[Untergeschoss] Ein seltsames Labyrinth

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    • [Untergeschoss] Ein seltsames Labyrinth

      Abenteueraufgabe #2: Ein ausgezeichneter Architekt
      @Christian L. Kavanagh, @Victoria Lestrange und @Gabriel A. Morgan

      Viele Gänge, die nicht nur in die oberen Geschosse, sondern auch tiefer ins Haus führen, werden zunehmend dunkler und verstaubter. Lieblose Warnschilder sollen neugierige Hexen und Zauberer daran hindern sich zu weit vom Geschehen zu entfernen, für magische Barrieren war den Kobolden allerdings bereits der Aufwand zu groß. Wer ein wenig verwegene Abenteuerlust verspürt, kann sich also gut und gerne einen Spaß daraus machen an der alten Küche vorbei zu schleichen und die schmalen Korridore zu erkunden, dabei jede Klinke einmal herunterdrücken. In den meisten Zimmern begrüßt einen dabei nur eine Staubschicht oder alter Muff, aber… trotzdem lässt einen das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden.
      Tatsächlich scheint ein kleines Gespenstermädchen die Chance zu nutzen, um Versteckenzuspielen und Besucher entweder zu gruseln oder aber in die Irre zu führen. So zum Beispiel indem sie immer wieder vor einem Dienstbotentürchen auftaucht und dahinter verschwindet. Wer vor ihr versucht die Tür zu öffnen, wird lediglich einen weiteren Abstellraum finden… wer ihr jedoch folgt, entdeckt eine steinerne Treppe, die in eine nachtschwarze Dunkelheit führt.
      Erst ganz unten angelangt, lichtet sich die Finsternis ein wenig. Einige unwirkliche, grüne Kerzen erleuchten die verwinkelten Gänge in denen manchmal ein leises Kinderlachen ertönt. Ob es weise ist, ihm zu folgen, oder ob es einen nur in die Irre führt… nun – das ist ein nicht zu kalkulierendes Risiko.

    • // @Victoria Lestrange und @Christian L. Kavanagh - Gabriel Morgan ist jetzt Azrael und sieht aus wie Paul Bettany in Tintenherz//


      Cf: Das Atrium



      Gabriel Morgan fragte sich, ob irgendjemand tatsächlich vorgehabt hatte, Besucher von den verstaubten Gängen fernzuhalten. Glaubten die Auroren und Fluchbrecher tatsächlich, die herumstehende Schilder, die manche Gänge als einsturzgefährdet markierten, würden magisch begabte Menschen aufhalten? Ein Schlenker seines Zauberstabs verriet dem Krämer, dass nicht einmal ein einfacher Schutzzauber gesprochen worden war. Keine magische Barriere, kein Absperrbann, nichts dergleichen. Die Schilder waren der einzige Versuch - auf Gabriel wirkten sie wie eine Einladung.
      Kaum hatte er die Küche passiert, wurde der Gang schmäler und dunkler. Eine dicke Staubschicht dämpfte die Schritte des bärtigen Mannes. Die Stimmen der übrigen Gäste klangen nur noch leise an sein Ohr. Gabriel Morgan hielt inne und blickte sich um. Niemand war zu sehen. Er holte den Flachmann hervor und nahm einen großen Schluck, ehe er ihn zurück in seine Tasche steckte. Der Zauberer erschauderte, sein gesamter Körper zitterte unkontrolliert. Er krümmte sich, schnappte nach Luft, presste die Hände vors Gesicht. Unter seinen Fingern begann die Haut sich zu verformen. Mister Morgans Bart verschwand, seine Haare verfärbten sich, die Hände schrumpften und verloren ihre Schwielen. So plötzlich das Schauspiel begonnen hatte, so schnell war es zu Ende.
      Ein blonder Mann, der glücklicherweise annähernd Mister Morgans Figur hatte und darum seine Kleidung tragen konnte, stand im Halbdunkel des verlassenen Ganges.
      Mit schnellen Schritten trat er auf die nächste Tür zu, von der er glaubte, dass der Raum dahinter in der Broschüre durchgestrichen gewesen war. Azrael drückte die Klinke. Verschlossen. Der Mann gab ein unwilliges Geräusch von sich und marschierte zur nächsten Tür.
      Er fand eine staubige Abstellkammer, zwei große, leere Räume, eine Tür führte in einen schmalen Hinterhof, hinter einer weiteren befand sich eine massive Steinmauer. Er war gerade dabei, die Steine abzuklopfen - hier irgendwo musste es doch einen Eingang geben? - als hinter Azrael im Gang ein Kichern anhob.
      Überrumpelt von der plötzlichen Gesellschaft - er hatte keine Schritte gehört, die ihn darauf vorbereitet hätten - schnellte der Zauberer herum. Zwei Meter vor ihm schwebte die durchscheinende Gestalt eines Mädchens. Die Kleine mochte etwa vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, als sie gestorben war und sich in einen Geist verwandelt hatte. Azrael ließ von der Steinmauer ab und richtete sich auf. "Du hast mir einen gehörigen Schreck eingejagt...", meinte er und tadelte das Mädchen mit ausgestrecktem Zeigefinger. Gleich darauf allerdings breitete sich ein verhaltenes Lächeln über das vernarbte Gesicht des blonden Mannes. Das Geisterkind kicherte und gluckste.
      Azrael war nicht sicher, ob in dem Gelächter, das von den Wänden des schmalen Ganges widerhallte, etwas Melancholisches mitschwang oder ob er sich nur einbildete, es unterscheide sich vom Lachen anderer Kinder, weil er wusste, dass die Stimme zu einem Geist gehörte. "Nicht so laut... Du verrätst mich noch. Sag mal, kannst du mir zeigen, wie ich durch diese Wand komme?"
      Wenn der Abenteurer sich Hilfe von dem Mädchen erhofft hatte, so hatte er auf die falsche Karte gesetzt. Die Kleine war ein Kind, und genauso verhielt sie sich. Von einem blassen Ohr zum anderen grinsend schwebte sie in Richtung Küche davon. "Warte!", Azrael, der nun gerne ein Jo-Jo oder ein anderes Spielzeug bei der Hand gehabt hätte, eilte dem Geist hinterher. "Warte doch..." Das Mädchen schien Fangen zu spielen. Je mehr er sich beeilte, ihm hinterher zu kommen, desto schneller entfernte es sich - bis es vor einer der Türen Halt machte, die Azrael zuvor geöffnet hatte.
      Das Mädchen streckte dem Mann die Zunge heraus und kicherte. Als Azrael nur noch drei Schritte von ihm entfernt war, schwebte es rückwärts durch die Tür und war verschwunden.
      Azrael schüttelte den Kopf über das seltsame Gebaren des Geistes. "Du willst Verstecken spielen? Okay...", er legte seine Hand an die Türklinke. Aus der Abstellkammer hinter der Tür drang ein Lachen. "Hab ich dich-" Azrael öffnete schwungvoll die Tür. Dahinter aber befand sich keine enge, staubige Kammer mehr. Besen und Staubtücher waren verschwunden. An ihrer Stelle wand sich eine schmale, spärlich beleuchtete Treppe in die Tiefe. Sie musste in die unteren Stockwerke des Hauses führen.
      Mit einem raschen Blick zurück trat Azrael auf die oberste Stufe. Er schloss die Tür hinter sich und folgte dem Lachen des Kindes hinab in die Eingeweide des Kellers.

      Homo sum, humani nihil a me alienum puto
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      - Terenz
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    • cf: [Erdgeschoss] Das Artium
      @Christian L. Kavanagh @Gabriel A. Morgan
      Der Post ist ein bisschen lang geraten, weil Ankunft. Die nächsten werden bestimmt kürzer!

      Erst hatte Victoria gefürchtet, ihr Rückzug aus dem Atrium könnte überstürzt oder hektisch gewirkt haben. Obwohl sie sich um Diskretion bemüht hatte, mochte ihr strammer Schritt inmitten des ziellosen Bummelns unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Kurzzeitig hatte sie tatsächlich geglaubt, sie spüre fremde, bohrende Blicke in ihrem Rücken, was ihr in Anbetracht der Tatsache, dass sie ihren totgeglaubten Gatten verfolgte, alles andere als lieb wäre. Kaum hatte sie den Raum jedoch verlassen, wandelte sich ihre Furcht: Vielleicht war sie nicht überstürzt reagiert, sondern, ganz im Gegenteil, zu zögerlich? Der Korridor, in den sie trat, war menschenleer. Von Gabriel fehlte jede Spur. Ihre Gangart, vor Kurzem noch so rasch und zielgerichtet, wurde langsamer und zaghafter… und dann, als sie ganz zum Stehen gekommen war, vernahm die Lestrange Schritte am Ende des Flurs. Ohne zu zögern nahm sie die Verfolgung auf. Den Warnschildern, an denen die Frau vorbeihastete, schenkte sie nicht die geringste Beachtung. Gedämpft und seltsam fremd, was vermutlich der Akustik in diesem verwinkelten Gebäude zuzuschreiben war, hallte eine Stimme von den Wänden wieder. Sie musste näherkommen, schlussfolgerte Victoria und fragte sich im selben Atemzug, weshalb Gabriel Selbstgespräche führte. Er war immer schon etwas schrullig gewesen; dass er neuerdings zu sich selbst sprach, sollte sie nicht überraschen. Abermals beschleunigte sie ihren Schritt, bog um eine Ecke und dann, endlich—
      Eine Schuhsohle konnte man noch ausmachen, dann fiel die Tür hinter dem Mann zu und er war erneut verschwunden. Aber nicht für lange, dachte die Dunkelhaarige triumphierend, als sie zum unauffälligen, kleinen Türchen hastete, die Klinke hinunterdrückte und… beinahe über einen Putzeimer gestolpert wäre. Was zum…!? Unübersichtlich und dunkel war das Kämmerchen, aber so eng, dass es keinerlei Raum zum Verstecken bot. Eine Staubwolke, die durch Victorias Hereinplatzen aufgewirbelt worden war, kratzte ihr im Hals, aber noch mehr als der Hustenreiz ärgerte sie, dass sie sich so übel austricksen hatte lassen. Fünf Jahr Professur in Hogwarts hatten sie gelehrt, wie unberechenbar ein Gebäude sein konnte, und doch hatte die verdammte Vanderbilt-Villa sie kalt erwischt. Oder Gabriel. Gabriel, der vielleicht bemerkt hatte, dass sie ihm gefolgt war, sich den Spaß nicht verderben lassen wollte und sie deshalb geschickt abgeschüttelt hatte. Beim Barte des Merlin, der könnte was erleben… Ungehalten schlug sie die Tür wieder zu, drehte sich um die eigene Achse und lief einige staksige Schritte den Korridor hinab, ging ruhelos hin und her. Das war’s. Sie würde ihn nicht wiederfinden. Er könnte hinter jeder dieser Türen verschwunden sein.
      Gerade als Victoria den Beschluss gefasst hatte, wieder umzukehren, vernahm sie ein leises Kichern, das aus der Kammer zu kommen schien. Abermals zögerte sie eine Sekunde zu lang; als sie die blasse Hand ausstreckte, um nach der Klinke zu greifen, erschien der geisterhaft schimmernde Kopf eines kleinen Mädchens in der Tür und die Hexe zuckte zurück. Auch das Geisterkind erschrak und verschwand rasch wieder hinter dem Holz. „Warte!“, rief Victoria, umfasste die metallene Türklinke und drückte sie hinunter. „Hast du gesehen, ob-“ Dieses Mal wäre sie beinahe über die erste unzähliger Stufen gestolpert, die in die Dunkelheit mündeten. Sollte sie wirklich...? Als sie dann aber entfernte Schritte vernahm, die sich aus dem Korridor näherten, besann sie sich eines Besseren: Was auch immer sie am Fuße dieser Treppen erwartete, es konnte nicht erschreckender sein als die Konsequenzen, wenn man sie hier fand, nachdem sie all die hübschen Warnschilder geflissentlich ignoriert hatte. Die Britin zog die Tür hinter sich zu und tauchte ein in die Dunkelheit.
      „L-Lumos“, wisperte sie ohne jegliche Überzeugung und ein fahler, schmächtiger Lichtkegel erschien (beim dritten Versuch, aber das hatte glücklicherweise niemand beobachtet), sodass sie zumindest sehen konnte, wohin sie trat. Die Hexe seufzte. Dieser Zauber war ihr bei den Prüfungen am Ende der ersten Klasse beinahe zum Verhängnis geworden. Das Licht flackerte bedenklich und Victoria setzt sich eilig in Bewegung. Irgendwo in der Dunkelheit kicherte das Geistermädchen. Bei Merlin... Hoffentlich fand sie Gabriel bald, damit sie dieses alberne Abenteuer abschließen und die verhexte Villa verlassen konnten.

      by Miss McShaw (jr.)
    • // Nächster wird kürzer. Durch die Sache mit dem Mädchen dürfte Christian etwas Zeit verloren und Abstand gewonnen haben. @Victoria Lestrange und @Gabriel A. Morgan.



      Der Elfenwein wanderte und schwappte ein wenig im Glas herum, als er sich durch die Ansammlungen und das fade Geplauder der anwesenden Damen und Herren zwängte, die dieses Gebäude bereits eingenommen hatten wie Ungeziefer einen Kadaver, den sie auseinanderzunehmen gedachten. Abscheuliche Aasgeier, denen der übliche Erwerb wahrlich sinnvoller Stücke wohl nicht möglich war. Doch deren sinnloses Gebaren und das Beweihräuchern unschöner Stücke reizte den Blonden weniger, der mit dem Glas versuchte, recht unauffällig durch die Personenanzahl zu wandern, während er dem dunklen Haar folgte, das zu der Hexe gehörte, die zügig einem Ziel folgte, das seine Aufmerksamkeit geweckt hatte, jedoch noch in den Schatten des Ungewissen lag.
      Das Glas verlor seine Bedeutung, als breite Hallen engen, zahlreichen Gängen Platz einräumten und Schritte leiser zu werden schienen. Allein ein Schrittpaar war für ihn noch akustisch vernehmbar, obschon man hätte erwarten können, dass die verstaubte Dunkelheit den Klang aufsaugen könnten. Auch Christian ließ diese lieblosen Warnschilder, die nur einen Narren zu täuschen vermochten, hinter sich – ihre wahre Bedeutung als ‚Einladung‘ schien doch offenkundig zu sein. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie irgendjemand darauf hineinfiel und auf dem Absatz kehrt machte. Sein Blick lastete deshalb auch so kurz wie möglich darauf, ehe das Stahlblau der Augen diese abgenutzten Türgriffe betrachtete, während er versuchte, dem Klang der sich distanzierenden Schritte genauer zu lauschen und die Verfolgung aufzunehmen. Eine Stimme in seinem Unterbewusstsein strafte dieses Unterfangen als relativ sinnlos, gar würdelos, aber selbst jemand wie er war von der Neugierde nicht frei. Ebenso vor Fehlern. Denn als seine Ohren ihm einen Streich spielten, wanderte er geradewegs in einen überfüllten, staubigen Raum, von dem ein Rinnsal an abgestorbenen Hautfetzen und was sonst noch den Staub ausmachte, auf sein Haupt nieder. Christian seufzte geräuschvoll, ehe er sich selbst mit einem tadelnden Augenrollen strafte und kritisierte. Sehr dezent...wirklich. Eitelkeit erlaubte es dennoch, dass er seinen Zauberstab aus dem Inneren seiner Kleidung angelegte und damit seine Kleidung wieder reinigte, als er es unterließ, weitere Türen zu öffnen und allein die Gänge entlangzuwandern, deren Optik sich nicht verschönerte. Er meinte, doch dieses nervige Unterfangen des Öffnens weiterer Türen über sich ergehen lassen zu müssen, ehe er dann doch die letzten Millimeter der Kleidung der verfolgten Hexe um die Ecke wandern sah. Sein rechter Mundwinkel hob sich amüsiert und ein dunkler Hauch huschte über das Augenpaar, als er ihr mit dem nötigen Abstand folgte und sich an die Wand presste, wobei ein schäbiges und ranziges Bild in seinen Rücken piekte.
      Es war die richtige Entscheidung, dem Intellekt der Hexe eine gewisse Bedeutung zu schenken, denn auch wenn ihre Worte ihr Ende nicht fanden, waren ihre Handlungen doch von Erfolg gekrönt. Dass sie die Türe hinter sich schloss, entsprach aber nicht unbedingt seinem Vorteil. Kurzerhand schnalzte er mit der Zunge, ehe er sich dann auch in den Gang bewegte und es mit der einfachsten Methode versuchte: Dieses Gör einfach dazu zu bringen, gleich ihren Zaubertrick zu vollbringen. Doch ebenso wie diese abgestandenen und wenig reizvollen Türen und diese Deko, die auch bessere Tage gesehen hatte, war auch sie nicht unbedingt die hellste oder gar ‚nützlich‘. Denn ein charmant und aalglatt formuliertes „Ich wäre dir unheimlich dankbar, solltest du deinen ‘Trick‘ erneut offenbaren“ brachte nicht die Erfolge hervor, die er sich gerne gewünscht hatte. Zwar klopfte das glucksende und in der Luft albernde Geistermädchen an der Tür, doch als er sie öffnete, war nur eben dieser Putzrazm samt Eimer sichtbar, an dem Lestrange eben beinahe schon gescheitert war. Auf ein entnervtes, mit einem gewissen Stöhnen versehenes „Sehr witzig“ folgte eine ähnliche Wiederholung dieses Schauspiels, als sie durch die Tür langte und den Arm dann wieder zurückzog. Nachdem er nun etwas vehementer diese ekelerregende Türe zugezogen hatte und gepresst und mit einer zweifellos vorhandenen Abscheu ein „Ich hasse verabscheuenswürdige, kleine Kakerlaken...Kinder, die Strafe für den Erwachsenen...ekelerregend“ von sich gab, entschied sich der Magier für eine andere Methode. Tief atmete der Blonde ein, ehe er sich umdrehte und das ‚Sonntags’lächeln aufsetzte, das grundsätzlich nur seine herzensgute Familie zu sehen bekam. Die Miene, die sein Gesicht wohl häufiger tragen würde, wenn nicht der Keim des Revolutionsgedankens seine Gesinnung schwarz gefärbt hätte, bekam nun das Geisterlein zu sehen, als er sie gar anstrahlte und mit gütiger und liebevoller Stimme ihr ein „Hallo, Liebes...komm…wir spielen hinter dieser Türe weiter“ zuflüsterte und zur Türe deutete. Er zwinkerte ihr zu, versuchte es mit einem leichten Vorbeugen, wie man es häufig bei diesen Bälgern machte und fuhr mit der Scharade fort: „Ein großes Mädchen wie du kennt doch bestimmt die besten Plätze im Haus...hmm?“ Und siehe da, es funktionierte überraschend tatsächlich. Sie tollte durch die Türe, sodass das langsame Öffnen durch den Reinblüter die Treppenstufen offenbarte. Seine Miene verlor das Gütige, das Unschuldige, als er begann, die obersten, von Staub bedeckten Stufen zu nehmen, wobei die Dunkelheit dafür sorgte, dass er nicht sehen konnte, dass zwei Schuhpaare den Staub hier und da schon angerieben hatte.
      Doch bevor er besonders weit gekommen war, hörte er das Glucksen dieses Mädchens hinter ich, das wohl mitkommen wollte. Wollte es nicht langsam mal abhauen? Nicht? … Wunderbar. Und so begleitete es die drei wohl mit auf ihre Erkundungstour. Noch.

      - der Baum und ihr Lieblings-Politiker! -
    • Azrael hatte jegliches Gefühl für Zeit verloren. Er konnte nicht sagen, wie lange er bereits der engen, sich endlos windenden Treppe in die Tiefe folgte. Stufe um Stufe erschien vor ihm, beleuchtet von dem schmalen Lichtkegel, den sein Zauberstab warf, und verschwand hinter ihm wieder in der Dunkelheit. Umgeben von vollkommener Finsternis, das unheimliche Lachen des Geistermädchens im Ohr, wurden Minuten zu gefühlten Stunden.
      Lange konnte es nicht mehr dauern, bald schon würde er das Ende der Treppe erreichen, davon war der Abenteurer überzeugt. An ein Umkehren war nicht mehr zu denken. Sie hatte ihn wieder gepackt, den in die Jahre gekommenen Familienvater, die Abeneuerlust hielt ihn fest in ihren Fängen. Welche Schätze wohl dort unten, in der Gruft der Vanderbilts, auf den Hobbyfluchbrecher warten mochten?
      Vertieft in den Rhythmus seiner Schritte und voll Vorfreude auf magische Gegenstände, die seit Jahrzehnten kein Tageslicht mehr gesehen hatten, bemerkte Azrael erst recht spät das gedämpfte Geräusch eines zweiten Schuhpaares, das von weiter oben die staubige Treppe herabhallte. Azrael hielt inne und lauschte. Er hatte sich nicht geirrt. Er war nicht länger allein. Irgendjemand war ihm gefolgt und war nun ebenfalls auf dem Weg nach unten. Dabei war er sich so sicher gewesen, ungesehen durch die Tür geschlüpft zu sein...
      Was tun? Links und rechts von ihm gab es nichts als glatte Wände, die in die Höhe ragten, vor ihm die Stufen, die in die ungewisse Dunkelheit führten. Sollte er hier, mitten auf der Treppe, auf seinen Verfolger warten? Oder würde er das untere Ende bald erreichen? Möglicherweise gab es unten eine Ecke, hinter der er in Deckung gehen könnte... Freilich hatte er nicht viel Zeit, sich zu entscheiden. Azrael fasste sich ein Herz und wandte sich wieder der Treppe zu. Nun aber beeilte er sich, ihr Ende schneller zu erreichen. Er nahm zwei Stufen auf einmal, hob den Zauberstab höher über den Kopf, um den Bereich, der von seinem Licht erleuchtet wurde, zu vergrößern.
      Der Atem des Zauberers ging schwer, als irgendwo vor ihm ein grüner Lichtschimmer heller und heller wurde und er mit einem großen Schritt endlich die letzten Stufen nahm. Azrael stand in einem runden Raum, der von grünen, in der Luft schwebenden Kerzen beleuchtet wurde. Mehrere Gänge öffneten sich in verschiedene Richtungen, von der hohen Decke hallte das Lachen eines Kindes. Azrael, der die Schritte seines Verfolgers näher kommen hörte, lief ein Schauder über den Rücken.
      Rasch trat er in den ersten Gang, der zu seiner Linken aus dem Raum führte. Hinter der ersten Biegung blieb er stehen, schmiegte sich eng an die Wand und löschte mit einem gemurmelten "Nox!" das Licht seines Zauberstabes. Nun, da er selbst nicht mehr auf der Treppe war, konnte er die Schritte nicht mehr hören. Bis auf das Kinderlachen war es ruhig geworden. Azrael hob den Zauberstab und wartete darauf, dass jemand aus der Dunkelheit ins flackernde Licht der Kerzen treten würde.

      //Azrael ist unten angekommen, er versteckt sich in einem der Gänge und wartet auf seinen Verfolger. ;) //

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      - Terenz
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    • Überall Staub, Spinnweben, Dunkelheit,… Dieses Abenteuer war so gar nicht nach Victorias Geschmack, was wiederum die Frage aufwarf, ob irgendeine Art von Abenteuer ihren Wohlgefallen fand. Dafür, dass die perfektionistisch veranlagte, wenig spontane Frau geregelte Tagesabläufe ohne unvorhergesehene Unterbrechungen bevorzugte, verstrickte sie sich allerdings recht häufig in irgendwelche waghalsig anmutenden Unterfangen. Teilweise gab sie Gabriel daran die Schuld. Er suchte bewusst die Gefahr, stürzte sich gern in noch so haarsträubende Abenteuer; in dieser Hinsicht stand der verwegene Mann in direktem Gegensatz zu ihr. Weshalb sie dennoch so gut miteinander auskamen, war ihr oft ein Rätsel. Aber man brauchte nicht zu verstehen, warum etwas gut war, um zu wissen, dass es gut war.
      Langsam und vorsichtig stieg Victoria die nicht enden wollenden Treppen hinab. Das spärliche Licht, das ihr Zauberstab spendete, reichte kaum aus, um zu sehen, wohin sie ihren Fuß setzte. Hätte sie gewusst, dass sie an diesem Tag in geheime Kellerräume hinabsteigen würde, hätte sie mit Sicherheit eine andere Schuhwahl getroffen... Aber es gab Wichtigeres, worüber sie sich den Kopf zerbrechen konnte. Nach etlichen Minuten schließlich wollte das Flackern, das ihr schon zu Beginn zu denken gegeben hatte, gar nicht mehr aufhören, bis der schmale Lichtkegel schließlich gänzlich erstarb. Die Hexe stieß einen leisen Fluch aus, der so ganz und gar nicht ladylike klang. Was nun? Anstatt zum wiederholten Male kläglich an einem Lumos zu scheitern, besann sie sich auf ihre Stärken und beschwor stattdessen eine Fackel herauf, die ihr fortan den Weg leuchten sollte. Verwandlungszauber waren der Dunkelhaarigen schon immer leichter gefallen als jede andere Art von Magie, aber sie musste dennoch aufpassen, dass sie sich nicht überanstrengte. Seit die Nosmion ihren Unterricht übernommen hatte, war sie fürchterlich aus der Übung gekommen, zumal sie Zauberei im Alltag möglichst vermied. Sie täte also besser daran, sich ihre Kräfte aufzuteilen.
      Umso größer war die Erleichterung der Lestrange, als endlich das Ende der Treppen in Sichtweite kam. Die Fackel ließ sie verschwinden, ehe sie ins grünliche Licht des kreisrunden Raumes trat. Was für ein kurioser Ort… So in etwa hatte sie sich den Eingang zur Kammer des Schreckens vorgestellt, wenn Veteranen davon berichtet hatten, die Seymors Rettung aus der Untiefen des Schlosses selbst nur knapp überlebt hatten. Allerdings ging die Professorin nicht davon aus, dass in jedem Kellergewölbe ein Basilisk lauerte, was ihren Mangel an Vorsicht erklärte. Das gruseligste, was sie hier anzutreffen erwartete, waren Fledermäuse, Flüche oder ein verirrter Ghul, gewiss aber keine unbekannten Gesichter, die ihr im Schutz eines Seitengangs auflauerten und sie vermutlich in ebendiesem Moment beobachteten. So versuchte sie sich gar nicht erst an einem Revelio oder einem Cave inimicum — vermutlich wären ihr die Zauber ob ihres pochenden Herzens ohnehin nicht gelungen.
      Angespannt sah sie sich im runden Raum um. Der gepflasterte Boden war, anders als auf den Treppen, nicht mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Gabriels Spuren verliefen sich hier. Sie würde sich wohl oder übel für eine der Richtungen entscheiden und auf das Beste hoffen müssen.

      by Miss McShaw (jr.)
    • Kaum war sein vermeintlicher Verfolger zaghaften Schrittes am Ende der Treppe angekommen, ließ Azrael seinen Zauberstab erneut sinken. Von der Frau, die sich suchend in dem kreisrunden Raum umblickte, hatte er nichts zu befürchten. Natürlich, sie würde alles andere als erfreut sein, ihn hier anzutreffen - noch dazu in dieser Gestalt. Ob sie ihm darum gefolgt war? Um ihn vor seinem eigenen Leichtsinn zu bewahren und ihn dafür zu schelten, dass er sich über die Verbotsschilder hinweggesetzt hatte? Es würde ihn nicht überraschen.
      So verloren und verletzlich, wie sie nun allerdings aussah, tat Victoria ihm beinahe leid. Es war nicht seine Absicht gewesen, sie in eine derart verzwickte Situation zu bringen. Nein, er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihre Schwiegereltern abwimmeln und ihm in irgendeinen staubigen Keller folgen würde. Was hatte sie sich dabei gedacht? "Victoria?", er hatte sie lange genug aus den Schatten heraus beobachtet.
      Binnen einer Sekunde, dessen war er sich sicher, würde Victoria sich von einer verunsicherten Frau auf der Suche nach ihrem Geliebten in eine selbstbewusste Hexe auf dem Weg zu einem neuen Abenteuer verwandeln. Der Blick auf die Emotionen, die dieser Kellerraum tatsächlich in ihr auslöste, war Azrael nur einen Moment lang gewährt gewesen. Gleich würde Victoria eine der vielen Masken überstreifen, die sie so oft selbst in Gabriels Anwesenheit trug. Und auch, wenn er sich manchmal wünschte, sie würde nicht so hart mit sich sein, machte gerade die sture Stärke dieser Frau einen großen Teil ihres Reizes aus.
      Mit zwei großen Schritten trat Azrael zurück in den runden Raum. Das Licht der Fackeln warf einen grünlichen Schimmer auf sein Gesicht. Ob es ihn ebenso blass aussehen ließ wie Victoria? Ob sie ihn erkennen würde? Er stand ihr stumm gegenüber, ein Fremder, dem ihr Anblick vertrauter war als sein Spiegelbild. Was, so fragte er sich nicht ohne einen Hauch Neugier, würde sie nun tun? "Sagen Sie bloß, Sie spielen auch Verstecken mit dem Geistermädchen, junge Frau...?", die Situation war so absurd, Azrael konnte sich ein neckisches Lächeln nicht verkneifen.
      Nein, er hatte sie nicht in diese Sache mit hineinziehen wollen. Nun war er aber doch froh, dass sie es war, die ihm gefolgt war. Es war schön, sie hier zu haben - so würde die Erkundung dieses Kellers noch amüsanter werden.

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      - Terenz
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    • Welchen Weg er gewählt haben mochte? Gewiss hatte er sich kaum Gedanken darüber gemacht, welche Richtung er einschlagen wollte, sondern hatte einfach aus dem Bauch heraus entschieden. Sähe ihm ähnlich. Victoria blieb keine Zeit, eine Wahl zu treffen. Eine Stimme schnitt durch die dunkle Stille, die sie umgab.
      Was auch immer die Professorin hier unten anzutreffen erwartet hatte, darauf war sie nicht gefasst gewesen. Ihren eigenen Namen von den steinernen Wänden widerhallen zu hören, kam nicht gänzlich unerwartet zumal sie ihrem Liebhaber an diesen kuriosen Ort gefolgt war; die Tatsache, dass die Stimme einem Fremden gehörte, ließ jedoch alle Alarmglocken schrillen. Augenblicklich wirbelte sie herum, das Kinn gereckt und die ausgestreckte Zauberstabhand auf die Quelle des Geräusches gerichtet, Brust raus, Bauch rein, jede Faser ihres Körpers angespannt. Eine Defensiv-Körperhaltung wie sie im Buche stand, wie man es ihr vor all den Jahren im Verteidigung-gegen-die-dunklen-Künste-Unterricht beigebracht hatte. Die Kampfhaltung hatte sie perfektioniert, die Zauber weniger; aber das musste sie ihrem unbekannten Gegenüber nicht sofort auf die Nase binden. Offenbar kannte er sie, kannte ihren Namen. Hatte sich vermutlich ein Bild von Victoria Lestrange gemacht, ohne sie wirklich zu kennen. Ein Bild einer mächtigen Magierin, wollte sie hoffen, Großmeisterin im Zaubergamot und Professorin der Verwandlung. Ein Bild, an dem er auch so lange wie möglich festhalten sollte. Falls er es dennoch wagte, sie herauszufordern… Nun, sie würde sich schon zu helfen wissen. Wer brauchte schon Schildzauber, wenn er den Widersacher auch einfach in eine mickrige Kröte verwandeln könnte?
      Bevor sie den Feigling auffordern konnte, sich zu zeigen, trat er ins grünliche Licht der Fackeln. Victoria beobachtete jede seiner Bewegungen aus skeptisch verengten Augen. Nichts an dem Mann wirkte sonderlich vertrauenserweckend, weder sein straßenköterblondes Haar, das wohl seit Jahren keine Schere mehr gesehen hatte, noch die wild wuchernden Bartstoppeln. Die saloppe Art, wie er sie adressierte, trug nichts dazu bei, dass sie ihren Ersteindruck revidierte. Junge Frau. Pah! Machte er sich etwa über sie lustig? Was bildete der Kerl sich eigentlich ein? Sonderlich viel jünger als sie schien er zwar auch nicht zu sein — Obwohl, bei dem verlebten Gesicht, wer konnte sich da schon sicher sein? —, aber dass man sie schon seit eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr als jung betiteln konnte, war nur zu offensichtlich. Victoria verzog die Lippen, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Den Rest seiner Worte hatte sie entweder nicht gehört oder beschlossen, ihn zu ignorieren. Tatsächlich galt ihre Aufmerksamkeit schon lange nicht mehr dem Geistermädchen, das offenbar auch ihr Gegenüber in die Tiefen des Gemäuers gelotst hatte. Die Hexe konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier etwas ganz und gar seltsam war, doch es fiel ihr unnormal schwer, den Grund dafür auszuloten. Das schelmische Blitzen seiner Augen beispielsweise erschien ihr überraschend vertraut; umso befremdlicher wirkte das bohrende Blau derselbigen. Das fahle Licht machte es auch überaus schwierig, Details zu erkennen... doch es bedurfte keiner detaillierten Analyse, wie Victoria erkannte, als es ihr endlich wie Schuppen von den Augen fiel. Leichter wurde ihr dadurch jedoch nicht, ganz im Gegenteil. Voller Unglauben betrachtete die Dunkelhaarige sie — die Kleidung. Der Umhang, den der Blonde am Leibe trug, war der gleiche, in den Gabriel zuvor gehüllt gewesen war. Der gleiche... vielleicht sogar der exakt selbe? Würde sich jemand wirklich die Mühe machen, jemanden zu überwältigen, nur um sich dessen Kleidung anzueignen? Unmöglich erschien es nicht, wenn besagtes Gewand goldgesäumt und mit Perlen bestickt wäre, aber sonst? Eine andere Option, die ihr in den Sinn kam, erschien ihr jedoch nicht minder unwahrscheinlich. Sollte sich Gabriel extra die Mühe gemacht haben, sein Aussehen zu verändern, weshalb würde er dann so achtlos sein, den eigenen Umhang anzubehalten? Was ihr gelang, gelänge mit Sicherheit auch anderen, zumal er den Umhang schon im Atrium getragen hatte, für jedermann offen sichtbar... und die Schritte, die sie zuvor im Korridor gehört hatte, bewiesen eindeutig, dass sich auch andere in diese Teile der Villa verirrten, vielleicht sogar durch die Tür zum Untergeschoss, wenn sich das Geistermädchen wieder einen neuen Gefährten zum Versteckspiel suchte, wie ihr wertes Gegenüber es umschrieb.
      Ihr Argwohn war jedenfalls geweckt. Victoria dachte nicht im Traum daran, ihren Zauberstabarm zu senken. So freundlich ihr Ton auch sein mochte, so feindselig blieb ihre Körperhaltung. Zuckersüß, um die Abfälligkeit ihrer Worte zu übertünchen, fügte sie hinzu: „Sie sind mir gegenüber offensichtlich im Vorteil. Darf ich wissen, mit wem ich es zu tun habe?“

      by Miss McShaw (jr.)

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    • Tatsächlich nahm Victoria sofort eine bedrohliche Haltung ein, noch ehe Azrael überhaupt in ihr Blickfeld getreten war. Dabei war sie ihm absichtlich gefolgt. Sie rechnete damit, Gabriel Morgan hier unten anzutreffen - zumindest war er bisher davon ausgegangen. Dass sich Misstrauen in ihren Blick schlich, als die zwielichtige Gestalt Azraels ins Licht trat, erstaunte weniger. Victoria blieb stocksteif stehen, den Zauberstab erhoben, und nahm ihr Gegenüber in Augenschein. Azrael blieb zwar ebenfalls stehen, machte allerdings keinerlei Anstalten, seinerseits den Zauberstab zu zücken.
      Victoria sah aus, als würde sie ihn jede Sekunde in einen Frosch verwandeln.
      Eigentlich hatte er geglaubt, sie würde sein Spiel binnen weniger Augenblicke durchschauen. Sie hatte Gabriel hinter der Tür in Richtung Untergeschoss verschwinden sehen. Er trug noch immer die Kleidung des Krämers. Das zumindest hatte Victoria bemerkt, es war unverkennbar, sie starrte seinen Mantel an. Ob sie ihn nach Blutflecken absuchte? Bisher hatte er angenommen, seine Tochter habe Victoria erzählt, dass Gabriel sich hin und wieder das Aussehen eines anderen ausborgte, um sich frei und sicher in der Zaubererwelt bewegen zu können. Nachdem diese Praxis seiner Geliebten ebenfalls nicht fremd war und er ihr sogar einmal unter Zuhilfenahme des Vielsafttrankes geholfen hatte, sich eines ungeliebten Bekannten zu entledigen, war er davon ausgegangen, sie würde verstehen.
      Dem war nicht so. Vermutlich lag es an der Umgebung, an der Bedrohlichkeit dieses Kellers, am Lachen des Geistermädchens und ihrer eigenen Angespanntheit. "Mitnichten, meine Liebe. Wir sind einander wie immer ebenbürtig." Es schien, als müsse er ihr ein wenig auf die Sprünge helfen. Besser, er beeilte sich damit, ehe sie die Geduld verlor und einen Zauber auf ihn abfeuerte. "Ich bin es... Azrael."
      Gewiss, dieser Name war ihr bekannt. Er hatte ihr, als sie ihn noch in der Ferne glaubte, Briefe geschickt unter diesem Namen in der Absicht, einmal vorzufühlen, wie sie ihm gesonnen war. Victoria wusste auch, wie sehr ihn das Spiel mit den Buchstaben immer amüsiert hatte. Dass Gabriel gelegentlich noch auf seinen selbst kreierten Decknamen zurückgriff, ahnte sie wohl. Dass sich hinter diesem inzwischen ein Fremder verbarg, der ein eigenes Gesicht besaß, eine Stimme und der Teilen der magischen Bevölkerung durchaus ein Begriff war, das würde möglicherweise ein kleiner Schock für sie sein. Aber jede Lüge kam irgendwann ans Licht, das war Gabriel bewusst.
      Solange niemand außer seiner Familie von seiner zweiten Identität wusste, erfüllte Azrael nach wie vor seinen Zweck.

      Homo sum, humani nihil a me alienum puto
      .
      - Terenz
      Best before: 31.02.2032
    • Azrael. Der Name existierte auch jenseits pergamentener Briefseiten. Hier und heute manifestierte er sich vor ihr, in Fleisch und Blut. Azrael, der ihr bisher nur auf dem Papier erschienen war, besaß ein Gesicht, eine Stimme, eine Gestalt. Victoria wusste beim besten Willen nicht, was sie davon halten sollte. Einerseits schwappte Erleichterung über sie hinweg, als sich ihre Vermutung bestätigte und der potentiell bedrohliche Fremde, dem sie sich gegenübergeglaubt hatte, sich tatsächlich als Gabriel entpuppte. Andererseits bestätigte sich damit ein anderer Verdacht, den sie lange Zeit gehegt hatte, weggesperrt mit anderen Vermutungen, die sie ihrem Geliebten nicht zum Vorwurf machen wollte, ohne sich ihrer sicher zu sein. Allerdings hatte sie sich schon damals, als er seine Rückkunft per Eulenpost angekündigt hatte, gefragt, weshalb er ausgerechnet mit diesem Akronym unterzeichnete, wo sie seine Schrift doch aus tausenden heraus erkannt hätte. Und Leandra. Azrael hatte sie kontaktiert, hatte sich ihr gegenüber für einen Freund ihres Vaters ausgegeben. Ob er sich ihr je in dieser Gestalt gezeigt hatte? Oder ob Azrael für Leandra, wie auch für ihre Mutter, bloß ein gesichtsloses Gespenst gewesen war? War dieses nur eines von vielen Gesichtern oder schlüpfte er stets in denselben Körper? Wenn ja, wozu? Was verbarg er sonst noch vor ihr?
      Die unverhoffte Offenbarung warf unzählige Fragen auf, die nicht im Geringsten dazu beitrugen, Victorias Argwohn zu beschwichtigen. Alles, woran sie denken konnte, war der kleine William, dessen Risiko, ohne ein oder beide Elternteil(e) aufzuwachsen, sich mit einem Schlag verdoppelte: Vielleicht kehrte seine Mutter von einem ihrer Aufträge nicht wieder zurück, vielleicht verstarb sein Vater bei einer seiner halsbrecherischen Schatzsuchen. Vielleicht machte sie diese Befürchtung angesichts ihres Verhaltens in der Vergangenheit zur Heuchlerin. Seine Erkundungstouren hatte sie noch nie gut geheißen; dennoch konnte die Dunkelhaarige einfach nicht fassen, dass er seinen Kopf immer noch für wertlosen Tand riskierte, nach allem, was geschehen war. Wie konnten ihm halb verrottete Grabbeigaben bloß wichtiger sein als sein Leben und seine Familie? Der Schrecken vom letzten Mal hatte ihn kein Stück weiser gemacht. Ungläubig schüttelte Victoria den Kopf, betrachtete Azrael mit strengem, kalkulierendem Blick. Ließ ihn noch ein Weilchen zappeln. Dann, endlich, erbarmte sie sich und ließ ihre Zauberstabhand sinken. Ein verdrießliches Seufzen vermochte sich die Hexe allerdings nicht zu verkneifen. „Darüber reden wir noch“, versprach sie ihm in unheilverheißend ruhigem Ton. Vorerst galt es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Sie hatte ihn gefunden, sicher und wohlbehalten. Nun brauchten Victoria nur noch sichergehen, dass dies auch so blieb. „Komm, gehen wir zurück zur Versteigerung.“

      by Miss McShaw (jr.)
    • Das Geistermädchen sorgte für ein paar schauderlich anstrengende Momente, die seine Entscheidung, Kinder eher anderen Menschen zu gönnen und sich davon zu distanzieren, bekräftigte, ehe es dann doch das Weite suchte und die Treppen hinab gen Labyrinth huschte, das erst später in den Blick des Iren fallen sollte, der durch die Aktion etwas Zeit verloren hatte, weshalb sein Blick auch erst auf die Kleidung und das Antlitz des blonden Mannes fielen, als sich der runde Raum ab Treppenende eröffnete. Kurz zogen die Augenbrauen durch das Zusammenschieben eine Furche, als seine Iriden die Gestalt in den Blick nahm und zwischen ihm und der etwas auffälligeren Dame hin und her wanderten. Bewertungen und Ausführungen darüber, wo die Differenzen lagen, erübrigten sich hier aufgrund von Offensichtlichkeit. Ein sonderbares Bild.
      Christian selbst hatte sich noch keinen richtigen Reim darauf machen können, welches Anliegen die reifere Hexe hier unten verfolgte, doch diese kleine ‚Plauderei‘, von der er nur den Wunsch mitbekam, zur Versteigerung zurückzukehren – samt einem etwas auffälligem Duzen – wirkte beinahe etwas enttäuschend, ja fad, auch wenn er naiv handelte, sollte er den Tag sozusagen vor dem Abend loben und seine Bewertung nun schon abgeben.
      Anstatt sich zurück auf die Stufen zu bewegen und den Schatten auszunutzen, entschied sich der ire jedoch dafür, diese wenig spannend anmutende Unterredung zu unterbrechen, die eh so klang, als sei das Ende in Sicht. Ferner wäre ein ‚Verstecken‘ wohl kaum sinnvoll gewesen, sollten die beide nach der Mühe hier herunterzukommen gleich verschwinden wollen. „Sie werden wohl das zauberhafte Geschöpf bezirzen müssen, Ihnen das Verlassen dieser geheimen...‘Räumlichkeiten‘ zu gewähren“, war die erste Phrase, die in einem leichten Hallen aufgrund der besonderen Begebenheiten der runden Wände, an die beiden Sprechenden gerichtet war.
      Sein Blick verließ kurzerhand das Duo und fiel auf das, was sich hinter ihnen auftat: eine Vielzahl von Gängen, denen bedeutungsschwer eine Art Stille anhaftete, die Neugierde zu wecken vermochte. „Wenngleich ich bei Ihnen...“ Sein Blick fiel zurück auf Lestrange, ehe er den Satz einen vollständigen Sinn gab: „keinerlei Zweifel hinsichtlich Ihres Talents in diesen Dingen habe...“ Der Blick wanderte daraufhin vielsagender zu dem anderen Mann hin, wobei ein Schulterzucken nonverbal den Gedanken offenbarte, dass man wohl doch nicht alles vorhersehen konnte – vielleicht versteckte sich darunter ja ein Kinderfreund, ein Narr, etwas Ganz anderes oder einfach genau das, was man sah. „...muss ich Sie darüber in Kenntnis setzen, das das Gespenst die Gunst der Stunde genutzt hat, um die Gänge unsicher zu machen“ Eine kleine Bewegung mit dem Kinn deutete auf die Gänge zu. Dass sie nicht gerade am Ausgang wartete, um sich den Spaß nehmen zu lassen, zuzusehen, was in diesen allzu verlassenen Räumlichkeiten geschah, deren staubbefangener Zustand offenbarte, dass wohl noch niemand hier gewesen war, war offenkundig.
      Sie können ja gerne warten, wenn Sie so eilig zurück wollen...jedoch...?“ Doch wenn man einmal hier unten war, konnte man den Moment doch auch nutzen, nicht wahr? Immerhin legte sich ja niemand derartige Kammern unter dem Anwesen aus reiner Neigung und aus reinem Spaß an, oder? Ein Blick auf die etwas...zwielichtige...schäbig... – er konnte es nicht genau in Worte fassen – Gestalt vermochte ein kleines Schmunzeln auf seine Lippenpartie zu setzen. Irgendetwas sagte ihm, dass der Unbekannte der Neugierde an diesen Gängen wohl auch mehr frönte als der Versteigerung von Plunder und Ramsch.

      - der Baum und ihr Lieblings-Politiker! -
    • Azrael hatte keineswegs vor, seine Erkundungstour hier und jetzt, quasi gleich zu Beginn, aufzugeben. Obwohl Victorias Ankündigung, sie hätten noch etwas zu besprechen, ihn verunsicherte - nicht, dass er mit einer ernsten Unterredung nicht gerechnet hätte - war er gewillt, zumindest einen milden Protestversuch zu wagen. Wer wäre er denn, würde er sich stets von seiner Geliebten sagen lassen, wo er herumzuschnüffeln hatte und wo nicht? Gabriel wollte keinen Streit, doch Azrael brauchte seine Freiheit. Er liebte sie zu sehr.
      Noch während er Argumente sammelte, die Victoria überzeugen könnten, hier unten zu bleiben - die Aussicht auf uralte, quasi antike, wertvolle, kuriose, vielleicht sogar magische Objekte würde sie wenig reizen - erübrigte sich mit einem Mal jegliche Diskussion. Ein Mann, der ein Niemand gewesen war, als Armando Lestrange begraben worden war und dessen Gesicht inzwischen von jeder zweiten Tageszeitung grinste, betrat den runden Raum. Kavanagh. Christian Kavanagh. Azraels Gesicht musterte den Politiker und blieb dabei ausdruckslos. Wie sehr ihm dieser Typ zuwider war! Ihm war nicht zu trauen. Umso schlimmer, dass Isabella sich mit ihm eingelassen hatte. Was sie an Kavanagh fand, war Gabriel schon immer ein Rätsel gewesen.
      Dieser Mann war der erste gute, ja triftige Grund, diese Räumlichkeiten schnellstmöglich zu verlassen. Würden sie beide hier umkommen, niemand würde Gabriel Morgan vermissen - zumindest nicht schnell genug. Während Gabriel Williams lachendes Gesicht vor sich sah, war Azrael nicht gewillt, dem anderen die Schätze zu überlassen, die hier unten auf ihn warteten. Seine Schätze. Sie waren zu zweit, Victoria und er, zwei gegen einen. Kavanagh hatte keine Chance. Und wie ahnungslos er war... Er glaubte, Victoria habe mehr Geschick im Umgang mit Kindern. Welch vorauseilende Fehlannahme, nur aufgrund ihres Geschlechts.
      Azraels Lippen verformten sich zu jenem Grinsen, das eine perfekte Mischung aus Amüsement und Überheblichkeit war. "Ich denke, uns bleibt ein wenig Zeit, ehe deine Schwiegereltern dich vermissen - was meinst du, Victoria?", er warf ihr einen Blick zu, versuchte, von ihrem Gesicht abzulesen, wie sie die Situation einschätzte. Ohne offensichtliche Worte galt es nun, sich einen gemeinsamen Plan zurechtzulegen. Er wusste, wie sehr auch sie den schleimigen Minister verabscheute. Es konnte nicht in ihrem Sinne sein, ihn alleine hier unten herumschnüffeln zu lassen, zumal dieser Keller möglicherweise als Versteck schwarzmagischer Objekte diente. Niemand würde sich die Mühe machen, ein wenig Staub und Spinnweben mit einer magischen Tür zu sichern.
      Es blieben ihnen zwei Möglichkeiten: Hier bleiben, die Schätze vor Mr. Kavanagh finden und ihn möglicherweise ausschalten, oder aber umdrehen und dem Sicherheitspersonal melden, dass sich eine ziemlich prominente Person anscheinend in den Bereich hinter den Verbotsschildern verirrt hatte. Während Gabriel, der liebende Vater, hier einen Gewissenskonflikt verspürt hätte, stand für den Abenteurer Azrael außer Frage, was er wollte: "Wir werden den Herrn Minister hier unten doch nicht alleine lassen? Wer weiß, was die Familie Vanderbilt in ihrem Keller versteckt hält?"

      @Victoria Lestrange @Christian L. Kavanagh

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      - Terenz
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