[Erdgeschoss] Ein Nebenzimmer

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    • [Erdgeschoss] Ein Nebenzimmer


      Abenteueraufgabe #1: Beschlagnahmte Güter
      @Virginia MacGuffin

      Während nach und nach immer mehr Gäste in das alte Anwesen strömen und sich die Aufsichtsführenden eher minder als mehr dafür interessieren wer sich wo herumtreibt, gibt es doch ein kleines Nebenzimmer im Eingangsbereich, das nicht nur von den Kobolden mit wachsameren Augen behandelt wird. Was nach einer Gerümpelkammer aussieht, die größtenteils mit großen Tüchern verhängt ist, ist das Abstellzimmer für die beschlagnahmten Güter des Zaubereiministeriums. Zahllose Holzkisten stapeln sich in den verschiedensten Größen, alle gewichtig abgestempelt und einige sogar mit zusätzlichen Schlössern und Ketten gesichert. Die Gerüchte über einige Objekte, die offensichtlich nicht in die Versteigerung gelangen sollten, scheinen also zu stimmen…
      Einige Zauberer des Ministeriums sind in Gespräche verwickelt und notieren akribisch die Nummern auf den Kisten, ehe sie für eine Weile verschwinden und den Kobolden… – oder besser: ihren Angestellten – die Aufsicht überlassen.



      Oder auch: Der Drache und sein Berg voll Gold
      (hah.)

      Als der Wecker an diesem Morgen bereits um 6:30 in der wohltemperierten Wohnung über einem Schreibwarengeschäft in der Winkelgasse geklingelt hatte, waren ein genervtes Stöhnen und ein Rascheln der weichen Bettdecke die Antwort gewesen. Die junge Fluchbrecherin, die bereits ahnte, dass der heutige Tag mehr als stressig für sie werden würde, fragte sich ein weiteres Mal, weshalb sie sich bereit erklärt hatte, diesen Tag nicht in der Zaubererbank zu verbringen, sondern in einer verstaubten, trickreichen alten Villa, die sich nur durch die Staubdecke von jenen Gebäuden unterschied, die sie seit ihrer Namensänderung nur allzu häufig von Innen zu Gesicht bekam. Doch als vor wenigen Wochen die Neuigkeit über Proserpina Vanderbilts Tod die Kobolde in Aufregung versetzt hatte, weil sie ›wieder einmal die Gelegenheit sahen, sich Zauberervermögen unter die Nägel zu reißen‹ - wie ihre hochgeschätzte Familie es formulieren würde -, hatte die ehemalige Ravenclaw sich in der Hoffnung, endlich wieder etwas spannendes zu erleben, nur allzu bereitwillig dazu erklärt ›Mädchen für alles‹ zu spielen und die erfahreneren Fluchbrecher bei Sichtigung und Herrichtung zu unterstützen. Eine zusätzliche Arbeit mit der sie sich zum einen profilieren wollte, sich zum anderen aber auch die Gelegenheit erhoffte in einer ruhigen Minute Mäuschen spielen zu können. Immerhin war die potenzielle Möglichkeit in der Vergangenheit einer offenbar einflussreichen Zaubererfamilie herumzuwühlen nur allzu verlockend. Doch neben zu erfüllenden Sicherheitsstandards - also Papieren, die sie von A nach B bringen und den jeweiligen Empfängern als Botin der ein oder anderen Komplikation herhalten musste - und der Gelegenheit dem ein oder anderen Vorgesetzten bei einer Entfluchung über die Schulter sehen zu dürfen hatte sich dieses Projekt ›Auktion Vanderbilt‹ vor allem als riesiger Stressfaktor für alle Beteiligten herausgestellt. Und nun, da der große Tag der Auktion endlich gekommen war, hatte Mary nicht wirklich das Gefühl, dass sie alles ausreichend vorbereitet hatten. Vielleicht war es die penible Kontrollsucht in ihrem Inneren, die ihr diesen Glauben verlieh, vielleicht aber auch eine gute Einschätzung der Gefahren und Risikopotenzialen, die an diesem Nachmittag auf sie warten würden. Doch trotz der spontanen Unlust, die Medea Rosier an diesem Morgen verspürte, dauerte es nur wenige Minuten, bis die ehemalige Ravenclaw ihre nacktne Füße auf den Holzboden vor ihrem Bett setzte und ihre Hände gen Decke streckte. Es gab Arbeit zu tun. Arbeit die, wenn die heutige Versteigerung gut lief, vielleicht eines Tages zu ihren Gunsten ausfiel. Wenn die brünette Hexe eines war, dann war es wohl ehrgeizig. Oder, wenn man es weniger durch die Blume sagen wollte: Medea Rosier war karrieregeil. Oh, und sie hoffte natürlich etwas pikantes über die Familie Vanderbilt zu erfahren, dass sie irgendwann gegen irgendwen nutzen konnte.
      Rascher als der jungen Hexe lieb war, war der Morgen und Vormittag verstrichen. Während sie in der einen Minute noch das graue Baumwollkleid gestiegen war, das jeder Bankerin Ehre gemacht hätte, hetzte sie im nächsten Moment auch schon durch die Gänge des Vanderbilt-Anwesens und versuchte den Spagat aus Eile und Eleganz zu wahren, während sie verzweifelt versuchte für ihre Vorgesetzten in Erfahrung zu bringen wo dieser oder jene Gegenstand abgeblieben war. Und dann, Mary hätte schwören können, es wäre erst eine Stunde vergangen, seit sie die Villa betreten hatte, öffnete sich die große Flügeltüre und eine bunte Mischung der Zauberergesellschaft betrat das Gebäude, um der Auktion beizuwohnen. Für einen Augenblick stand Mary einfach nur da und betrachtete aus einer stillen Ecke die hereintretenden Menschen, suchte vielleicht nach einem bekannten Gesicht. Dann jedoch rief die Pflicht, in Form einer der Auroren, die die beschlagnahmten Gegenstände in letzter Minute noch beiseite schaffen wollten und nach einem geeigneten Ort abseits des Trubels suchten. Mary nickte geschäftlich, dafür hatten sie, die Fluchbrecher, auch etwas vorbereitet. Mit einem charmanten Lächeln hatte die Britin also die ›Kollegen aus der Aurorenzentrale‹ gebeten ihr zu folgen und war den langen Flur hinabgeschritten in ein deutlich mit einem Schild ›Zutritt für Gäste nicht gestattet‹ als private Räumlichkeit gekennzeichnetes Zimmer getreten. »Bitte, die Damen und Herren. Hier können Sie alles verwahren, was nicht für die Allgemeinheit bestimmt ist. Es wird den ganzen Nachmittag über bewacht werden.« Und mit diesen Worten hatte die junge Hexe unwissentlich ihr eigenes Schicksal besiegelt. Denn natürlich hatten die Auroren prompt alle etwas anderes zu erledigen, ›In Zimmer sowieso muss noch etwas geholt werden‹ und ›Ach ja, ich müsste einmal auf die Toilette‹ und ›Sie übernehmen das kurz, oder?‹. Sah sie etwa wie das Dummchen vom Dienst aus? Das genervte Schnauben entdrang Marys Kehle jedoch erst, als der letzte Auror bereits das Zimmer verlassen hatte. Unzufrieden friemelte die Hexe an ihren Haaren herum, löste die Nadel, die die Locken zusammenhielt, nur um sie im nächsten Moment wieder zusammen zu stecken. Zehn Minuten vergingen, dann Fünfzehn. Irgendwann, Mary beschloss damit aufzuhören auf ihre Armbanduhr zu sehen oder hinaus in den Flur zu blicken, nahm die Hexe auf einer der mit Tüchern abgedeckten Kisten Platz und schnappte sich das Ausstellungsbuch, dass wohl irgendjemand hier vergessen haben musste. Eher gelangweilt, denn wirklich interessiert begann die Hexe darin zu blättern, überflog hier und da eine besonders vage oder beschönigte Beschreibung, bis sie auf das wohl interessanteste Objekt stieß: Das Gemälde, das einst Proserpina Vanderbilt und den ehemaligen Zaubereiminister Hector Fawley gezeigt hatte, dessen Figuren sich aber partout nicht blicken ließen. Aufmerksam glitten die Finger der freien Hand über das bedruckte Papier. Sie selbst war, wie ungefähr jede reinblütige Familie Großbritanniens, über einige Ecken mit den Fawleys verwandt - doch was hatte Proserpina mit dem ehemaligen Zaubereiminister zu tun gehabt? Ausgerechnet einem Zaubereiminister, der zu einer solch' brisanten Zeit sein Amt bekleidet hatte. Ob es sich lohnte dahingehend Nachforschungen anzustellen oder gar mit dem Geld ihrer Familie auf das Stück zu bieten. Nein, das wäre wohl unprofessionell. Aber vielleicht, ganz vielleicht bekam sie ja heraus, wer den Gegenstand erworben hatte, sobald die Auktion vorbei war. Kurz klopfte die Hexe nachdenklich auf das Buch, dann widmete sie sich wieder dem ausführlichen Text. Was hatte es damit nur auf sich? Wer war Proserpina Vanderbilt gewesen?
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    • Es war immer ein bisschen aufregend aus dem Berufstrott in der Galerie herauszukommen und sich Aufgaben anzunehmen, die ihre Anwesenheit außerhalb ihres sonstigen Arbeitsplatzes erforderten. Virginia hatte sich ernsthaft gefreut, als Mr. Brittlebink sie gebeten hatte, sich bei der anstehenden Versteigerung einmal umzusehen, da er selbst keine Zeit habe. Was er Besseres zu tun hatte, konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, doch die ehemalige Gryffindor wagte es nicht, sich zu beschweren. Sie war viel zu aufgeregt, selbst herauszufinden, was die alte Proserpina Vanderbilt, die es ihrem Namen nachgetan hatte und in die Unterwelt abgestiegen war, in ihrer Bruchbude gehortet hatte. Vielleicht konnte sie das ein oder andere Juwel entdecken und noch ein Schnäppchen machen. Sie bezweifelte, dass die Schaulustigen, die es auf so ein Event verschlug, viel von Kunst verstanden, auch die meisten Kleinkrämer handelten meist mit mehr Glück als Verstand und hatten wohl eher ein Händchen dafür, Schrott für Wucherpreise an den Mann zu bringen, als etwas wirklich Wertvolles inmitten eines Haufen an Müll zu entdecken. Nur den Kobolden traute Virginia es zu, die wirklich interessanten Gegenstände sofort auszumachen. Als sie herausgefunden hatte, dass das Ministerium bei dieser Versteigerung mit Gringotts unter einer Decke steckten, war Virginias Neugierde nur noch gewachsen. Wie sie die ach-so-ehrwürdigen Beamten ihrer offiziellen Behörde einschätze, würden hinter den Kulissen so ein paar krumme Dinger gedreht werden. Sicher würde nicht alles, was sich in den vier wackeligen Wänden der Vanderbilt-Villa verbarg, auch für die Allgemeinheit öffentlich gemacht werden.
      Schon zu Schulzeiten war sie häufiger, als es für ihr Punktekonto gut gewesen wäre, in den unbefugten Teilen Hogwarts herumgeschlichen, um den wirklich interessanten Machenschaften auf den Grund zu gehen und ja vielleicht war an ihr eine kleine Verschwörungstheoretikerin verloren gegangen, da sie meist hinter jeder ach so kleinen Ungereimtheit einen großen Komplott vermutete, den es aufzuklären gab, doch sie war schon immer der Meinung gewesen, dass man besser zweimal hinsah, anstatt von Vornherein anzunehmen, dass alles mit rechten Dingen zuging. Manche mochten es für extremistisch halten, manche einfach nur für paranoid, doch eine stete Skepsis vor dem System war bei ihr schon immer an der Tagesordnung gewesen.
      So war es also kein Wunder, dass sie kaum, dass sie holzvertäfelte Eingangshalle des baufällig anmutenden Gebäudes betreten hatte, sich sofort mit der Architektur der Räumlichkeiten vertraut machte und alles bis ins Detail inspizierte. Sie entdeckte viel Gerümpel, ein paar alte angelaufene Silberlöffel, die kurz ihr Interesse weckten, ein paar mottenzerfressener Unterröcke und eine Reihe an grässlichen Familienphotographien, die sie wahrscheinlich nicht mal einem jungem Flohmarktgänger mit Restalkohol im Blut, der gerade aus dem Club gestolpert war und sich nun zum Spaß seine Zeit vertreiben wollte, hätte andrehen können – dabei war sie wirklich gut im Verhandeln. Neben ein paar alten Damen, die sich kichernd über die seidene Garnitur Unterröcke beugte, einiger Herren, denen man an der Nase ablesen konnte, dass sie aus den besten Reinblüterkreisen kamen, erkannte Virginia einige vage vertraute Gesichter. Sie erblickte im Augenwinkel Victoria Lestrange, gab allerdings kein Zeichen der Begrüßung – auch wenn die beiden wohl mehr miteinander zu tun hatten, als man vermuten wollte, war die Schottin nie wirklich mit ihr warm geworden. Auch Mr. Kavanagh tummelte sich nicht unweit von ihr, stellte sie fest und nahm dies zum Anlass, sich endlich mal etwas abseits ihres abgesteckten Spielraumes zu bewegen. Mit einem breiten, einstudiert gefaktem Lächeln an eine der herumhuschenden Ministeriumsangestellten spazierte sie zielstrebig aus dem Atrium heraus und schritt, als wisse sie ganz genau um ihr Ziel, den Gang entlang. Sie entdeckte ein Aurorenpaar in Begleitung einiger Kobolde aus einem der Räume gehen, dessen Türen auffällig verschlossen waren und beschloss unauffällig an ihrer Handtasche herumnestelnd, zu trödeln. Als sie der misstrauische Blick einer der Kobolde traf, zuckte sie nur entschuldigend mit den Schultern und versuchte ihm, sich dabei absichtlich etwas dumm anstellend, in einer ausladenden Geste in etwa die Worte: Nie findet man was in diesen Taschen zu vermitteln. Sie war sich nicht sicher, ob er ihr das abkaufte, schaute er sie immer mit einem Blick an, der ihr das Gefühl vermittelte, unter genauster Beobachtung zu sein, verließ allerdings trotzdem im nächsten Moment den Flur. Das nächste Mal würde sie es sich vielleicht zweimal überlegen, wenn sie für die Rechte der Kobolde auf die Straße ging.
      Der Flur war leer. Sie versicherte sich dessen ein zweites Mal, ignorierte eine etwas lose angebrachte Absperrung sowie das eindeutige Schild, dass der Zutritt für Unbefugte unterlassen sei und drückte dann die Türklinke zu einem der verschlossenen Räume hinunter. Eine Gänsehaut rieselte ihr langsam den Rücken herunter, als sie einen Fuß in die vollgestellte Kammer setzte und sie fühlte sich zurückerinnert an die Zeit, in der sie sich abends nach Sperrstunde aus ihrem Zimmer geschlichen hatte. Es gab doch nichts über einen kleinen Adrenalinkick, über eine waghalsige und etwas dumme Idee.
      Im ersten Moment dachte sie, dass sie allein war, und wollte innerlich schon jubilieren, wie einfach es doch war, die Sicherheitsvorkehrungen dieser Veranstaltungen zu umgehen. Die offiziell gestempelten Holzkisten, sowie die ominösen Objekte, die sich unter den schützenden Tüchern verbergen mochten, schienen doch um Einiges interessanter zu sein, als der Müll, der ihnen im Rest des Hauses unter die Nase gesetzt worden war. Wenn sie für diese Initiative von ihrem Chef nicht zur Mitarbeiterin des Jahres gewählt werden würde, dann wüsste sie auch nicht – und wenn sie es sich zweimal überlegte, konnte es nie schaden, einen Einblick in die Dinge zu bekommen, die das Ministerium lieber vor der Öffentlichkeit geheimhalten wollte. Das Geräusch eines Blätterraschelns ließ sie aufschrecken, als sie unweit von sich eine junge Hexe über einen Wälzer vertieft sitzen sah. Hatte sie nicht gemerkt, wie sich kurz zuvor die Tür geöffnet hatte? In Virginias Hand ruhte längst präventiv ihr Zauberstab. Sie überlegte, ob es schlauer war, sich wieder davonzustehlen oder sich weiter dem riskanten Unterfangen hinzugeben, durch den Raum zu schleichen, ohne die Aufmerksamkeit der brünetten Hexe auf sich zu ziehen – auch wenn das auf lange Sicht nicht sehr aussichtsvoll sein konnte, außer sie stellte sich als schwerhörig heraus – als die junge Frau ihr Gesicht etwas zur Seite wandte und Virginia erstaunt die Augenbrauen zusammenzog. Das war doch? War das nicht… sie überlegte kurz. War diese Hexe nicht vor etwas mehr als einem Jahr noch auf ihrem Sofa gesessen? „Mary?“, stieß sie fragend aus, den Zauberstab dabei allerdings immer noch umklammernd. Sie wusste nicht, in welcher Funktion die Andere hier saß und sie würde es sich nicht nehmen lassen, diesen Raum zu verlassen, ohne zumindest vorher einen Blick in ein paar der Boxen zu werfen.

      //Der nächste wird bestimmt kürzer haha
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    • Die junge Fluchbrecherin interessierte sich tatsächlich derart für die zu ersteigerten Stücke, dass sie sich ein wenig ärgerte, nicht selbst dort vorne stehen und mitbieten zu können. Allerdings ging es ihr keineswegs um den künstlerischen oder modischen Wert der zu ersteigernden Gegenstände. Sie war an ihrer Geschichte interessiert an ihrer Bedeutung und an den Geheimnissen, die Proserpina Vanderbilt womöglich gehabt hatte. Doch sie wusste bereits sehr gut, dass sie nicht in den Auktionssaal gehen und ihr Gebot tätigen würde. Nicht nur, weil sie zunächst mit Veruca Avery in Kontakt treten müsste, wenn sie auf das Gold der Familie zurückgreifen wollte, sondern auch, weil es für alle Anwesenden ersichtlich sein würde, dass sie es war, die das Bild ersteigerte. Und auch wenn sie vorhin noch kein bekanntes Gesicht hatte erspähen können, war sie sicher, dass sich das inzwischen entweder geändert hatte oder zumindest jemand sie erkennen würde. Es passte nun einmal nicht so recht zu der bekehrten Hexe edler Abstammung, sich für einen solchen Schund zu interessieren. Gewiss, wenn sie ein paar Jahrzehnte älter gewesen wäre oder einer ihrer direkten Verwandten ein Fawley gewesen wäre, vielleicht. So jedoch befürchtete die ehemalige Ravenclaw, dass ihr Interesse an dem Gemälde nur unnötige Aufmerksamkeit auf sie richten würde. Und Aufmerksamkeit konte sie derzeit wahrlich nicht gebrauchen. Aber noch gab sie die Hoffnung nicht auf, etwas über die kürzlich verstorbene und ihr Leben in Erfahrung zu bringen. Immerhin hatte sie hier eifrig mitgeholfen, wusste, wo sie welche Akten fand und auch, wie man innerhalb der Mauern der Zaubererbank etwas über die Käufer der Exponate in Erfahrung bringen konnte. Ach wie schön war doch die Welt, in der es faktisch ein Bankmonopol gab? Welcher Zauberer oder welche Hexe Großbritanniens verwahrte ihr hochgeschätztes Gold schließlich nicht in Gringotts? Und wenn man als Fluchbrecherin nun einmal wusste, wie man in die entsprechenden Archive geriet… standen einem die Daten des magischen Großbritanniens so offen zur Verfügung wie einem Bibliothekar seine Bücher. Während die Muggel sich bereits über Sicherheitsstandards und Datenschutzverordnungen im Internet den Kopf zerbrachen, blieben die Zauberer so rückständig wie eh und je. Ein gefundenes Fressen für jemanden, der wir Mary nicht nur Gutes im Schilde führte.
      Und während der Lärmpegel außerhalb des Raumes anschwoll, während sich allerlei Gäste in der alten Villa einfanden, viele die Mary persönlich kannte, manche, denen sie einiges zu sagen hatte und einige, mit denen sie gerne ein paar erste Worte gewechselt hätte, saß die junge Hexe in der verstaubten Abstellkammer jener Fundstücke, die die Aurorenzentrale nicht der Zaubererbank überlassen wollte, jene Dinge, die selbst die Fluchbrecher nicht hatten entziffern oder erlösen können. Oder, wie Mary mit unzufriedenem Grummeln hate schlucken müssen, wofür man ihnen nicht genug Zeit gegeben hatte. Jene Eile, die Hinterlassenschaften Proserpinas zu veräußern, war es auch, die Marys Skepsis und gleichzeitig Interesse geweckt hatten. Warum dieser Zeitdruck? Was war es, das das Ministerium hier zu vertuschen versuchte? Noch hatte Mary es freilich nicht herausgefunden, doch die junge Hexe war sich sicher, dass es etwas geben musste und sie war mehr als gewillt, alles daran zu setzen, dieses ›etwas‹ in Erfahrung zu bringen. Für den Augenblick jedoch verblieb sie in einer ruhenden Position, gab sich einer gewissen Naivität hin, in Ruhe ihre Lektüre zu verfolgen, wähernd sie eigentlich auf all die ›gefährlichen‹ Gegenstände Acht geben sollte. Einer solchen Naivität, dass sie nicht bemerkte, wie sich die Tür leise öffnete und eine ganz und gar unbefugte Person in den verbotenen Raum spähte, ja ihn sogar betrat. Ein wenig zuckte die Dunkelhaarige also zusammen, als sie plötzlich eine Stimme vernahm, die ihren Namen aussprach. Nicht ›Miss Rosier‹ oder ›Medea‹, sonder ›Mary‹. Die grünen Augen schnellten zur Quelle des Namens jenes Mädchens, dass sie inzwischen vollends begraben hatte. Kurze Irritation folgte, dann machte sich Erkenntnis in ihr breit. »Virginia?« Nun, zumindest handelte es sich bei der Quelle um ein freundliches Gesicht, auch wenn die ehemalige Ravenclaw nicht sagen konnte, dass sie die ältere Hexe sonderlich gut kannte. Schließlich hatte sie sich nur einmal ihre Wohnung angesehen, weil sie mit dem naiven Gedanken gespielt hatte in eine coole WG zu ziehen. Dass dieser Zahn ihr von ihrer Familie sehr rasch gezogen worden war, hatte sie der anderen Frau allerdings nie gesagt. »Was tust du hier? Du darfst nicht hier sein, weißt du das? Dieser Bereich ist für Gäste gesperrt.« erklärte die angehende Fluchbrecherin, hielt dann aber inne. Oder war Virginia gar kein Gast? Um ehrlich zu sein hatte Mary nicht den blassesten Schimmer, womit die Hexe ihr Geld verdiente. War sie etwa Aurorin? »Oh, oder bist du von der Aurorenzentrale?« Zumindest würde das erklären, weshalb Virginia, die Mary nun wirklich nicht für eine Frau hielt, die sich heimlich in verbotene Zimmer schlich, hier eingetreten war, als würde der ganze Kram ihr gehören.
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    • Sie war sich nicht sicher, ob es eine kluge Taktik gewesen war, die Aufmerksamkeit direkt auf sich zu ziehen, doch andererseits hatte sie noch mehr Karten in der Hand, als wenn die junge Fluchbrecherin sie dabei erwischt hatte, wie sie geheimnistuerisch in ein paar Kisten herumgewühlt hätte. Etwas zu irritiert erwischte sie der Blick der Anderen und Virginia fragte sich für einen Moment, ob sie den Namen womöglich falsch in Erinnerung behalten hatte. Wenn sie genauer drüber nachdachte, hatte es da einen etwas komischen Umstand gegeben, was ihren Namen anging, aber aus irgendeinem Grund, der ihr jetzt nicht mehr einfallen wollte, hatte sie sich nur diesen Namen gemerkt. Nun gut, sie hatte sich sowieso nicht mehr bei ihr gemeldet, da konnte man es der Schottin ja wohl auch verzeihen, wenn sie nicht mehr alle Details über ihre Person abgespeichert hatte.
      Ein schwaches Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie blieb etwas im Schutz der gestapelten Kisten stehen, sodass ihr Unterkörper im Verborgenen blieb, während ihr linker Zeigefinger gedankenverloren ihren Zauberstab entlangstrich.
      Nein, nein ich arbeite nicht in der Aurorenzentrale“, lachte sie, da sie es selbst etwas absurd gefunden hätte für’s Ministerium zu arbeiten, auch wenn sie in ihrer Jugend immer etwas mit dem Beruf geliebäugelt hatte. Sie hatte sich dann allerdings dazu entschlossen, sich auf die nicht institutionell-kontrollierten Seite zu schlagen und dort gegen jene das Wort und zuweilen auch den Zauberstab zu erheben, die ihr gegen den Strich gingen. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, wie sie fand.
      Wobei“, ruderte sie zurück, da es ihr mit einem Mal einfacher erschien, sich irgendeine halbwegs plausible Geschichte aus dem Ärmel zu schütteln, damit Mary – oder wie sie auch hieß – sie gewähren ließ, als zu versuchen, sie davon zu überzeugen, ihr Einsicht in die beschützten Güter zu geben, aus dem simplen Grund, dass es dort ja eventuell Spannendes zu entdecken gab. Sie wollte es wirklich ungern darauf ankommen lassen, hier eine große Szene zu veranstalten. Am Ende des Tages handelte es sich ja nur um ein paar alte Holzkisten der Proserpina Vanderbilt. Außerdem hatte sie kein Interesse daran, nun auch noch unter Beobachtung des Ministeriums gestellt zu werden.
      Sorry, ich hätte wirklich klopfen sollen. Man hat mich hergeschickt. Ich sollte mir eine dieser Kisten hier genauer ansehen. Also ich arbeite ja sonst als Kunsthändlerin, weißt du“, es war immer gut, einen Funken Wahrheit in seine Ausreden miteinfließen zu lassen. „ Deshalb kenne ich mich hier mit ein paar Sachen aus. Es ging um eine Schätzung“, spann sie weiter. „Keine Sorge ich bin vollkommen autorisiert, Bernice Kindred aus der Behörde für ungewöhnliche, magische Artefakte hat mich geschickt“, erklärte sie mit beschwichtigender Miene. Ihr war bewusst, dass sie sich auf sehr dünnem Eis bewegte. Entweder Mary kaufte ihr die Geschichte ab, oder sie hatte sich mit irgendwas verzettelt. Es gab wirklich eine Bernice Kindred, doch die arbeitete weder im Ministerium, noch war sie auf diesem Event hier anzutreffen. Virginia hatte keinen blassen Schimmer, warum auch immer ihr der Name einer der Arbeitskolleginnen ihrer Mugglemutter eingefallen war, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Mary schon einmal den Fuß in ebenjene Tierarztpraxis in Glasgow gesetzt hatte, war immerhin sehr niedrig. „Ich dachte, man hätte dir Bescheid gesagt“, fügte sie noch an und hob entschuldigend die Schultern.
      Virginia hatte sich länger nicht mehr so verwegen gefühlt. Sie wollte der anderen Hexe ja wirklich nichts Böses, aber manchmal machte es einfach zu viel Spaß, sich wieder wie ein regelnonkonformes Kind zu verhalten und wenn sie einmal angefangen hatte, sich eine Idee in den Kopf zu setzen, dann ließ sie so schnell auch nicht mehr von ihr ab. Ihr stetig lächelndes Gesicht mochte vielleicht den ein oder anderen dazu verleiten, sie für naiv und gutgläubig zu halten, doch jeder der sie auch nur etwas besser kannte, wusste, dass sie es faustdick hinter den Ohren hatte.
      "Dauert auch wirklich nicht lang, ich müsste hier nur einmal etwas nachsehen", fügte sie dann noch hinzu und klopfte sachte und einen Hauch besitzergreifend auf einer der Kisten vor sich. Sie war sich nicht sicher, wie leichtgläubig Mary war und wollte es nicht dabei belassen, weshalb sie ihren Kurs etwas umsteuerte und in ein Ablenkungsmanöver überging, dabei immer noch das gleiche ruhige Lächeln auf den Lippen: "Und was machst du hier? Arbeitest du für das Ministerium? Oder Gringotts?"

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    • Es irritierte die junge Fluchbrecherin deutlich, ausgerechnet hier auf dieses altbekannte Gesicht zu stoßen, auch wenn sich das kleine Stimmchen in ihrem Hinterkopf durchaus mit dem Kommentar meldete, dass sie gar nicht genug über Virginia wusste, um diese Beurteilung zu treffen. Und was das anging, hatte sie sich auch nie die Mühe gemacht, etwas über die ältere Hexe herauszufinden. Sie war ihr sympathisch gewesen, als sie an jenem Nachmittag bei ihr im Wohnzimmer gesessen hatte, um sich ein potenzielles WG-Zimmer anzusehen, doch weder entstammte Virginia MacGuffin einer ›ehrenwerten Reinblutfamilie‹ (was im Endeffekt auch der Grund für den Misserfolg jener Wohnungssuche gewesen war), noch war sie eine politische Größe, als dass es für Mary interessant gewesen wäre, ihre Klauen in die Geschichte der Hexe zu graben und mehr über sie herausfinden zu wollen. Nachdem ihre Großeltern von ihrem Plan Wind bekommen und es ihr ausdrücklich verboten hatten, hatte Mary es für das beste befunden sich nicht mehr bei der brünetten Hexe zu melden. Nachher geriet diese noch in irgendwelche Reibereien, die nicht ihr Problem waren oder stellte unangenehme Fragen, die Mary nicht hätte beantworten wollen. Trotz ihres geringen Wissens über die brünette Hexse mittleren Alters hätte Mary sich diese jedoch durchaus gut als Aurorin vorstellen können. Virginia MacGuffin schien von dem Schlag Mensch zu sein, den es benötigte, um sich der Verfolgung von Schwarzmagiern zu widmen. Interessanterweise hatte Mary weder etwas gegen Auroren, noch fürchtete sie sie, obwohl jeder von ihnen die junge Hexe wohl auf eine freundliche Reise nach Askaban schicken würde, wenn er wüsste, welchen Zaubern sich die ehemalige Ravenclaw bereits gewidmet hatte. Trotzdem sah sie die Mitarbeiter der Aurorenzentrale nicht als potenzielle Gefahr, nicht als ihre Feinde an. Vielleicht war es eine gewisse Naivität, doch schlussendlich hielt Mary sich hier nicht für die Böse. Das was die Aurorenzentrale tat, war gut und richtig. Menschen, die anderen, unschuldigen Menschen Schaden zufügten mussten gefasst und hinter Gitter gebracht werden. Sie selbst jedoch wandte jene Zauber nur gegen die an, die es verdient hatten. Menschen, die anderen Menschen Ungerechtigkeit gegenüberbrachten. Sie bekämpfte Feuer mit Feuer und war der Meinung, dass dies die Anwendung dunkler Magie rechtfertigte. Wie sonst sollte sie in der Lage sein sich je wirklich zu verteidigen, wenn kein Schutzzauber der Welt dagegen ankam - oder sie schlichtweg nicht in der Lage war, einen solch starken Schutzzauber zu wirken?
      Natürlich barg das eine gewisse Heuchlerei in sich. Mary jedoch war fest davon überzeugt das richtige zu tun und sich als einzige an die Mittel heranzuwagen, die sonst keiner zu nutzen vermochte. Die Regierung, davon war sie überzeugt, würde ihren Kurs nicht ändern. Die Macht, die alte Zaubererfamilien allein aufgrund ihres Namens hatten, war zu groß, als dass man ernsthaft meinen könnte, die Politik könnte noch etwas retten. Das System war korrupt. Um es zu retten, musste es zunächst explodieren. Figurativ oder wörtlich - was das anging hatte Mary sich noch nicht zur Gänze entschieden.
      Als Virginia jedoch gestand nicht zur Aurorenzentrale zu gehören, durchfuhr das Mädchen eine gewisse Skepsis, gleichermaßen aber auch ehrliche Neugierde. Was machte die brünette Hexe dann wohl beruflich? War sie bei der Strafverfolgungspatroullie? Oder doch etwas völlig anderes? Mit Gewissheit konnte Mary nur sagen, dass sie keine Fluchbrecherin war. Das hätte sie gewusst. Allerdings machte sich die Dunkelhaarige bald schon daran, Marys Unwissen zu füllen, indem sie erzählte, dass sie als Kunsthändlerin arbeitete. Das machte irgendwo Sinn, fand Mary. Für einen Augenblick überlegte sie. Sie kannte weder Bernice Kindred noch irgendjemanden sonst aus der Abteilung für ungewöhnliche, magische Artefakte, doch das war im Grunde bedeutungslos. Hier waren genug Kunstwerke gefunden worden als dass das Ministerium sich an mehreren davon interessiert gezeigt hatte. Etwas, das wusste Mary, das den Kobolden so gar nicht gefiel. Wenn man nach ihren Arbeitgebern ging, waren es doch die Fluchbrecher, die dafür zuständig waren, die mit Magie verdorbenen Wertgegenstände zu reinigen. Dass die Aurorenzentrale gewisse Güter beschlagnahmt hatte, passte den Kobolden da nicht wirklich. Und nun noch die Abteilung für ungewöhnliche, magische Artefakte? Unzufrieden zog Mary die Augenbrauen zusammen.
      »Nein, mir hat niemand Bescheid gesagt.« erklärte sie daher mit einem unzufriedenen Murren. Aber das hieß ja nichts. Man hatte ihr schließlich auch nicht Bescheid gesagt, als man sich einfach ihres Namens bedient hatte, um Einladungen für eine private Auktion zu bekommen, damit Gringotts sich dort an dem Objekt seiner Wahl bereichern konnte. Das, was Mary wirklich umtrieb, das Einzige, was sie davon abhielt Virigina bereitwillig ihre Arbeit machen zu lassen war eine Frage: Was machte eine Kunsthändlerin zur Expertin bei schwarzmagisch verfluchten Gegenständen? Die Art jedenfalls wie sie auf eine der Kisten klopfte, verriet entweder sehr viel Mut oder Unwissen über das, was dort drin lagerte. »Virginia…« setzte die ehemalige Ravenclaw an und erhob sich von ihrer Kiste, wollte sie die ältere Hexe ja nicht verärgern. Wenn Bernice Kindred oder wer-auch-immer später fragte, weshalb Virginia ihren Job nicht hatte machen können, wollte sie nicht diejenige sein, die dem im Weg gestanden hatte. »Ich weiß nicht, was dir gesagt wurde, als du herkamst, aber die Objekte in diesem Raum wurden von dem Ministerium konfisziert, da sie der Meinung waren, sie seien zu gefährlich für die Öffentlichkeit. Bisher wurden lediglich Schutzzauber auf die Kisten gesprochen, die sie beherbergen. Wenn du dir eines der Stücke näher ansehen willst, solltest du sie nicht unbedingt anfassen. Wer weiß, welcher Zauber auf ihnen liegt.« Mary wusste es auch nicht. Sie war zwar allzeit bereit gewesen, hatte jedoch nicht jedes Objekt inspiziert, dass das Ministerium für sich beansprucht hatte. Was, wenn sie es nun recht bedachte, eigentlich ein naiver Fehler gewesen war. »Gringotts.« Erklärte Mary schließlich auf die letzte Frage der älteren Hexe, während sie langsam auf sie zu schritt. »Ich bin Fluchbrecherin - also, ich werde es bald sein. Azubi eben.« erklärte sie mit einem Schulterzucken. Dann blieb sie stehen und wartete ab. Sie würde nichts unternehmen, wenn Virginia sich eine der Kisten - beziehungsweise deren Inhalt - genauer ansah. Aber irgendetwas in ihrem Hinterkopf ließ sie nicht in Ruhe. Was stimmte hier nicht? Irgendetwas war dort, aber Mary war nicht in der Lage es zu fassen.
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    • Virginia bemerkte Marys skeptische Reaktion, ihre fast schon unzufriedene Erwiderung und erwartete jeden Moment, dass ihre Glaubwürdigkeit auf die Probe gestellt würde. Ein Glück, dass sie an keinen verbitterten Kobold geraten war, der hätte ihr das Leben sicher schwerer gemacht als die junge Gringotts-Azubine. Doch diese schien mehr um den Umstand verärgert, dass ihr keiner Bescheid gesagt hatte, als dass sie Virginias Anwesenheit in Frage stellte. So nahm sie es jedenfalls wahr.
      Sorry“, meinte sie entschuldigend und fügte dann noch hinzu: „Ich hab‘ das Gefühl, dass die Organisation hier sowieso etwas besser ablaufen könnte.“ Wenn sie ehrlich war, hatte sie keine Ahnung davon, wie gut oder schlecht die Organisation dieser Veranstaltung war und hoffte einfach mal darauf, dass sie sich damit nicht vollkommen verzettelte. Allein die Tatsache, dass es ihr ein Leichtes gewesen war, sich Zutritt zu diesem Raum zu verschaffen, ließ sie allerdings im Verdacht, dass zumindest die Sicherheitsvorkehrungen eher lax gehandhabt wurden – oder den Aufsehern nicht scharf genug eingebläut worden war, unbefugte Personen umgehend der Räumlichkeiten zu verweisen. Vielleicht war Mary aber auch einfach nur nett, weil sie einander kannten. Wenn auch flüchtig.
      Ihre etwas mahnenden Worte überraschten Virginia. Natürlich war ihr bewusst, dass sie es hier nicht mit dem belanglosen Plunder zu tun hatten, der in den anderen Räumen ausgestellt war, doch sie hatte eher weniger daran gedacht, dass eine akute Gefahr von den Gegenständen in diesen Boxen ausgehen konnte. Wozu auch sonst wimmelte es hier von Fluchbrechern und Auroren? Vielleicht war sie doch etwas naiver als gedacht. Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Sie hob also ihre Hände wieder etwas und lachte dann: „Stimmt, hätte ich fast schon wieder vergessen“, versuchte sie die Geste als Schusseligkeit abzutun. „Aber mach‘ dir keine Sorgen, ich weiß Bescheid.“ Hierbei klopfte sie sich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn.
      Wenn sie ehrlich war beschränkte sich ihr Wissen über schwarzmagisch verhexte Gegenstände auf die rudimentären Basics. Mit etwas Glück stieß sie in ihrem Arbeitsalltag nicht auf dunkle Magie, doch jeder, der auch nur etwas im Geschäft war, wusste dass der magische Kunstmarkt nicht frei war von nicht gerade ungefährlichen Werken. So war es für Virginia unumgänglich gewesen, sich zumindest die simplen Aufspürzauber über die Jahre anzueignen. Ihr Selbstvertrauen und Übermut überstiegen allerdings bei Weitem ihre eigentlichen Kenntnisse. Nun gut musste sie eben darauf vertrauen, dass sie klug genug war, nicht gleich in die Kiste zu greifen, die sie für immer verfluchen würde.
      Umso interessanter war daraufhin die Aussage Marys, dass sie als angehende Fluchbrecherin bei Gringotts arbeitete. Das passte doch wunderbar. Wenn sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnte, konnte sie ihr bei dieser Mission sogar behilflich sein und sie davor bewahren, durch ein Missgeschick das ganze Haus in die Luft zu jagen. Schließlich würde sich das auch auf ihrem Lebenslauf nicht gut machen.
      Ach ja?“, fragte sie etwas beiläufig. „Klingt cool. Gefällt’s dir?“, fragte sie weiter, während sie versuchte, durch die Holzleisten einer der Kisten zu spähen. „Du hast nicht zufällig eine Liste von dem Inventar oder so? Mir wurde gesagt, dass ich in den Boxen direkt bei der Tür die besagten Dinge finde“, fragte sie. „Ich bin auf der Suche nach Zeichnungen“, schwindelte sie geschäftig und untersuchte die Kiste vor ihr vorsichtig mit dem Zauberstab, um nach einer Aufschrift Ausschau zu halten. Etwas verunsichert durch die Information, dass es sich hierbei um verhexte Gegenstände handelte, war sie schon. Sie fühlte sich an die Aufräumaktion im Grimmauldplatz zurückerinnert. Die Objekte, die die Vanderbilts über die Jahre angesammelt hatten, konnten doch wohl kaum schlimmer sein, oder? Und wenn sie sich daran hielt, alles vorerst mit dem Zauberstab zu überprüfen, sollte schon alles gut gehen, redete sie sich ein. Außerdem hatte sie eine autorisierte Person der Zaubererbank im gleichen Raum stehen, die eine Ahnung davon haben sollte, was sich hier alles potentiell Gefährliches verbarg und im Notfall einspringen konnte. „Ist ja bestimmt aufregend“, quasselte Virginia weiter, kniete sich etwas hinab, sodass sie nun außer Sichtweite der jungen Hexe war und inspizierte eine der Kisten, aus dessen Spalt die Ecke einer Pergamentrolle ragte. Das konnte sicher interessant sein. Wenn dies schon keine Zeichnungen warn, dann eventuell geheime Aufzeichnungen. Wenn sie es sich genauer überlegte, hätten sie auch schon schnulzige Tagebucheinträge der Proserpina Vanderbilt erheitert, auch wenn es diese wohl kaum in diese geheime Sammlung vom Ministerium konfiszierter Dinge geschafft hätten. Sie klopfte mit ihrem Zauberstab sachte dagegen – in der Hoffnung, dass sie Mary durch ihren Smalltalk abgelenkt genug hielt, damit diese nicht bemerkte, wie wenig Ahnung sie davon hatte, was sie hier trieb. Das hier war reines trial and error. Etwas im Inneren der Kiste schien zu vibrieren. Sie konzentrierte sich einen Moment, positionierte ihren Zauberstab und entlockte dem Deckel ein leichtes Knacken. Hätte sie doch bloß ihre Drachenlederhandschuhe dabei. Aber wer hätte auch wissen können, dass sie diese benötigte. Sie drückte also leicht mit der Spitze ihres Eschenstabes gegen den Deckel. Ihr Herz begann schneller zu klopfen, als dieser leicht nachgab. Leichter getan als gedacht. "Yes", stieß sie etwas ungeschickt triumphierend aus und versuchte den Ausruf durch ein Räuspern zu überspielen.

      //Sorry, wenn es von Fehlern wimmelt. Ich bin krank und müde und darf mir das erlauben, finde ich.
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    • //Sorry für die lange Wartezeit. :x

      Für gewöhnlich war Mary nicht als sonderlich gutgläubig oder gar naiv zu beschreiben, zumindest nicht mehr. Es mochte sein, dass es vor gar nicht allzu vielen Jahren (was nun auch irgendwie ihrem recht jungen Lebensalter geschuldet war) durchaus eine leichtgläubige Seite an Mary gegeben haben mochte. Doch in den vergangenen 4 Jahren hatte Mary mehr als deutlich zu spüren bekommen, dass es kein kluges Unterfangen war, allzu vielen Menschen allzu schnell zu vertrauen. Erst jenes Erlebnis mit Oliver, die ganze Entwicklung um ihre tatsächliche Identität, ihren Geburtsnamen und schließlich das Drama um Byron, Freya, Jasper und sie, das ihr inzwischen beinahe lächerlich weit entfernt und sowieso absolut bedeutungslos erschien. Warum hatte sie sich seinerzeit eigentlich so einen Kopf darum gemacht? Sie hatte nie etwas für Byron oder Jasper empfunden, was dort geschehen war, war bedeutungslos geblieben - und doch hatte es so viel Chaos angerichtet nur, weil ein eifersüchtiges Mädchen die Wahrheit nicht hatte hören wollen. Für einen kurzen Moment stieg Unmut in der ehemaligen Ravenclaw auf, dann ermahnte sie sich zur Ordnung. Sie sollte nicht derart negativ über Freya denken. Sie konnte der blondschöpfigen Hexe schließlich keinen Strick daraus drehen, dass sie in dem Glauben leben konnte, dass der einzige Grund jemanden zu küssen oder mit jemandem zu schlafen aufrichtige Gefühle waren.
      Doch obwohl die Hexe eher zu den misstrauischen Exemplaren gehörte, schätzte sie hier und jetzt nicht ein betrogen zu werden. In dem kurzen Gespräch, das sie mir Virginia vor etwa einem Jahr geführt hatte, hatte die ältere schließlich durchaus einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht. Dementsprechend ehrlich reagierte die Lockenköpfige mit einem genervten Schnaufen. »Wenn du nur wüsstest…« ließ sie also vage verlauten, winkte dann aber ab. Sie wollte Virginia dann ja dch nicht mit ihren Problematiken allzusehr belasten.
      Dennoch konnte Mary nicht behaupten, dass es allzu vertrauenserweckend wirkte, als die brünette Hexe sich der Kiste zuwandte ohne jegliche Anzeichen der Vorsicht walten zu lassen. Beinahe wollte Mary schon vorschlagen, einen anderen Fluchbrecher oder Auror zu rufen, bis ihr einfiel, dass die sich sicher gerade wo ganz anders die Beine vertraten. Also war es wohl an ihr die Kunsthändlerin zu begleiten. Yay. Es überzeugte sie nicht wirklich, dass die ältere Hexe nach dem Wort der Warnung nun behauptete eingeweiht zu sein. Im Grunde hatte Mary schlichtweg keine Lust sich in wenigen Minuten den Raum mit einer Leiche teilen zu müssen. Beinahe instinktiv trat die ehemalige Ravenclaw also auf die andere Hexe zu, ganz so als würde sie erwarten, dass aus der Kiste jeden Augenblick eine Katze springen konnte, die es dann einzufangen galt. »Ja… eigentlich schon.« erklärte Mary »An Tagen wie heute etwas weniger, aber jeder Job hat wohl Höhen und Tiefen, nicht wahr?« Bei der Arbeit als Kunsthändlerin war das gewiss nicht anders. Auch wenn Mary sich wirklich nicht ausmalen konnte, was denn die ›Höhen‹ dieses Jobs sein sollten. Reichen, alten Säcken irgendwelche tollen Bilder zeigen? Oder doch in beschlagnahmten, potenziell gefährlichen Gütern zu stöbern?
      »Äh…« begann die Hexe eine doch wenig intelligente Antwort auf die Frage der Älteren zusammen zu stochern und sah sich hilfesuchend im Raum um, auf der Suche nach etwas, dass einer Inventurliste ähnlich sah. »Also das Einzige, was ich gesehen habe, war eine Liste für die Objekte der Versteigerung. Aber das hier…« Mit einem leichten Stirnrunzeln stemmte die ehemalige Ravenclaw die linke Hand in die Hüfte, während der Zeigefinder der Rechten nachdenklich gegen ihr Kinn tippte. Mary konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Auroren keine Liste mit den beschlagnahmten Gegenständen führten. Immerhin wäre es ein ziemliches Armutszeugnis, wenn eine offizielle Behörde derart unstrukturiert arbeiten würde. Dann wiederum hörte man in letzter Zeit ja nicht gerade nur Gutes von der Aurorenzentrale.
      Und kaum, dass die Lockenköpfige zugegeben hatte, nicht wirklich zu wissen, in welcher Kiste welche Gegenstände lagerten, machte sich Virginia daran, sich neben eine der Kisten zu knien. Stirnrunzelnd trat Mary einen Schritt nach vorne, um zu sehen, was genau die Ältere da vor hatte. So wirklich seriös sah das zwar nicht aus, aber was wusste Mary schon davon, wie Kunsthändler ihren Job erledigten? Dennoch war der Engländerin nicht ganz wohl bei der Sache und sie verschränkte rein instinktiv die Arme ein wenig vor der Brust und stellte sich ein wenig auf die Zehenspitzen, als sie etwas undeutliches aus der Richtung Virginias hörte. »Was ist? Hast du dir wehgetan?« Irgendwie war das alles hier komisch. »Sag mal… äh, wofür genau braucht die Behörde denn die Zeichnungen, die du suchst?« Was konnte denn schon an Zeichnungen dran sein, was für die Behörde ungewöhnlicher Artefakte interessanter war als für die Aurorenzentrale?
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    • Sie bemerkte, wie Mary immer näher an sie herantrat. Sie hob ihren Kopf leicht an, um ihr mit einem leichten Lächeln zu vergewissern, dass alles in Ordnung war. Sicher war sie neugierig, was die andere Hexe hier trieb, weshalb sie so unverblümt die Kisten inspizierte und sich gar daran machte, dessen Inhalt zu entwenden. Das war schließlich ihr Job. Virginia tat es nun fast schon ein bisschen leid, dass sie mit ihrer undurchdachten Aktion die Andere bestimmt in Schwierigkeiten bringen würde. Sie hatte ihr schließlich nichts getan. Aber nun gut, das Leben war nicht immer fair und auch wenn Virginia darauf achtete, jedem tolerant und offen gegenüberzutreten, hieß das nicht, dass sie uneigennützig handelte.
      Nee alles gut“, entgegnete sie beschwichtigend und wandte sich wieder ihre Kiste zu. „Ähm die Zeichnungen, also die-“, begann sie, doch viel weiter kam sie nicht. Sie hatte in der Zwischenzeit den Deckel sachte aber bestimmt nach hinten geschoben, sodass sich ihr der Inhalt der Kiste offenbarte. Doch noch bevor sie einen guten Blick auf das Gerümpel werfen konnte, oder ihren Satz beendete, begann die Kiste unter ihren Fingern leicht zu vibrieren. Ein penetrantes und immer schriller werdendes Geräusch drang aus ihrem Inneren und ließ sie für einen Moment des Schocks innehalten. Im ersten Moment dachte sie, dass sich nun irgendein Fluch über sie entladen würde, dass sie wirklich zu unvorsichtig gewesen war, wie Mary sie zuvor noch gewarnt hatte. Doch außer, dass bei der jungen Fluchbrecherin auf einmal alle Alarmglocken zu klingeln begannen und das unangenehme Jaulen der Kiste ihr Trommelfell penetrierte, spürte sie keine Veränderung an Körper oder Geist. Doch dann passierte alles ganz schnell. In ihrem Kopf legte sich ein Schalter um, sie verstand, dass es sich lediglich um eine Sicherheitsvorkehrung halten musste und sie verstand auch, dass dies bedeutete, dass sie sich schleunigst aus dem Staub machen sollte, bevor hier nachher noch eine ganze Garde an Fluchbrechern auftauchte. Denn so viel sie sich auch auf ihre Duellierkünste einbildete, wusste sie, dass auch sie schnell an ihre Grenzen geriet. Abgesehen davon wollte sie hier auch gar keinen großen Aufstand veranstalten und am Ende noch mit einer Anzeige am Hals das Gebäude verlassen, weil sie sich (mal wieder) regelnonkonform verhielt. Das war der Schottin zwar schon länger nicht mehr passiert, auch wenn sie häufig aneckte, doch ein besonderes Bedürfnis danach, verspürte sie auch nicht. Mit fast 34 hatte sie nicht mehr die gleiche rebellische Impulsivität, wie sie sie vielleicht noch vor zehn Jahren besessen hatte. Sie war etwas pragmatischer geworden. Deshalb griff sie aufs Geratewohl in die Kiste vor sich, klaubte sich eins der abgegammelt wirkenden Notizbücher, richtete sich auf und sprintete los.
      Das jaulende Geräusch hatte inzwischen eine Lautstärke erreicht, die besorgniserregend war. „Sorry“, rief sie Mary noch zu, ohne sich umzudrehen. Sie hoffte wirklich, dass sie die Fluchbrecherin damit nicht um ihren Job brachte. Aber um so ein altes Notizbuch würde sich bestimmt keiner groß streiten. Nun ja, wer wusste schon, was genau sie dort ergattert hatte. Doch die Inspizierung des Büchleins musste warten. Erst einmal gab es Wichtigeres zu erledigen.
      Virginia hechtete, den Zauberstab im Anschlag, im Slalom zurück zur Tür. Sie wusste nicht, ob Mary ihr folgte oder sich gar nicht erst die Mühe machte, doch sie wollte keine Zeit verlieren, um sich dessen zu vergewissern. Sie ließ die Tür mit einem Schwung ihres Zauberstabs auffliegen, ließ das Buch in die Innenseite ihre Umhangs gleiten und bewegte sich im Laufschritt auf das andere Ende des Gangs zu. Sie war sich einigermaßen sicher, dass sie über diesen Umweg zu einem der Hinterausgänge geraten würde, die sie zuvor ausgespäht hatte. Mit etwas Glück würde sie einfach nachhause apparieren können, bevor auch nur irgendwer, sie aufhalten konnte.

      //Ehh ja. Sorry für meine Wartezeit. Hab's mal etwas kürzer gehalten, sodass wir jetzt vielleicht schnell zum Ende kommen können?

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    • Je länger Virginia an der Kiste vor sich herumwerkelte und dabei außerhalb der direkten Sicht Marys blieb, desto skeptischer wurde die junge Hexe. Noch immer hatte sie nicht verstanden, was die ältere Hexe eigentlich hier wollte und ihren Fragen war Virginia bisher erfolgreich ausgewichen. Doch auch wenn Marys Skepsis mit jeder Sekunde wuchs, war sie doch noch naiv genug zu glauben, dass es für das Verhalten der brünetten Hexe irgendeine logische Erklärung geben musste. Dass es diese ihr nicht zwingend gefallen musste, kam der ehemaligen Ravenclaw jedoch nicht in den Sinn. Trotzdem ließ sich das unruhige Gefühl in ihrem Inneren von den Worten Virginias nicht beschwichtigen und statt stehen zu bleiben, bewegte sie sich weiter auf die Hexe zu. Und das, wie sich in den folgenden Sekunden herausstellen sollte, völlig zu Recht. Kaum dass es der Älteren gelungen war, den Deckel der Kiste zu öffnen, durchzog ein seichtes Vibrieren, ausgehend von besagter Kiste, den Holzboden unter Marys Füßen. Der grüne Blick der angehenden Fluchbrecherin wurde fragend, beinahe vorwurfsvoll. Doch noch bevor sie eine Frage stellen oder Virginia diese beantworten konnte, begann ein schrilles Geräusch aus der Kiste zu klingeln.
      Was war das? Hatte Virginia etwa einen Fluch ausgelöst? Geistesgegenwärtig griff Mary nach ihrem Eibenstab, machte sich bereit sich zumindest an irgendeiner Art von Reaktion zu versuchen, bevor sich ein Fluch über ihren Köpfen entlud. Sollte es so etwa mit ihr enden? In einer Abstellkammer voll verfluchter Gegenstände und einer Hexe, die nicht wusste was sie tat?
      »Was hast du…?« setzte die Lockenköpfige an, doch sie kam nicht sehr weit mit ihren Worten, wurde schon bald von dem immer lauter werdendem Gekreische übertönt, das seinen Ursprung in der Kiste zu haben schien. Instinktiv hob Mary ihre Hände und drückte die Handballen gegen ihre Ohren, um die Lautstärke und Tonhöhe des Geräusches zumindest ein wenig abzudämpfen. Und während sich in dem Kopf der anderen Frau ein Schalter umlegte, von dem Mary nichts ahnte, ratterten auch in ihrem Kopf die Zahnräder. Das hier war keine dunkle Magie. Ein Fluch würde sich nicht so lange ankündigen. Dunkle Zauber kamen schnell, unvorhergesehen und meist tödlich. Natürlich gab es auch ausnahmen, in denen sich der Zauber langsam voranschritten, in denen es gerade darum ging, das Opfer langsam zu quälen, doch dann kündigten sie sich nicht derart schrill an - so hatte man ja alle Zeit der Welt, sich zu wappnen oder das Weite zu suchen. Warum also gab die Kiste - beziehungsweise deren Inhalt - so offensichtlich zu erkennen, dass etwas faul war?
      Und dann, gerade als auch Virginia eine Erkenntnis hatte und ihr Taten folgen ließ, machte sich auch in Marys Kopf eine ernüchternde und gleichermaßen verletzende Erkenntnis breit. Sie kannte diese Art von Zaubern, sie gab es innerhalb Gringotts zuhauf: Das war ein Schutzzauber - vor Dieben. Und die Tatsache, dass Virginia ihn so eben ausgelöst hatte, konnte im Grunde nur eins bedeuten: Sie war mit unlauteren Absichten hier her gekommen und besaß keineswegs das Recht, etwas in diesem Raum an sich zu nehmen oder zu inspizieren.
      Augenblicklich verengten sich die grünen Augen der ehemaligen Ravenclaw und suchten den Blick der Älteren. Hatte sie sie bewusst hinters Licht geführt? Was wollte sie wirklich hier? Doch Mary kam nicht mehr dazu der brünetten Hexe diese Fragen auch tatsächlich zu stellen. Denn kaum, dass sie aufsah und die Hände von ihren Ohren nahm, um den Zauberstab im Zweifelsfall drohend einsetzen zu können, war es Virginia, die sie sich zuerst in Bewegung setzte und ein kleines Notizbuch einsteckend türmte. »Hey!« rief Mary ihr noch recht sinnlos hinterher, bevor sie sich ebenfalls in Bewegung setzte. Das war doch jetzt wohl nicht wahr, oder? Und sie hatte gedacht, die ältere Hexe wäre in Ordnung!
      Nur wenige Sekunden nach Virginia stürzte Mary aus der kleinen Nebenkammer und ließ ihren Kopf umher schnellen. Doch es war vergeblich. So sehr sie sich auch bemühte, die Hexe auszumachen, so wenig war sie unter den vielen Besuchern auszumachen. Und außerdem… Marys Kopf glitt zurück zu der schreienden Kiste. Wenn jemand anderes als die Fluchbrecher das hörte… wer sorgte dann dafür, dass nicht noch mehr gestohlen würde? »Verdammter Mist!« entfuhr es der Hexe und sie stapfte einmal wütend auf. Das hier würde ein Nachspiel haben. Für sie, ja, aber auch für Virginia MacGuffin. Denn Mary wusste wer sie war. Sie wusste wo sie wohnte. Wenn es nach ihr ging würde die Ältere sich dafür nicht nur eine saftige Anzeige einfangen, sondern wesentlich mehr. Sie würde dafür bezahlen, sie derart ausgetrickst zu haben. Und das auf so absolut gar nicht legale Art und Weise.

      Ende(?)
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