Erdgeschoss - Speisezimmer und Küche

  • Es war bereits dunkel. Ein sanfter, aber umso unnachgiebigerer Nieselregen plätscherte derweil ungestört von den tristen Fassaden der Reihenhäuser und konnte kaum von vereinzelten Fensterlichtern durchbrochen werden. Es schien, als wollte die ganze Straße in einem undurchsichtigen grauen Schleier versinken.
    Ein verfluchenswertes Mistwetter, sicher, aber nichtsdestotrotz wie gemacht für diesen Abend, an dem sich einige Hexen und Zauberer in einem ebenso undurchsichtigen Haus versammeln wollten. Heimlich. Finden jedenfalls, konnte den Grimmauld Place 12 heute nur jemand, der einen Brief mit einer Adresse in der Handschrift eines Geheimniswahrers bekommen hatte.
    Bei der Einladung hatte allerdings hoffentlich niemand einen lichten Treffpunkt, ein schickes Bankett oder gar einen professionellen Tagungsraum erwartet. Ein schwebender Zettel in der Eingangshalle warnte bereits vor potentiellen Altersschäden und Gefahrenquellen und riet dinglich dazu bitte gerade aus und dann nach links zu gehen, wo ein kleiner Speisesaal zu finden wäre. Jede Abzweigung würde nur das Risiko bergen in einen Doxyschwarm zu geraten und jedes Rumpeln aus dem Dachstuhl sei aufgrund eines heftigen Ghul- und Irrwichtbefalls als harmlos werten. Auch der Speisesaal selbst hatte offensichtlich schon bessere Tage gesehen, an die eine Brokattapete und die Reste einer ehemals eleganten Holztäfelung erinnerten. Ansonsten war der Raum heruntergekommen und dicke Spinnweben und eine Zentimeter dicke Staubschicht erzählten von langer Vereinsamung. Nur in der Mitte des Raum hatte jemand offensichtlich notdürftig geputzt und Tisch und Stühle hergerichtet. Für mehr als ein paar Kerzenständer, neun Gläsern und zwei Karaffen, sowie ein lustig tanzendes Spickoskop auf der Mitte des Tisches, hatte es jedoch nicht gereicht… oder man hatte einfach keinen Wert darauf gelegt. Hätte man das, hätte man nämlich sicher auf das Spickoskop verzichtet, das wild sauste und surrte und offensichtlich nur durch einen Schweigezauber erträglich geworden war.
    Alles in allem also kein sonderlich freundlicher Ort und sicher kein Ort an dem sich "die Guten" hätten wappnen wollen… Zumal es einige Minuten lang keine Anzeichen oder Hinweise auf den Gastgeber gab.


    [Herzlich willkommen liebe Gäste! Da es sich um ein lockeres Nebenplay handelt, seid ihr herzlich dazu eingeladen euch schon vor dem Haus zu treffen (falls ihr damit spielen möchtet) und Begegnungen im Raum zu beschreiben. Der Fremde wird sich zeigen, sobald alle Gäste im Raum angekommen sind und sich mindestens die Hälfe hingesetzt hat! Entsprechend wäre eine Absage wichtig, sollte euer Charakter sich gegen ein Kommen entscheiden! Falls ihr als Person in der nächsten Woche aber partout nicht zum Posten kommt, könnt ihr euch ebenfalls melden, dann kann man besprechend, ob der Charakter nachkommen oder mitgeführt werden kann. Beide PNs sollten an@'Penthesilea Uylenburgh' gehen.]

  • //Byron sieht @Virginia MacGuffin, da die Spielerin gerade im Urlaub ist, sich aber gewünscht hat, von mir mit hinein gepostet zu werden! Ich hoffe, ich habe nichts falsch verstanden und muss nicht erstmal noch eine Hürde überwinden, damit Byron in den Raum kann.


    Byrons Herz pochte wie wild, als er in die Eingangshalle blickte, den Zauberstab fest umschlossen. Es war wahrscheinlich keine gute Idee gewesen, dem fremden Brief zu folgen. Die Wahrscheinlichkeit war ziemlich hoch, dass er in eine Falle gelockt wurde. Vielleicht würde in jedem Moment jemand auf ihn springen, ihn für etwas bestrafen, das er getan hatte. Vielleicht wusste ja jemand von der Manipulation des Artikels im Tagespropheten, vielleicht war man sauer über seine Aktionen beim Sommerfest, vielleicht war es aber auch Dolohow, die im letzten Jahr wie vom Erdboden versunken war und ihm nun den letzten Rest geben wollte. Byrons Meinung nach gab es tausend Gründe, weshalb es eine schlechte Idee gewesen war, sich an diesem Abend aus seiner Londoner Wohnung zum Grimmauldplatz 12 zu begeben. Dennoch war da die Neugierde in ihm gewesen, ein Teil, der sich gegen die sonst vorherrschende Vernunft sträubte. Er konnte ihn tief in sich spüren, den Drang, Gleichdenkende zu finden, Menschen, die verstanden, weshalb er tat, was er tat, weshalb er morgens mit dem Gedanken aufwachte, er könnte etwas an dieser Welt besser gestalten. Also stand er nun hier, in diesem ominösen Gebäude. Hätte man in Byrons Inneres gucken können, hätte man gesehen, wie präsent die Angst war. Er gab sich jedoch die beste Mühe, sie nicht nach außen zu tragen, sondern tief durchzuatmen. Sein Nacken war noch feucht vom Regen, der auf ihn eingeprasselt war, als er unschlüssig draußen gestanden war, kurz davor, einfach wieder umzukehren. Die Tropfen verliehen ihm eine leichte Gänsehaut, während er versuchte, sich auf das Geschriebene zu konzentrieren. Ein Wegweiser also. Inwiefern er diesem vertrauen konnte, wusste der junge Mann natürlich nicht, aber welche Wahl hatte er denn noch? Nun war er hier und falls ihn jemand gegen seinen Willen hier behalten wollte, könnte er sich nicht mehr dagegen wehren. Jetzt nicht mehr. Also leckte er sich über die trockenen Lippen, hielt den gezückten Zauberstab vor sich und machte vorsichtige Schritte geradeaus, wie man, wer auch immer, ihm gesagt hatte. Es konnte sein, dass er es sich nur einbildete, doch er glaubte, ein Knarzen zu hören, als er sich fortbewegte. Er dachte gar nicht daran, in die dunklen Ecken zu blicken, sondern drehte sich gelegentlich um, um sicherzugehen, dass ja auch niemand hinter ihm war und folgte sonst nur den Anweisungen, die er sich eingeprägt hatte. Irgendwie mochte dieser eigenartige Fremde es, das Erinnerungsvermögen seiner Empfänger auf die Probe zu stellen, indem er sie immer wieder dazu zwang. Doch sich über den frechen Brief zu ärgern, der ihm einen Schrecken eingejagt hatte, nachdem die Buchstaben verschwunden waren, ihm nur noch die Chance gelassen hatten, die Adresse samt Datum und Uhrzeit auf ein Stück Pergament zu schreiben, bevor es ihm entglitt, dafür hatte er keine Zeit.
    Byron bewegte sich mit einem Runzeln auf der Stirn in dem Haus fort. Eins konnte man sagen, dieses Haus hatte definitiv seine besten Tage hinter sich. Auch der Raum, der wohl das Ende seines Wegs durch die Gänge markierte, wirkte ungepflegt, als hätte man sich nicht sonderlich viel Mühe gegeben. Der junge Mann senkte seinen Zauberstab, sah an die Decke und rümpfte ein wenig die Nase. Was für ein Spiel war das hier? Er machte ein paar - weiterhin mich größter Vorsicht - Schritte nach vorne und blieb abrupt stehen, als er eine vertraute Gestalt sah. "Virginia?", sagte er leise in den Raum, als könne er es fast nicht glauben. "Was machst du denn hier?" Er glaubte nicht, dass sie der Absender des Briefes war. Das passte nicht zu ihr, genauso wenig wie sie in diesen Raum passte. Sie hätte ihm niemals einen so kryptischen Brief geschickt, schließlich kannten sich die beiden. Also kam er nicht umhin, sich nochmal die Frage zu stellen, was für ein Spiel hier gespielt wurde.

  • Deverell hatte den beißenden Schwefelgeruch des zwielichtigen Briefes, der ihn vergangenen Donnerstag entgegen aller Widrigkeiten erreicht hatte, noch immer in der Nase, als er, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, die angegebene Adresse von der Straßenseite gegenüber im Auge behielt. Er war eine ganze Stunde zu früh gekommen, um eventuell einen Blick auf den Verfasser des Briefes zu erhaschen, und langsam aber sicher weichte der Niesel den nicht gerade sorgsam gesprochenen Imprägnierzauber seines Mantels auf.
    Die Häuserfassaden auf der anderen Seite waren unglaublich nichtssagend. Gleichförmig reihten sie sich aneinander, ohne, dass man, abgesehen von unterschiedlichen Vorhängen und kleineren Details, einen großen Unterschied hätte feststellen können. Sie alle waren auf ihre Weise heruntergekommen und von dutzenden Jahren steter Benutzung gezeichnet. Und ohne jeden Zweifel, war sich keiner der Bewohner aus den Nummern 10 und 14 bewusst, was sich zwischen ihnen befand und so sorgsam von einem Zauber verborgen wurde.
    In den vergangenen Minuten, die der Werwolf im Regen damit verbracht hatte, so zu tun, als stelle er sich im Eingang eines Hauses unter, waren genau zwei Personen eingetreten. Eine Hexe, nur wenig älter als er, und ein Zauberer, von dem Deverell sich sicher war, dass er ihn aus Schulzeiten erkennen würde, wenn er einen genaueren Blick auf sein Gesicht werfen könnte. Beide waren die Häuserreihen suchend abgelaufen und schließlich im Innern der heruntergekommenen Nummer 12 verschwunden, während Deverell so getan hatte, als verschicke er Nachrichten auf seinem Handy. Beide kamen, allein des irritierten Staunens, ob des plötzlichen Auftauchens des gesuchten Hauses, als Verfasser des Briefes nicht in Frage. Was bedeutete, dass dieser entweder später erscheinen würde oder bereits im Innern auf seine augenscheinlich zahlreicheren Gäste wartete.
    Mit einem letzten Blick auf das Display des alten Prepaidhandys, das aufgrund der pulsierenden Magie in der Nähe bereits leicht flackerte, stieß Rude sich von seiner Beobachterposition ab. Er hatte sich bei weitem genug nassregnen lassen und letzten Endes hatte er nicht vor, zu warten, ob noch weitere Gäste eintreffen würden. Und langsam aber sicher wurde es zu auffällig, hier herumzustehen.


    Das Interieur des Reihenhauses entsprach voll und ganz dem, was Deverell erwartet hatte, nachdem er die Fassade ja bereits hatte begutachten können. Es roch nach Staub, Schimmel und das leise Poltern aus einigen der angrenzenden Zimmer und dem zweiten Stockwerk, verhießen einen Schädlingsbefall, wie er sicher nur in alten, magischen Häusern vorkommen mochte. Ceene hätte sicher ihre wahre Freude daran gehabt, wäre sie denn hier und tatsächlich noch in ihrem Beruf als Kammerjägerin tätig gewesen.
    Einen kurzen Moment lang bleib Deverell stehen und spitze die Ohren, während seine Augen bereits den schwebenden Zettel fixierten, der Besucher auf alle möglichen Tierchen und den richtigen Weg hinwies und ihn damit ironischerweise an Professor Smiths berühmt berüchtigte Halloweenstunden erinnerte.
    Bei Merlin, einen Moment rechnete Rude beinahe damit, den schlaksigen Professor am Ende des Flures in einem riesigen Ohrensessel sitzend vorzufinden. Betrunken, aber gut gelaunt und voller Enthusiasmus dafür, seine ehemaligen Schüler mit einer ganz besonderen Lehreinheit zu beglücken.
    Nur war dieser Gedanke mindestens ebenso albern, wie abwegig, weswegen Deverell sich lieber dazu entschied, den anderen Besuchern seine Aufwartung zu machen, statt, seiner Neugierde folgend, doch einen Blick in die vermeintlich gefährlichen Zimmer dieses seltsamen Ortes zu werfen. Noch im Gehen streifte der Werwolf seine Kapuze ab und schüttelte die nassen Locken mit einer ruckartigen Kopfbewegung, um die letzten, winzigen Regentropfen loszuwerden. Kurz kam ihm dabei die Idee, vorab einen Versuch zu unternehmen, den mysteriösen Gastgeber eventuell mittels Zauberei ausfindig zu machen, allerdings hatte er ja bereits mit eigenen Augen gesehen, dass er längst nicht mehr der einzige Mensch in diesen Räumlichkeiten war. Und diesbezüglich war sein Repertoire an aufspürzaubern nicht allzu feinfühlig. Also hieß es abwarten und dabei die eigenen Sinne und den Zauberstab im Anschlag bereits zu halten, falls diese wenig vertrauenswürdige Geschichte sich als Hinterhalt herausstellte.
    „Ich denke…“, beantwortete Deverell die Frage, die er bereits durch die Tür hindurch vernommen hatte und betrat dabei grimmige schmunzelnd den Raum, der augenscheinlich für diese Zusammenkunft ein wenig von Staub befreit worden war, „…die Dame wird wohl eine Einladung erhalten haben. Wie der Rest von uns, wage ich zu behaupten.“
    Seine Mundwinkel zuckten kurz, während er, die Hände in den Taschen bei seinem Zauberstab behaltend, vom Türrahmen aus die beiden Personen musterte, die er von weitem ja bereits in Augenschein hatte nehmen können. Und tatsächlich erkannte er das Gesicht des Jüngeren, auch, wenn ihm der Name des ehemaligen Ravenclaws – Brian? Blaise? Byron? – nicht auf Anhieb einfallen mochte.
    „Ich nehme außerdem an, dass wir, was unseren“, der Werlwolf stieß ein trockenes Lachen aus und stieß sich vom Türrahmen ab, um sich einen Platz an der Seite zu suchen, von dem aus er die Tür im Auge behalten konnte. Seine dunklen Augen behielten die anderen Beiden beim Sprechen weiterhin im Blick, Gastgeber betrifft, ebenfalls gemeinsam im Dunkeln tappen. Aye?“

  • Der Schein tausender Kerzen begleiteten Victoria durch die mit kaltem Neonlicht erhellten Straßen der Großstadt; das Stimmengewirr und Gelächter unzähliger Schüler hallte in ihren Ohren nach, als sie sich von den vielbefahrenen Straßen entfernte und in abgelegenere Gegenden vorstieß. Kurz zuvor war sie noch im verregneten Schottland gewesen, in der menschenüberströmten Großen Halle in Hogwarts, wo die alljährliche Eröffnungsfeier stattgefunden hatte. Die Hauselfen hatten die schönsten Speisen aufgetischt, deren Duft der Hexe noch immer in der Nase lag — und doch hatte sie keinen Bissen hinuntergebracht. Viel zu groß war die Aufregung gewesen, was sie hier erwarten mochte. Wer sie hier erwarten mochte. Der mysteriöse Brief hatte keinerlei Rückschluss auf seinen Verfasser zugelassen. Voldemort, war ihr erster Gedanke gewesen, und das Blut war ihr in den Adern gefroren. Wer sonst sollte ihr mysteriöse Briefe schreiben, um sie an zweifelhafte Orte zu beordern? Zuletzt war es ein Friedhof gewesen, doch das alte Anwesen der Familie Black schien kein allzu ungewöhnlicher Ort für einen Meister der Dunklen Künste. Man munkelte, ein wahrer Hauselfenfriedhof befände sich hinter den Mauern von Number 12, Grimmauld Place... Zwischen diesen Kreaturen das eigene Ende zu finden, wäre eine wahrhaft erniedrigende Geste. Eines Verräters angemessen. Ein kalter Schauer war ihr über den Rücken gelaufen. Ob Voldemort die Wahrheit über Oliver Cresswell herausgefunden hatte? Oder ob Finnegan zurückgekehrt war, um Rache zu üben?
    Der Inhalt des Briefes hatte sie jedoch stutzig gemacht. Nichts daran klang nach dem Dunklen Lord oder einem seiner Schergen, doch vermochte die Hexe auch nicht zu sagen, wer sonst einen derartigen Brief geschickt haben könnte. »Vertraust du mir genug, um zu kommen?«, lautete die Frage, welche sich in Victorias Gedächtnis eingebrannt hatte. Die Antwort darauf war ein klares »Nein«, doch hatte die Hexe im Laufe ihres Lebens ebenso eine misstrauische Grundhaltung gegenüber mysteriösen Briefen entwickelt wie auch eine ungesunde Vorliebe für risikoreiche Unterfangen. Und was diese Einladung wenn nicht riskant?
    So also kam es, dass sich Mrs. Lestrange an diesem Abend am Grimmauld Place einfand, starr vor Angst, aber unwillig, sich davon lähmen zu lassen. »Papa, ich hab Angst«, hörte sie die Stimme ihrer damals vierjährigen Tochter in ihrem Kopf. Sie war das allererste Mal auf einem Kinderbesen gesessen, hatte sich aber nicht getraut, sich vom Erdboden abzustoßen und sich in die Lüfte zu erheben. »Wie soll ich tapfer sein, wenn ich Angst habe?« »Nur wenn du Angst hast, kannst du tapfer sein«, hatte der Leandras Vater geantwortet. »Narren fürchten nichts, denn sie erkennen die Gefahr nicht, wenn sie ihnen ins Gesicht lacht. Tapfer zu sein bedeutet, Angst zu haben und sich trotzdem zu überwinden.« Sich der Menschen zu besinnen, für die sie tapfer war, gab Victoria die Kraft, die schwere Eingangstüre des Hauses aufzudrücken. Sie war auf alles gefasst gewesen, beinahe alles — Lichtblitze, Zauberstäbe in ihrem Gesicht, metallene Masken, die sie in ihren Albträumen verfolgten —, aber nicht das.
    Zwei ihrer ehemaligen Schüler und eine unbekannte Hexe standen beisammen, scheinbar ebenso unsicher, wer sie hierher gerufen hatte, wie sie selbst. Die Konstellation der Anwesenden jedoch ließ der Hexe einen Stein vom Herzen fallen. Mr. Clairmont war so einiges, aber gewiss nicht der dunklen Seite zugetan; und Mr. Burton folgte der Ärger zwar auf dem Fuße, doch war dies nicht die Art von Ärger, welche sie gefürchtet hatte. Die Professorin war so erleichtert die beiden zu sehen, dass sie um ein Haar laut aufgelacht hätte; es gelang ihr jedoch, den Lacher zu unterdrücken und in ein amüsiertes Schnauben umzuwandeln.
    „Ist dies ein geheimes Treffen“, kommentierte die Hexe trocken, „oder ein Kindergeburtstag?“ Die Arme hatte sie vor der Brust verschränkt, doch ein leichtes Schmunzeln zuckte um ihre schmalen Lippen. Selten war sie so froh gewesen, ihre ehemaligen Schüler zu sehen, obgleich diese ihr zu Schulzeiten schrecklichen Ärger gemacht hatten ...oder sie ihnen? Lebhaft erinnerte sie sich an eine missglückte Spinnenverwandlung und eine Werwolfsdiskussion, aus der Burton, nun selbst Lykanthrop, wütend hinausgestürmt war. Doch gehörte dies alles der Vergangenheit an. Nun waren sie mit neuen größeren Herausforderungen konfrontiert, anfangen damit, dass offenbar keiner von ihnen wusste, wer sie hierher bestellt hatte — oder wieso.


    //Ein bisschen dramatisch und kitschig, aber die Betroffenen verzeihen es mir hoffentlich, dass ich mir ihre Sprechcodes ausgeliehen habe.
    Post geht in erster Linie an @Byron Clairmont und @Deverell Rudolphus Burton, die hier ohne eine Markierung nicht herfindet ;P

  • //*rastet direkt mal aus* Jonas bringt mal ein bisschen unnötig Chaos in die Runde. Ich entschuldige mich schon jetzt für sein Verhalten, der Fremde hat leider genau die falsche Zeit in seinem Leben erwischt. Hoffe, dass das alles so passt, falls nicht einmal anschreien, dann ändere ich es natürlich. ;)


    Ehrlich gesagt hielt Jonas das Ganze für einen schlechten Scherz. Als ihn die seltsame Einladung aufgefunden hatte – ganz ohne Hinweis auf den Absender und passenderweise gerade in de Moment, indem Mekkinó sich für den Abend verabschiedet und in sein Zimmer gegangen war – hatte der ehemalige Gryffindor nicht anders gekonnt als genervt aufzustöhnen. Man mochte ihm allerdings vielleicht seine doch recht unprofessionelle Reaktion verzeihen, wenn man sich vergegenwärtigte, dass der angehende Auror sich gerade erst den Prüfungen seines ersten Ausbildungsjahres unterzogen hatte. Und die Prüfungen der Aurorenzentrale waren nicht hübsche kleine Wische oder kleine Szenarien, wie man sie aus dem Unterricht in Hogwarts kannte. Keine verzauberte große Halle wie bei den ZAG- oder UTZ-Prüfungen hatte ihn erwartet, sondern stets ein echtes Szenario, in dem es um echte Dinge ging. Zumindest war das der Eindruck den er gehabt hatte. Und jede einzelne Prüfung hatte nicht nur sein Können geprüft, sondern auch seinen Charakter. Kein Wunder also, dass er nach der Sache mit Salome und Cassandra eine Rüge erhalten hatte. Man hatte ihn bestehen lassen, weil es ein Faktor war, den sie nicht bedacht hatten. Wie hätten sie auch wissen sollen, dass die neue Praktikantin seine Freundin war? Gewesen war, korrigierte er sich. Noch immer lag ein gewisser Zorn und Unzufriedenheit in Form von Bitterkeit auf seiner Zunge, wenn er an die letzten Tage dachte. Er hatte überlebt, ja, irgendwie hatten er und Burke den Fluch ohne medimagische Hilfe brechen können und seit dem waren seine Lähmerscheinungen zurück gegangen. Die kleine Narbe jedoch, die eher an eine widerspenstige Katze denn an den runzligen Nagel einer Hand des Ruhms denken ließ, würde sich fortan vermutlich auf ewig von jener Stelle schräg unter dem linken Mundwinkel bis hin zur Kehle ziehen. Margo Burke hatte ihm eine Narbe zugefügt. Eine, die trotz der Untat die sie für die Heilung begangen hatten, bei weitem nicht so schön flach und leicht rosa war, wie jene Narben die von ausgebildeten Heilern geheilt wurden. Er wusste das schließlich. Schließlich verriet lediglich die hellrosa, glatte Haut an seiner linken Schulter, dass ihm eine kleinere schwarzmagische Explosion gleich zu Anfang des Jahres dort die Schulter aufgerissen hatte. Die Narbe in seinem Gesicht jedoch war bis auf die Entfernung des schwarzmagischen Fluches ganz muggelig geheilt. Und dementsprechend sah sie eben auch aus. Man würde sie fühlen, wenn man darüber strich, würde die Unebenheit des sich erneut verbindenden Gewebes fühlen und auch sehen, dass dort etwas nicht stimmte. Nicht, dass es nun noch jemanden gab, der das tun würde. Margo hatte äußerst gründlich dafür gesorgt, dass Cass ja alles, was zwischen ihnen passiert war, komplett missverstand. Eins hatte dann eben zum anderen geführt, und... Nun, ehrlich gesagt war Jonas nicht sicher, wie trauig er darüber war. Er war verletzt und wütend, aber traurig? Eigentlich hatte er ja gewusst, dass irgendetwas nicht stimmte, dass sie sich zu selten noch sahen und das er.. ja was eigentlich? Nicht genug an sie dachte? Es war auch egal. Er war kein Kind von Traurigkeit und bis auf eine eventuell leichtere Reizbarkeit und höhere Risikobereitschaft, gab es nichts, das an dem Waliser für Außenstehende darauf hinwies, dass er emotional aktuell nicht auf der Höhe war. Aber vielleicht war es ja gerade diese Entwicklung privater Ereignisse, die dafür sorgten, dass er keinen weiteren Gedanken daran verschwendete, ob das eine Falle war oder nicht. Gewiss, ihn würde irgendetwas trickreiches erwarten, hielt er das ganze doch für nichts anderes als eine weitere Prüfung, die eben geheim gehalten wurde, um ihn unvorbereitet zu treffen. Dem Aurorenbüro würde er das zutrauen. Also fand er sich – gerade noch pünktlich, denn Jonas verachtete das Warten zutiefst – an jener Straße Londons ein, die ihm auf dem Zettel preis gegeben worden war, und die er eher schlecht als recht mit dem nächstbesten Federkiel auf seinen Arm gekratzt hatte. Da war es inzwischen freilich nicht mehr zu erkennen, doch der Fawley-Sprössling hatte sie sich inzwischen dann doch gemerkt. Grimmauld Platz Nummer 12. Etwas klingelte dabei in seinem Kopf, doch er schob den Gedanken beiseite. Erst als er die Tür erreichte, den Zauberstab zog und den Flur betrat, kehrte dieses seltsame Gefühl zurück. Den Zettel las er nicht einmal, hatte er doch bereits Smith kleine Halloweenstunden abgrundtief für diese Rätselei verabscheut. Kein Wunder also, dass der ehemalige Gryffindor zwar grundsätzlich den richtigen Weg einschlug (denn er folgte einfach den Stimmen, die bereits leise zu ihm vordrangen), aber hier und da den Kopf in einen der leeren Räume steckte. Auf Doxys oder Irrwichte traf er dabei glücklicherweise nicht. Dafür aber auf ein verhangenes Portrait und einen Wandteppich, der ihn aufstießen ließ. Er brauchte sich die Namen darauf nicht weiter anzusehen. Er erkannte das Wappen und er erkannte das Motto. Toujours pur. Am liebsten wäre er gleich wieder geflüchtet. War das eine seltsame Masche seiner Mutter, ihn doch noch wieder auf die richtige Bahn zu lenken? Ihm vorzuzeigen, dass sein Blut eben doch etwas besonderes war und er sich doch bitte wieder in die Reihen der Fawleys einfügen sollte? Er bezweifelte nicht, dass es zu einem solchen Versuch kommen würde, wenn Aubrey Fawley davon erführe, dass er nicht mehr mit Cassandra zusammen war. Sie würde versuchen, seine Schwäche auszunutzen. Denn auch wenn sein Name inzwischen sicher ebenso gestrichen war, wie jene, die es sich verdient hatten aus dem Wandteppich in diesem Raum gebrannt zu werden, war er immer noch Aubreys Sohn. Und man konnte über die reinblütige Hexe sagen, was man wollte: Sie liebte ihre Familie und sie kümmerte sich um sie. Auf ihre ganz eigene Art und Weise zumindest. Sicher war auch, dass sie Jonas noch immer liebte, so gerne sie ihn auch für seinen Verrat hassen würde. Aber so war das Leben eben. Wie unfair. Heul leise.
    Ihn jedoch in ein Haus der Blacks zu beorden? Das ergab keinen Sinn. Weder die Fawleys noch die Selwyns konnten sich in den letzten Generationen auf angeheiratete Blackverwandtschaft berufen. Nein, hier stimmte etwas nicht. Und so langsam aber sicher begann Jonas auch daran zu zweifeln, ob die Aurorenzentrale wirklich hier eine Prüfung durchführen würde. Jedenfalls löste sich der Fawley-Spross mit einem kurzen Würgen dann doch aus dem leeren Raum und kehrte zurück zum Flur, um den Stimmen zu folgen. Hah. Den Stimmen. Nun, wie auch immer. Nur kurze Zeit später fand sich der angehende Auror in einem Speisezimmer wieder in dem zumindest ein Hals ihm bereits deutlich bekannt war. Ja, er meinte den Hals, nicht das Gesicht. Das konnte er nämlich nicht sehen. Doch die tintenschwarze Farbe, die ihm entgegen kleckste verriet dafür mehr als deutlich, um wen es sich hier handelte. Und nach den kurzen Gesprächsfetzen, die er hatte mitanhören dürfen, schlich sich ein kurzes Grinsen auf das Gesicht des Jungen. „Ach Rude.“, gab er also von sich und stützte seinen Arm, nun zu der Gruppe stoßend, fast schon dreist auf die Schulter des anderen Jungen. Dass das ganze ein wenig seltsam aussah, weil Deverell durchaus um einiges größer war als der doch recht klein gewachsene Jonas, kümmerte ihn dabei herzlich wenig. „Ich bin ja wirklich gerührt, dass du mir diesen Ort zeigen willst, aber hättest du deine Knochen nicht an einem weniger übelkeitserregendem Ort vergraben können? Die Blacks, wirklich?“ Jonas Fawley und ein Blatt vor den Mund nehmen? Das hatte hier doch wirklich keiner erwartet, oder? Zumindest zwei der drei anderen Anwesenden dürften das wissen. In Verwandlung hatte Jonas schließlich auch eine UTZ-Prüfung abgelegt – und das gar nicht mal so schlecht, hatte Lestranges Fach doch trotz seines falschen ehemaligen Hauses doch zu seinen liebsten und auch besten gehört. „Professor, hat Rude Sie etwa auch eingeladen? Wusste gar nicht, dass ihr euch so nahe steht.“ Ein kurzes neckisches Funkeln zu Rude, dann betrachtete er die verbleibenden Beiden in der Runde. Die zweite Frau kannte er nicht und deshalb interessierte er sich auch nicht für sie. Sie war ein Grauling der einfachsten Sorte und deshalb nicht einmal eine Begrüßung würdig. Und der Vierte im Bunde? Da klingelte irgendetwas. Vermutlich Hogwarts, da sie im selben Alter zu seinen schienen. Dummerweise war auch dieses Expemlar der menschlichen Gattung nicht weiter als ein langweiliger Grauling und so ließ Jonas auch schnell von ihm ab. Seine Aufmerksamkeit hatte inzwischen nämlich ein sich drehendes Gerät auf dem Esstisch auf sich gezogen. Ein Spickoskop, wie er bei näherem Herantreten erkannte. Oh, wie vertrauenserweckend. „Stört es niemanden, dass das hier wie verrückt rumspinnt?“ Kurz hob der Waliser seinen Zauberstab und ließ ihn über dem Spickoskop schweben und versuchte sich simpel an einem „Finite“. Nicht, dass das Spickoskop jetzt aufhören würde sich zu drehen. Nein, das Einzige, was sich veränderte war der Lärmpegel, der plötzlich in die Höhe schoss. Der Anti-Obskurant nämlich fiepte nun dank Jonas' Zauber in einer unangenehm schrillen Tonlage. Gut, dass Mekki nicht hier war, der hätte Jonas sicher dafür verhauen. Oder ihn zumindest böse angestarrt. Besagter Waliser jedoch war gerade viel zu sehr auf Krawall gebürstet, als dass er sich an dem Lärm würde stören können. Irgendjemand hatte ihn und die Anderen in ein Haus gelockt, das nach Inzest nur so roch – oder war das doch nur der Doxymist? Wie auch immer, vielleicht würde der Lärm ihn ja hervor locken. Dementsprechend war Jonas es, der auf Deverells und Lestranges Frage eher plump antwortete: „Vielleicht finden wir es ja heraus, wenn wir mehr tun, als unnütz in der Gegend rumzustehen?“ Er deutete kurz auf das Spickoskop und den auffällig gesäuberten Tisch. Da wollte jemand, dass der Tisch benutzt wurde. Und wer wäre Jonas da sich ihm zu verweigern? Mit einem Achselzucken und einem fast schon provokantem Lächeln zog der Waliser sich einen Stuhl zurück und nahm darauf Platz. Japp. Wüsste Jonas, was ein Horrorfilm war, wäre er der Erste, der darin draufging.

  • //Derrick, der noch immer seine Kapuze trägt und den Zauberstab in der Hand hält, ist noch nicht in den Speisesaal getreten. Er steht vor der Tür zum Speisesaal im Gang herum und darf von der nächsten, die ankommt, gerne dort angetroffen (oder von bereits Anwesenden bemerkt?) werden.//




    Mein eigener Herzschlag geht unter im fließenden Geräusch des Regens. Mir ist, als hätte jemand beschlossen, das Wetter den bevorstehenden Ereignissen anzupassen. Überall auf dem nassen Asphalt spiegeln sich die Lichter aus Fenstern oder die der vorüberfahrenden Autos. Heute falle ich nicht auf, selbst wenn ich die Kapuze meines Umhangs tief ins Gesicht gezogen trage. Die wenigen Gestalten, die mir auf der Straße begegnen, hasten eilig vorüber, darauf bedacht, nicht allzu lange dem Regen ausgesetzt zu sein.
    Vor dem unscheinbaren Reihenhaus, trost- und farblos wie seine Nachbarn, bleibe ich stehen. Grimmauldplatz 12. Ich weiß wohl, wer hier einst gelebt hat. Aufmerksam tastet mein Blick über die dunklen Fenster, während der Regen in perlenden Tropfen an meinem Umhang haften bleibt und an ihm herabrinnt. Ich glaube, zu wissen, wer hier auf mich wartet. Es war nicht ihre Handschrift, die Worte klangen nicht nach ihr, und doch gibt es nur eine Person, der ich genug von mir gezeigt habe, dass sie auf mein Interesse, endlich etwas beitragen zu dürfen, schließen könnte. Wer sonst sollte sich an den kränklichen, stillen, blassen Slytherin erinnern, der ich einst war? An den zartbesaiteten Jungen, der für die Stürme, die unserer Welt bevorstehen, nicht gerüstet ist, ihnen nicht standhalten wird? Ich glaube, zu wissen, wer mich hierher beordert hat. Wer doch noch eine Möglichkeit gefunden hat, einen größer organisieren Widerstand aufzubauen. Hat sie nicht schon damals, als ich noch zur Schule ging, vielversprechende Schüler verdächtig genau beobachtet? Nun endlich ist es soweit, sie will aktiv werden und hat mich, möglicherweise in Erinnerung an unser letztes Gespräch, eingeladen. Oder sie hat demjenigen, von dem das Schreiben tatsächlich stammt, meinen Namen genannt.
    In jedem Fall bin ich sicher, dass es sich hierbei um keine Falle handelt. Ich stelle keine Gefahr dar - noch nicht. Es gäbe leichtere Wege, wesentlich leichtere Wege, hätte der Lord sich entschlossen, mit mir in Verbindung zu treten. Die einzige Gefahr, die in diesem Gebäude auf mich lauert, ist jene, die von vermeintlichen Gleichgesinnten ausgehen könnte.
    Schon an der Schwelle, noch ehe ich die alte, rostige Eingangstür öffne, ziehe ich meinen Weidenstab. Das silbrig-weiße Holz glänzt, sofort feucht vom Regen. Ich erinnere mich an die Worte in dem Brief, die wahrlich nicht nach meiner ehemaligen Verwandlungslehrerin klangen. Niemals hat sie an mein Vertrauen in sie appelliert, ja, ich schätze, sie hält Vertrauen sogar für eine naive, wenig wünschenswerte Narredei. Ich bin nicht hier, weil ich vertraue. Ich bin hier, weil ich nichts zu verlieren und alles zu gewinnen habe. Ab einem gewissen Punkt gibt es kein Zurück mehr. Ich weiß nicht, wann ich diesen Punkt überschritten habe.
    War es, als ich dem Haus meiner Eltern den Rücken zugekehrt habe? War es in jener Nacht, in der der Wolf seine Fänge in mein Fleisch grub und Samuel Boyd mich, mehr tot als lebendig, aus dem Wald trug? War es die andere, unselige Nacht, blutrot und voll der Schreie, voll Reue und Tod? Ist es am Ende erst dieser Moment, heute, am 09.09. um 9 Uhr, als ich über die Schwelle zum Grimmauldplatz trete? Oder irre ich mich, und es gibt stets einen Weg zurück in den Schoß jener Gesellschaft, in die ich hineingeboren wurde und die mich einst so warm und sicher geborgen hielt?
    Die abgestandene Luft dieses Hauses, der Gestank nach Fäkalien, nach Moder und Verwesung stößt mich ab. Alles an diesem Ort widert mich an, lässt mich den freien, zauberstablosen Arm schützend vor Mund und Nase heben. Einen Moment lang glaube ich, mich übergeben zu müssen, ehe ich mich wieder fange. Das Haus der Blacks muss lange leer gestanden haben. Überall in dem alten Gemäuer rappelt und trappelt es von Ungeziefer, von kleineren und größeren tierischen Bewohnern, die sich das Haus Untertan gemacht haben. Wie ein Eindringling komme ich mir vor, selbst wenn der Zettel, der vor mir in der Luft schwebt, eindeutig an mich und etwaige andere Besucher gerichtet ist. Ich schiebe mich durch den Gang, möglichst lautlos, hinterlasse meine Spur in der dicken Staubschicht, die den Boden bedeckt.
    Bald kann ich Stimmen hören, die mir den Weg weisen. Schnuppernd hebe ich das Haupt. Menschen haben sich heute unter die Tiere, die hier hausen, gemischt, eindeutig. Und nicht nur Menschen.
    Ich halte mich in den Schatten, achte darauf, weit genug vom Eingang des Speisesaals halt zu machen, um von den Besitzern der Stimmen nicht bemerkt zu werden. Der beißende, vertraute Geruch eines Wolfes, der zu lange im Regen gestanden hat, steigt mir in die Nase. Burton. Ganz eindeutig, es ist Burton, der hinter dieser Tür wartet. Ich brauche seine Stimme nicht zu hören, brauche seine eitle Visage nicht zu sehen - der Gestank allein reicht aus. Auch ihn hat Victoria Lestrange eingeladen - ich hätte es mir denken können.
    Noch während ich so vor der Tür stehe, hin und her gerissen zwischen dem Drang, einfach zu gehen, und dem Unwillen, mich von ihm vertreiben zu lassen, zerreißt ein schriller, schmerztreibender Lärm die gedämpfte Stille dieses Ortes. Ich kann einen Aufschrei gerade noch unterdrücken, gebe aber ein gequältes Stöhnen von mir, schließe die Augen für einen Moment, reiße die Arme in die Höhe und presse beide Hände auf meine empfindlichen Ohren.

  • Das britische Wetter gab sich an diesem Abend redlich Mühe seinem schlechten Ruf gerecht zu werden. Wie Bindfäden prasselten die Tropfen gen Boden und legten einen Schleier in die Luft. Es war beinahe so, als wolle es alle Menschen von den Straßen waschen damit einige wenige ungehindert an den Ort ihrer Wahl gelangen konnten. Die Bulgarin zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht, aber es hielt nur die Nässe ab, nicht die Kälte, die ihr in die Knochen kroch. Sie legte rasch die letzten Meter zurück, nicht ohne sich vorher aus dem Schatten der Bäume heraus noch einmal zu vergewissern, auch völlig allein zu sein. Ebenso rasch und ohne zu zögern stieß sie die schwere Holztür auf und schlüpfte durch den kleinen Spalt hinein… nun, zumindest ins Trockene.
    Für die Aurorin hatte sich die Frage erst gar nicht gestellt, ob sie dieser mysteriösen Einladung Folge leisten sollte oder nicht. Alleine der Wunsch zu erfahren wer sie beobachtete hatte für eine positive Entscheidung gereicht. Natürlich, es könnte eine Falle sein, und ebenso könnte es auch keine sein. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen war nicht ihre Art, das würde sie schon früh genug erfahren wenn sie am Ort des Treffpunktes war. Der vorletzten mysteriösen Einladung war sie ebenfalls gefolgt, und diese hatte sie lediglich zu einer Poolparty geführt. Egal wie mysteriös es auch erschien, es war gut möglich dass sie feststellte, dass dem Ganzen die Wichtigkeit fehlte. Vielleicht hatte nur irgendjemand eine Idee, die schlussendlich wieder im Sande verlaufen würde; der Enthusiasmus aus früheren Zeiten wohnte der schwarzhaarigen Aurorin nicht mehr inne.
    Das erste, was sie im düsteren Flur empfing war ein ohrenbetäubendes, schrilles Pfeifen, bei dem sie unwillkürlich das Gesicht verzog. Erst dann drang der Gestank des alten Hauses auf sie ein, der alten Häusern eben so innewohnte, und es brauchte einen Moment bis sie sich damit arrangieren konnte. Sie las die Worte auf dem schwebenden Zettel und vermied es tatsächlich sich allzu sehr vom Weg wegzubewegen, die Fallen und tierischen Hausbewohner von leerstehenden Gebäuden hatte sie schon einmal näher kennenlernen dürfen, und ihr Bedarf dahingehend war noch lange gedeckt.
    Die Bulgarin lief vorsichtig weiter, die Hand mit dem sie ihren Zedernstab hielt, war von ihrem Umhang verdeckt. Sie konnte ob des schrillen Tons die Stimmen in dem Speisesaal nicht hören und zuckte trotzdem zusammen, denn sie hatte vor sich eine Bewegung ausgemacht. Mit nun erhobenen Zauberstab ging sie weiter und erkannte schließlich von wem die Bewegung stammte und neben der Erleichterung Derrick dort, mit zugehaltenen Ohren, zu sehen, gesellte sich eine unschöne Vorahnung die sie jedoch erst einmal ignorierte. Wenn dieses Geräusch schon für ihre Ohren unangenehm war, dann musste es für einen Lykanthropen ein körperlicher Schmerz sein. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu, lief an ihm vorbei und trat durch die offene Tür in den Saal. Jetzt sah sie auch die restlichen Anwesenden, denen sie jedoch vorerst keine Beachtung schenkte. Ihr Blick huschte einmal durch den ganzen Raum und blieb dann an dem rasenden Teil hängen, dem Spikoskop, das mit diesem schrillen Geräusch über den Tisch jagte.
    Salome wartete den Moment ab, in dem das Gerät für einen Augenblick schwebend in der Luft verharrte bevor es wieder die Richtung änderte und zielte mit dem Zedernstab darauf. “Reducto!“ Dann warf sie einen Blick über die Schulter, zurück in den dunklen Flur zu Derrick. “Willst du nicht auch hereinkommen?“


    //Da es nicht meine Entscheidung ist, ob das Spikoskop zu Staub zerfällt, habe ich das offengelassen. Wenn es ok ist, bitte Bescheid sagen, dann kann ich es nachträglich noch einbringen.//

  • Kai war spät dran. Viel später, als sie geplant hatte. Schließlich war ihr eine ähnliche Idee, wie die von Deverell gekommen. Es war sicherer zu früh aufzutauchen und die Situation zu beobachten. Doch statt als erste, würde sie nun als eine der letzten an der ominösen Adresse auftauchen. Dafür gab es mehrere Gründe. Einerseits hatten sie beim Training heute überzogen. Kai war schon die ganze Zeit unkonzentriert gewesen. Man konnte sich nicht einmal sicher sein, ob sie den Besen flog oder ob es nicht doch andersherum war. Zweifelsohne hatte sie dafür die gerechte Strafe erhalten. Denn als sie mit dem Umhang tief im Gesicht im Regen stehen blieb, wurde ihr Gesicht geschmückt, von einer aufgeplatzten Lippe und einem blauen Auge. Die Klatscher hatten kein Mitleid mit ihr.
    Zweitens hatte Ceene sie nicht gehen lassen wollen. Ihre Freundin verstand nicht, wie man so lebensmüde sein konnte auf einen solchen Brief zu antworten und vermutlich hatte sie damit auch Recht. Kai mochte in Polen und bei Muggeln aufgewachsen sein, doch auch sie hatte längst erfahren, was für ein Ort der Grimmauldplatz war und welcher Familie das alte Haus zugeschrieben wurde. Es wäre nicht Kais erstes Zusammentreffen mit jenen, die der dunklen Magie zugeneigt waren. Doch noch nie zuvor war sie ihnen so bereitwillig in die Falle gegangen. Am Schlimmsten aber war, dass Kai nicht in der Lage gewesen war, Ceene zu erklären, warum sie es tun musste. Es war einfach ein Gefühl, dass stärker war als jeder Verstand. Etwas drängte sie hinaus auf die verregneten Straßen und brachte sie auch nun dazu die schwere Haustür aufzuschieben.
    Bevor sie eintrat schluckte sie einmal heftig. Der Geschmack von Blut lag noch immer auf ihrer Zunge und ein leichter Geruch von frischem Schweiß stieg ihr in die Nase. Doch nur kurzzeitig. Dann waren es die Gerüche des Hauses, die alles überdeckten. Es roch nach Staub und modrigen Kerkern. Kais Haare stellten sich auf. Sie spürte die Magie, die in diesen alten Gemäuern schlummerte. Es war eine erdrückende Schwere. Fast so als müssten sich die Dachbalken unter dem Gewicht der uralten Geschichte biegen. Kai spürte wie ihr Herz zu rasen begann. Das hier war kein Ort, den man gern besuchte und doch fiel es ihr fast schwer, der schwebenden Anweisung zu folgen. Ihr Blick ging zu den knarrenden Treppen und hinauf. Was wohl für Geheimnisse in den obrigen Zimmern versteckt waren? Welche Geschichten konnten die Möbel, Bilder und Artefakte erzählen, die hier vor sich hinrotteten. Zu gern hätte Kai all das heraus gefunden.
    Doch dann drangen leise Stimmen an ihr Ohr. Beinahe wurden sie überdeckt von dem Knarren des Hausen und dem schrecklichen Summen, dessen Ursprung Kai nicht ganz klar war. Doch trotz der Geräusche konnte sie heraus hören, dass es sich um eine ganze Hand voll Menschen handeln musste. Sofort wurde ihr mulmiger zumute. Sie hatte nicht damit gerechnet mehr Leute hier anzutreffen als den Verfasser des Briefes.
    Am liebsten hätte sie sich angeschlichen und erst einmal erkundschaftet, wer sich dort versammelt hatte. Zu blöd nur, dass auch diese Idee schon längst jemand anderes gemacht hatte. Derrick Nott. Natürlich. Kai schluckte erneut. In ihrem Hals bildete sich ein massiver Klumpen. Der ehemalige Slytherin trug genau den richtigen Namen und in diesem Haus Einzug zu halten. Vielleicht hatte Ceene Recht gehabt, sie hätte nicht herkommen sollen. Doch nun war es zu spät. Erstens, weil Kai längst von einer unendlichen Neugierde beherrscht wurde. Zweitens weil sich in diesem Moment jemand im Zimmer herum drehte und auf den Gang hinaus schaute. Kai, die im schwachen Lichtstrahl stand, der durch die Tür fiel, reagierte zu langsam und war somit entblößt.
    Also riss sie sich zusammen, umschloss ihren Zauberstab mit einer Hand und räusperte sich dann. "Äh. Hi." Sie hob die freie Hand als sie an Derrick vorbei den Raum betrat. Dann ließ sie den Blick schleifen. Was war das denn bitte für ein zusammengewürfelter Haufen? Lestrange, eine von Kais weniger gemochten Kolleginnen. Byron Clairmont, den sie kaum kannte, der aber stets die Nase zu hoch im Wind trug. Jonas Fawley und Salome Todorova, mit denen Kai schon öfter - auch außerhalb der Schule - zusammen gestoßen war. Und schließlich "Rude? Virginia?". Kai blickte die beiden erstaunt an. Mit Letzterer hatte sie immer mal wieder Briefe geschrieben und war sie auch schon mehrmals besuchen gekommen. Ein solches Erlebnis, wie das auf der Ausstellung schweißt wohl zusammen. "Ihr seht alle aus als hättet ihr auch richtig den Plan. Dann bin ich wohl nicht die einzig dumme, wa?" Kai zwang sich zu einem Grinsen, doch es hing etwas schief in den Angeln. Trotzdem fühlte sie sich nun ein wenig entspannter. Also zog sie einen Stuhl hervor, drehte sich um und setzte sich falsch herum darauf. Dann sah sich erneut alle Anwesenden noch einmal an.


    /Habs jetzt auch erstmal offen gelassen. Wollte das kleine bisschen Motivation nutzen. :)

  • Es dauerte nicht lange, ehe die nächste Gestalt zur Türe hereinkam. Kurz zuckte Byron zusammen und drehte sich zu der Stimme um, doch zu seiner Erleichterung stellte er fest, dass keine sehr angsteinflößende Person zu ihnen gestoßen war. Sicherlich, der Schein mochte trügen, schließlich hätte man die zarte Alicia Dolohow auch nicht für eine eiskaltes Biest gehalten, das lebensgefährliche Zauber abfeuerte, doch das Gesicht des jungen Mannes kam ihm bekannt vor. Er war mit Byron zur Schule gegangen, obgleich sich der ehemalige Ravenclaw nicht an seinen Namen erinnern konnte. Wenn ihn jedoch nicht alles täuschte, war er eine Stufe über ihm gewesen. Was aus ihm geworden war, konnte Byron nicht sagen, denn wenn er ehrlich war, hatte ihn das Leben anderer Menschen nie sonderlich interessiert - bis zu diesem Moment. Denn egal wie unterschiedlich die Hexen und Zauberer waren, die an diesem Abend zusammenkommen würden, es musste einen Grund geben, weshalb sie diesen Abend gemeinsam verbrachten. Und als Byron genauer darüber nachdachte, ärgerte er sich darüber, dass er den jungen Mann nicht besser kannte. Er hatte das Gefühl, ihm würde ein wichtiges Detail entgehen, etwas, das ihm dabei helfen könnte, dieses Rätsel aufzulösen. Die Fragezeichen in seinem Kopf, die sich einfach nicht wegwischen ließen, störten ihn ungemein, doch es blieb ihm im Grunde nichts anderes übrig als den Älteren neugierig zu mustern. Er war sich nicht sicher, inwiefern die lockere Aura, die er ausstrahlte, gespielt war, ob er es tatsächlich für einen schlechten Scherz hielt oder versuchte, seine Nervosität zu kaschieren. "In der Tat", gab er murmelnd zurück, ein wenig unbeholfen. Was er am besten sagen sollte, wusste er auch nicht, weshalb er seinen Blick nochmal schweifen ließ. Es hatte etwas Bedrückendes, das ganze Ambiente und Byron spürte, wie ein mulmiges Gefühl sich in seinem Magen breitmachte.
    Erneut wurde sein Gedankengang von einer Stimme unterbrochen - dieses Mal jedoch spürte er eine Welle der Erleichterung, denn er kannte die Frau. In einer anderen Situation hätte er sich wahrscheinlich jeden anderen Menschen lieber gewünscht, doch jetzt wo er hier an einem fremden Ort war, unwissend, was ihn erwarten würde, war er unfassbar froh darüber, seine ehemalige Lehrerin zu sehen. Er hatte selbstverständlich nicht vergessen, dass sie ihn mal in ein spinnenartiges Wesen verwandelt hatte, um ihn vor der Klasse bloß zu stellen, und auch nicht, dass die ganze Schülerschaft sich vor ihr fürchtete. Wenn man sich allerdings die ganze Kulisse ansah, so wirkte Professor Lestrange bei Weitem nicht wie die schlimmste Person, die hier hätte einen Auftritt hinlegen können. Immerhin war sie jemand, bei dem man sich in seiner Jugend behütet gefühlt hatte, so grotesk es auch klingen mochte. Sie war immer noch Lehrerin in Hogwarts. Trotz ihres doch unhöflichen Spruchs verspürte Byron für eine Millisekunde das Bedürfnis, ihr um den Hals zu fallen. Doch er beherrschte sich und schenkte ihr nur ein knappes Nicken. "Guten Abend, Professor."
    Er bezweifelte, dass sie der Absender des Briefes war, sonst wäre dieser Satz nicht über ihre Lippen gekommen. Byron bewegte sich zum Tisch, ließ seine Finger über das Holz fahren, bevor er einen der Stühle von ihm weg zog, kurz testete, ob er auch wirklich stabil war und sich dann darauf niederließ. "Ich hoffe, es möchte euch niemand umbringen. Oder Sie, Professor. Ansonsten fürchte ich, das wird kein schöner Abend für uns." Die Worte waren makaber und vermutlich unangebracht, man konnte immerhin nicht wissen, was passieren würde, doch die Stimmung färbte auf ihn ab - und wer mit Lestrange in einem Raum war, konnte sich eigentlich nur mit schwarzem Humor helfen.
    Er fragte sich, wie viele Personen noch auftauchen würden - bis niemand Geringeres als Jonas Fawley durch die Tür kam. Na großartig. Bisher hatte er sich mit den Gästen anfreunden können, doch den ehemaligen Gryffindor konnte er seit Cassandras Party nicht leiden, seit er mit seiner Rüpeltruppe aufgetaucht war und Chaos angerichtet hatte. Und auch an diesem Abend schien er Dinge nicht ruhiger angehen zu wollen. Er schien den anderen jungen Mann zu kennen, doch Byron sollte es recht sein, dass er ihn ignorierte, schließlich ging ihn diese Konversation auch nichts an. Er hob allerdings neugierig eine Augenbraue an, als Jonas das Spickoskop auffiel, das Byron bisher herzlichst ignoriert hatte. Nun machte es auch ihm Sorgen, obwohl er es weniger nervig als beunruhigend fand, der Tatsache verschuldet, dass diese Dinger nicht umsonst ausschlugen. "Klar, genau das haben auch alle bei Saw gesagt. Famous last words." Der Sarkasmus war in seinen Worten deutlich zu hören. Sich aufteilen. Meine Güte, der kam ja auf wirklich kluge Ideen. Nicht. Dann könnten sie genauso gut in ihren sicheren Tod rennen. Es wusste doch jeder, dass man sich in mysteriösen Häusern nicht von der Gruppe trennte, besonders nicht dann, wenn man wusste, dass hier irgendwo mindestens eine unbekannte Gestalt umherschwirrte.
    Der nervige Löwe war aber anscheinend nicht die einzige Person, die sich an dem Gegenstand störte, denn die nächste Hexe, die den Raum betrat, jagte gleich einen Zauber auf diesen. Immerhin war sie kreativer als Fawley gewesen. Byron rückte mit seinem Stuhl noch etwas weiter weg vom Tisch, nur mal so zur Sicherheit und ließ seinen Zauberstab von einer Hand in die andere rollen. "Wow, das wird ja eine große Party." Seine Stimme war monoton, irgendwie beeindruckte ihn die Szene nicht mehr so wie am Anfang, jetzt wo der Raum sich immer mehr füllte. Bisher hatte man ihm die Angst vor dem Schlimmsten nehmen können, wo er denn sah, wer sich zu ihm und Virginia gesellt hatte. Andererseits, so dachte er sich in dem Moment, sollte er das Risiko nicht eingehen, etwas heraufzubeschwören. Wie hatte er gerade selbst angemerkt? Famous last words...

  • Als hätten höhere Mächte beschlossen, mir die Entscheidung - gehen oder bleiben? - abzunehmen, erscheint Salome aus der Dunkelheit. Sie hat nur einen einzigen Blick für mich übrig, es bedarf keiner Worte, und sie marschiert in der ihr eigenen Zielstrebigkeit, für die ich sie immer schon bewundert habe, an mir vorbei und direkt durch die Tür in den Speisesaal. Mit einem wohl platzierten Zauber bringt sie das Spickoskop, das den quälenden Ton erzeugt hat, zum Schweigen.
    Mit einem Mal bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich aus den Schatten zu schälen und zu den Menschen zu gesellen, die im Schein einiger Kerzen im Speisesaal versammelt stehen. Nicht, nachdem Salome mich fragt, ob ich nicht eintreten wolle, und erst recht nicht mehr, als die nächste Eingeweihte - eine junge Frau, die ich aus der Schule kenne und die früher für Gryffindor Quidditch gespielt hat - an mir vorbei und in das Zimmer tritt.
    Also tue ich es ihr gleich und betrete den großen, ebenfalls von Staub und Spinnweben verzierten, Saal. Jedem der bereits Anwesenden werfe ich einen Blick zu, ich nicke zur Begrüßung. "Guten Abend." Während ich froh bin, Victoria Lestrange und Salome an meiner Seite zu wissen, bemühe ich mich, Burton nur möglichst kurz anzusehen und ihm keinen Grund zu geben, mich anzupöbeln. Mir entgeht nicht, dass er ebenfalls wenig erfreut ist, mich hier zu sehen. Die meisten der geladenen Gäste kenne ich gar nicht oder lediglich vom Sehen. Weil sie aber stumm bleiben, verzichte auch ich vorerst darauf, mich vorzustellen.
    Die gespannte Stille, die immer wieder eintritt, wenn gerade niemand spricht, deutet darauf hin, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag. Vielleicht stammte der anonyme Brief doch nicht von meiner ehemaligen Professorin. Andernfalls hätte sie bestimmt längst das Wort ergriffen und uns willkommen geheißen. Auch das Ambiente hier passt nicht zu Victoria Lestrange.
    Mein Blick bleibt an dem Tisch hängen, der notdürftig von Staub und Spinnweben befreit wurde.
    Ich kann mir ein kritisches Stirnrunzeln nicht verkneifen. Wie kann irgendjemand in einem Raum wie diesem, in einem Haus wie diesem, Gäste empfangen? Ein paar einfache Reinigungszauber hätten gereicht, und wenigstens der Speisesaal würde einigermaßen vorzeigbar aussehen. Ein äußerst seltsames Gebaren, das der Schreiber des Briefes an den Tag legt, nahezu unhöflich. Ob er uns wirklich als Gäste hierher gebeten hat? Oder soll das alte, verwesende Haus zu unser aller Grabstätte werden? Als solche braucht es nicht heimelig zu wirken. "Warum hat es Alarm geschlagen?", mit einem Ruck meines Kopfes deute ich in Richtung des Tisches, auf dem Gläser und eine Karaffe ein einsames Dasein fristen. Ich weiß, dass Spickoskope fast immer besser sind als ihr Ruf. Meist warnen sie ihre Besitzer vor Gefahren, ohne ernst genommen und richtig verstanden zu werden. Nicht selten habe ich von Fällen gehört, in denen es Zauberern zum Verhängnis wurde, nicht auf ihre magische Alarmanlage gehört zu haben.
    Erneut suche ich Blickkontakt mit jedem Menschen im Raum. Ob irgendjemand unter uns ist, dem der anonyme Briefschreiber besser etwas weniger Vertrauen hätte entgegenbringen sollen? Ich finde keine Hinweise auf schlechtes Gewissen oder verborgene Pläne. Alles, was ich in den Gesichtern der anderen lesen kann, sind Ratlosigkeit, Sorge und dasselbe Misstrauen, dieselbe Vorsicht, die auch mich wie ein Schatten begleiten, seit ich dieses Haus betreten habe.
    Erst jetzt bemerke ich, dass ich noch immer meinen Zauberstab in der Hand halte. Den kann ich - zumindest einstweilen - wegstecken, ebenso, wie ich die Kapuze vom Kopf ziehen kann.

  • Im Übrigen brauchte es nur ein paar Sekunden, bis Deverell sich gewahr wurde, dass er die Dame ebenfalls schon einmal gesehen hatte. Allerdings hatte sie damals noch ein wenig mehr Schminke im Gesicht und er selbst ein recht albernes Feenkostüm getragen – Es schien Jahre her zu sein, dass die beiden sich auf dieser Halloweenfeier begegnet waren und Deverell konnte mittlerweile nicht einmal mehr sagen, wie die Hexe hieß. Sein Gedächtnis für Gesichter war schon immer wesentlich besser gewesen, als der Teil, welcher verantwortlich war, die passenden Namen zu speichern.
    Vielleicht wäre es ihm Gelungen die Namen der Anwesenden aus der hintersten Ecke seiner Hirnwindungen hervorzuziehen, wie ein Magier, der ein Kaninchen aus dem Hut zog, allerdings war der konstante Strom an Gästen längst nicht abgebrochen, wie die leisen Schritte auf dem Gang verrieten, die als nächstes von einer wohl bekannten Stimme und einem noch bekannteren Gesicht in das Zimmer begleitet wurden.
    „Mir war nicht bewusst, dass sie auf Kindergeburtstage umgesattelt sind, Madam Lestrange. Vielleicht war ich doch eine Spur zu lang indisponiert.“, murmelte der Werwolf mit einem amüsierten Schmunzeln und fuhr sich dabei mit Daumen und Zeigefinger der freien Hand über das stoppelige Kinn. Die Anwesenheit seiner ehemaligen Professorin fügte der Situation ein wichtiges Puzzleteil hinzu, auch, wenn es längst nicht dazu gereichte, das Rätsel um die seltsame Einladung zu lösen.
    Immerhin schien allen Anwesenden demselben Galgenhumor anheimgefallen, der den lockeren Scherz des anderen Zauberers, er hoffe, niemand wolle sie umbringen, ein wenig unheilschwanger wirken ließ. Wäre das Tier in ihm nicht vom vergangenen Vollmond, der immerhin nur wenige Tage zurücklag, derart geschwächt gewesen, hätte es bei dem Gedanken an ein Duell um Leben und Tod vielleicht ein vorfreudiges Knurren durch die spitzen Zähne gestoßen. So jedoch drängte sich dem Blondschopf lediglich der unweigerliche Gedanke auf, dass sie in der Tat alle verflucht gut auf einem Haufen standen. So gut, dass man sie sicher hätte in die Luft sprengen können, ohne das ganze Haus zu beschädigen. Auch, wenn es darum sicher nicht schade gewesen wäre. Und das war lediglich eine Option.
    Abermals gelang es ihm nicht, seine Gedanken zu einem Ende zu führen. Seine geschärften Sinne hatten bereits den nächsten Eindringling bemerkt und dieses Mal gelang es ihm sogar, trotz des modrigen Staubs und dem stinkenden Ungeziefer, die es sich überall im Haus gemütlich machten, den Geruch zu identifizieren, ehe dieser sich, lässig grinsend, durch den Türrahmen schob.
    „Fawley.“, erwiderte Deverell mit einem nicht weniger schiefen Grinsen, dem es jedoch deutlich an derselben Gehässigkeit mangelte, „Bedauere. Hätte ich gewusst, dass du kommst, hätt‘ ich bestimmt noch die Zeit gefunden, dir ein Willkommensgeschenk zu verbuddeln.“
    Während er innerlich spürte, wie sein Instinkt danach gierte seinem ehemaligen Mitauszubildenden für dessen Auftreten einen Schlag auf den Hinterkopf zu verpassen, waren seine Gehirnwindungen längst wieder dabei, die neuen Informationen einzugliedern. Die Blacks waren, seines Wissens nach, eine Zaubererfamilie. Und zumindest die Tatsache, dass Jonas diesen Ort erkannt hatte, unterstrich diese Tatsache, ließ die Situation dabei jedoch nicht weniger zwielichtig wirken.
    Im Herzen des alten Gebäudes öffnete sich die Eingangstür erneut. Noch während Fawley seine Spielchen auf die Spitze trieb, zuckte Deverells Nase unwillkürlich und sein Kopf drehte sich so abrupt zur Seite, dass es ein Wunder war, dass sein Nacken dabei nicht verhängnisvoll knackte. Die dunklen Augen hatten sich beinahe wütend verengt und starrten, an den anderen vorbei, an eine Stelle der Wand, hinter der sich unweigerlich der Flur befinden musste. Das und ein Gast, mit dem Rude weder gerechnet hatte, noch gedachte, ihn herzlich zu begrüßen.
    „Nott.“, knurrte er so leise, dass das Wort unmöglich von einem der anderen Anwesenden hätte verstanden werden können. Seine Oberlippe zitterte, wie die eines Hundes, der bedrohlich die Lefzen hochzog, ehe er einem Kontrahenten an die Kehle sprang.
    Und überdies vergaß er, Fawley im Auge zu behalten. Ein schwerer Fehler, wie das ohrenbetäubende Geräusch, welches das Spickoskop ob des auf ihn gezielten Zaubers von sich gab, lauthals verkündete. Deverell, dessen Ohren sicher um ein vielfaches besser waren, als die der anderen Zauberer und Hexen im Raum, zuckte schmerzlich zusammen und löste für einen Moment sogar die Hand von dem Zauberstab in seiner Manteltasche, um sich damit die Ohren zuzuhalten.
    So abgelenkt entging ihm, wie Salome sich nun ebenfalls zu den Anwesenden gesellte und weiter hinten erneut die Eingangstür zu hören war. Erst, als Salomes Zauber das elendig fiepende Spickoskop zum Schweigen brachte, gelang es Deverell sich wieder zu entspannen. Seine Hände fielen schlaff zurück in ihre Ausgangsposition, wobei die Rechte schnellstmöglich zurück an den Zauberstab wanderte.
    Wortlos glitten seine Augen erst über Salome, deren analytischer Blick die übrigen Gäste bereits überflog, dann zu Kai, deren Anwesenheit ihn nun doch deutlich überraschte, und blieben schließlich an Nott hängen.
    Auch, wenn der Werwolf seine Mimik dieses Mal wesentlich besser kontrollieren konnte, reichte allein der Anblick des blassen Gesichtes, um den Wolf in ihm in Alarmbereitschaft zu versetzen. Den Augen des Walisers war anzusehen, dass er Nott, wenn er gekonnt hätte, am liebsten an Ort und Stelle die Luftröhre herausgerissen hätte. Die Antwort, die er ihm gab, schien jedoch, verglichen mit seinen mordlüsternen Blicken, beinahe zahm.
    „Vielleicht hat es ja bemerkt, dass jemand sich wie eine dreckige Ratte zum Lauschen auf die Lauer gelegt hatte?“, schlug Rude feindselig blitzend vor und rümpfte dabei ein wenig die Nase, ehe er den Blick zum Tisch wandte, „Oder es war Fawleys Zauber. Wir werden es wohl kaum noch erfahren.“

  • Hatte Victoria zunächst noch Erleichterung ob des Anblicks ihrer ehemaligen Schüler empfunden, so wandelte sich diese rasch in milden Verdruss, je mehr Gäste den Raum betraten. Nicht, dass ihr die Personen per se zuwider waren, nein; bloß schien der Altersdurchschnitt mit jedem weiteren temperamentvollen Teenager, der den Raum betrat, zu sinken. Hatte sie auf Clairmonts Äußerung noch einigermaßen amüsiert reagiert („Da muss ich Sie leider enttäuschen; mir würden spontan drei Personen einfallen, die mir den Tod wünschen.“ ...vier, sollte Kavanagh je herausfinden, in welcher Weise Victoria gemeinsam mit seiner ehemaligen Liebhaberin, Selma Winona Palmer, gegen ihn intrigiert hatte.), so fiel ihre Antwort auf den nächsten Neuankömmling schon um einiges ungnädiger und sarkastischer aus: „Ich kann Ihnen versichern, Mr. Fawley, dass Mr. Burtons Handschrift um einiges schwerer zu entziffern ist als die des Briefschreibers.“ Ungeduldig schnalzte die Hexe mit der Zunge. Wie der junge Mann zu der Annahme kam, dass der Werwolf hinter der Einladung steckte, war ihr ein Rätsel. Soweit sie wusste, war Burton unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem St. Mungos untergetaucht und seither nicht gesehen worden. Sie bezweifelte stark, dass er die letzten Monate dazu genützt hätte, ein geheimes Treffen zu planen — beziehungsweise ob er Lestrange oder Fawley zu einem solchen eingeladen hätte, vor allem, wenn dessen erste Reaktion war, ihnen allen diesen ungemütlichen Ort noch weit ungemütlicher zu gestalten.
    Die Dunkelhaarige verzog das Gesicht, als der ehemalige Gryffindor das magische Gerät auf der Mitte des Tisches nicht etwa zum Verstummen brachte, sondern nur noch schriller und penetranter Aufheulen ließ. Tatsächlich hatte das Spickoskop sie nicht gestört, bis jetzt jedenfalls. Um ehrlich zu sein, war Lestrange bis vor kurzem zu angespannt gewesen, um es überhaupt zu bemerken. Nun allerdings, nachdem ihr Herzschlag sich allmählich beruhigte, drängten sich ihr die faulen Gerüche und die düstere Atmosphäre des Gebäudes geradezu auf. Dicke Spinnweben, noch dickere Staubschichten, zerrissene Tapeten und notdürftig bereitgestellte Kerzenstände — der Glanze vergangener Tage ließ sich noch erahnen, doch derzeit glich der Raum eher einem der alten, vergessenen Klassenräume Hogwarts’, wohin sich nur gelegentlich ein junges Liebespaar im Rausch der Hormone verirrte. Angewidert verzog die Professorin die schmalen, rotgeschminkten Lippen, ehe auch sie kopfschüttelnd an den Tisch herantrat und auf einem der klapprigen Stühle Platz nahm, welcher es ihr erlaubte, möglichst alle Ein- und Ausgänge im Blick zu behalten.
    Unmittelbar nachdem sie sich gesetzt hatte, betrat auch der nächste Gast den Raum, und dieser hatte eine reichlich radikale Lösung parat, um sich des lästigen Spickoskops zu entledigen. „Hat Ihnen allen niemand beigebracht, vorsichtig mit dem Eigentum anderer Leute umzugehen?“, kommentierte die Hexe schnippisch. Es überraschte sie nicht sonderlich, Miss Torodova zu sehen, passte die Bulgarin doch formidabel in die Reihe bisher erschienener Jungauroren. Ihr Verhalten konnte sie hingegen nicht wirklich gutheißen. Schwer zu sagen, ob Fawley auf Todorova abfärbte oder sie auf ihn — oder ob sie das negative Verhalten des jeweils anderen verstärkten. Aber ein längerer Geduldsfaden und etwas bedachteres Handeln hätten beiden gut getan. Magische Gerätschaften hatten die lästige Eigenschaft, sich nicht so einfach zerstören zu lassen, sondern ihr nervtötendes Verhalten zu verstärken oder gelegentlich sogar zu explodieren. Die beiden Auroren waren wohl schon lange nicht mehr mit Zonkos Spezialstinkbomben, Koboldsteinen oder Heulern in Berührung gekommen ... du lieber Merlin, vielleicht sollte Lestrange langsam einen Karrierewechsel in Betracht ziehen.
    Doch apropos Hogwarts: Der rote Haarschopf des nächsten Gastes war der Hexe ebenfalls wohlbekannt, gehörte er doch zu keiner anderen als Kai Kowalski, ihrer Kollegin, welche selbst noch eher wie eine laute, aufgekratzte Schülerin wirkte denn eine professionelle Lehrkraft. Lestrange rümpfte die Nase, als sich die ehemalige Gryffindor verkehrt auf einen Sessel setzte wie ein verrotztes Gör. Die bisher stumm gebliebene Dame, welche offenbar Virginia hieß, wurde ihr mit jeder Minute sympathischer.
    Als augenscheinlich letzter schlich schließlich auch Mr. Nott in den Raum, und Burtons feindselige Reaktion ließ erahnen, weshalb er sich so lange Zeit damit gelassen hatte. „Wären Sie so freundlich, sich erst später gegenseitig an die Gurgel zu gehen?“, schnitt die Stimme der ältesten Hexe zuckersüß dazwischen. Auf Schlägereien konnte sie gut und gerne verzichten. Je mehr Personen eintrafen, welche den Todessern gegebenenfalls ein Dorn im Auge sein könnten, und je länger sich ihr mysteriöser Gastgeber nicht blicken ließ, umso mehr nahm ihre Anspannung wieder zu. Die Jungen täten besser daran, ihre Kräfte zu sparen. „Ich für meinen Teil würde es begrüßen, wenn wir bald zum eigentlichen Grund dieses Treffens kämen“, sprach sie mehr zu den Wänden als zu den beiden Werwölfen, während ihre eisblauen Augen jeden Zentimeter des Speisesaals ableuchteten. Gleichzeitig versucht sie jedoch, Sinn aus der seltsames Gästeliste zu machen. Was für eine kuriose Gruppenkonstellation...

  • Ihr Blick glitt noch einmal über die Anwesenden und irgendwie wunderte es sie nicht, dass ihr bis auf eine Person alle, mehr oder weniger gut bekannt waren. Die Hexe mit den brünetten Haaren, die weiter hinten im Raum stand, war ihr nicht bekannt, alle anderen aber… selbst der junge Mann mit den dunklen Haaren, der sich gerade anschickte an den Tisch zu setzen, kam ihr vage bekannt vor. Irgendwo hatte sie ihn gesehen, so oft immerhin, dass ihr zumindest sein Gesicht im Gedächtnis geblieben war, wenngleich sie auch nicht seinen Namen wusste, noch wie sein Leben aussah. Die ehemalige Gryffindor, die nach ihr noch ins Haus getreten war, kannte sie noch von Hogwarts her und aus der Kammer des Schreckens; und zu Fawley, Burton, Lestrange und Nott brauchte sie wohl nichts zu sagen.
    Sie konnte also davon ausgehen, dass die fremde Hexe und der junge Mann ähnlich gehaltene Intentionen hatten wie der Rest von ihnen; und dieser Umstand, zusammen mit dem Satz ich habe dich gesehen aus dem Schreiben, wollte sie nicht wirklich beruhigter machen. Wäre dies eine Falle, könnte jemand eine Menge lästiger Störenfriede auf einen Schlag beseitigen.
    Als ihr Blick an ihrem ehemaligen Kollegen hängenblieb, zog sie irritiert die geschwungenen Brauen zusammen. Sein Blick war beinahe hasserfüllt, doch er galt nicht ihr, sondern jemanden der hinter ihr stand und dies war im Moment nur noch Derrick. Deverells Ausspruch unterstrich seine feindselige Haltung noch einmal ganz gezielt, sie kam nicht umhin sich zu fragen ob die beiden Werwölfe sich zwischenzeitlich noch einmal begegnet waren, und was dabei passiert sein mochte. Sie selbst hatte seit jeder unglückseligen Nacht kaum die Gelegenheit gehabt, ungestört mit ihm zu reden; und auch jetzt war es kein günstiger Zeitpunkt um den Redebedarf nachzuholen.
    Bisher hatte die Bulgarin sich nicht an der mageren Unterhaltung beteiligt, auch wenn Lestranges Stich eindeutig in ihre Richtung gegangen war und ebenso reagierte sie nicht auf Rudes Gebaren. Denn in einem hatte Lestrange vollkommen unrecht. Die Aurorin hatte ihre Geduld und ihr Temperament noch nie besser unter Kontrolle gehabt wie in diesem Moment. In den vielen Monaten unter Umbridge hatte Salome mehr als ausreichend Gelegenheit erhalten an ihrer Selbstbeherrschung zu arbeiten; immerhin ein Vorteil, welchen die Anwesenheit der pinke Pest gehabt hatte, beziehungsweise immer noch hatte.
    “Immerhin können wir jetzt hören was sich, um uns herum, noch bewegt. Und Sie haben recht, Madam Lestrange, es gibt wichtigere Sachen um die wir uns Gedanken machen sollten, als um die Zerstörung eines, außer Kontrolle geratenen, Spickoskops.“, erwiderte sie unerwartet ruhig, fast schon ohne groß Emotionen erkennen zu lassen, ganz sicher aber ohne Hohn oder Spott oder beißendem Sarkasmus. Dabei war sie im Augenblick weit davon entfernt emotionslos zu sein, was nicht zuletzt an der Konstellation der Anwesenden lag. Einen weiteren Grund warum sie das elende Gerät zerstört hatte war, dass sie gesehen hat wie empfindlich es Derrick geschmerzt hatte (und wie sich im Nachhinein herausstellte ja auch Deverell). Da es aber niemanden etwas anging, erwähnte sie es auch nicht. Dann tat sie es den meisten anderen gleich und setzte sich an den Tisch, den Zedernstab weiterhin in der Hand haltend.

  • Vielleicht war es dann ja doch der Umstand Deverell zu sehen gewesen, der Jonas ein bisschen zu Übermut verleitet hatte. Nicht, dass der junge Auror nicht auch ohne verstärkende Faktoren in der Lage wäre in einer doch viel zu direkten Art für Chaos zu sorgen, doch das vergangene Jahr in der Aurorenzentrale hatte selbst bei ihm einige Spuren hinterlassen. In unbekannten Situationen war er vorsichtiger geworden, beinahe schon rational. Denn bereits in dem kurzen Jahr außerhalb der Schule hatte er sich drei mehr oder weniger größere Verletzungen zu gezogen. Zuerst die Sache mit den Antiobskuranten im Lager, die er zugegebenermaßen bewusst manipuliert und so dazu gebracht hatte in seiner Hand zu explodieren, dann seine vielleicht etwas zu stürmische Erkundungstour in McKennas Beisein, die ihn prompt in den Radius einer schwarzmagischen Druckwelle gebracht hatte, die nicht nur seine Schulter zerfetzt, sondern auch seine Synästhesie für kurze zeit außer Gefecht gesetzt hatte und schließlich der Unfall mit dem Burke-Mädchen, den er sich wohl irgendwie auch auf die eigene Kappe zu schreiben hatte. Immerhin hätte Margo ihn gewiss nicht angegriffen, wenn er sie nicht bedrängt hätte. Nicht, dass er da eigentlich sonderlich einsichtig wäre. Immerhin hatte Margo Burke innerhalb der Schlossmauern behauptet, sie wären so etwas wie ein Paar und sie würde ihn heiraten. Wie hätte er sie da einfach davon kommen lassen können? Sie hatte spüren sollen, welche Konsequenzen ihre Lügen hatten. Im Endeffekt hatte sie das wohl auch – allerdings nicht auf die Art, die Jonas geplant hatte.
    Doch zurück zum eigentlichen Geschehen: Jonas war nicht vorsichtig, im Grunde warf er alle Aurorentugenden über Bord, verhielt sich stattdessen so, als wäre er wieder in Hogwarts, sodass die Anwesenden zu Recht dem Glauben ein heim fallen könnten, sie hätten es hier mit einem aufmüpfigen Teenager zu tun. Natürlich würde der Waliser alle Behauptung dahingehend bestreiten, doch er war ja auch nicht ganz auf der Höhe. Er war aufgewühlt, wütend, frustriert, bekümmert und gleichermaßen befreit, auf eine ganz und gar unangenehme Art und Weise. Ja, klein Joni-Boni war verletzt, hatte er das Pastellblaumädchen schließlich tatsächlich geliebt. Nein, liebte sie immer noch. Nur, dass sie jetzt dank Margo nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Ob er versuchen würde, sie zurück zu gewinnen? Pff, dann müsste er ja öffentlich zugeben, dass sie ihm mehr bedeutete als sein Stolz. Außerdem war es ja nicht so, als hätte sie keine Fehler gemacht. Mehr als einmal hatte sie sich falsch verhalten und inzwischen hatte er die Nase genauso voll wie sie. Mit dem Hintergrund der frischen Trennung jedoch gab es für Jonas wenig, bei dem er noch fürchtete es zu verlieren. Er sorgte sich um Daphne, ja, doch die war bekanntlich weit weg von all dem hier. Und was mit ihm geschah war ihm inzwischen schlichtweg egal. Er würde vermutlich nicht mal groß bestürzt sein, wenn der dunkle Lord persönlich durch die Tür spazierte, und den Zauberstab hob um sie alle zu töten. Dann würde er höchstens hoffen, dass er vorher noch etwas zu Lachen hätte. Doch statt auch nur irgendetwas von seinen wahren Gefühlen zu zeigen, verhielt er sich lieber wie ein Kleinkind. Typisch Jonas eben. Dementsprechend wurde über Deverells Worte ein bisschen gegluckst und der Grauling mit erhobener Augenbraue regelrecht herablassend angesehen, als er sich an ihn wandte. „Keine Ahnung was das sein soll. Oder wer du sein sollst. Und ehrlich gesagt, interessiert es mich auch nicht im Geringsten.“, verkündete er also mit einer abwinkenden Bewegung, bevor er im nächsten Moment zurück zuckte, weil ein Zauber an ihm vorbei schnellte. Der Zauber traf, das Spickoskop explodierte und das fiepende Geräusch verklang in einem tiefen, wehleidigem Ton. Ein gespielter Schmollmund zierte nun das Gesicht des ehemaligen Löwen, als er sich an Salome wandte. „Musst du immer so gemein zu mir sein, Auberginentörtchen? Sonst habe ich gegen deine Grobheit ja nichts einzuwenden, aber meinst du wirklich, dass dies hier der richtige Ort für unser Spiel ist?“ Noch während er sprach, schwand der Schmollmund, offenbarte vollends, dass er nur eine Farce gewesen war, indem er einem anzüglichem Grinsen wich. Denn ja, ein gewisser Unterton war aus seinen Worten heraus zu hören. Auch wenn ihre Spielchen eigentlich so gar nicht dieser Natur waren. Aber seit wann ließ Jonas Fawley schon eine Gelegenheit verstreichen andere durch ein unangebrachtes Innuendo zu provozieren oder in Verlegenheit zu bringen? Eben.
    Allerdings hielt seine Aufmerksamkeit sich nicht lange bei Salome, denn kaum, dass ihr Begleiter nach der Ursache des Alarms fragte, ließ Rude etwas vernehmen, dass den ehemaligen Gryffindor auf eine ganz andere, viel schadenfreudigere Art und Weise grinsen ließ. Uh, bahnte sich hier etwa ein Konflikt an? Dementsprechend hob er die Hand, ganz so als wäre er wieder in Lestranges Unterricht – wartete aber nicht bis die dunkelhaarige Hexe ihn dran nahm, sondern plapperte einfach dazwischen. „Also ich bin für die lauschende Ratte.“, erklärte er und zeigte auf den anderen Jungen, den er nicht persönlich kannte, allerdings aufgrund seiner Erziehung als Derrick Nott erkannte, kaum, dass dieser die Kapuze aus seinem Gesicht nahm. Nicht, dass er mit Nott je etwas zu tun gehabt hätte. Aber Mummy Aubrey hatte schließlich wert darauf gelegt, dass ihre Nachkommenschaft auch ja wusste, mit welchen Kindern man sich anzufreunden hatte. Für ihn jedoch war Derrick einen feuchten Kehricht wert – allein deshalb, weil er ein Grauling war. Oh, und weil Rude offenbar ein Problem mit ihm hatte. Und was das anging, hätte man Jonas wohl genauso gut ins Haus der Dachse stecken können: Jene, die ein Problem mit Leuten hatte, denen Jonas' Loyalität gehörte, hatten zwangsläufig auch ein großes Problem mit Jonas. Und in diesem Raum galt seine Loyalität schlussendlich nur zwei Personen. Und keiner von ihnen hieß Nott. Ein Jammer.

  • //So. Hier endlich mein Post. Er ist nicht grandios, weil es gar nicht mal so einfach ist, alles unter einen Hut zu bekommen, vor allem wenn man total übermüdet ist, aber hey ein Post!


    Virginia hatte nicht gewusst, was sie von dem Brief halten sollte, als sie ihn bekommen hatte und noch immer war sie sich nicht sicher, was die ganze Sache hier darstellen sollte. Das beste Datum hatte es auf jeden Fall nicht erwischt. Heute war definitiv nicht ihr Tag. Ein Grund dafür, warum sie ungewöhnlich still gewesen war. Wer die Hexe kannte, wusste, dass sie normalerweise vor Worten nur so überquoll, keineswegs scheu jemanden ins kalte Wasser zu werfen. Doch dann gab es diese Tage, an denen sie am liebsten nur im Bett gelegen hätte und mit keiner Menschenseele ein Wort gewechselt hätte. Jeder kannte diese Tage. Dass Benoît sie dumm angemacht hatte, weil sie zu seinem Geburtstag abgesagt hatte und ihm noch nicht mal einen guten Grund hatte nennen wollen - sie konnte ja schließlich keinem Muggle von dem mysteriösen Brief ohne Absender erzählen, der sie in den Grimmauldplatz Nr. 12 schickte -, hatte auch nicht geholfen. Vielleicht sollte sie dem Franzosen, der im Café neben der Galerie arbeitete, endlich für ein und allemal klar machen, dass seine Hoffnungen vergebens waren. Er war zwar nett, aber auch nur nett. Sie brauchte mehr. Dementsprechend vor sich hin brütend war Virginia etwas verfrüht an diesen ungemütlichen Ort appariert, den sie sich hastig auf einen Zettel gekritzelt hatte. Wenig einladend schmiegte sich das Haus mit dem ambivalenten Ruf in die fast schon prätentiöse Szenerie. Ihr hastig verrichteter wasserabweisender Zauber verlor stetig an Wirkung, weshalb sie schnurstracks auf den Eingang zugelaufen war. In ihrem extravagant violetten Umhang hätte sie sich so oder so schlecht im düsteren Dickicht verbergen können, um die Lage abzuwarten. Sicher war ihr mulmig zumute, doch ihre Skepsis hatte schnell der Neugierde Platz gemacht, als sie die Einladung erhalten hatte. Den Zauberstab fest in der Hand scannte sie aufmerksam alles, was ihr ins Auge fiel. Entgegen aller Vernunft mochten manche ihr so unüberlegtes Handeln bewerten, sich einfach so in dieses wahrscheinlich vor schwarzmagischen Objekten wimmelnde Haus zu begeben, doch sie wäre nicht Virginia gewesen, wenn sie vorsichtig und überlegt gehandelt hätte. Außer einem konstanten Surren war kaum ein Laut zu vernehmen, vielleicht das ein oder andere Flügelrascheln von einer verirrten Doxy, oder das bedrohliche Knarzen des Fußbodens. Tollkühnheit war der Schottin schon immer vertrauter gewesen als Vernunft.
    Den Anweisungen des Zettel folgend, begab sie sich in den Raum zur Linken. Keine Menschenseele. Nur die bedrückenden Staubschichten, die kühlen Wände. Besorgt betrachtete sie das Spickoskop und entschied sich dann mit einem Schlenker ihres Zauberstabs die paar Kerzen in den angelaufenen Silberständern zu entzünden. Nichts passierte. Der Tag hatte wirklich noch Potential nach oben. Doch es dauerte nicht lange, bis sie ein Geräusch an der Tür hörte und kurze Zeit später, Byron den Raum betrat.
    Du hier?“, erwiderte sie lediglich verwirrt und spürte allerdings, wie etwas ihrer Anspannung abfiel. Sie hatte mit vielem gerechnet, doch nicht mit dem jungen Journalisten. Bevor sie ihn weiter befragen konnte, stolperte schon der nächste in den Raum. Ein junger Zauberer, der ihr vage bekannt vorkam. Sie nickte ihm zu. Ihr Bedürfnis nach großer Konversation war immer noch sehr gering, doch es war beruhigend, in die fragenden Gesichter zu blicken, welche ihre Gemütslage perfekt widerspiegelten. Mit einem Mal tauchte einer nach dem anderen auf und der Raum begann sich mit vorwiegend jungen Zauberern und Hexen zu füllen, welche sich zum großen Teil untereinander zu kennen schienen. Ähnlicher Hogwartsjahrgang, schätzte sie und fragte sich, welche Gemeinsamkeit sie alle teilten, für diesen Anlass ausgewählt worden zu sein.
    Virginias Blick ging durch die Reihen, ihr Stresspegel war kurzerhand wieder angestiegen, als einer der Neuankömmlinge - der wahrscheinlich noch in den Nachwehen seiner späteingesetzten Pubertät hängen geblieben, anders konnte sie sich sein pöbelhaftes Verhalten in diesem Moment nicht erklären - das Spickoskop in noch mehr Aufruhr versetzte.
    Ganz ruhig bleiben, befahl sie sich. Normalerweise hatte sie nichts gegen Leute, die jünger als sie waren, und abgesehen davon, hatte sie wahrscheinlich auch nur etwas mehr als zehn Jahre mehr auf dem Buckel, doch sie spürte, wie es nicht mehr viel brauchte, um ihr schottisches Gemüt mit ihr durchgehen zu lassen. Ein Grund dafür mit der etwas älteren Hexe zu sympathisieren, die kurz zuvor eingetreten war - bis sie sie als Victoria Lestrange erkannte und einer skeptischen Musterung unterzog. Virginia las schließlich die Zeitung und hatte ein relativ genaues Bild davon, wer welche wichtigen Positionen in der Zaubererwelt besetzte. Ebenso wie in der Mugglewelt, doch das war ausnahmsweise für diesen Abend einmal nebensächlich.
    Kai?“, entfuhr es ihr überrascht, als die rothaarige Hexe den Raum betrat und für einen Moment das Gekeife der Anderen unterbrach, welche anscheinend alle diverse Fehden am Laufen hatten. Sie hatte sich selten so außerhalb des Geschehens gefühlt. Ein komisches Gefühl, seit gefühlten Stunden ihre Stimmbänder nicht benutzt zu haben, während es faktisch nur rund zehn Minuten gewesen sein konnten.
    Keinen Plan. Bin seit einiger Zeit hier, doch das einzige was bisher passiert ist, ist das die Boys hier große Reden schwingen und dass das Spickoskop in die Luft gejagt wurde“, klärte sie sie auf und zuckte dann mit dem Schultern. Vielleicht hätte sie doch lieber auf den Geburtstag gehen sollen. Auf dieses Spektakel konnte sie nämlich für heute getrost verzichten. Als hätte sie ihre Gedanken gelesen, ließ auch Lestrange im nächsten Moment verlauten, dass sie doch nun zum ‚eigentlichen Grund‘ des Treffens überleiten sollten - was auch immer dieser war.
    Die Sache lässt sich doch schnell klären“, meldete sie sich schließlich ungeduldig zu Wort, bevor weitere Anschuldigungen gemacht werden konnten, wobei sie den jungen Zauberer, der zuvor das Spickoskop zum Rasen gebracht hatte, missbilligend ansah. Zu viel Testosteron war ihr schon immer unsympathisch gewesen. „Ich gehe davon aus, dass jeder hier so einen Brief bekommen hat?“ Eine Frage, keine Feststellung. „Oder outet sich einer als Verfasser und kann uns aufklären, was das hier alles soll?“, fragte sie weiter und schaute erwartungsvoll durch die Reihen, von dem blassen, jungen Mann und dem Pöbler, über die dunkelhaarige Hexe und dem Lockenkopf, dessen vertraute Erscheinung ihr Kopf immer noch nicht hatte zuordnen können, bis zu Lestrange, Byron und schließlich Kai.

  • Niemand von Ihnen hier ist der Verfasser.“ So ohne Vorwarnung wie das Chaos über die ungleiche und verstreute Gruppe hereingebrochen war, so unvermittelt beantwortete nun auch eine raue, männliche Stimme Virginias Frage. Es war eine Stimme, die seltsam verzerrt klang, als würde sie aus einem sehr alten Grammophon dringen, allerdings sprach der mysteriöse Fremde nicht etwa aus einem unbekannten Nichts zu der Gruppe, sondern schlicht und ergreifend aus der bisher unbeachteten Küche, deren mitgenomme Tür sich langsam öffnete und einen Blick auf den Gastgeber preisgab. Hoffentlich hatte keiner der Gäste einen epischen Auftritt erwartet und wurde nun enttäuscht, denn was als Aufgang folgte, war beinahe so unspektakulär, als wäre einfach nur eine Gruppe verstreuter Verwandter zu einer Testamentseröffnung erstmals zusammen gekommen. Das Ambiente jedenfalls passte und der unbekannte Gastgeber gab sich ebenfalls alle Mühe beinahe vollkommen unscheinbar zu sein.
    Er nutzte nicht einmal Magie, als er sich selbst mit dem Fuß die knarzende Tür ein wenig länger offen hielt und beraubte sich jeglichen Bombasts, indem er schlicht und ergreifend einfach nur ein schlecht poliertes Silbertablett hineintrug und wortlos am Ende des Tisches abstellte. Auf dem Tablett lag lediglich ein Blatt Pergament, eine smaragdgrüne Feder und eine entkorkte Flasche mit gelblicher Flüssigkeit. Den feinen Nasen am Tisch würde vermutlich schnell auffallen, dass es sich um eichenfassgereiften Honigmet handeln musste, wie man ihn an kalten Abenden bei Madame Rosmerta in Hogsmeade serviert bekam. Alles also schrecklich profan, jedoch eben nur beinahe vollkommen unspektakulär, denn wer sich im ersten Moment noch nicht gewundert hatte, der würde sicher beim zweiten Blick auf den Gastgeber in Versuchung kommen sich erst einmal die Augen zu reiben.
    Es war vollkommen unmöglich ihn zu erkennen. Für den ein oder anderen mochte es im ersten Moment noch so ausgesehen haben, als wäre ein untersetzter Mann in dunklem Umhang in den Raum gekommen, für die nächsten vielleicht schon wie ein hochgewachsener Zauberer mit dichtem Bart und spitzer Nase. Oder krummer Nase? Oder… kleiner Nase…? Je länger man versuchte das Gesicht des Mannes oder irgendein Detail an ihm anzustarren, desto schwieriger wurde es irgendetwas zu sehen, was nach dem nächsten Blinzeln noch genauso aussah. Es fühlte sich vermutlich genauso an, als versuchte man in einem sehr verzerrten Traum ein unbekanntes Gesicht zu fixieren und immer wenn man glaubte etwas zu erkennen, musste man feststellen, dass alles Augen zusammenkneifen doch nicht half. Die Züge des Mannes, von dem ein milder Geruch von Pfeifenrauch ausging, wirkten allen Anwesenden bekannt und dennoch furchtbar fremd. Ein starkes Stück Illusionierungsmagie für jemanden, der sich gerade nicht einmal seines Zauberstabs bedient hatte, um sich die Tür aufzuhalten.
    Nun aber.“, sagte der Mann schließlich und zückte nun aber einen hellen Zauberstab aus einem recht gewirkten Holz, um mit seinem sachten Schlenker die Metflasche dazu zu verleiten sich in die beiden Karaffen auf dem Tisch zu ergießen. Er selbst ließ sich nicht an dem Tisch nieder, sondern lehnte sich lediglich an den Stuhl am Kopfende, um mit einer kurzen Geste auf die übrigen freien Plätze zu deuten - abgesehen von einem kurzen Fingerzeig auf die junge Bulgarin.
    Miss Todorova…“, sagte er dabei sehr ruhig für jemanden, der gerade Besitztümer zerstört bekommen hatte. „… wären Sie vielleicht noch so gut, die Reste meines Spickoskops einfach auf den Boden zu kehren? Danke. Bei anderen Gelegenheiten würde ich aber empfehlen, einfach einen neuen Schweigezauber auszusprechen. Es macht immer ein wenig verdächtig, wenn man Spickoskope einfach so pulverisiert. Man könnte meinen, man hätte etwas zu verbergen.“ Hatte der Gastgeber gerade gezwinkert? „Ich hätte außerdem gedacht, dass sie als fertig ausgebildete Aurorin ein wenig feinfühliger geworden sind. Sie sind am Ende noch ein schlechtes Vorbild für den jungen Mister Fawley hier. Erst denken, dann zaubern.“ Ein mildes Lächeln umspielte die Lippen des betont ruhigen Mannes, der seinen Zauberstab und als offensichtliches Zeichen von Vertrauen vor sich auf den Tisch legte und nach einem Glas und einer der beiden Karaffen griff, um mit dem Ausgießen zu beginnen.
    Aber um Madame Lestrange nicht länger betrauern zu lassen, dass es keinen Benimmunterricht auf Hogwarts gibt, möchte ich Sie alle nicht länger auf die Folter spannen. Sie alle sind hier, weil sie in den vergangenen Monaten Dinge getan haben, die Aufmerksamkeit erweckt haben. Ich vermute, Sie alle haben einen Verdacht dazu, was momentan der breiten Zaubererschaft Angst machen würde, wenn er ausgesprochen werden würde. Oder… Sie sind bereits in die Schusslinie geraten.“ Der Fremde ließ die Achseln zuckten und befüllte ein weiteres Glas, ehe er das erste gemäß der guten Sitte der ältesten Dame am Tisch zuschob. „Mein Einstieg wäre ein wenig spannender gewesen, hätte man meinen Aufhänger nicht einfach pulverisiert…

  • //Derrick setzt sich. Ansonsten ist er sehr still, hört zu und überlässt das Reden (vorerst) dem Gastgeber und anderen Anwesenden.//


    Könnten Blicke töten, Deverell Burton wäre noch in jenem Moment zum Mörder geworden, in dem ich über die Schwelle trete. Welche Ironie, dass genau der Artgenosse, der mir sein Leben verdankt, mich abgrundtief zu hassen scheint, ohne auch nur annähernd zu wissen, wie viel uns verbindet. Doch sei es darum. Ich selbst habe mich dafür entschieden, anonym zu bleiben, ich kann getrost auf jedwede Dankbarkeit verzichten. Ich habe nicht aus Zuneigung für den ehemaligen Gryffindor gehandelt, teile zugleich nicht seinen Hass. Obwohl unsere letzte Begegnung reichlich unglücklich verlaufen ist, was ich bedauere, und er sich beständig in mein Privatleben einzumischen versucht, ist Deverell Burton mir relativ gleichgültig. Weder empfinde ich ähnlich leidenschaftliche Abneigung, wie er es für mich zu tun scheint, noch liegt mir viel daran, in seiner Gunst zu steigen. Ich wäre nur froh, wenn er mir nicht eines Nachts an die Kehle springt.
    Folglich schweige ich ob der mordlüsternen Blicke meines Artgenossen und seiner Anschuldigung. Alles, was zurückkommt, ist ein düsterer Blick aus meinen dunklen Augen - und frostiges Schweigen.
    Den reichlich unangebrachten Kommentar des jungen Fawleys zu ignorieren, fällt mir deutlich schwerer. Ich kann ihn nicht ausstehen, diesen zappeligen, dreisten, unhöflichen Wicht, der sich aufführt, als wäre er für heute Abend als Alleinunterhalter gebucht worden. Schon die Art, wie er seine Hand gen Himmel streckt und damit einen eifrigen Schüler imitiert, zeugt von Unreife. Wäre der nächste volle Mond nicht so fern, ich hätte dem jungen Reinblütersohn gewiss geraten, sein Mundwerk im Zaum zu halten. So aber ruhen meine Augen eine ganze Weile auf ihm, während ich mich frage, ob seine Eltern ihrem Sohn kein angemessenes Benehmen gelehrt haben. Er kann einem fast schon leidtun.
    Die anzüglichen Worte, die Fawley zuvor an Salome gerichtet hat, sind mir ebenfalls nicht entgangen. Die beiden scheinen sich zu kennen - mehr noch, der Naseweis scheint sogar einen ganz und gar unangebracht vertraulichen Spitznamen für die Bulgarin zu haben. Ich kann mir weder erklären, was Salome mit ihm zu schaffen hat, warum sie sich mit jemand derartig unkultiviertem abgibt, noch, warum sie ihn mir gegenüber nie erwähnt hat.
    Doch nun ist nicht der passende Rahmen, um Salome über die Art der Beziehung zu diesem Kerl zu befragen.
    Viel eher wende ich mich an meine ehemalige Professorin, Mrs Lestrange, die über Burtons Betragen weit weniger erfreut zu sein scheint als der junge Fawley. Das leichte Lächeln, das sich auf meine Lippen legt, kann als verhalten, ja beinahe höhnisch gedeutet werden. "Selbstverständlich", antworte ich, die Stimme leise und samtig wie früher. Ja, ich bin lange genug Lykanthrop, um meine Impulse im Griff zu haben. Solange der volle Mond in weiter Ferne liegt, unterscheiden mich lediglich meine geschärften Sinne und ein gewisser Zugewinn an Selbstsicherheit von jenem jungen Mann, der ich gewesen war, ehe ich zum Wolf wurde.
    Es ist mir nur recht, wenn wir endlich zum Kernthema vordringen. Zwar kann ich keine Antwort darauf geben, von wem die anonymen Briefe stammen, doch nicke ich zu der Frage der dunkelhaarigen Hexe, die ich nicht kenne. Ja, auch ich habe einen Brief bekommen. Doch ehe noch weitere Schlüsse gezogen werden können, tritt unser Gastgeber, der anonyme Verfasser der Schreiben, in Erscheinung.
    Er kommt aus der Küche, beinahe so, als wäre er ein Schauspieler, der hinter vorgezogenem Vorhang darauf gewartet hat, dass sein Publikum endlich vollzählig versammelt sitzt.


    Mir ist sofort klar, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt. Aufmerksam folgt mein Blick seiner sich beständig wandelnden Gestalt durch den Raum. Der Mann ist umgeben vom wabernden Geruch nach Pfeifenrauch, ansonsten aber scheint er keinen Eigengeruch zu haben, der helfen würde, ihn unter anderen Menschen wiederzuerkennen. Seine Stimme klingt verzerrt, seltsam kratzig, und ich glaube zu wissen, dass auch sie von einem Zauber verschleiert wird - ebenso wie die visuelle Erscheinung des Fremden, die wohl auch alle anwesenden Menschen stutzig machen dürfte. Ganz offensichtlich bringt uns unser Gastgeber nicht so viel Vertrauen entgegen, wie er in seinem Brief angekündigt hat, immerhin gibt er sich nicht zu erkennen, auch wenn er sonst um einen angenehmen Tonfall und freundliche Worte bemüht ist.
    Ich folge dem Wink des Mannes und nehme endlich am Tisch Platz. Aufmerksam lausche ich seinen Worten, weiß aber schon jetzt, dass ich mein Glas nicht anrühren werde, ehe der Gastgeber selbst nicht von dem Met getrunken hat. Der Zauberstab, gefertigt aus einem hellen Holz, den der Fremde zückt, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. In jenem Moment wünsche ich, ich würde schon länger bei Mister Ollivander arbeiten und über sein Gedächtnis verfügen. Mein Meister könnte den Mann zweifellos ohne Probleme identifizieren, alleine aufgrund seines Zauberstabes.
    Ich aber kann nur Mutmaßungen anstellen und mich darüber wundern, wie vertraut es klingt, als der Zauberer mit Salome spricht - beinahe so, als hätte er sie schon zu Schulzeiten wirklich gut gekannt.
    Schweigend folge ich den Worten des Mannes. Ich weiß, wovon er spricht, und doch will ich nicht derjenige sein, der den Lord direkt ins Gespräch bringt. Stumm betrachte ich die goldgelbe Flüssigkeit, den Met, der sich beinahe meditativ in die Gläser ergießt, und schweige. Ich bin mir nicht wirklich bewusst, mit welcher Tat ich Aufmerksamkeit auf mich gezogen haben soll, noch ist bisher jemand an mich herangetreten. Dennoch weiß ich natürlich, dass mein Name allein aufgrund meiner Abstammung, meines magischen Talents und meines Werdeganges in gewissen Kreisen kein unbekannter sein dürfte. Umso mehr hülle ich mich hier und heute in Schweigen. Burtons Reaktion hat mir schon zur Begrüßung vor Augen geführt, wie viel Vertrauen manche der Anwesenden in jemanden wie mich zu setzen bereit sind: Keines.

  • Madame Lestrange sollte Glück haben, was ihre Wünsche betraf. Einerseits hatte Deverell nicht vor, dem anderen Werwolf an die Kehle zu springen, – Zumindest nicht innerhalb der nächsten Minuten, sofern er nicht gedachte sich als größere Bedrohung für die Anwesenden zu entpuppen, als jene, die er schon von Natur aus darstellte. – andererseits war sie nicht die Einzige, die ein Interesse daran hegte, aufzuklären, was sie an diesem Abend in das schäbige Haus der Blacks geführt hatte.
    Unruhig huschte sein Blick einen Moment lang zu Kai, die er, bei all der Aufregung um Nott und das ausschlagende Spickoskop beinahe übersehen hätte. Ihre Anwesenheit beunruhigte ihn mehr, als er bereits gewesen wäre zuzugeben. Denn, während er vom Rest der Anwesenden davon ausgehen konnte, dass sie sich im Zweifelsfall gegen jedweden Hinterhalt würden wehren können (oder es ihm zugegebenermaßen nicht sonderlich scherte, ob sie dazu in der Lage wären), handelte es sich bei der Rothaarigen um die einzige Person im Raum, die er nicht ruhigen Gewissens einer potentiellen Gefahrensituation aussetzen würde.
    Sie war es nicht gewohnt, argwöhnisch zu sein. Sie hatte ein gutes, geregeltes Leben. Eine Freundin. Ein richtiges Zuhause. Und er würde nicht dabei zusehen wollen, wie sie das alles riskierte, nur um an dieser dubiosen Tischrunde teilzunehmen, die so sehr nach Falle stank, dass Deverell sich kaum auf etwas Anderes konzentrieren konnte. Wären sie allein gewesen, hätte er sie sicher am Arm gepackt, von dem Stuhl gezogen, auf den sie sich gerade erst gesetzt hatte, und sie nachhause geschickt, in der Hoffnung, dass sie nie mehr so blöd sein würde, irgendwelchen offensichtlich zwielichtigen Einladungen zu folgen.
    Diesem Gedanken folgend, hatte er bereits einen halben Schritt in den Raum gemacht, als er mit einem Mal abrupt stehen blieb und den Kopf in Richtung Küchentür drehte, hinter der mit einem Mal, Schritte zu hören war und die, den Bruchteil einer Sekunde später, zusammen mit einer merkwürdig hohlen Stimme nach innen schwang.
    Die Muskeln des Werwolfes spannten sich augenblicklich an. Während er die Augen verengte, spitzten sich seine zuvor ziellos umhergeschweiften Sinne auf diesen einen Punkt im Raum zu. Diesen Mann, der sich, ohne große Worte, dazu bekannte, die Briefe verfasst zu haben, die sie alle hierhergeführt hatten.
    Der Zauber, mit dem er sich umgeben hatte, war nicht schwer zu erkennen, aber umso wirkungsvoller. Wann immer Deverells Augen glaubten, ein Detail ausgemacht zu haben, das sich zwischen all den anderen hervorzuheben schien, war dieses auch schon verschwunden und machte einem völlig anderen Merkmal Platz. Ganz als sehe man einem Metamorphmagus dabei zu, wie er sich morgens vor dem Spiegel für das Gesicht, das er heute tragen würde, zu entscheiden versuchte.
    Angespannt folgte der ehemalige Gryffindor dem Fremden mit seinem Blick hinüber bis zum Tisch, auf dem dieser nun das Tablett abstellte, das nach süßen Met und Silberpolitur roch. Seine Augen mochten keinerlei Indizien über die Identität des Mannes aufschnappen können, seine Nase jedoch prägte sich den weichen Tabakgeruch ein, der ihm folgte. Pfeife, sofern er sich nicht irrte. Gleichzeitig vermutete Deverell aber, dass niemand, der sich gleich zwei Werwölfe an den Tisch lud, den Fehler machen würde, seine Tarnung durch einen solchen Duft auffliegen zu lassen.
    Was blieb also? Der Tonfall seiner offensichtlich magisch verzerrten Stimme? Die Tatsache, dass er überhaupt in der Lage war, derart viele Zauber, die seine Identität bis ins letzte Detail verbergen sollten, gemeinsam zu wirken, ohne dass sie einander störten? Seine Wortwahl?
    Deverell zog all diese Dinge in Betracht, ohne sie zu einem Ganzen zusammenfügen zu können. Er vermerkte die Informationen, die der Fremde über Salome zu wissen schien und wog sogar der Tatsache, dass er sie Miss Todorova nannte, statt den im englischsprachigen Raum verbreiteten Fehler zu begehen, sie als Todorov anzusprechen. Mit mahlendem Kiefer blickte er den Mann am Kopfende des Tisches an, der nunmehr seinen Zauberstab niederlegte, nachdem er ihn zum Umgießen des Honigweins verwendet hatte.
    Er ließ ihn auch dann nicht aus den Augen, als er der Geste folgend um den Tisch herumging und sich nahe des freien Stuhls neben Kai, mit verschränkten Armen an der Wand postierte. Die Art, wie er die Gläser einschenkte, die Tatsache, dass das erste Glas Madame Lestrange zu gebühren schien – Alles bemerkbar, aber nicht zwingend bemerkenswert oder gar aufschlussreich. Nichts davon schien mehr Informationen durchsickern zu lassen, als es seine Worte taten.
    Ein Verdacht, der der breiten Zaubererschaft Angst einjagen würde, wenn er denn ausgesprochen würde. Deverell presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Er kam nicht umhin sich zu fragen, ob der fremde Zauberer diese Worte mit Absicht so gewählt hatte, dass ihr Unterton auf eine Weise zu verstehen war, die Eingeweihten einen eisigen Schauer über den Rücken jagte.
    „Vielleicht verschonen Sie uns dann mit jeglichem Spannungsaufbau und kommen direkt zur Klimax des Ganzen.“, riet der Waliser fast schon eine Spur zu leise, ganz als wolle er die betonte Ruhe des Gastgebers in seinem geschäftlich wirkenden Tonfall aufnehmen, „Ich nehme an, Sie haben unser Ankommen lange genug verfolgt, um sich sicher zu sein, dass wir alle ganz wild darauf sind, zu hören, was der Grund dieses heiteren Zusammenseins ist.“

  • Gerade hatten sie noch gemeinsam gerätselt, was die Einladung bloß bedeuten mochte; dann geschah alles sehr schnell. Noch ehe einer der anderen etwas bemerkt hatte, drehte Mr. Burton, dessen übermenschliches Gehör etwas wahrgenommen haben musste, den Kopf plötzlich zu einer bisher unbeachteten Ecke des Raumes. Sekundenbruchteile später war klar, was oder eher wen er gehört haben musste. „Niemand von Ihnen hier ist der Verfasser.Was Sie nicht sagen, hätte Lestrange der Stimme aus dem Nichts am liebsten geantwortet, wären ihre Lippen vor Anspannung nicht so fest zusammengepresst gewesen. Der kurze Austausch, welcher dem Erscheinen des Unbekannten vorangegangen war, hatte mit den vielen »Huch, was machst du denn hier?«s und dem gelegentlichen »Wisst ihr, was hier vor sich geht?« bereits nahegelegt, dass niemand von ihnen den mysteriösen Brief verschickt hatte. Ruckartig hatte die Hexe ihren Blick der Küche zugewandt, in der Hoffnung, das Auftreten des Sprechers möge etwas aufschlussreicher sein als seine Worte. Sie wurde bitter enttäuscht.
    Die Dunkelhaarige bemühte sich, ihre gesamte Aufmerksamkeit dem Mann im dunklen Umhang zuzuwenden, auf seine Gesichtszüge, sein Haar, seine Statur ... doch je mehr sie sich konzentrierte, umso weniger vermochte sie zu erkennen. Und nicht nur sein Aussehen hatte der Fremde verschleiert, auch seine Stimme vermochte die sonst so scharfsinnige Hexe nicht zu identifizieren. Beeindruckt weiteten sich ihre eisblauen Augen. Illusionierungsmagie. Faszinierend. Sprach dies auch nicht für die Vertrauenswürdigkeit, so doch für das enorme magische Können und das nicht minder gewaltige Misstrauen des Unbekannten. Für jemanden, der anderen mit solch gewaltigem Argwohn begegnete, schien er seine Gäste jedoch erstaunlich gut zu kennen. Der vertraute Umgangston, mit welchem er sich an Miss Todorova wandte, entlockte der Lestrange ein Stirnrunzeln. Es war beinahe so, als hätte er die junge Bulgarin schon vor Jahren gekannt... Genug. Sie hatte schon zu viel von ihren Gedanken durch Körpersprache und Mimik preisgegeben, sie musste sich dringend beherrschen. Noch wollte der Fremde ihr aber offenbar keine Chance gewähren, ein Pokerface aufzusetzen: Als hätte er ihren Entschluss gewittert, ließ er unmittelbar ihren Namen in seine kurze Ansprache einfließen. Benimmunterricht. Sie schnaubte trocken. Ja, Benimmunterricht in Hogwarts einzuführen wäre definitiv keine schlechte Idee. Vielleicht sollte sie den Vorschlag dem Schulleiter unterbreiten. Dumbledore. An ihn erinnerte der Fremde mit seiner stoischen Ruhe und den augenzwinkernden Bemerkungen die Dunkelhaarige. Außerdem ließe sich dadurch erklären, wieso Smith die Begrüßungsrede für Dumbledore hatte übernehmen müssen. Oder vielleicht Robards? Wer hätte größeres Interesse an der angesprochenen Aurorenausbildung von Miss Todorova und Mr. Fawley als er? Als Lehrkraft hatte er die Lestrange ebenfalls bereits erlebt, und wer wusste schon, was Elaine ihm über ihr Verhalten in Hogwarts berichtete ... Aber nein. Victoria war vermutlich nur so versessen darauf, ein bekanntes Gesicht zwischen den sich verändernden Zügen auszumachen, dass sie aus vereinzelten Ähnlichkeiten und zusammenhangslosen Fakten unhaltbare Theorien spann. Diesen fruchtlosen Überlegungen war es auch geschuldet, dass sie den Moment verpasste, in dem sie eine schlagfertige Erwiderung auf den Benimmunterricht murmeln hätte können — aber es wäre ohnehin unhöflich gewesen, den Unbekannten bei seiner Ansprache zu unterbrechen.
    Mit einem ausdruckslosen „Danke“ nahm die Professorin das Glas entgegen, welches er ihr reichte, doch sie führte es nicht an die rotgeschminkten Lippen; nicht, ehe nicht jeder andere hier Versammelte ein Glas hätte, und vor allem nicht, ehe der Fremde nicht auch getrunken hatte. Seine Worte schlugen ihr ohnehin auf den Magen — Ob er sie gemeint hatte, als er von bereits in die Schusslinie Geratenen sprach? Was wusste er? —, und so war sie beinahe dankbar, als Mr. Burton, der stehen geblieben war, als wollte er über sie alle wachen, das Wort ergriff.


    //500-600 Wörter bei Plotevents? Aye, Chef! Dieses hier ist zwar nicht sonderlich groß oder offiziell, aber man kann ja mal üben^^

  • Sie konnte noch verhindern dass ihr die Gesichtszüge bei Fawley’s Worten komplett entglitten, aber auf die plötzliche krankhafte Blässe und auf den zornigen Blick, da hatte die Bulgarin keinen Einfluss mehr. Und das machte sie noch zorniger, denn Jonas‘ Worte waren einzig und allein darauf angelegt falsch verstanden zu werden und somit Reaktionen bei den Anwesenden hervorzurufen. Für ihn war das ein Spaß, ein Hobby. Für sie konnte das nur Probleme nach sich ziehen, und das wohl nicht nur bei Derrick, dessen veränderte Atmung sicher nicht nur an Deverells Verhalten lag. Allerdings hatte sie inzwischen eines über Jonas gelernt, es ärgerte ihn wenn er keine Reaktion bekam und genau deswegen unterdrückte sie ihren Zorn und ignorierte ihn einfach.
    Dies wurde ihr sogar überraschend leicht gemacht, denn bevor noch jemand auf die Frage der fremden, dunkelhaarigen Hexe antworten konnte, tat es der Urheber, mit einer rauen, verzerrten Stimme selbst. Wäre Rude nicht in dem Moment beim Laufen erstarrt, hätte sie nie so früh mitbekommen, dass sich eine Tür bewegte. So konnte sie das Hereinkommen des Fremden beobachten, musste aber feststellen dass sie anfing zu blinzeln; wieder und wieder. Aber es war vergeblich, sie konnte nichts an dem Fremden scharf sehen und je mehr sie es versuchte, desto mehr verschwamm er vor ihren Augen. Sie rieb sich über die Nasenwurzel und begann damit ihn nur noch aus dem Augenwinkel anzusehen, so irritierte sie der Illusionszauber nicht so stark. Ein interessanter Auftritt für jemanden der von Vertrauen gesprochen hatte.
    Was sie ohne Probleme sehen konnte war ein altes, stumpfes Silbertablett mit einer geöffneten Flasche, welcher eindeutig der Geruch von Met entströmte, sowie einer Feder und Pergament.
    Als der Fremde sie ansprach machte sie den Fehler ihn direkt anzublicken und sofort verstärkte sich der Zauber, also wandte sie den Blick auf einen Punkt neben ihm. Sie nahm seinen milden Tadel kommentarlos hin, bis… ja, bis er von Heimlichkeiten sprach. Mit ironischem Blick hob sie eine Braue an. “Das sind starke Worte für jemanden der so sehr darum bemüht ist, seine Identität zu verschleiern.“, erwiderte sie freundlich. Hatte er tatsächlich dabei gezwinkert oder war das nur eine Einbildung? Irritiert runzelte sie die Stirn, tat aber wie ihr geheißen und beseitigte die Reste des Spickoskops; sie würde ihm wohl eine neues kaufen. Im Gegensatz zu ihm behielt sie ihren Zauberstab jedoch weiter in der Hand und überging seine Worte zu Fawley und ihrer Art. Erst schießen, dann Fragen stellen. Es war eben schwer sich etwas abzugewöhnen, was man von Kindesbeinen an gelehrt bekommen hatte.
    Worüber sie sich aber mehr Gedanken machte, war das Gefühl ihn zu kennen. Nicht wegen dem was er sagte oder was er über sie wusste (von ein, zwei Dingen konnte er nichts wissen… oder? Es war als könne er sie zu gut lesen), sondern wegen seiner Art wie er es tat. Es kam ihr sehr vertraut vor und eigentlich kamen da nicht viele Personen in Betracht.
    Etwas überrascht betrachtete sie Lestranges Mimik, sonst war die Dame doch sehr beherrscht, scheinbar hatte das Auftreten des Fremden sie kalt erwischt. Mit leichtem, zustimmendem Nicken folgte sie seinen Worten. Sicher wussten Alle hier worüber er sprach, aber sie schwieg aus guten Gründen vorerst dazu. Über seinen Nachsatz hingegen musste sie tatsächlich schmunzeln, trotz der …offensiven Art von Deverell und seiner Frage.
    Etwas ganz anderes kam ihr in den Sinn… Papier, Feder und Met. Besiegelten die alten Götter nicht mit drei Gläsern Met ihre Verträge? Denn dafür waren Feder und Papier da, für eine besondere Art von Vertrag natürlich.

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