer zu deuten. Elias wusste selbst, dass sein Angebot keines war, welches leichtfertig gesagt oder leichtfertig angenommen werden konnte. Inzwischen mochte er weniger Zeit in seinem Haus in Hastings verbringen als vor seiner Zeit in Hogwarts, doch es war dennoch ein Zuhause für ihn selbst und seine Kinder, ein Ort, an dem sie Ferien und Feste verbrachten.
    Er würde auch mit seinen Kindern darüber sprechen müssen. Doch auch für Brooke selbst konnte es keine ganz einfach Entscheidung sein. Nicht für jeden war ein solches Wohnarrangement dem Grimmauldplatz vorzuziehen, was er in gewisser Weise durchaus verstand. Vielleicht war es Brooke lieber, sich nicht in eine Position zu begeben, in der sie in gewisser Weise von dem Wohlwollen anderer Menschen abhängig war. Bei Emrys schien es sie zwar weit weniger gestört zu haben, als Elias angenommen hätte, das musste aber nichts bedeuten.
    Er wartete geduldig, bis sie zu sprechen begann. Ihre Bedenken waren berechtigt, auch wenn er zumindest in dieser Hinsicht nicht allzu besorgt war.
    Richtig gebraut war der Banntrank sehr verlässlich, weshalb es bei gewissenhafter Anwendung eigentlich nicht zu Problemen kam. Die meisten Szenarien, die das Ministerium gerne als Negativbeispiele für die mangelnde Wirksamkeit des Trankes aufführte, hatten andere Ursachen.
    Davon abgesehen konnte man auch andere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass Brooke weder sich selbst noch jemand anders verletzte. Sie hatte eine ernstzunehmende Krankheit, da wollte Elias weder sich selbst noch ihr etwas schönreden, mit dem richtigen Management war die Gefahr jedoch verschwindend gering. Das größere Risiko in der magischen Welt ging meist von Hexen und Zauberern aus, die leichtfertig mit ihren Zauberstäben herumexperimentierten und bedauerlicherweise auch von jenen, die es nur darauf anlegten, Schaden anzurichten.
    Sollte es nur das sein… Wir haben ein Gartenhaus, dass entsprechend geschützt werden könnte. Nach dem Tod meiner Frau haben wir es nicht mehr genutzt.“, erwiderte Elias einen Moment später und lächelte Brooke an. „Davon abgesehen kann ich dir gerne bei der Überprüfung der Wirksamkeit deiner Tränke helfen, wenn du Bedenken hast. Die Beurteilung von Zaubertränken ist inzwischen schließlich mein Job.“, ergänzte er dann. Theoretisch konnte er den Banntrank auch brauen, Brooke schien jedoch bereits eine Quelle zu haben. Er wollte ihr nichts aufdrängen und auch wenn er sich bereit erklärt hätte, das Brauen des Trankes zu übernehmen, so war es keine Aufgabe, um die er sich riss. Er wollte Brooke nicht das Gefühl geben, ihren Kompetenzen im Umgang mit ihrer Krankheit nicht zu trauen.
    Dieses ständige Misstrauen im Umgang mit Menschen, die an Lykantrophie erkrank waren, durchzog diese Gesellschaft schon tief genug und hatte bereits an zu vielen Stellen seine hässlichen Spuren hinterlassen.
    Natürlich müsste ich auch mit meinen Kindern sprechen, solltest du es in Betracht ziehen. Die Ferien verbringen sie ja ebenfalls zuhause und meine Tochter kommt auch am Wochenende mit. Ich denke aber, dass sie sich beide freuen würden, nicht wochenlang nur mich zu sehen. Das wäre aber auch nicht eilig. Sag mir einfach Bescheid, wenn du darüber nachgedacht hast.“
    Elias hob die Schultern und ließ den Blick ein weiteres Mal über die Wände streifen, um Brooke die Gelegenheit zu geben, seine Worte zu überdenken.

  • Es war ein überlegtes Zögern, keines, was nur gespielt war. Nein, Brooke war vollkommen klar, dass Elias die Sicherheit seines Hauses, den Rückzugsort nicht einfach aus Freundlichkeit anbot. Es war Vertrauen, das er ihr entgegenbrachte und das sie ihm auch jeder Zeit zurückgeben würde. Und so wusste sie, ging zumindest davon aus, dass er diese Worte nicht plötzlich zurücknehmen würde. Und dass sie nicht nur freundliches Geplänkel waren, das man dann mit einem Lachen ablehnte, wohlwissend, dass es eh nicht ernst gemeint war. Keiner von ihnen beiden war so gestrickt, würde sich nicht hinter gefälschten Angeboten verstecken. Und so war eben auch die Überlegung ernst, der Zweifel zwischen feinem Lichtblick am Horizont, dem Gefühl, zumindest temporär wieder ein Zuhause zu haben, sich irgendwo sicher und zugleich wohl zu fühlen – und dem Gedanken, ob ihre Krankheit nicht zu viele Probleme mit sich bringen würde. Elias wusste nicht alles und Brooke wollte nicht noch Weitere mit der Last erschweren, die sie selbst bereits mit sich herumtrug, doch das bedeutete für sie, dass wirklich alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten, falls … Nein, das konnte sie doch nicht wirklich annehmen, oder?
    Brookes Blick suchte Elias‘, während sie seinen Worten lauschte, die wohlüberlegt klangen, logisch und … Für einen Moment weiteten sich Brookes Augen, eine Erkenntnis, die sie so definitiv nicht gehabt hatte, die jedoch beinahe einen Stein von ihrem Herzen nahmen. Natürlich, Elias war kein Heiler mehr. Zwar war sie sich voll und ganz bewusst, dass er in Hogwarts war und dort nun einem Job nachging, aber dass er sich auf Zaubertränke spezialisiert hatte, war irgendwie immer so surreal gewesen, etwas, das sie nicht wirklich im Kopf gehabt hatte. Er konnte die Tränke überprüfen, ob sie wirksam waren … Die Angst, die Brooke seit Wochen herumtrieb, der Gedanke, nie wieder auf den Trank vertrauen zu können, war allgegenwärtig, würde sich vielleicht auch nie wieder gänzlich legen. Aber die Möglichkeit, jemanden zu haben, der die Wirksamkeit bestätige konnte, ohne dass sie ihm vorher von ihren Ängsten erzählen musste … Denn natürlich war es sinnvoll, natürlich wollte sie nicht, dass irgendetwas passierte. Vielleicht würde Elias Malja während der Vollmondnächte extra in Hogwarts lassen. Und selbst auch dortbleiben. Nur um ganz sicher zu gehen. Doch der Umstand, dass es ihm klar war, dass das kein Hinderungsgrund war …
    Brooke hatte bereits gewusst, dass Elias sie akzeptierte. Und doch war jeder Moment, in dem sich eine solche Akzeptanz bei anderen zeigte, ein Moment, in dem sie sich ein wenig leichter fühlte – und wenn eben auch nur für einen kurzen Moment. Ein feiner, ihr früher nicht bekannter Part in ihrem Herzen spürte die Wut darüber, dass es nicht selbstverständlich war, doch der Rest war einfach nur dankbar dafür, dass es eben jene gab, die logisch und unkompliziert an das Thema herangingen. Auch wenn ihr die Vorstellung, dass das Gartenhaus seit dem Tod seiner Frau nicht mehr angerührt worden war, einen kleinen Stich bereitete. Sie wollte sich nicht an jene Orte drängen, die vielleicht noch eine Bedeutung für den Zauberer hatten. Doch dann hätte er es sicher nicht angeboten, nicht wahr?
    Èlias‘ Worten zuhörend, dem Umstand, dass er natürlich seine Kinder fragen musste, aber dass sie vielleicht auch einmal auf Malja aufpassen konnte, wenn Elias am Wochenende da war … Ein feines, beinahe träumerisches Lächeln legte sich auf Brookes Lippen, denn diese Vorstellung wirkte so ruhig, so harmlos und so … ja, beinahe utopisch in dieser Zeit. Es waren keine Hintergedanken, die sie damit verband, genauso wenig wie Elias, aber es schien einfach ein kleines Stück an Perfektion zu sein, so unbeschwerlich zu leben. „Ich …“ Noch immer schienen ihr die Worte zu fehlen und für einen Moment stand sie nur dort, die Taschen inzwischen auf dem Boden. Nein, es war nicht nur ein Angebot. Es war viel mehr. Und so schluckte sie im Versuch, die Rührung, die sie empfand, zu verbergen, räusperte sich. „Wäre dort denn noch Platz für einen weiteren Vierbeiner?“ Der Blick zuckte kurz durch die Küche, ehe sie ihn wieder ansah. Der letzte Punkt, wenn auch vermutlich der am wenigsten problematische, denn immerhin kannte Elias bereits das Leben mit einem solchen im Haus. „Ich … hatte darüber nachgedacht, vielleicht einen Hund zu adoptieren.Damit ich nicht alleine ums Haus laufen muss. Damit ich endlich genügend Auslauf bekomme. Es gab viele amüsante Wege, eine solche Aussage etwas lockerer zu tätigen, doch irgendwie passte das nicht. Denn auch wenn Elias ihr Zeit geben wollte, um über das Angebot nachzudenken … Brauchte sie diese denn wirklich noch?

  • Nach einer Weile ließ er den Blick zurück auf ihr Gesicht wandern. Brooke lächelte. Für einen Moment sah sie wirklich glücklich aus und ihr ganzes Gesicht schien sich dadurch zu verändern.
    Die letzten Jahre waren auch für Brooke nicht einfach gewesen, das wusste er bereits, auch wenn er nur einige Bruchstücke aus ihrem Leben kannte. Ihre Erkrankung, die immer strenger werdenden Maßnahmen des Ministeriums, der Aufstieg der Todesser*innen… Manchmal war er ernüchternd, zu sehen, wie sehr diese Zeit sie zeichnete. Manchmal vergaß er beinahe, wie er zuvor gewesen war, hielt für einen Moment inne, wenn sein Blick doch einmal auf ein altes Foto fiel und er sich fragte, ob er jemals wieder so würde lachen können.
    Seine Kindheit, seine Jugend war nicht unbeschwert gewesen, aber es hatte glückliche Zeiten gegeben. Das Ende seiner Ausbildung, Isaacs und Maljas Geburt, die Abende mit Patrick in der Bar. Er hoffte für seine Kinder aber auch für Brooke und Levin, Jonas und Georgina, dass sie die Zukunft für die sie kämpften auch erleben würden. Sie hatten es verdient.
    Elias erwiderte Brookes Lächeln, auch wenn er für einen Moment die Stirn runzelte, als sie sich selbst in die Beschreibung „Vierbeiner“ mit einschloss. Auf gewisser Ebene verstand Elias, dass es hilfreich sein konnte, Wörter die gegen einen verwendet wurden an sich zu nehmen, er selbst sah Brooke jedoch ebenso wenig als Vierbeiner, wie sich selbst als Schlammblut.
    Einen Hund?“, Elias’ Lächeln weitete sich wieder und er hob langsam die Schultern. Brooke hatte Theo gekannt, sie waren nicht selten gemeinsam spazieren gegangen und so wusste sie, dass auch er diese Tiere schätzte. Wäre er nicht die meiste Zeit in Hogwarts gewesen, so hätte er wohl selbst darüber nachgedacht, ins Tierheim zu gehen und gemeinsam mit seinen Kindern einen Hund kennen zu lernen. Er wusste, dass besonders Isaac Theo vermisste und sich sehr gefreut hätte, wieder einen vierbeinigen Gefährten zu haben. Solange er als Professor arbeitete, war es jedoch nicht fair, sich ein neues Tier anzuschaffen, für das er die Zeit nicht hatte.
    Natürlich. Ich denke wenn du einen Hund mitbringst, ist die Begeisterung meiner Kinder sichergestellt.“, bemerkte er schließlich mit einem Nicken. „Mir wäre nur wichtig, dass er verträglich mit Kindern ist, ansonsten wäre es aber sicher schön, wieder einen Hund im Haus zu haben.“, ergänzte er einen Moment später.
    Es schien, als würde Brooke sein Angebot wirklich in Betracht ziehen, wenn sie bereits darüber nachdachte, ein Haustier mitzubringen. Elias wusste nicht recht, was ihn erwarten würde, wenn Brooke sich tatsächlich entschloss, nach Hastings zu ziehen.
    Die Monate, die er im vergangenen Herbst dort verbracht hatte, bevor er die Stelle in Hogwarts angenommen hatte, waren mit die schlimmsten seines Lebens gewesen. Patricks Besuche hatten geholfen, dazwischen war ihm nur diese Mischung aus lähmender Angst und erdrückenden Pflichtgefühl geblieben. Malja hatte ihn gebraucht aber er hatte ihr nicht mehr bieten können als dieses Wrack einer Person, dass er in den Monaten nach seiner Entführung gewesen war.
    Hogwarts hatte ihm geholfen, ein Stück Alltag zurückzuerlangen, auch wenn er wusste, dass die Todesser*innen ihm in diesen Wochen etwas genommen hatten, was er nicht wiederbekommen würde. Vielleicht würde es auch helfen, wieder andere Bewohner*innen in dem alten Haus zu haben, die den Räumen zumindest einen Teil ihrer Leere nehmen würden.

  • Ja, sie hatten sich wohl alle verändert. Auch wenn Elias und Brooke sich noch nicht so lange kannten, so waren sie wohl doch sicher einmal beide in einer Zeit gewesen, in der alles so viel schöner, so viel einfacher war. Wo ein Lächeln zum Alltag dazugehörte, wo das Leben unbeschwerter war. Tage, an denen sie unterwegs waren. Tage, an denen sie Abenteuer erlebten, an denen alles schön und okay war. Perfekt durch die kleinen Imperfektionen, die zum Leben dazugehörten. Damals, als sie hatten lächeln können, als die Sorgen, die einen inzwischen erdrücken wollten, nicht existierten. Doch die Zeit war verschwunden und so waren diese Momente, diese kurzen Augenblicke des Glücks, in denen sie alles andere vergessen konnten, mehr als kostbar. Denn nie hielt so etwas lange an und auf solche Momente folgten zumeist die nächsten, großen Schicksalsschläge, die im Orden wohl nicht auszublieben schienen. Und doch konnten sie sich glücklich schätzen, irgendwie. Sie lebten noch. Lebten und hatten etwas, wofür sie kämpften. Andere Menschen waren nicht so glücklich, andere starrten dem Tod ins Angesicht und unterlagen diesem. Sie hatten keine Chance gegen die tückische Macht, die noch immer im Verborgenen ihr Unwesen trieb. Ja, sie hier waren Lebende, viele sogar Überlebende. Und so waren diese Augenblicke kostbar.
    Brooke realisierte das Stirnrunzeln, doch schenkte ihm kein weiteres Wort als sich Elias‘ Lächeln weitete, sich sein Körper regelrecht aufzurichten schien. Sie verstand das, verstand das so gut. Die Spaziergänge mit Elias und Theo waren wundervoll gewesen und auch wenn Brooke selbst nie einen Hund besessen hatte, so war der Traum, vielleicht eines Tages die Möglichkeit zu haben, da gewesen. Mit Captain Jack hatte ihre WG sich damals schon ein Tier ins Haus geholt, doch leider war der Papagei auf Brooke nicht mehr gut zu sprechen gewesen. Hunde hingegen waren unproblematisch, ja, beinahe anhänglich, wenn man es mit anderen Wesen verglich. Brooke hatte auch keine Bedenken, dass Elias wirklich ein Problem mit einem solchen Zuwachs haben würde, aber es war nur fair, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Zumindest soweit sie sich dies traute, denn das Geheimnis, was sie aktuell des Nachts wachhielt, die Sorgen dessen, was in dieser einen Vollmondnacht hätte passieren können, das würde sie niemals jemandem anvertrauen. Konnte es keinen erzählen, auch wenn es inzwischen so wirkte, als ob nichts passiert war. Eine Erleichterung – und doch sorgte eben genau das für die Albträume. Nicht der Cruciatus, nicht die Begegnung mit Todessern, nein. Die Vorstellungen, jemanden gebissen zu haben, war weitaus schlimmer, doch wenn Elias künftig ihre Tränke kontrollieren würde und sie das Gartenhäuschen ausbruchsicher machten, dannn …
    Natürlich muss er das sein.“ Da gab es keine Diskussion. Sie würde niemals Malja oder Isaac in Gefahr bringen. Natürlich, ein Hund war letztlich ein eigenständiges Wesen, das sie nicht komplett lenken konnte oder gar wollte, aber das war Elias selbst klar. Doch dass eine Liebe für Kinder existierte, das sollte immerhin gegeben sein. Und so taute Brooke vielleicht noch ein wenig mehr auf, wurde das Lächeln auf ihren Lippen vielleicht noch ein wenig breiter, als sie zu erzählen begann. „Er heißt Charlie und ist ein Labrador-Husky-Mix. Gerade zwei Jahre alt. Und er ist …“ Ein feines Schmunzeln, dann ein Schulterzucken. „Er ist wundervoll.“ Sie hatte mit sich gehadert, ob sie Charlie den Grimmauldplatz zumuten wollte. Aber jetzt, mit Elias‘ Angebot … Fest, offen, aber auch dankbar blickte Brooke in die hellen, blauen Augen des Älteren, hob sie den Arm für einen Moment, um den seinen zu drücken – doch sie hielt in der Bewegung inne, sich erinnernd. Es war erstaunlich, wie Menschen sich entwickelten. Brooke selbst schien solche körperlichen Gesten deutlich mehr zu brauchen, seitdem sie ein Werwolf geworden war. Elias schreckte davor zurück, seitdem er gefoltert worden war. Und beinahe hätte sie ihm einer solchen Situation ausgesetzt. Schnell zog sie ihre Hand zurück und versuchte all die Dankbarkeit, die sie empfand, in ihrem Blick zu legen. „Ich weiß wirklich nicht, was ich dazu sagen soll, Elias.“ Sie hatte schon etwas gesagt, aber das würde wohl niemals ausreichen, um zu erklären, was sie empfand. „Sprich bitte wirklich zuerst mit Malja und Isaac. Ich möchte nicht, dass sie sich unwohl fühlen.Oder gar etwas Falsches dachten. Ein Gedanke, der kurz in Brookes Gedanken herumspukte und für ein feines Rosa auf ihren Wangen sorgte. „Aber, wenn das für euch wirklich in Ordnung ist … Sehr gerne.

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